Fadak

Aus WikiShia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Fadak (arabisch: فدک) ist ein Gebiet im Ḥjǧāz, Saudi Arabien, mit üppigen Gärten und Dattelpalmen. Es ging nach dem Heiligen Krieg von Ḫaibar in den Besitz der Muslime über.

Nach dem Tode des Propheten Muḥammad (s.) stritten Abū Bakr und Fāṭima az-Zahrāʾ(s.) um den rechtmäßigen Besitzanspruch des Gebietes Fadak. Diese Angelegenheit ging in die Geschichte ein. Historischen Berichten zufolge wurde Fadak bzw. die Hälfte der Gärten und der Felder, nach dem die Ḫaibar Burgen von den Muslimen erobert worden waren und ein Friedensvertrag geschlossen war, dem Propheten von den Juden übergeben. Der Prophet (s.) bestimmte, dass die Einnahmen von Fadak den Armen, insbesondere den Bedürftigen von Banū Hāšim, gegeben werden sollen. Historische Berichte besagen, dass der Prophet (s.) einige Zeit später dieses Gebiet seiner Tochter Fāṭima az-Zahrāʾ(s.) schenkte.

Nach dem Tode des Propheten (s.) wurde Fadak von Abū Bakr beschlagnahmt. Die darauffolgende Rede von Fāṭima az-Zahrāʾ(s.), die Fadakīyya wurde gehalten um dem Recht zum Erfolg zu verhelfen.

Lage und Situation

Fadak war ein Gebiet in Ḥiğāz, 160 km von Medina entfernt. Heutzutage ist es eine kultivierte Stadt namens „al-Ḥaiṭ“ ist. Berichten zufolge bestand dieses Gebiet bis 1975 ( n.Chr.) aus 21 Dörfern und hatte im Jahr 2010 (n.Chr.) etwa 14000 Bewohner. In der frühen islamischen Zeit besiedelten die Juden das Gebiet Fadak. Es war strategisch gesehen eine wichtige Militärbasis für die Juden zur Zeit von ʿUmar ibn Ḫaṭṭāb, dem zweiten Kalifen. Sie lebten dort solange bis er ihnen befahl das Land zu verlassen.

Während der Entstehung des Islams war Fadak reich an Feldern und Gärten mit Dattelpalmen. Die Qualität der Dattelpalmen von Fadak wurde mit der Qualität der Dattelpalmen von Kūfa gleichgesetzt. Kūfa war weltbekannt bezüglich ihrer umfangreichen Kultivierung von Dattelpalmen.

Man sagte, als ʿUmar ibn Ḫaṭṭāb beschlossen hatte die Juden aus Ḥiǧāz zu vertreiben, er hätte ihnen 50 Dirham (alte Währung von Ḥiǧāz) für die restliche Hälfte von Fadak, das noch im Besitz der Juden verblieben war, gegeben. Gemäß einiger Quellen wurde das jährliche Einkommen von Fadak zur Zeit des Propheten (s.) auf 24 bis 70 tausend Dinar geschätzt.

Der Ḫaibar Krieg und die Herrschaft der Muslime über Fadak

Nach der Eroberung von Ḫaibar ergaben sich die dort lebenden Juden den Muslimen. Als das jüdische Volk über die Niederlage informiert wurde, bekamen die Menschen Angst vor einem möglichen Angriff auf Fadak. Schnell schickten sie einen Vertreter zum Propheten (s.) um mit den Muslimen zu verhandeln und Frieden zu schließen. Der Friedensvertrag beinhaltete, dass die Juden dem Propheten (s.) die Hälfte ihrer Gärten und Felder von Fadak übergeben sollen, wodurch sie die Erlaubnis erhielten weiterhin auf Fadak leben zu können. Die Muslime hatten, ohne ein Schwert aus der Scheide zu ziehen, Fadak erobert Aus diesem Grund wurde Fadak nach den Worten des Heiligen Quran nur dem Propheten (s.) zugewiesen. Nach einem Vers des Quran ist kampflos erworbene Kriegsbeute persönliches Eigentum des Propheten Muḥammad (s.). Solche Güter werden „Faiʿ“ genannt, sie gehören ausschließlich dem Propheten (s.), nur er kann über dieses sein Eigentum entscheiden, auch darüber wem er die Verantwortung dafür übertragen will. Der Prophet (s.) gab das Einkommen von Fadak den Banū Hāšim, den Armen und den mittellosen Durchreisenden. Einige Zeit später schenkte er Fadak seiner Tochter Fāṭima az-Zahrāʿ (s.), nach Meinung schiitischer und einiger sunnitischer Gelehrte war es nach der Offenbarung des Verses 26 der Sure al-Isra: „Gib dem Verwandten seinen rechtmässigen Anteil.“

Streit um das Eigentum Fadak nach dem Tode des Propheten (s.)

Hauptartikel: Vorfall von Fadak

Das Ereignis der Konfiszierung Fadaks geschah nach dem Ableben des Propheten (s.). Es war Abū Bakr, der nach dem Ereignis von Saqīfa das Kalifat übernahm und das Gebiet Fadak von Fāṭima a-Zahrāʿ(s.) konfiszierte. Er führte, um seine Handlung zu rechtfertigen, einen Ausspruch des Propheten (s.) an, wonach dieser gesagt haben soll, dass Propheten kein Erbe hinterlassen. Dieser Ausspruch wurde nur von ihm überliefert. Fāṭima az-Zahrāʿ(s.) antwortete darauf, dass der Prophet (s.) ihr vor seinem Tod Fadak geschenkt habe und brachte Imam ʿAlī (a.) und Umm Aiman als Zeugen für ihren Anspruch herbei. Die Zahl der Zeugen wird in den Quellen unterschiedlich erwähnt. Eine davon besagt, dass auch die Söhne von Fāṭima az-Zahrāʿ(s.) al-Ḥasan und al-Ḥusain gegen Abū Bakr Zeugnis ablegten. Schiitische und einige sunnitische Gelehrte sind der Meinung, Fadak wurde Fāṭima az-Zahrāʿ(s.) nach der Offenbarung des Verses geschenkt, in dem der Prophet (s.) aufgefordert wird, den Verwandten ihren rechtmässigen Anteil zu geben. Berichte besagen, dass Abu Bakr sich von der Rechtmäßigkeit dieses Anspruches überzeugen ließ und Fāṭima az-Zahrāʿ(s.) Anspruch schriftlich bestätigte, doch ʿUmar nahm ihr das Papier weg und zerriss es in mehrere Teile.

Als die Worte der Tochter des Propheten und ihres Mannes ungehört blieben, ging sie in die Moschee „Masǧid an-Nabawī“, und hielt eine Rede (Ḫutba), die als die „Fadakīyya“ bekannt ist. Sie sprach auch über die Beschlagnahme des Kalifats und führte dann an, dass die Behauptung „Propheten hinterließen kein Erbe“ gegen die Verse des Qurans spräche. Dann überließ sie Abū Bakr Gott und dem Auferstehungstag und fragte die Gefährten des Propheten (s.), warum sie diese Unterdrückung zugelassen und geschwiegen hätten? Das Grundstück Fadak, das im Heiligen Krieg Ḫaibar nach einem Friedensvertrag mit den Juden in den Besitz des Propheten (s.) übergegangen war und er es dann Fāṭima az-Zahrāʿ(s.) geschenkt hatte, ging nach dem Ableben des Propheten (s.) in den Besitz der Umayyaden, dann der Abbassiden und der Kalifen über. Manche dieser Kalifen, darunter auch ʿUmar ibn ʿAbdulʿazīz (Umayyade) oder Maʿmūn (Abbasside) gaben Fāṭima az-Zahrāʿ(s.) Nachkommen Fadak oder sein Einkommen zurück.

Fadak und sein Reichtum in verschiedenen Epochen

Fadak galt auch in der Zeit des zweiten Kalifen ʿUmar ibn Ḫaṭṭāb als Staatseigentum. Als ʿUṯmān der dritte Kalif wurde, gab er Fadak Marwān ibn Ḥakam. Es blieb in der Zeit des Kalifats von ʿAlī ibn abī Ṭālib (a.) bis in die Umayyaden-Dynastie hinein im Besitz von Marwān.

Als Imam ʿAlī (a.) das Kalifat nur aufgrund der Beharrlichkeit des Volkes übernahm, versuchte er Fadak nicht seinen wahren Besitzern zurückzugeben. Eine Überlieferung besagt, dass sich Imam ʿAlī (a.) sogar weigerte Fadak zurückzufordern, weil zu dieser Zeit Fāṭima az-Zahrāʿ(a.) und auch Abū Bakr verstorben waren und Imam ʿAlī (a.) der Meinung war, die Konfiszierung wäre jetzt illegal und er überließ es Gott diese Beschlagnahme zu beurteilen.

Historischen Berichten zufolge war Fadak während der Regierungszeit der Umayyaden in deren Besitz. Als Umar ibn ʿAbdulʿazīz zum Kalifen ernannt wurde, befahl er das Einkommen von Fadak für die Nachkommen des Propheten (s.) auszugeben, obwohl es Eigentum der Regierung war.

Während der Ära der Abbassiden (132/749-232/847) war Fadak Staatseigentum, aber als Maʿmūn an die Regierung kam, übergab er es offiziell im Beisein mehrerer Personen den Nachkommen Fāṭima az-Zahrāʿs (s.). Doch viele erhoben Einspruch und so berief Maʿmūn eine Sitzung ein, zu der er 200 hervorragende Gelehrte einlud, sie sollten ihre Meinung über das Eigentumsrecht von Fadak kundtun. Die Gelehrten hatten unterschiedliche Meinungen. Letztendlich führte diese Sitzung dazu, dass Fadak Fāṭima az-Zahrāʿs Erben zurückgegeben werden musste. Die starrköpfigen Gegner gaben nicht auf und so sah sich Maʿmūn gezwungen eine weitere Sitzung einzuberufen. Diesmal lud er die Gelehrten des gesamten islamischen Gebietes ein. Das Ergebnis dieser Sitzung entsprach der Vorherigen. Nun schrieb Maʿmūn (210 n.H.) einen Brief an den Gouverneur von Medina,ʻQuṯam Ibn Ǧaʻfar, und erteilte ihm den Befehl Fadak den Nachkommen von Fāṭima az-Zahrāʿ(s.) zurückzugeben. Diese Nachricht ist in den Gedichten unterschiedlichster Dichter festgehalten. Auch Diʻbil Ḫuzāʿī schrieb ein Gedicht nach dieser Begebenheit, das folgenden Satz beinhaltet:

"In dem Gesicht der Zeit war ein frohes Lächeln zu sehen, als Mamun den Banu Hasim Fadak zurückgab". Nach Maʿmūn befahl Mutewakkil Fadak wieder zu beschlagnahmen. Es wurde nie wieder den Nachkommen der Ahl al-Bait ( a.) zurückgegeben.

Die Heutige Situation von Fadak

Zur Zeit liegt Fadak in der Provinz „al-Ḥail“ in Saudi Arabien. Einem Bericht von 1419 (n.d.H.) zufolge ist Fadak auch bekannt unter dem Namen „Fāṭimas Gebiet“ und die Gärten mit ihren Dattelpalmen heißen der „Garten Fatimas“. In diesem Gebiet gibt es auch eine Moschee und einige Brunnen, die als die Fāṭima Moschee und die Brunnen Fāṭima in die Geschichte eingingen. Die Häuser und Burgen auf diesem Gebiet sind nur noch Ruinen und ihre Dattelpalmen sind vertrocknet.