Ahl as-Sunna wa al-Ğamāʻa

Aus WikiShia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ahl as-Sunna wa al-Ğamāʻa(arabisch: اَهْل‌ِ سُنَّت‌ْ وَ جَماعَت) ist die größte Gruppe (oder Religionsgemeinschaft) der Bevölkerungsmehrheit der Muslime, welche auch „Sunnī“ (Sunnite) oder „Ahl Tassanun“ (Sunniten) genannt werden. Die Ahl as-Sunna spaltet sich in mehrere Strömungen und Richtungen auf,die der Überzeugung sind , dass hinsichtlich der Nachfolge des Imam (als Ḫalifa des Propheten (s.))kein eindeutiger Vers und auch keine präzise Überlieferung vorliegen würde und dass die Ernennung des Kalifen und Imamen als Nachfolger des Propheten (s.) von der Entscheidung der Muslime abhängen würde . Mit Ausnahme der Län der Iran, Irak, Aserbaidschan, Bahrain und Libanon machen die Ahl as-Sunna in allen anderen islamischen Ländern die Mehrheit aus. Angesichts der Kontroverstheologie und der Rechtslehre gehen diese islamischen Konfessionen wiederum in diverse Richtungen und Konfessionen. Bezüglich der Rechtslehre existieren folgende sunnitische Strömungen: Hanafiten (Ḥanafīya), Anhänger von Abū Ḥanīfa, Malikiten (Mālikīya, Anhänger von Mālik ibn Anas, Schafiiten (Šāfiʻya), Anhänger von Muḥammad Idrīs Šāfiʻī; Hanbaliten (Ḥanbalīya), Anhänger von Aḥmad ibn Ḥanbal. Hinsichtlich ihrer Überzeugungen gliedert sich die Ahl as-Sunna wa al-Ğamāʻa in folgende Gruppen auf: Aschariten (Ašāʻira), Anhänger von Abulḥassan Ašʻarī; Ahl Ḥadīṯ, Anhänger von Aḥmad ibn Ḥanbal (der Salafismus gehört zu diesem Zweig); Muʻtazila, Anhänger von Wāṣil ibn ʻAṭā; Māturīdīya, Anhänger von Abu Manṣūr Māturīdī Samarqandī.

Der Begriff Ahl as-Sunna

Die wörtliche Bedeutung

Der Begriff Ahl as-Sunna besteht aus zwei arabischen Worten. Ahl bedeutet eine Gruppe von Personen, die gemeinsame Intressen vertreten, wie z.B. die Ahl al-Bait (a.), welche verwandschaftlich und als Ahl Islam durch den Glauben des Herzens miteinander verbunden sind.[1] Sunna bedeutet so etwas wie eine würdevolle und lobenswerte Handlungsweise.[2] Der Begriff Sunna erscheint in dem Qurʻān meistens mit einer positiven Bedeutung. Wie z.B. in der Sure Fāṭir Vers 43 heißt es „Doch wirst du keine Vertauschung finden in Gottes regelhaftem Tun und auch keine Abänderung“ (فَلَن تَجِدَ لِسُنَّتِ اللَّـهِ تَبْدِيلاً) (Sunna = Gottes regelhaftes Tun) oder in der Überlieferung „مَنْ سَنَّ سُنَّةً حَسَنَةً فَلَه أَجْرُهَا وأَجْرُ مَنْ عَمِلَ بِهَا إِلَى يَوْمِ الْقِيَامَةِ مِنْ غَيْرِ أَنْ يُنْقَصَ مِنْ أُجُورِهِمْ شَيْءٌ“[3]kommt Sunna auch in ihrer wortwörtlichen Bedeutung vor.

Die idiomatische Bedeutung

Sunna hat verschiedene idiomatische Bedeutungen:

  1. Bedeutung – mustaḥab (islamisch Empfohlenes); eine Tat, für deren Verrichtung man belohnt (Ṯawāb) oder eine Tat, die wenn sie vermieden wird keine Strafe (Iqāb) nach sich zieht.
  1. Eine Tat, die mit den von dem Besitzer der Šarīʻa (Gott) angeordneten Handlungen übereinstimmt . Dieser Begriff ist in diesem Sinne ein Antonym zu dem Wort Bidʻa (Neuerung in der islamischen Theologie und Jurisprudenz).
  1. Im ersten und zweiten Jahrhundert wurde diesem Begriff eine äußerst breite Bedeutungspallette zugeschrieben, allerdings bedeutete dieser zu jener Zeit die Werke des Propheten (s.), der Ṣaḥāba und der Tābiʻīn.
  1. Sunna bedeutet bei den Sunniten „das Wort, die Tat und das Schweigen des Propheten (s.)“ und bei den Schiiten „das Wort, die Tat und das Schweigen der Vierzehn Unfehlbaren (معصومین) ,welche die Quellen sind aus der die Scharia ihre erlassenen Urteile schöpft.
  1. Sunna bedeutet „die universalen und ewigen Wahrheiten“ oder „die ewige Weisheit“. Dieses Idiom kam erst im letzten Jahrhundert zustande und hat nichts mit der Ahl as-Sunna oder mit dem Islam zu tun.[4]

Historischer Hintergrund der Entstehung dieses Begriffes

Der historische Hintergrund der Entstehung des Begriffes Ahl as-Sunna ist etwas unklar. Einer Überlieferung von Ġazālī zufolge, welche er in seinem Buch Faḍāʻiḥ al-Bāṭinīya anführt, benutzte der Prophet (s.) hier zum ersten Mal diesen Begriff. In dieser Überlieferung wird erwähnt, dass das jüdische Volk sich in 71 Gruppen spaltete und die Gemeinde Jesu in 72. Meine Gemeinde wird sich auch in 71 Gruppen spalten, von denen, bis auf eine ,alle in die Hölle gehen. Es wurde gefragt, welche diese eine Gruppe denn wäre, die Rettung findet. Der Prophet (s.) antwortete: „Ahl as-Sunna wa al-Ğamāʻa. Dann folgte die Frage, wer sind die Ahl as-Sunna wa al-Ğamāʻa. Diejenigen, die meinem Weg und den meiner Gefährten (Ṣaḥāba) folgen.[5]

Von den Ṣaḥaba bis zu der Ahl as-Sunna

Die Tābiʻīn hielten die Ansichten der Ṣaḥāba für eine Quelle zur Lösung neuer Fragen und möglichen Unstimmigkeiten wobei für einige von der Tābiʻīn jeder einzelne der Ṣaḥāba eine Bezugsquelle war; wie z.B Ibn ʻAbbās in Mekka oder Ibn Masʻūd in der Stadt Kufa . Die Worte der ersten Generation der Tābiʻīn zusammen mit den Worten und Fatwas der Ṣaḥāba waren für die zweite Generation der Tābiʻīn und für die folgenden Generationen von großer Wichtigkeit. Diese Worte und Fatwas wurden mit „aṯar“ bezeichnet und hatten einen hohen Rang gleich nach den Überlieferungen des Propheten (s.). Zur Zeit der zweiten Generation der Tābiʻīn behandelte dieses aṯar die Tradition des Propheten (s.) und im zweiten Jahrhundert nach der Ḥiğra waren viele der Hadīṯ-Wissenschaftler (Muḥadiṯ) unter dem Titel „Aṣḥāb Aṯar“ bzw. „Aṣḥāb Āṯār“ bekannt. [6]

Im zweiten Jahrhundert verminderte sich die Maßgeblichkeit des „Aṯar“. Šafiʻī konnte mittels der Quellen ein methodisches System entwickeln und schrieb das Buch ar-Risāla. Er gründete eine Denkschule, welche sich überwiegend an den Überlieferungen orientierte und den Gedanken vertrat, die Überlieferungen des Propheten dienen der Interpretation der Äußerlichkeiten der Verse des Qurʻāns – nicht die der Ṣaḥāba und Tābiʻīn – und führte eine kurze Definition von der Sunna an und schloß dabei in dieser lediglich „das Wort, die Tat und das Schweigen des Propheten (s.)“ mit ein und die Worte der Ṣaḥāba und Tābiʻīn aus dieser aus. Nach dem Ereignis Miḥnat führte er die Ansichten der Ḥadīṯ-Wissenschaftler (Muḥadiṯīn), die der „Ahl as-Sunna“ angehörten und seine Gegner waren an und bezeichnete sie als die „Ahl Bidʻa“ (diejenigen, die Neuerungen in die Religion einführen).[7] Der Bezeichnung Ahl as-Sunna steht im Synonym zu dem Begriff Aṣḥāb Ḥadīṯ und mit der Reduzierung der von ihm angeführten Definition auf lediglich die Worte, Taten und das Schweigen des Propheten (s.) wurde allmählich der Begriff „Aṣḥāb Aṯar“ durch die Bezeichnungen „Aṣḥāb Ḥadīṯ“ und „Ahl Ḥadīṯ“ ersetzt. Die Rolle Aḥmad ibn Ḥanbals war in diesem Bereich eine noch größere. Er erklärte durch die Verfassung eines Kredos die Merkmale der Sunna. Er bezeichnete die Aṣḥāb Ḥadīṯ als die wahren Anhänger der Sunna (Handlungsweise, Tradition,...) des Propheten (s.) und die Muʻtazila, die Schiiten, die Charidschiten, die Murğiʻa und die Ğahmīya als diejenigen, die Neuerungen (welche den Grundlehren der Religion und der Sunna widersprechen) einführen. Seine Anhänger nannten sich Ahl as-Sunna, was dazu führte, dass dieser Begriff unter anderen ähnlichen Begriffen dominierte.[8]

Der Begriff Ahl as-Sunna ohne Al-Ğamāʻa

Wie bisher festgestellt wurde verbreitete sich der Begriff Ahl as-Sunna ohne den Begriff Al-Ğamāʻa Anfang des zweiten Jahrhunderts und auch ʻUmar ibn ʻAbdulʻazīz verwendete diesen Begriff in seiner Schrift, die er zur Widerlegung der Qadarīya verfasst hatte. An die Qadarīya (theologische Strömung des Islam, die als Lehre des Freien Willen bekannt ist) schreibt er: „wa qad ʻalimtum anna ahl as-Sunna kānū yaqūlūn: al-ʻItiṣām bi s-Sunnati nağātu wa sayaqbaẓ al-ʻIlmu qabẓan sarīʻan: Wisst Ihr, dass die Ahl as-Sunna sagten, das Festhalten an der Sunna ist die Rettung und Wissenschaft und dergleichen soll abgeschafft werden“.


Die Inklusion des Begriffs Ahl as-Sunna

Der Begriff Ahl as-Sunna wa al-Ğamāʻa also zusammen mit dem Wort Sunna schließt die Konfessionen von der Mehrheit aus, die der Sunna widersprechende Neuerungen in die Religion einführten und mit dem Wort Ğamāʻa (die Konfessionen der Ausgetretenen) ist allerdings zu beachten, dass hier mit Sunna und Bidʻa (Neuerung) die Bedeutung gemeint ist, welche von der Mehrheit ausgelegt wurde. Innerhalb der islamischen Geschichte gibt es keine Gruppe von Muslimen, welche die Abweichung von der Sunna und die Tendenz zur Bidʻa (im Widerspruch zu der Sunna stehende Neuerungen in der Theologie und Jurisprudenz) für sich beanspruchte und für etwas gutes hielt.


Die Ausschließung der Schia und Ibaditen

Heute sind es lediglich die Schia und die Ibaditen, welche als eine muslimische Gruppe aus dem Begriff Ahl as-Sunna wa al-Ğamāʻa ausgenommen werden, aber in historischer Hinsicht sollte daran erinnert werden, dass die Mehrheit der Muslime einige kontroverstheologische Zweige des Islam wie die Muʻtazila und die Murğiʻa ebenfalls nicht zu der Ahl as-Sunna wa al-Ğamāʻa zählen.


Der Unterschied der Ahl as-Sunna wa al-Ğamāʻa bezüglich der Legimitation des Kalifats

Bei einer Bestimmung der historischen Grenzen zwischen der Ahl as-Sunna und anderen konfessionellen Gruppen müssen viele Punkte beachtet werden, vorallem, wenn man diese Gruppen in der Gegenwart voneinander unterscheiden möchte , so müsste man zuerst die Ansichten der verschiedenen Konfessionen bezüglich der ersten Kalifen kennenlernen. Trotz der unterschiedlichen Zweige innerhalb des Spektrums der Ahl as-Sunna wa al-Ğamāʻa sind sich alle hinsichtlich der Legitimation des Kalifats der ersten vier Kalifen einig. Währenddessen die Schiiten – insbesondere die Imamiten und IsmailitenImam ʻAlī (a.) als den unmittelbaren Nachfolger des Propheten (s.) ansehen und die Ibaditen das Kalifat des ʻUṯmān und von ʻAlī (a.) anfechten. Die Zaiditen sind ein weiterer Zweig der Schia, die sich mehr als alle anderen dieser Konfession angehörigen Gruppen, der Ahl as-Sunna wa al-Ğamāʻa annäherten, auch wenn sich einige aufgrund ihrer Ansichten bezüglich des Imāma von den Sunniten unterscheiden.


Die sunnitischen Rechtsschulen

Die Quellen der islamischen Rechstwissenschaft


Unter den verschiedenen Konfessionen der Ahl as-Sunna war die hanafitische, die mālikītische, die schafiitische und die ḥanbalitische in der islamischen Geschichte bedeutender und haben heute eine große Anhängerschaft unter der Ahl as-Sunna wa al-Ğamāʻa. Die Awzāʻī, Sufīyān Ṯūrī, Abūṯūr und Ẓāhirī sind weitere Konfessionen, von denen jedoch nur noch wenige Schriften übrig geblieben sind und die jetzt der Vergangenheit angehören. Die Konfession Ẓāhirī zieht heute nur sehr wenig Aufmerksamkeit auf sich. Mehr Beachtung sollten die reformierenden Bewegungen in der sunnitischen Rechtslehre finden, die eine direkte Auslegung der Textquellen für die Erläuterung der islamischen Gesetze anstreben und eine Zugehörigkeit zu den vier Rechtsschulen zurückweisen.


Malikiten

Die Malikiten gehören einer der sunnitischen Rechtsschulen an und befolgen Abū ʻAbullah Mālik ibn Anas. Er wurde in den Jahren zwischen 90 bis 95 n.H in der Stadt Medina geboren und starb in den Jahren zwischen 174 und 179 n.H. Er wurde auch Imam Dār-ul-Huğra oder Imam al-Madīna genannt. Die malikitische Rechtsschule entstand in Medina und zwar in ḥadīṯīscher Richtung im Gegensatz zu der Ahl Raʻy.


Gelehrte

ʻAbdullah ibn Hurmuz Aʻrağ, Nāfiʻ Mawlā ʻAbdullah ibn ʻUmar, Muḥammad ibn Muslim ibn Šahāb Zahrī, Rabīʻa ibn ʻAbdūrraḥmān, Muḥammad ibn Munkadir, Abūlzinād ʻAbdūllah ibn Zakwān, ʻAbdūrraḥmān ibn Qāsim, Ayūb Saḫarīyānī, Muḥammad ibn ʻAbdūrraḥmān ibn Nūfil Madanī, Yaḥyā ibn Saʻīd Anṣārī, Zeyd ibn Aslam zählen zu den großen Gelehrten der malikitischen Rechtsschule.[9]Die Grundprinzipien dieser Konfession sind folgende: Qurʻān, die Sunna des Propheten (s.), Worte der Ṣaḥāba – bei fehlender Überlieferung des Propheten (s.), Maṣāliḥ Mursala, Analogieschluss (Qiyās), Sad Ḏarāyiʻ, Iğmāʻ (Konsensus), ʻUrf (Gewohnheitsrecht), Istiḥsān (Gutdünken, Für-Gut-Halten) und Iistiṣḥāb. [10]

Werke

Al-Muwaṭṭa ist das wichtigste Werk von Mālik ibn Anas, welches Überlieferungen und Themen der islamischen Rechtslehre zum Inhalt hat und die erstwichtigste Quelle der Malikiten ist. Ein Großteil der malikitischen Schriften sind im Grunde genommen Erklärungen zu Al-Muwaṭṭa, einige Beispiele: At-Tamhīd limā fī Al-Muwaṭṭa min al-Maʻānī wa al-Asānīd von Ibn ʻAbdūlbir Andilūsī, Al-Istiḏkār al-Ğāmiʻ li Mazāhib Fuqahāʻ al-Miṣār fīmā Taḍminhu Al-Muwaṭṭa min Maʻānī ar-Ray wa al-Āṯār von Ibn ʻAbdūlbir, Al-Muntaqī von ibn al-Walīd Bāğī, Tanwīr Al-Ḥawālik ʻalā Muwaṭṭa Mālik von Ğalāl-ud-Dīn Suyūṭī, Erklärung von Az-Zarqānī zu Al-Muwaṭṭa Al-Imām Mālik Muḥammad ibn ʻAbdūlbāqī Zarqānī. Unter den anderen bedeutenden Büchern der Malikiten, welche im 3. Jahrhundert n.H verfasst wurden ist die Uṣūl wa Ummahāt bekannt; wobei Al-Wāḍiḥa von ʻAbdulmalik ibn Ḥabīb, Al-Mustaḫriğat Al-ʻAtībat ʻalā Al-Muwaṭṭa Muḥammad ʻAtabī, Al-Muwāzinat von Ibn Al-Mawāz ebenfalls einige dieser Schriften sind. Lapidare Werke wie die Monografie des Ibn Abī Zeyd Al-Qīrawānī, die Zusammenfassung von Šaiḫ Ḫalīl wurden in Bezug auf die malikitische Rechtslehre geschrieben. Dazu gab es auch viele Kommentare , darunter der Kommentar von Aḥmad ʻĪsā Barzūq zu der Monografie von Qirwānī, der Kommentar von Aš-Šarḥ al-Kabīr zu der Zusammenfassung von Sayyidī Ḫalīl von Dardīd und der Kommentar von Dasūqī zu Aš-Šarḥ al-Kabīr. [11]


Hanafiten

Es ist die größte islamische Konfession. Der Imam dieser Glaubensrichtung ist Abū Ḥanīfa Nuʻmān ibn Ṯābit. Er gründete seine Rechtsschule auf der Basis des Qurʻān, der Sunna des Propheten (s.), die Worte der Ṣaḥāba, des Qiyās (Analogieschluss), des Istiḥsān (Gutdünken, Für-Gut-Halten) und Iğmāʻ (Konsensus) sowie ʻUrf (Gewohnheitsrecht). Einige glauben, er klammere sich an Qiyās , weil er nicht genug authentische Überlieferungen besäße. [12]

Werke

Die Bücher von Muḥammad ibn Ḥasan Šeybānī (geboren 189 n.H.) gelten als die wichtigste Quelle der hanfitischen Rechtslehre. Wobei Al-Mabsūṭ Abūbakr Saraḫsī, Tuḥfat al-Fuqahāʻ ʻAlāʻ ad-Dīn Samarqandī, Bidāyaʻ aš-Šarāyiʻ Kāšānī, Muḫtaṣar al-Qadūrī Abūlāassan Qadūrī, Al-Wiqāyaʻ li Burhān aš-Šarīʻat Muḥammad ibn Aḥmad, Al-Muḫjār Abūlfaḍl Mūṣilī, Mağmaʻ al-Baḥrain ibn Sāʻātī, Kanz ad-Daqāyiq Nasafī zu den wichtigsten Büchern bezüglich der hanafitischen Rechtslehre gehören.[13]


Schafiiten

Abū ʻAbdullah Muḥammad Idrīs aš-Šāfiʻī ist der Gründer dieser Rechtsschule. Er wurde in den Jahren zwischen 146 bis 150 n.H. in Gaza geboren und starb 204 n.H. Er eignete sich die Kenntnisse von Mālik ibn Anas und seinem Schüler Muḥammad ibn Ḥassan Šeybānī an. Die Prinzipien, auf der die schafiitische Konfession beruht sind der Qurʻān und die Sunna des Propheten (s.), Iğmāʻ und Qiyās.[14] Mit der Kombination der hanafitischen Konfession im Zusammenhang mit der malikitischen etablierte er eine neue Form, in welche auch Überlieferungen mit herangezogen werden. Šāfiʻī schrieb in der Regierungszeit des Kalifen Amīn ʻAbbāsī im Irak ein Buch mit dem Titel „Ḥuğğat“, was jetzt schon sehr alt ist. Einige Jahre später veröffentlichte er in Ägypten seine neuen Ansichten in einer Schrift, welche unter dem Namen „Qawl Ğadīd“ bekannt wurde. Alle seine Ansichten wurden in dem Buch „Al-Umma“ zusammengestellt. Als Ṣalāḥ-ud-Dīn Ayūbī Ägypten eroberte, verbreitete sich dort die schafiitische Rechtslehre.[15]

Werke

Das Buch Al-Umm ist das wichtigste Buch im Bereich der schafiitischen Rechtslehre, welches alle Themen dieser Disziplin umfasst. Die Zusammenfassung von Mazanī abī Ibrāhīm Ismāʻīl Mazanī, Al-Muhazab von Abī Isḥāq Ibrāhīm ibn ʻAlī Šīrāzī, Al-Mağmūʻ von Nawawī als Kommentar zu dem Buch Al-Muhazab, At-Tanbīh fī Furūʻ aš-Šāfiʻīya und viele dazu geschriebene Kommentare, Nahāya al-Maṭlab fī Dirāya al-Maḏhab von ʻAbdūlmalik al-Ğuwīnī, Al-Basīṭ fī Furūʻ al-Fiqh von Abī Ḥāmid Ġazālī, Al-Wağīz fī Fiqh al-Imām aš-Šāfiʻī, Al-Muḥrar Abī Qāsim ʻAbdulkarīm Rāfiʻī und viele dazu verfasste Kommentare wie z.B. Kašf Ad-Durar als Kommentar zu dem Buch Al-Muḥrar von Šahāb ad-Dīn Ḥaṣafkī und noch weitere andere zählen zu den wichtigen Werken der schafiitischen Rechtslehre.[16]

Hanbaliten

Aḥmad ibn Muḥammad ibn Ḥanbal (164 – 241 n.H.) gründete diese Konfession wobei er zu den großen Ḥadīṯwissenschaftlern der Ahl as-Sunna gehörte. Umstritten ist jedoch, ob er nach seinem eigenen Verständnis genau wie ein Muğtahid eine Fatwa erlassen konnte oder es vermied und nur gemäß der Überlieferungen handelte und dass es seine Schüler waren, die seine Ansichten verbreiteten.[17]


Ibn Qayim Ğūzīya, ein Anhänger Aḥmad ibn Ḥanbalʻs, fasste die Prinzipien und die Quellen der hanbalitischen Rechtslehre in fünf Kategorien zusammen: die Textquellen, die Fatawas... der Ṣaḥāba, das Bevorzugen der Fatwa, welche bei einer Unstimmigkeit zwischen den anderen Fatāwas mit dem Qurʻān und der Sunna mehr übereinstimmt, die Bezugnahme auf Überlieferungen die mursal (unvöllständig bezüglich der Überliefererkette) oder ḍaʻīf (schwach, zweifelhafte Authentizität)sind aber nur im Falle es liegt keine authentische und korrekte Überlieferung vor, die Anwendung des Analogieschlusses (Qiyās) bei fehlender Überlieferung und dem Nichtvorhandensein der Äußerungen der Ṣaḥāba. Bei diesen fünf Prinzipien zeigt die Folge der Aufzählung die Vorrangigkeit dieser .[18] Einige seiner Zeitgenossen behauptete, dass er sich bei der Auslegung auf acht Quellen beziehe: der Qurʻān, die Sunna, die Fatāwā der Ṣaḥāba, Iğmāʻ, Qiyās, Istiṣḥāb, Maṣāliḥ Mursala und Sad Ḏarāyiʻ.[19]

Werke

Das Buch Al-Musnad von Aḥmad ibn Ḥanbal gehört zu den wichtigsten Büchern unter den Hanbaliten. Er besitzt kein spezielles Buch im Bereich der islamischen Rechtslehre. Seine Schüler und die hanbalitischen Rechtsgelehrten entnahmen seine Ansichten aus seinen Werken und stellten sie zusammen. Die Zusammenfassung von Ḫurfī abī al-Qāsim unter dem Titel ʻUmar Ḫurfī ist das erste Buch, welches im Bereich der hanbalitischen Rechtslehre geschrieben wurde und zu dem es viele Kommentare gibt, davon ist der Kommentar von Muġnī ibn Qidāma der wichtigste. At-Taḏkara von Abī al-Wafāʻ Baġdādī, Al-Hidāya von Abī Al-Ḫaṭāb Kulūḏānī, Al-Mustawʻī von Muḥammad ibn ʻAbdullah Sāmirī, Al-Muḥrar Mağd-ud-Dīn abī al-Barakāt ibn Teymīya und viele dazu gehörige Kommentare und die Al-Fatāwī Ibn Teymīya etc. zählen zu den wichtigen Werken der hanbalitischen Rechtslehre.[20]

Theologische Konfessionen

Hinsichtlich der Glaubensprinzipien verteilt sich die Ahl as-Sunna wa al-Ğamāʻa mit ihren Formunterschieden in einem Spektrum hinreichend von Ašʻarīya bis Salafīya. Diese Unterschiede kamen deswegen zustande , weil ein Teil der Gelehrten hinsichtlich der Glaubensdiskurse einen kontroverstheologischen und argumentativen Weg einschlagen wollte, während andere zugrunde legten, dass das Gelangen an den wahrhaftigen Glauben davon abhängt, die Textquellen zu akzeptieren und der Praxis der Salaf (die Ṣaḥāba und die Tābiʻīn) zu folgen, in dem kontroverstheologische Diskussionen vermieden werden. Eine spezielle Art der Glaubensrichtung der Ahl as-Sunna wa al-Ğamāʻa, welche in der Geschichte im Osten des Islamischen Reiches lange existierte, war die hanafitische Schule der Ahl as-Sunna wa al-Ğamāʻa und ihre kontroverstheologische Form, die Konfession der Māturīdīa.


Māturīdīya

Hauptartikel: Māturīdīya

Die Anhänger von Abū Manṣūr Māturīdī, welche im Bereich der Rechtslehre Abū Ḥanīfa folgen, wurden bezüglich ihrer kontroverstheologischen Ansichten von ihm beinflußt. Māturīdīya startete im Grunde genommen einen Versuch, Muʻtazila und Ahl al-Ḥadīṯ aneinanderzufügen, wobei bei kontroverstheologischen Argumentationen Wert auf den Verstand gelegt wird.Er bedient sich aber auch durch den Qurʻān und durch die Überlieferungen. Seine theologische Sichtweise basiert auf das Bestreiten jeder Art von Unvollständigkeit und die Abhängigkeit von Gott. Einige sehen keinen Unterschied zwischen der Māturīdīya und der Ašāʻira, während andere Forscher die Ansichten und die kontroverstheologische Methodik der beiden von einander trennen. Abūzuhra sagt: „Bei der ašʻaritischen Methode hat der Verstand eine ganz bedeutende dominierende Stellung. Die Ašāʻira jedoch halten sich an die Schriften und bestätigen ihre Inhalte verstandesgemäß. Ašāʻira steht zwischen der Ahl al-Ḥadīṯ und der Muʻtazila und die Māturīdīya zwischen der Ašāʻira und der Muʻtazila.“


Ašʻarī

Hauptartikel: Ašāʻira

Einige der Ahl as-Sunna lehnen das Imāma ab und versuchen den Traditionalismus der Ahl al-Ḥadīṯ und den Rationalismus der Muʻtazila zu vereinen – sie tendieren selbst mehr in Richtung des Traditionalismus da sie glauben,dass Gottes Eigenschaften außerhalb seines Wesens bestehen und es seine Worte seit eh und je gab.


Ahl al-Ḥadīṯ

Hauptartikel: Aṣḥāb al-Ḥadīṯ

Die Ahl al-Ḥadīṯ nimmt ihre Rechtsgesetze und Glaubensprinzipien aus den Überlieferungen. Sie tun sich mit der Kontroverstheologie, Logik, Qiyās, Raʻy und im Allgemeinen mit der Rationalität schwer.[21] Die Rechtsgelehrten von Ḥiğāz wie Mālik ibn Anas und Šāfiʻī sowie Rechtsgelehrte anderer Gebiete wie Sufīyān Ṯūrī, Aḥmad ibn Ḥanbal, Buḫārī etc. zählen jeweils hinsichtlich eines Aspektes zu der Aṣḥāb al-Ḥadīṯ. Sie beschäftigten sich gewöhnlich nicht mit kontroverstheologischen Thematiken. Aḥmad ibn Ḥanbal verfasste im Bereich der Glaubensartikel einige Prinzipien.[22]

Muʻtazila

Hauptartikel: Muʻtazila

Die Muʻtazila gehört zu den Hauptströmungen der sunnitschen Kontroverstheologie. Im Gegensatz zu der Ahl al-Ḥadīṯ, welche sowie vertrauliche Überlieferungen des Propheten (s.) und der Ṣaḥāba als auch gefälschte in Betracht zieht, sehen die Muʻtazila den Verstand alleine für die Befolgung des wahren Islam als genügend an. Manchmal vermischten sie philosophische Ansichten mit der Religion. Später kamen die Ašāʻira auf und ersetzten die Ahl al-Ḥadīṯ. Ašāʻira könnte man als die Vereinigung der Muʻtazila und der Ahl al-Ḥadīṯ betrachten, obwohl sie die Glaubensprinzipien der Muʻtazila ablehnen.

Die Muʻtazila fokussierten dermaßen auf die Rationalität, dass sie entgegen vieler Rechtsgelehrten, welche die Überlieferungen als absolut ansehen, glaubten, bei einer Nichtübereinstimmung zwischen der Überlieferung und dem Verstand, der Verstand den Vorrang habe. Die Verhaltensweisen und Äußerungen der Ṣaḥāba galten für sie als nicht absolut und verpflichtend. Aber die wesentlichste und gleichzeitig umstrittenste Stellungnahme der Muʻtazila war diesbezüglich die Frage, ist der Qurʻān ein Geschöpf oder nicht.


Wahhabismus

Hauptartikel: Wahhabismus

Die Wahhabiten sind die Anhänger des Muḥammad ibn ʻAbdūl al-Wahāb, welcher Ende des zwölften Jahrhunderts n.H. das Gedankengut des Ibn Teymīya verbreitete. Die Glaubensprinzipien der Wahhabiten lassen sich in folgende zusammenfassen:

  • Die Überzeugung, dass die Mittlerschaft zwischen einem Geschöpf und seinem Gott mit der Einheit Gottes in seiner Gottheit nicht übereinstimmt.
  • Die Mušrikīn zur Zeit des Propheten (s.) waren betreffend der Gottheit Gottes keine Polytheisten. Obwohl die Götzenanbeter eine Nähe zu Gott suchten und ihre Götzen als Mittlerschaft zu Gott ansahen, betrachtete der Qurʻān ihre Handlung als širk, also eine Beigesellung Gottes durch andere Gottheiten .
  • Jede Handlung, welche den Handlungen der Mušrikīn zur Zeit des Propheten (s.) ähnelt, wie Istiġāṯa (Anflehen) und die Hilfesuche bei anderen Wesen außer Gott und das Bitten um eine Mittlerschaft von Wesen außer Gott ist eine Beigeselligung.
  • Die Schiiten sind Abtrünnige.
  • Die Širk der Muslime ist größer als der Širk der Ungläubigen zur Zeit des Propheten (s.).


Quellenverzeichnis

  • Kāẓem Modīr Šāne Čī, Geschichte der Rechtslehre der islamischen Konfessionen, Būstān Ketāb, Qum, 2010.
  • Einblick in die Islamischen Konfessionen, Abteilung für die Verfassung von Schulbüchern der Theologie-Schulen außerhalb des Landes, 1999.
  • Eingang Ahl as-Sunna wa al-Ğamāʻa, Große Islamischen Enzyklopädie, B. 10.
  • Ibn Isḥāq, Muḥammad, Al-Kāfī, Dār al-Kitāb al-Islāmīya, 1988.
  • Reḍā Berenğkār, Einblick in die islamischen Konfessionen, Ketāb Ṭāhā, Qum
  • Muḥammad Salām Madkūr, Mināhiğ al-Iğtihād fī al-Islām fī al-Aḥkām al-Fiqhīya wa al-ʻAqāʻidīya, Ğāmiʻa al-Kuweit, Kuweit, 1977

Fußnoten

  1. Mufradāt Rāġib, Mādda Ahl
  2. Lisān al-ʻArab, B. 13, Mādda Sunna
  3. Kuleinī, Al-Kāfī, B. 5, S. 10
  4. Einblick in die sunnitischen Glaubensrichtungen, S. 35, Enzyklopädie der persichen Sprache, Maṣāḥib, unter dem Kapitel Sunna
  5. Ġazālī, Faḍāʻiḥ al-Bāṭinīya, S. 77, 78
  6. Einblick in die sunnitischen Glaubensrichtungen , B. 36
  7. Einblick in die sunnitischen Glaubensrichtungen, B. 36 - 37
  8. Einblick in die sunnitischen Glaubensrichtungen,B. 38
  9. Al-Maḏāhib al-Islāmīya al-Ḫamsa, S. 376
  10. Manāhiğ al-Iğtihād fī al-Islām, S. 613 – 616
  11. Einblick in die sunnitischen Glaubensrichtungen, S. 196; Über die Verbreitung der malikitischen Konfession siehe: Abūzuhra, Mālīk Ḥayātihi wa ʻAṣrihi, Ārāʻuhu wa Fiqhuhu, ab Seite 364
  12. Tārīḫ Baġdād, B. 13, S. 368
  13. Einblick in sunnitische Glaubensrichtungen, S. 194
  14. Über die Prinzipien der schafiitischen Konfession, siehe: ʻAbdūssalām, Al-Imām Šāfiʻī, S. 207 - 242
  15. Einleitung des Ibn Ḫaldūn, S. 415
  16. Naḥrāwī, Al-Imām aš-Šāfiʻī fī Mazhabīya al-Qadīm wa al-Ğadīd, S. 703 – 6217, ausführliche Bibliografie der islamischen Konfessionen, S. 89 - 113
  17. Abū Ḥabīb, Aḥmad ibn Āanbal as-Sīrat wa al-Mazhab, S. 57 – 69; Einblick in die sunnitischen Glaubensrichtungen, S. 199
  18. Aʻlām al-Muqiʻīn, B. 1, S. 33; Einblick in die sunnitischen Glaubensrichtungen, S. 200
  19. Aḥmad Firāğ Ḥussein, Tārīḫ al-Figh al-Islāmīya, S. 38
  20. Manāhiğ al-Iğtihād fī al-Islām, S. 787; ausführliche Bibliogafie der islamischen Konfessionen, S. 113 - 137
  21. Einblick in die sunnitischen Glaubensrichtungen, S. 91
  22. Einblick in die sunnitischen Glaubensrichtungen, S. 92