Die Arbaʿīn Prozession

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Die Arbaʿīnprozession (Arabisch: مسیرة الأربعین, Persisch: راهپیمایی اربعین) ist die Pilgerreise schiitischer Gläubiger zur Stadt Kerbala im Irak, in der Imam Husain (a.), der Enkelsohn des Propheten Muhammad (s.) im Jahre 61 nach der Hijra zum Märtyrer wurde. Die Pilgerreise findet ihren Höhepunkt am vierzigsten Todestag (أربعین / Arbaʿin: vierzig) Imam Husains (a.), an dem sich alle Pilger in der Stadt versammeln und um den Märtyrer trauern. Jedes Jahr nehmen Millionen von Pilgern aus dem Irak und allen Teilen der Welt an dieser Prozession teil.

Überlieferung über die Arbaʿīn Prozession

In Tahḏīb al-Aḥkām von Sheikh aṭ-Ṭūsī wird von Imam Hassan al-ʿAskarī (a.) überliefert, dass er sagte:

وَ رُوِيَ عَنْ أَبِي مُحَمَّدٍ الْحَسَنِ الْعَسْكَرِيِّ ع أَنَّهُ قَالَ: عَلَامَاتُ الْمُؤْمِنِ خَمْسٌ صَلَاةُ الْخَمْسِينَ وَ زِيَارَةُ الْأَرْبَعِينَ وَ التَّخَتُّمُ فِي الْيَمِينِ وَ تَعْفِيرُ الْجَبِينِ وَ الْجَهْرُ بِ بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمنِ الرَّحِيمِ

„Die Zeichen eines Gläubigen sind fünf: Die fünf täglichen Gebete, Ziyarat ul-Arbaʿīn (Pilgerfahrt zum vierzigsten Todestag zum Grab Imam Husains (a.)), das Tragen eines Ringes an der rechten Hand, das Legen der Stirn auf Erde während des Gebets und das laute Rezitieren von Bismillah ir-Raḥmān ir-Raḥīm.“

Ebenfalls Überliefert wird in Sheikh Ḥurr ʿĀmilīs Wasāʾil al-Shiʿa von Imam al-Ṣadiq (a.):

قَالَ لِي أَبُو عَبْدِ اللَّهِ ع‏ يَا حُسَيْنُ مَنْ خَرَجَ مِنْ مَنْزِلِهِ يُرِيدُ زِيَارَةَ الْحُسَيْنِ بْنِ عَلِيِّ بْنِ أَبِي طَالِبٍ ع- إِنْ‏ كَانَ‏ مَاشِياً كَتَبَ اللَّهُ لَهُ بِكُلِّ خُطْوَةٍ حَسَنَةً وَ حَطَّ بِهَا عَنْهُ سَيِّئَةً

„Derjenige, der zu Fuß sein Haus verlässt um Husain ibn Ali ibn Abi Talib zu besuchen, dem schreibt Gott mit jedem Schritt eine gute Tat zu und löscht mit jedem Schritt eine seiner Sünden.“

Der Gruß, den man an Imam Husain (a.) an seinem vierzigsten Todestag richtet wurde vom Imam al-Ṣādiq (a.) überliefert. Der Gruß ist in Sheikh ʿAbbās Qummīs Mafātīḥ ul-Ǧinān im dritten Kapitel zu finden. Ein vierzigster Trauertag wurde außer für Imam Husain (a.) über keinen anderen Maʿsūm überliefert.

Geschichte der Arbaʿīn Prozession

Qāḍī Ṭabāṭabāī schrieb in seiner Schrift über Forschung über die erste Arabʿīnprozession, dass schiitische Gläubige die Pilgerreise während der Zeit der unfehlbaren Imame (a.) unternommen haben. Auch während der Zeit der Umayyaden und der Abbasiden pilgerten schiitische Gläubige zum vierzigsten Todestag Imam Husains (a.) nach Kerbala. Qāḍī Ṭabāṭabāī wertete diese Prozession als eine Tradition, die im Laufe der Geschichte von Schiiten durchgehend fortgeführt wurde.

Im Buch Adab aṭ-Ṭaf (1967) berichtet der Autor, dass zu jener Zeit mehr als eine Million Pilger aus verschiedenen Teilen der islamischen Welt an den Trauerzügen von Arbaʿīn in Kerbala teilnahmen und Gedichte auf Türkisch, Arabisch, Persisch und Urdu vorgetrugen.

Während der Diktatur Saddam Husseins war es den Gläubigen verboten die Pilgerreise nach Kerbala zu unternehmen und Pilger waren gezwungen, eine gefährliche und heimliche Reise nach Kerbala zu unternehmen. Mit dem Sturz Saddam Husseins pilgerten im Jahr 2003 zum ersten Mal wieder bis zu einer Million Pilger nach Kerbala; Die Anzahl der Pilger steigt Jahr für Jahr (2014 mehr als 16 Millionen). 2015 gaben die irakischen Behörden bekannt, dass mehr als 20 Millionen Pilger nach Kerbala pilgerten, von denen mehr als eine Million Pilger aus dem Ausland kamen.

Der Weg nach Kerbala

Irakische Pilger pilgern von ihren Heimatstätten aus direkt nach Kerbala. Ausländische Pilger hingegen beginnen ihre Pilgerreise von der heiligen Stadt Nadschaf aus, wo sich die Grabstätte Imam Alis (a.) befindet und ebenfalls weitere wichtige Pilgerstätte der Schiiten ist. Nadschaf befindet sich ungefähr 80 Kilometer südlich von Kerbala. Die Pilger legen diese 80 Kilometer generell zu Fuß zurück und werden auf dem Weg durchgehend von den Einheimischen mit Nahrung, Getränken, Entspannungs- und Schlafgelegenheiten versorgt.