Die schiitische Theologie ist eine der theologischen Schulen des Islam deren wichtigstes Unterscheidungsmerkmal der Glaube an das Thema «Imamat» (Leitendes Oberhaupt) ist. In ihren Methoden und Quellen verwenden die Imamiten den Koran, Traditionen des Propheten Gottes (SAS) und der Unfehlbaren Imame (AS) sowie rationale Vernunft oder Verstand.

Es wird gesagt dass der Beginn der Entstehung der Imamiten-Theologie mit den ersten Tagen nach dem Tod des Propheten Gotten (SAS) und der Diskussion über eines der wichtigsten Themen der Theologie zusammenfällt, nämlich der Frage des Imamats und des Kalifats des Propheten.

Einige Forscher sind der Ansicht dass Imam Ali (as) der erste Muslim war der über Themen wie «Entstanden und immer dagewesen» (arabisch: حُدوث و قِدَم), Einfachheit der Existenz Gottes (arabisch: بساطة وجود الله) sowie Einheit und Pluralität (arabisch:الوحدة والكثرة) sprach.

Nach ihm führten andere Imame (a.s.) Debatten über theologische Themen und diskutierten über Fragen und Probleme mit Theologen und Gelehrten anderer Religionen und Sekten und bildeten prominente Theologen wie Hisham bin Hakam und Momin al-Taq aus.

Nach der kleinen Verborgenheit (arabisch: غيبة صغراء) Imam Mahdis (a.s.), dem Zeitalter der großen Verborgenheit (arabisch: غيبة كبراء) setzte sich das Wachstum und Entwicklung der Imamiten in drei verschiedenen Ansätzen fort: Narrativismus (arabisch: النصي), Rationalismus (arabisch: العقلي) und einer Mischung aus Rationalismus und Narrativismus. Zu den allgemeinen Prinzipien der Imamiten-Doktrin gehören neben den drei allgemeinen Prinzipien des Monotheismus, Prophetentums und der Auferstehung auch zusätzlich zwei weitere Prinzipien nämlich das Imamat und Gerechtigkeit Gottes und dadurch unterscheidet sie sich von anderen islamischen Religionen.

Einige der wichtigsten theologischen Bücher der Imamiten sind wie folgt: «Awael al-Maqalat», «Sahih al-I’tiqadat», «Tajrid al-Itiqad» und «Kashf al-Morad». Die Autoren dieser Bücher gelten als die bedeutendsten Theologen der Imamiyyah: Scheich Mufid (336 oder 338-413 n. H.), Scheich Tusi (385-460 n. H.), Nasir al-Din Tusi (597-672 n. H.) und Allameh Hilli (648-726 n. H.).

Definition

Die Imamiten-Theologie ist eine der islamischen theologischen Schulen, die Koran, Traditionen (arabisch: سنة) des Propheten (SAS) und den unfehlbaren Imamen (SAS) sowie den Verstand/Vernunft im Bereich der theologischen Überzeugungen, Methoden und Quellen verwendet. Diese islamische Theologie ist im Zusammenspiel mit anderen Kulturen und Zivilisationen unter deren Einfluss gewachsen und entwickelte sich weiter.[1] Gemäß historischen Quellen und narrativen Dokumenten zufolge ist die Frage des Imamats der Hauptunterschied der Imamiten zu anderen islamischen theologischen Schulen.[2] Natürlich leiten einige den Monotheismus (arabisch: توحيد) aus dem Koran, Traditionen (arabisch: Sunna/ سنة) des Propheten und der schiitischen Imame (Friede sei mit ihnen) als Grundlage der theologischen Fragen der Imamiten und ihrer Identität ab.[3]

Entstehung

Als Beginn der Entstehung der Imamiten gelten die ersten Tage nach dem Tod des Propheten (Friede sei mit ihm).[4] Denn die erste theologische Frage die in dieser Zeit unter Muslimen aufgeworfen wurde war die Frage nach dem Imamat und dem Kalifat des Propheten wobei zwei allgemeine Theorien verwendet wurden: Die eine besagt dass Gott den Nachfolger bestimmte und mittels des Propheten vorgestellte Personen und die andere Theorie ist dass Gott die Entscheidung den Muslimen überließ.[5]

Imam Ali (Friede sei mit ihm) und eine Gruppe Auswanderer aus Mekka (arabisch: Muhajir/مهاجر ) und Helfer aus Medina (arabisch: Ansar/ انصار) befürworteten die erste Theorie und führten zwei Hauptgründe dafür an: Zum einen aus dem Inhalt (arabisch: نص) verschiedener Überlieferungen des Propheten (Friede sei mit ihm) und zum anderen die überragenden Tugenden Imam Alis (Friede sei mit ihm) (arabisch: افضلیت امام علی).[6]

Außerdem waren Schiiten Pioniere in Themen wie Attribute Gottes (arabisch: صفات الله), Bestimmung und Schicksal (arabisch: قضا و قدر), Zwang und Entscheidungsfreiheit (arabisch: جبر و تفویض) u.s.w., die zu den ältesten theologischen Themen in der islamischen Welt zählen.[7]

Es wird gesagt, dass Imam Ali (a.s.) der erste Muslim war, der zum ersten Mal Themen wie Gottes Natur und seiner Eigenschaften (arabisch: ذات و صفات الله), Neuentstehung und schon immer vorhanden (arabisch: Huduth und Qadam/حدوث و قِدَم), Einfachheit der Existenz Gottes (arabisch: بساطة وجود الله) Einzigheit und Pluralität (arabisch: وحدة و کثرة) usw. tiefgreifend erläuterte.[8]

Laut Mortaza Motahari sind theologische Fragen einer der Grundbestandteile von Nahj al-Balagha (Pfad der Eloquenz) und in der Gesamtheit seiner Predigten, Schreiben und Aphorismen wurden diese Themen etwa vierzig Mal diskutiert.[9]

Nach Imam Ali führten andere Imame wie Imam Sajjad, Imam Baqir, Imam Sadiq, Imam Ridha, Imam Javad (a.s.) und Imam Hadi (a.s.) Debatten mit Theologen andferer Religionen und Sekten im Bereich theologischer Themen um die Lehren des Islam zu verteidigen. Sie hatten viele Schüler und bildeten viele in der Theologie aus.[10]

Allgemeine Prinzipien der Imamiten-Theologie

Zusätzlich zu den drei allgemeinen Prinzipien von Monotheismus, Prophezeiung und Auferstehung an die auch andere muslimische theologische Schulen glauben,[11] hat sie andere Prinzipien die sie von anderen unterscheiden.[12]

Diese Grundsätze sind:

  • Imamat: Theologen der Imamiten sind sich einig dass das Imamat eine Position und Amt von Gott bestimmten von Gott auserwählten Personen ist.[13]
    Sie stimmen auch darin überein dass nach dem Tod des Propheten (AS) Imam Ali (AS) von Gott zum Imamat berufen wurde und somit der unmittelbare Nachfolger des Propheten (SAS) Imam Ali (AS) war und die Position des Imamats darauffolgend an Imam Hasan (AS) und dann an Imam Hussein (AS) und schließlich nach ihm an neun seiner Nachkommen nämlich Imam Sajjad (AS), Imam Baqir (AS), Imam Sadiq (AS), Imam Kathimm (AS), Imam Ridha (AS), Imam Javad (AS), Imam Hadi (AS), Imam Hasan Askari (AS) und dem edlen Imam Mahdi (AS) übertragen wurde.[14]
  • Gerechtigkeit: Schiiten sind wie die Mu'tazila[15] was der Glaube an Gutes und Böses in intellektueller Hinsicht angeht.[16] Intellektuell Gut und Böse bedeutet dass der Intellekt unabhängig von Gottes Rat oder Order bestimmen kann ob diese Handlung gut oder böse ist[17] und Gott greift nicht ein weil er gerecht ist.[18] Es bedeutet dass Gott ausschließlich Gutes tut. Er begeht nichts Böses, belastet seine Diener nicht mehr als ihren Fähigkeiten und bestraft niemanden außer für seine eigenen Sünden.[19]
    Wegen des Glaubens an die Gerechtigkeit Gottes werden die Mu’tazila und Schiiten auch «Adlie» (arabisch: العدلية) (zu Deutsch in etwa: an Gerechtigkeit Gottes-Gläubige) genannt.[20] Im Gegensatz zu diesem glauben Asha'era (arabisch: اَشاعِرة) an Gut und Böse des Gesetzes[21] was bedeutet, dass alles was Gott gebietet gut ist und das was er verbietet schlecht.[22]

Historische Perioden der schiitischen Theologie

Mohammad Safar Jibraili (Gelehrter und Professor der theologischen Wissenschaften) untersuchte in dem Buch «Sire Tatwar Kalam Schia» die historischen Perioden der Imamiten-Theologie unter den Aspekten Struktur und Ansatzes die wie folgt lauten:[23]

Struktur

Die Struktur der Imamiten-Theologie entstand in mehreren Phasen:

  • Gründung: Als Beginn dieser ersten Phase in der theologische Fragen in nicht kodifizierter Form diskutiert wurden gelten die ersten Tage nach dem Tod des Propheten (Friede sei mit ihm).[24]
  • Ausbreitung: nach dem Tod des Propheten (SAS) bis zum Beginn des zweiten Mondjahrhunderts.[25] In dieser Zeit begannen die Imamiten mit Imam Ali (a) die theologischen Grundsätze zu verbreiten und dies wurde von den folgenden Imamen (a) weiter geführt und fand seinen Höhepunkt in der Zeit von Imam Baqir (a) und Imam Sadiq (a).[26] Imam Sadiq (AS) betitelte unter anderem Hisham bin Hakam, Hisham bin Salem, Mumin al-Taq und Hamran bin Aayin als Theologen.[27]
  • Verfassen von Werken: zweites und drittes Mondjahrhundert.[28] Laut dem Bibliographen des 4. Mondjahrhunderts Ibn Nadimwar der erste der ein Werk zum Thema der schiitischen Theologie zusammenstellte Ali bin Ismail Maithami (von den Berichterstattern von Imam Ridha (AS ) und im jahr 215 AH verstarb.[29] Er verfasste zwei Werke mit den Titeln «Kitab al-Imamah» und «Kitab al-Istihqaq».[30] Nach ihm wurden auch Abhandlungen zu theologischen Themen insbesondere zu Monotheismus und Gerechtigkeit (arabisch: العدل) verfasst.[31]
  • Erläuterung und thematische Anordnung: 3. und 4. Mondjahrhundert.[32] In diesem Stadium, das den Beginn der Verborgenheit Imam Mahdis (Friede sei mit ihm) darstellt erläuterten Theologen der Imamiten das Auftreten konkurrierender Gedanken wie Mu'tazila und Ash'ari, diskutierte theologische Fragen auf der Grundlage der Schule der Ahl al-Bayt (a), erläuterten und ordneten sie in spezifische Themen und beantworteten die entstandenen Probleme.[33] Im gleichen Zeitraum schrieb Abu Sahl Nobakhti ein Buch mit dem Titel «Al-Tannabiyah» über das Imamat.[34] Ibn Qubba Razi schrieb «al-Ansaf» zu diesem Thema[35] und Sheikh Sadouq «Al-Tawheed» mit Thema Namen und Attribute (arabisch: اسما و صفات) und die Negation der Analogie,[36] und «Kamal al-Din und Tama Al-Naima» in Bezug auf die Verborgenheit (arabisch: غيبة) Imam Mehdis.[37]
  • Struktur: fünftes und sechstes Mondjahrhundert.[38] In dieser Zeit wurde die Imamiten-Theologie von drei berühmten schiitischen Theologen strukturiert nämlich Sheikh Mufid, Seyyed Morteza und Sheikh Tusi.[39]
  • Transformation und Evolution: Siebtes und Achtes Jahrhundert.[40] Diese Phase begann mit der Entstehung der Theologie-Schule Hilli (arabisch: مکتب کلامی حِلّه) insbesondere mit den Werken von Sadid al-Din Hamsi und erreichte ihren Höhepunkt mit Khawaja Nasir al- Din Tusi.[41] Khwaja Nasir transformierte die Imamiten-Theologie mit einer neuen und innovativen Methode und unter Verwendung philosophischer Prinzipien und Regeln.[42] Er schuf mit Verfassen des Buches «Tajreed al-Etiqad» eine neue Art der Darstellung theologischer Fragen und beeinflusste die Theologen nach ihm.[43]
  • Erläuterung und Zusammenfassung: Diese Stadium war vom 9. bis zum 14. Jahrhundert.[44] Die meisten theologischen Werke dieser Zeit sind Erläuterungen oder Zusammenfassungen früherer Werke insbesondere des Buches Tajrid al-Etiqad.[45] «Shwarq al-ilham» ist eine detaillierte Erläuterung des Buches «Tajrid al-Etiqad» und eines der berühmtesten Werke dieser Zeit.[46]
  • ' Reformation und Dynamik: Ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.[47]

Dieses Phase begann mit Seyyed Jamaluddin Asadabadi mit der Einführung neuer Themen in die Wissenschaft der Theologie und theologischen Forschungen von unter anderem Mohammed Javad Balaghi, Seyyed Hebateddin Shahristan, Seyyed Mohammad Hossein Tabatabai und Morteza Motahari und wird noch heute fortgesetzt.[48]

Ansatz

Einige der gängigen Ansätze der Imamiten sind wie folgt:

Textualismus (arabisch: النصي)

‪‪«Nass (arabisch «nass»: نص) bezieht sich eines von zwei Dingen. Manchmal wird im Gegensatz zur scheinbaren (arabisch: „Zahir“:ظاهر) verwendet um eine explizite Bedeutung einer Vokabel/Floskel zu bezeichnen und manchmal auf überlieferte Texte (arabisch: «Naql»:نقل) und nicht auf die Vernunft (arabisch «'aql»:عقل). Mit «nass» wird in diesem Kontext die zweite Verwendung genutzt: Jeder überlieferte Text (oder Rede) des Korans oder der Überlieferungen.

In einigen Fällen berufen sich Befürworter des Textualismus auf die Vernunft um religiöse Lehren zu verteidigen sind jedoch der Ansicht dass die Vernunft kein tieferes Verständnis erreichen kann das über das hinausgeht was religiöse Texte implizieren.[49]

Dieser Ansatz folgt dem auf Überlieferungen zentrierten Ansatz der Schiiten in der Zeit der Anwesenheit der Imame (a.) insbesondere der Zeit von Imam al-Ridha (a.) und danach. Es dominierte das schiitische Denken in der Zeit der Bedeckung von Imam al-Mahdi (a.) durch Scheikh Saduq. [50]

Dieser Ansatz wurde während der okkulten Ära mit Theologen wie Scheich Sadouq und Muhammad bin Hassan Safar Qomi zur vorherrschenden Strömung der theologischen Schule von Qom.[51]

Interpretierender Rationalismus

Der interpretierende Rationalismus (arabisch: العقلي التأويلي) nutzt den Verstand/Vernunft als Quelle für das Wissen, Beweis und die Bewertung religiöser Lehren betrachtet und wenn ein definitiver rationaler Beleg einem narrativen gegenübergestellt wird so wird der rationale bevorzugt und der narrative als Interpretation des narrativen aufgefasst.[52] Einige Forscher bezeichnen die Familie Nubachti aufgrund ihrer Vertrautheit mit der griechischen Philosophie und der Mu'tazili-Theologie als Begründer des Rationalismus bei den Imamiten.[53]

Dieser Ansatz war die dominierende Strömung der Theologieschule Bagdad und ihren Höhepunkt mit den Werken von Theologen wie Sheikh Mufid, Seyyed Mortaza, Sheikh Tusi hatte.[54] Danach ging es in der Theologie-Schule Hillis weiter.[55]

Philosophier Rationalismus

Bei dem Philosophischer Rationalismus werden religiöse Themen mittels der Methode der Philosophie verteidigtb und gestärkt.[56]

Laut Mortaza Motahari entstand der philosophische Rationalismus durch Khawaja Nasir al-Din Tusi mit dem Verfassen des Buches «Tajrid al-Itqad» in der Theologie der Imamiten.[57] Danach wurde es von einigen anderen schiitischen Theologen wie zum Beilspiel Mohaqqaq Lahiji fortgeführt.[58]

Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Theologie zwischen Imamiten und anderen

In einigen theologischen Theman sowie in der Art und Weise mit diesen umzugehen weisen Imamiten Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit anderen muslimischen theologischen Schulen insbesondere der Mu'tazila und Asch'ari auf:[59]

Glauben und Überzeugung

Einige der kontroversen Themen der Theologie der Imamiten im Vergleich zu anderen theologischen Ansätzen sind wie folgt:

  • Objektivität der Natur und der Eigenschaften: Imamiten und einige Mu'tazila denken über die inhärenten Eigenschaften Gottes nach wie zum Beispiel inhärentes Wissen Gottes und seine Macht. Sie sind der Ansicht dass diese Eigenschaften die Essenz Gottes sind.[60] Aber die Ash'are sind der Meinung dass die inhärenten Eigenschaften immer vorhanden waren und somit zusätzlich zum Wesen Gottes sind.[61]
  • Gut und Böse gemäß Vernunft: Die Imamiten und Mu'tazilah gehören zu denen die Gut und Böse rationell sehen während die Asch'aira und einige Textualisten (arabisch Akhbari:اخباري) diesem widersprechen.[62]
  • Zwang oder freie Entscheidung: Die Mu'tazila glauben an die «freie Entscehidung des Menschen» (arabisch tafwis: تفويض) was bedeutet dass der Mensch nicht gezwungen ist seine Handlungen auszuführen und völlig unabhängig und im Vertrauen auf seine eigene Macht und seinem eigenen Ermessensspielraum handelt.[63]
    Andererseits glauben die Asch'arah an die Theorie des «Erwerbs» (arabisch Kasb:كسب).[64]
    Nach dieser Theorie ist Gott der Schöpfer von allem und auch den menschlichen Handlungen und man erwirbt lediglich seine Handlungen von Gott!
    Damit ist das menschliche Handeln schon immer vorhanden und erscheint lediglich wenn man diese ausführt.[65]
    Im Gegensatz zu diesen beiden Ansichten glaubt der Schiit an die Theorie «Zwischen (diesen) beiden Angelegenheiten» (arabisch «Amr baina al-Amrain»:امر بین الامرین). Diese ist spezifisch für die Imamiten.[66] Nach dieser Theorie sind sowohl eigener Wille als auch der Wille Gottes im freiwilligen Handeln des Menschen wirksam wobei diese jedoch sequenziell und nicht gleichzeitig sind.[67]
  • Aufhebung: Imamiten und Asch'ari sind entgehen der Ansicht dass Belohnung von geleistetem Gottesdiesnst oder guten Taten nach begehen von Sünden aufgehoben (arabisch: احباط ) wird außer bei einigen spezifischen Sünden wie z. B. Polytheismus (arabisch: شرک).
    Die Mu'tazila sind im Gegensatz der Ansicht dass Sünden den Lohn früherer Taten aufhebt. Wenn zum Beispiel jemand nach langem guten Leben mit vielen guten Taten und verrichtetem Gottesdienst eine große Sünde begeht so ist es als ob er nie Gottesdienst verrichtet hätte oder gutes tat.[68]
  • Folge großer Sünde: Laut Imamiten und Asch'ari sind der Ansicht dass jemand, der eine große Sünde begeht zwar Gläubiger ist aber die religiösen Gesetze übertrat. Die Khawarij (außer der Ibadhiten-Sekte) betrachten diesen ebenfalls als Ungläubigen.
    Die Mu'taziliten glauben dass dieser weder gläubig noch ungläubig ist vielmehr zwischen Unglauben und Glauben angesiedelt ist was «Manzilatu baina Al-Manzilatain» (zu deutsch in etwa: Zustand zwischen zwei Zuständen) genannt wird.[69]

In den Methoden

Hinsichtlich der Methode gibt es Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Imamiten und einigen anderen theologischen Schulen.[70]

Es ist bekannt dass die Theologie der Mu'tazila den Weg des Rationalismus extrem einschlugen und im Falle eines Konflikts zwischen rationaler Vernunft und Überlieferung interpretierten die Mu'taziliten die äußere Erscheinung der Überlieferung entgegen der rationalen Vernunft.[71]

Andererseits sind die Ahl al-Hadith (schiitische Sekte die ihre Theologie ausschließlich auch Überlieferungen aufbauen) eine theologische Sekte deren gesamter Fokus und Vertrauen in Glaubensfragen ausschließlich auf dem Erscheinungsbild der Textquellen ist und jede rationale Interpretation und Analyse in Angelegenheiten im Glauben ablehnen.[72]

Die Aschariten und Matriditen schlugen in theologischen Diskursen einen Mittelweg mit einer Mischung aus Rationalismus und Narrativismus ein.[73]

Laut Mortaza Motahari sind die Imamiten nicht wie die Ahl al-Hadith, die Einsatz rationaler Argumentation in religiösen Überzeugungen grundsätzlich ablehnen. Auch nicht wie beim Asch'ari-Denken, das die Originalität vom Intellekt nimmt und sie der Erscheinung der Texte unterwirft. Bei den Imamiten nimmt die Vernunft einen besonderen Platz ein aber halten den Rationalismus der Mu'taziliten für extrem. Mu'tazili-Denken ist strikt rational aber beruht auf Kontroversen während die Imamiten (insbesondere nach Khawaja Nasir al-Din Tusi) zur rationalen Beweismethode tendieren.[74]

Natürlich gab es auch Gruppen wie die Akhbariten in der schiitischen intellektuellen Tradition, die sich ausschließlich auf das Erscheinungsbild der Texte verließen um religiöse Lehren zu verstehen.[75]

herausragende theologische Werke und große Theologen

Einige der wichtigsten theologischen Bücher der Imamiyyah sind: «Awael al-Maqalat», «Sahih al-Itiqadat», «Tadschrid Al-I’tiqad» und «Kaschf al-Murad».[76] Die Autoren dieser Bücher sind Scheich Mufid (336 oder 338–413 n. Chr.), Scheich Tusi (385–460 n.H.), Khwaja Nasir al-Din Tusi (597–672 n. H.) und Allamah Hilli (648–726 n. H.). gelten als bedeutendsten Theologen der Imamiten.[77]

Im Folgenden finden Sie Erläuterungen zu einigen dieser Bücher und anderen theologischen Werken der Imamiten:

  • Kitab al-Tawheed: ist eine Sammlung von Überlieferungen über Monotheismus (arabisch: Tawheed), Erkenntnis Gottes, Wesen, Eigenschaften, Namen und Handlungen Gottes sowie andere theologische Themen, die von Sheikh Sadouq verfasst wurde.[78]
  • Al-I’tiqad: verfasst von Sheikh Sadouq. In 45 Kapiteln und zu Beginn jedes Kapitels unter dem Titel «Kapitel des Glaubens an …» legte der Autor die wichtigsten religiösen Themen der Schiiten dar.[79]

Das von Scheikh Mufid verfasste Buch «Tashih I’jiqad A;-Imamia» ist eines der schiitischen theologischen Bücher, das in der Rezension des Buches «I’jqad Sceikh Sadouq» erwähnt wurde.[80]

  • Al-I’tijaj Ala Ahl-Al-Lijaj: Der aus dem 6. Jahrhundert nach der Hijjra stammende Theologe und Jurist Ahmed bin Ali Tabarsi verfasste dieses Überlieferungs-Werk Es enthält Überlieferungen der sündenfreien Imame (AS) mit Inhalt deren Diskussionen und Proteste vor Gegnern.[81]
  • Tadjrid AL-I;jhqad: Einige der Merkmale dieses Werkes von Khawaja Nasiruddin Tusi sind: Ausdruck theologischer Fragen mit mit einer Methode mit Beweisführung, Innovation bei der Anordnung und Regulierung theologischer Fragen und Vermischung theologischer Fragen mit Philosophie. Diese Merkmale unterscheiden das Buch von anderen theologischen Werken vor ihm und beeinflusste die theologischen Werke danach.[82] Zu diesem Werk wurden viele Kommentare verfasst.[83] und das Buch «Kaschf al-Morad» von Allameh Hilli ist das erste eines der wichtigsten Kommentare zu diesem Buch.[84]
  • «Manschur Aqaid Imamia» ist ein auf Persisch verfasstes Buch von Jafar Sobhani, das den schiitischen Glauben in Form von zehn Abschnitten und einhundertfünfzig Glaubensgrundsätzen kurz darlegt.[85]

Theologische Schulen der Imamiten

In der Theologie der Imamiten gibt es verschiedene Methoden und Schulen.[86] Einige davonin chronologischer Reihenfolge wie folgt:

Nr Name der Schule Gründungsdatum (n.H.) genereller Ansatz bekannteste Theologen Theologische Wirkungen Eigenschaften
1 Theologische Schule Qom 3. und 4. Jahrhundert Textualismus Ibn Walid Qomi, Muhammad bin Hasan Safar Qomi, Scheich Sadouq Basaer al-Deraje, Al-Tawhid Zusammenstellung theologischer Werke der Überlieferungen, Kampf gegen Übertreibung und Untertreibung, Annahme an Authentizität vereinzelter Überllieferungen (arabisch: خبر واحد) und Bezug darauf im Glauben.[87]
2 Bagdad Viertes Jahrhundert Rationalismus Scheich Mufid, Seyyed Morteza, Mohammed bin Ali Karajki Awael al-Maqalaat, Al-Schafi, Tanziyeh al-Anbiya Dialog und Debatte mit anderen Religionen, Entwicklung des Rationalismus der schiitischen Theologie, Auffassung der mangelnden Autorität vereinzelter Überlieferungen (arabisch: خبر الواحد) im Glauben.[88]
3 Nadschaf 5. Jahrhundert Kombination von Textualismus und Rationalismus Scheich Tusi, Abu Ali Tusi, Fadhl bin Hasan Tabarsi Al-Iqtisad Al-Hadi ila Tariq Al-Rischad, Al-Ghaiba, I’lam bI;gam Al-Hadi Konsolidierung der Imamiten-Religion auf Grundlage des Idschtihad (zu deutsch Anstrengung was hier die Nuztung aller zulässigen Beseismethoden und Belege bedeutet), Zweifen an Autorität vereinzelnelter Überlieferungen (arabisch: خبر واحد ) im Glauben[89]
4 Ray 6. Jahrhundert Rationalismus Sadid al-Din Hamsi Razi, Ja'afar bin Mohammad Dorosti, Abd al-Jalil Qazvini Al-Munqidh Man al-Taqlid , Naqd Mäßigung (arabisch: اعتدال), Debatte mit verschiedenen Religionsreligionen[90]
5 Hilli 7. Jahrhundert Philosophischer Rationalismus und Textualismus Khawaja Nasir al-Din Tusi, Allameh Hilli, Ibn Maitham Bahrani, Seyyed bin Tavus, Fadel Moqdad Tajric Al-I’tiqad, Nahj al-Haqq und Kashf al-Saqq, Qawama al-Maram fi ilm al -Kalam, AlLawane’ AlIlahiaj fi Mubahith Al-Kalamia Verbreitung der Theologie, Mäßigung, freies Denken, Erweiterung vergleichender Theologien[91]
6 Shiraz 10. Jahrhundert Philosophischer Rationalismus Jalaluddin Devani, Mirisyed Sharif Jarjani Hashiyat al-Tajrid, Noor al-Hidaya fi takaf al-Imamah Freies Denken, Neigung zu philosophisch-theologischen Themen[92]
7 Isfahan 11. Jahrhundert Kombination von Rationalismus und Textualismus Milmasan Faiz Kashani, Mohaqq Lahiji, Allameh Majlisi Hayat al-Qulob, Ilm al-Iqin fi Usul al-Din, Shawarq al-Ilham Erläuterungen von Texten der Überlieferungen (arabisch: شرح متون روایی ), Kampf mit dem Sufismus, Veröffentlichung und Verbreitung schiitischer Lehren, Übersetzung und Zusammenstellung religiöser Werke ins Persische.[93]
8 Khorasan 14. Jahrhundert Mittelweg zwischen Textualismus und Rationalismus Mirzamehdi Esfahani, Mirzajavad Tehrani, Mohammedreza Hakimi, Mohammad Bagher Maleki Mianji Abwad Al-Huda, Bayan al-Furqan, Tawheed al-Imamiyyah Betonung der Trennung von religiösem Wissen von philosophischen mystischen Gedanken sowie Ablehnung jeglicher philosophischer und mystischer Interpretationen in den Lehren der Offenbarung.[94]
9 Ghom 14. und 15. Jahrhundert Rationalismus Seyyed Mohammad Hossein Tabatabaei, Mortaza Motahari, Jafar Sobhani, Mohammed Taghi Misbah Yazdi Schia dar Islam, Muqadamaye bar Jihanbini Islami, Manschur Aqaid Imamiyye Vorschlag neuer theologischer Themen, Kampf gegen Atheismus und Materialismus, Gründung theologischer Zentren und Institute[95]