Sure ar-Raḥmān

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Sure ar-Rahman

Ar-Raḥmān, auch bekannt als die Braut des Qurʿān, ist die 55. [Sure des Heiligen Buches] und sie befindet sich im 27. Ğuzʿ. Abgeleitet ist der Name ar-Raḥmān, welcher einer der Namen Gottes ist, von dem beginnenden Wort dieser Sure. Es ist jedoch umstritten, ob es sich bei ihr um eine mekkanische oder eine medinische Sure handelt. Der 64. Vers dieser Sure ist der kürzeste des Qurʿān: mudhāmmatān(mit Blattwerk von dunklem Grün).

In der Sure ar-Raḥmān werden einige der Gaben Gottes des irdischen Lebens sowie des Nachlebens aufgezählt. Ebenso werden Themen wie die Auferstehung am Jüngsten Tag, am Tage des Gerichts, dessen Merkmale und die Abrechnung angesprochen. Jedes Mal nachdem eine Gabe Gottes erwähnt wird, folgt die Frage: Ja, welche Gnadengaben eures Herrn wollt ihr denn leugnen?. Dieser Vers wiederholt sich 31 mal. Empfohlen ist, laut einer Überlieferung von [[Imam aṣ-Ṣādiq], jedes Mal nach diesem Vers den Satz O Allah! Keine deiner Gaben leugnen wir auszusprechen.

In einigen Überlieferungen heißt es, dass Gott demjenigen, der die Sure ar-Raḥmān rezitiert, die Möglichkeit zur Danksagung gibt und sollte dieser tagsüber oder während der Nacht sterben den Rang eines Märtyrers erteilt. Interessanterweise wird die Sure im Iran bei der Feier für einen Verstorbenen oder eine Verstorbene gelesen, während es beispielsweise in Pakistan Tradition ist, diese vor dem Beginn einer Hochzeitsfeier zu rezitieren.

Vorstellung

  • Benennung

Diese Sure wird ar-Raḥmān genannt, da sie mit dem Wort ar-Raḥmān beginnt, welches einer der Namen Gottes ist. Ein weiterer Name der Sure lautet Ālā (Plural von ʿIlā) und bedeutet „Gaben“; der Grund dafür ist, daß in ihr einige der wichtigsten Gaben Gottes erwähnt werden.[1]. Die Sure ar-Raḥmān trägt auch den Titel Braut des Qurʿān, eine Betitelung, die auf den Überlieferungen des Propheten (s.) und der Imame (a.) basiert.[2]

  • Ort und Reihenfolge der Offenbarung

Ob es sich bei der Sure ar-Raḥmān um eine mekkanische oder medinische handelt, ist umstritten. Einige glauben, sie sei eine mekkanische[3]Sure und andere wiederum glauben es sei eine medinische.[4]Moḥammad Hādī Maʿrifat, einer der Forscher im Bereich der mit dem Qurʿān verbundenen Wissenschaften, bezeichnet die angeführten Gründe dafür, das sie eine mekkanische Sure sei als schwach und ist davon überzeugt, sie sei eine medinische.[5]Seiner Ansicht nach ist diese Sure angesichts der Offenbarungsreihenfolge die 97. Sure die dem Propheten (s.) offenbart wurde.[6]Sie ist allerdings in dem heutigen vorliegenden Qurʿān die 55. Sure und befindet sich dem 27. Ğuzʿ.

  • Anzahl der Verse und weitere Eigenschaften

Die Sure ar-Raḥmān hat 78 Verse, 352 Wörter und 1648 Buchstaben. Sie zählt was die Größe der Sure betrifft zu den Mufaṣalāt Suren und umfasst etwa die Hälfte eines Ḥizb.[7]Der kürzeste Vers des Qurʿān (abgesehen von den Muqaṭṭaʿa s, welche nur ein oder zwei Buchstaben sind) ist der 64. Vers der Sure ar-Raḥmān: mudhammatān: Mit Blattwerk von dunklem Grün“.[8]

Inhalt

Aufeinandertreffen des Atlantischen und des Pazifischen Ozeans bzw. des Salzwassers und des Süßwassers in Dänemark

In der Sure ar-Raḥmān wird ein Teil der Gaben Gottes des Dies- und Jenseits aufgezählt. Sie ist eine Veranschaulichung der Attribute der Barmherzigkeit. Die in dieser Sure aufgegriffenen Inhalte lassen sich in drei allgemeine Kategorien einteilen:

  1. Gaben im Diesseits: die Lehre des Korans, die Schöpfung des Menschen und des Jinn, der Pflanzen und Bäume, des Himmels, der Herrschaft des Gesetzes, die Schöpfung der Erde mitsamt seiner Eigenschaften, die Schöpfung des Obstes, der duftigen Blumen und Pflanzen, das Aufeinandertreffen des Atlantischen und des Pazifischen Ozeans bzw. des Salzwassers und des Süßwassers und die in den Meeren vorhandenen Gaben (die Verse 1 bis 30).
  2. Das Jüngste Gericht: Hinweis auf den Zerfall der weltlichen Systeme und das Zustandekommen des Jüngsten Gerichts, einige Eigenschaften des Jüngsten Gerichts, die Abrechnung der Taten, die Bestrafung und die Belohnung (die Verse 30 bis 31).
  3. Die Gaben im Jenseits: Nach einem kurzen Hinweis auf die Qual der Höllenbewohner, werden die paradiesischen Gaben aufgezählt. Die bedeutesten darunter sind die Gärten, Wasserquellen, das Obst, die schönen und treuen Gattinen (Verse 31 – 78).[9]

Herabsendungsanlass

Einige Exegeten glauben, dass der Herabsendungsgrund dieser Sure die Unwissenheit der Götzenanbeter (Mušrikīn) hinsichtlich des Namens Raḥmān beträfe, denn als der 60. Vers der Sure Furqān – in der das Niederwerfen vor dem Raḥmān Gott (dem gnädigen Gott) befohlen wurde – herabgesandt wurde, fragten sie, wer und was ist Raḥmān? Als Antwort auf ihre Frage, sandte Gott die Sure ar-Raḥmān herab.[10]Andere wiederum geben an, dass die Sure ar-Raḥmān, laut einer Überlieferung von Imam aṣ-Ṣādiq (a.), im Zusammenhang mit der Ahl al-Bait herabgesandt wurde.[11]

Was ist mit den zwei Meeren, Perlen und Korallen gemeint

In einer Überlieferung von Imam aṣ-Ṣādiq (a.) heißt es, daß mit den beiden Meeren in dem Vers Er hat die beiden großen Wasser (d.h. das Süss- und das Salzwasser) strömen lassen, die (an der Mündung der Flüsse ins Meer) zusammentreffen, zwischen denen aber eine Schranke liegt, so daß sie sich (gegenseitig) keine Übergriffe erlauben[12]ʿAlī (a.) und Faṭima (s.) gemeint sind und mit der Perle und der Koralle -Aus beiden kommen Perlen und Korallen- Imam al-Ḥasan (a.) und Imam al-Ḥusain (a.) gemeint sind.[13] Diese Interpretation ist in den Werken schiitischer Exegeten wie Mağmaʿ al-Bayān von Ṭabarsī und sunnitischer Exegeten wie Tafsīr ad-Durr al-Manṯūr von Soyūṭī vorhanden.[14]

Die bekannten Verse

Kann denn der Lohn für Wohltat anderes als Wohltat sein? (Vers 60) In den vorausgegangenen Versen heißt es, dass Gott denjenigen, die ihn fürchten zwei Paradiese gefüllt mit Gaben verpricht. Dieser Vers drückt aus, dass diese Wohltat Gottes darin begründet liegt, daß man aus Furcht vor ihm gütig war und daß der Lohn für Wohltat nicht anderes ist außer Wohltat.[15]Gemäß einer weiteren Überlieferung von Imam aṣ-Ṣādiq (a.) bezieht sich dieser Vers auf Gläubige und Ungläubige, welche gute als auch schlechte Taten verrichtet haben und daß jeder, der Güte erfährt, diese in noch größerem Maße zurückgeben muss. Der Grund dafür ist, wenn die zweite Person gleichermaßen handelt, hat die Tat der ersten Person mehr Wert, da sie den Anfang gemacht hat. Daher sollte die Reaktion größer sein als die Aktion, um im Vergleich zueinander den gleichen Wert zu erhalten.[16]

Die Sure ar-Raḥmān in der öffentlichen Kultur

Die Sure ar-Raḥmān ist eine derjenigen Suren, welche in der öffentlichen Kultur islamischer Gesellschaften besondere Aufmerksamkeit genießt. Sie hat unter den Muslimen einiger Länder, wie z.B. Iran, soziale Funktionen.

Im Iran wird die Sure ar-Raḥmān bei der Feier für Verstorbene gelesen, um für diese bei Gott um Gnade zu bitten, sie wird vor der Rede des Predigers von einem Koranrezitator rezitiert. Gelegentlich wird erst der Vers Ja, welche Gnadengaben eures Herrn wollt ihr denn leugnen? (Sure ar-Raḥmān 63) von dem Rezitator gelesen, worauf dann der Satz Oh, Gott, keine deiner Gnadengaben leugnen wir von den Anwesenden zusammen ausgesprochen wird. Der Einsatz dieser Sure beim Totenfest hat auch seine Gegner, derer Meinung nach die Sure ar-Raḥmān immer nur an Totenfeste erinnert und mit dem Geist dieser Sure, in der die göttlichen Gaben im Diesseits und Jenseits angesprochen werden, nicht übereinstimmt.

Der Einsatz der Sure ar-Raḥmān bei der Fātiḥa-Ḫānī (Menschen versammeln sich, um die Sure Hamd- Tauhid und auch ar-Rahman zu lesen, damit für die Verstorbenen Sawab gesammelt wird) führte dazu, daß laut persischer Umgangssprache, bei jemanden dessen Tod ansteht, man sagt, der Duft seines/ihres ar-Rahmans ist aufgestiegen.[17]

Die Sure ar-Raḥmān in den Werken von Künstlern

Auch in der Welt der Kunst ist die Sure ar-Raḥmān zu finden. Es gibt einen wunderschönen handgewebten Perserteppich, ein Meisterwerk, in den jeder Vers zusammen mit dem Vers „Ja, welche Gnadengaben eures Herrn wollt ihr denn leugnen?” eingewebt wurde. Die koranischen Verse wurden in kalligraphisch schönster Form geschrieben. Es sind auch Bilder in der Nähe der Verse eingewebt, die sich auf jeden einzelnen Vers beziehen. Der iranische Künstler Ḥoğğatullah Ḫodāyārī fertigte diesen Teppich im Jahr 1996. Er wird im Museum von Astan Quds Razavi aufbewahrt.

Vorzüglichkeit und Eigenschaften

Gemäß einer Reihe von Überlieferungen heißt es, wenn jemand die Sura al-Rahman rezitiert, wird Gott seinen Schwächen und Unfähigkeiten barmherzig gegenüberstehen und er oder sie wird die Chance haben, dankbar für Seinen Segen zu sein[18]. Es wird auch gesagt, nachdem der Vers Ja, welche Gnadengaben eures Herrn wollt ihr denn leugnen gesagt werden soll Oh, Gott, keines deiner Gnadengaben leugnen wir. Wenn er in dieser Nacht oder an diesem Tage stirbt, wird er als Märtyrer betrachtet. Erleichterung von Schwierigkeiten, die Heilung von Augenschmerzen und Schutz sind einige der Vorzüge der Sura ar-Raḥmān.

Fußnoten

  1. Dānešnāmeh-ie Qurʿān, 1377 Sh.T B.2, S.1253
  2. Suyūṭī, ad-Durr al-Manṯūr, 1404 n.H., B.6, S.140; Ṭabarsī, Mağmaʿ al-Bayān fī Tafsīr al-Qurʿān, Āstān-e Quds Raḍawī, B.24, S.54.
  3. Yaʿqūbī, Tārīḫ, 1960, B.2, S.33; Ibn Nadīm, al-Fihrist, Dār al-Maʿrifa, S.38; Suyūṭī, al-Itqān fī ʿUlūm al-Qurʿān, 1380 Sh, B.1, S.49.
  4. Ṭabarsī, Mağmaʿ al-Bayān fī Tafsīr al-Qurʿān, Āstān Quds RaḍawīT B.24, S.53.
  5. Maʿrifat, Āmuzeš-e ʿUlūm Qurʿānī, 1371 Sh, B.1, S.179.
  6. Maʿrifat, Āmuzeš-e ʿUlūm Qurʿānī, 1371 Sh, B.1, S.166.
  7. Dānešnāmeh-ie Qurʿān, 1377 Sh, B.2, S.1253.r
  8. Makārem Šīrāzī, Tafsīr Nemūneh, 1374 Sh., B.23, S.176.
  9. Makārim Šīrāzd, Tafsīr Nemūneh, 1374 Sh, B. 23, S.91.
  10. Baḥrānī, al-Burhān fī Tafsīr al-Qurʿān, 1416 n.H., B.3, S.280.
  11. Baḥrānī, al-Burhān fī Tafsīr al-Qurʿān, 1416 n.H., B.5, S.230.
  12. Vers 19 und 20
  13. Qomī, Tafsīr Qomī, 1367 Sh, B.2, S.344.
  14. Ṭabarsī, Mağmaʿ al-Bayān fī Tafsīr al-Qurʿān, Āstān Qods Raḍawī, B.24, S.78; Soyūṭī, ad-Durr al-Manṯūr fī Tafsīr al-Maʿṯūr, 1404 n.H., B.6, S.142 und 143
  15. Ṭabāṭabāʿī, al-Mizān, 1974 n.Ch., B.19,S. 110.
  16. Ṭabarsi, Mağmaʿ al-Bayān, B.24, S.112.
  17. Ḫoramšāhī, Koranische Idiome in der persischen Umgangssprache, 1373 nach dem Iranischen Kalender, S.27 und 28.
  18. Ṭabarsī, Mağmaʿ al-Bayān fī Tafsīr al-Qurʿān, Āstān Quds Raḍawī, B.24, S.54.

Quellenverzeichnis

  • Qurʿān Karīm, Übersetzt von Moḥammad Maḥdī Fūlādwand, Teheran, Dār al-Qurʿān al-Karīm, 1376 nach Iranischem Kalender/1418n.H.
  • Ibn Nadīm, al-Fihrist, Beirut, Dār al-Maʿrifa, Bī Tā.
  • Baḥrānī, Sayyid Hāšim, al-Burhān fī Tafsīr al-Qurʿān, Beʿṯat Stiftung, 1416 n.H.
  • Ḫoramšāhī, Koranische Idiome in der persischen Umgangssprache, Bayyināt Zeitschrift, Qom, Imam Reḍā (a.) Institut für Islamwissenschaft, Nr.1, 1373 nach Iranischem Kalender.
  • Daneschnameh Qurʿān wa Qurʿānpajuhī, B.2, Bahāʿ ad-Dīn Ḫuramšāhī, Teheran, Dustān-Nāhīd, 1377 nach Iranischem Kalender.
  • Soyūṭī, Ğalāl ad-Dīn ʿAbdurraḥmān, al-Itiqān fī ʿUlūm al-Qurʿān, übersetzt von Mehdī Ḥāʿerī Qazwīnī, Teheran, Amīr Kabīr, 1380 nach Iranischem Kalender.
  • Soyūṭī, Ğalāl ad-Dīn ʿAbdurraḥmān, ad-Durr al-Manṯūr fī Tafsīr al-Maʿṯūr, Ayatollah Marʿašī Nağafī Bibliothek, 1404 n.H.
  • Ṣadūq, Muḥammad b. ʿAlī, Ṯawāb al-Aʿmāl wa al-ʿIqāb al-Aʿmāl, Forschung von Ṣādeq Ḥasanzadeh, Teheran, Armaġān Ṭūbā, 1382 nach Iranischem Kalender.
  • Ṭabāṭabāʿī, Sayyid Muḥammad Ḥusein, al-Mizān fī Tafsīr al-Qurʿān, Beirut, Muʿasisa al-Aʿlamī lil Maṭbūʿāt, 2. Auflage, 1974 n.Ch.
  • Ṭabarsī, Faḍl b. Ḥasan, Mağmaʿ al-Bayān fī Tafsīr al-Qurʿān, übersetzt von Bīsotūnī, Maschhad, Astan Quds Raḍawī, 1390 nach Iranischem Kalender
  • Makārem Širāzī, Nāṣer, Tafsīr Nemūneh, Dār al-Kutub al-Islāmīya, 1374 nach Iranischem Kalender.