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Entwurf:Esoterik

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Batenigari bzw. Esoterik (Persisch: باطنی گری) beruht auf der Überzeugung, dass die Religion auch eine innere, verborgene Dimension besitzt, die bedeutender ist als ihr äußerer Schein. Befürworter der Esoterik legen die Koranverse aus, um deren tiefere Bedeutung zu erschließen. Unter den islamischen Strömungen sind insbesondere der Sufismus und die Ismailiten für ihre esoterische Haltung bekannt.

Anhänger des Sufismus vertreten die Ansicht, die Scharia (Religionsgesetz) sei lediglich die äußere Hülle der Religion, während die Essenz in der spirituellen Wahrheit liege, zu der man gelangen müsse. Ebenso sind die Ismailiten der Auffassung, dass die wahre Bedeutung der Koranverse nur durch ihre metaphorische Auslegung — eine Aufgabe der Imame — erkennbar wird. Manche sehen auch die Zwölfer-Schia als eine estoterische Richtung, doch gibt es dafür sowohl Befürworter als auch Kritiker.

In schiitischen Hadithen finden sich Überlieferungen, die den Koran sowohl mit einer äußeren als auch einer inneren Bedeutung versehen. Darüber hinaus existieren Überlieferungen, die die metaphorische Auslegung der Koranverse unterstützen. Schiitische Gelehrte akzeptieren demnach die metaphorische Auslegung, allerdings in einer Weise, die sich von der Auslegungspraxis im Sufismus und bei den Ismailiten unterscheidet und für die spezifische Regeln gelten.

Begriffsklärung

Esoterik bezeichnet die Sichtweise, dass die Religion eine doppelte Dimension besitzt: eine sichtbare äußere Form und eine tiefere innere Wahrheit. Innerhalb dieser Lehre wird dem inneren Aspekt der Religion größere Bedeutung beigemessen, Ziel ist es, zur verborgenen Essenz vorzudringen.[1]

ٍEsoterische Gruppen im Islam

Der französische muslimische Philosoph René Guénon (1886–1951) führt die esoterische Bewegung vor allem auf den Sufismus und die muslimischen Mystiker zurück[2], die zwischen der äußeren Hülle der Scharia und deren innerem Kern, der spirituellen Wahrheit, unterscheiden.[3] Laut Farhad Daftary, einem Experten für Ismailitische Studien (geb. 1938), ist die Ismailiya innerhalb der islamischen Strömungen am bekanntesten für ihre esoterische Denkweise.[4] Nach ismailitischer Auffassung vermittelten die Propheten an das Volk die äußere Bedeutung der göttlichen Offenbarung, während die metaphorische, tiefere Bedeutung den Nachfolgern, den sogenannten Imamen oder Wali, vorbehalten sei.[5]

Innere Religiosität bei den Imamiten

Wissenschaftler wie Henry Corbin und Muhammad Ali Amir-Moezi betrachten die Imamiten-Schia als eine religiöse Strömung mit stark innerlicher und metaphorischer Auslegung. Andere jedoch weisen diese Einordnung zurück und betonen, dass die gemäßigte Linie innerhalb der Schia wesentliche Unterschiede zur Esoterik aufweist. So wird etwa der Scharia und dem offensichtlichen Sinn von Versen und Überlieferungen Autorität zugeschrieben, ohne diese in den Hintergrund zu drängen. Die wahre Frömmigkeit wird als Unterwerfung unter die Scharia verstanden, und das Heil ist dem Glauben folgend durch die Praxis der Scharia erreichbar.[6]

Dennoch akzeptieren schiitische Gelehrte grundsätzlich die Auslegung, lehnen jedoch die Auslegungen der Ismailiten ab und formulieren dafür bestimmte Bedingungen.[7] Sie zitieren Hadithe des Propheten und der Imame, die von einer doppelten Bedeutung – einem äußeren und einem inneren Sinn – der Koran-Verse sprechen.[8] Ebenso existieren Überlieferungen, in denen die Imame Koran-Versen auslegen.[9] Ein Beispiel hierfür ist eine Überlieferung von Imam Sadiq (a.), der den Vers „Messt gerecht und seid nicht unrechtmäßig im Maß“[10] als Aufforderung interpretiert: „Folgt einem gerechten Imam und haltet euch an sein Recht.“[11]

Grundlagen der mystischen Innerlichkeit in der Sufitradition

René Guénon beschreibt den Sufismus als eine Strömung, die die Scharia als äußere Hülle oder Oberfläche der Religion ansieht, die sich in rechtlichen Vorschriften ausdrückt. Der Kern der Religion hingegen sei die wahre Realität, die durch den Pfad der spirituellen Praxis (Tariqa) erreicht wird.[12] Die Scharia ist dabei lediglich ein Regelwerk, während die Wahrheit in reiner Erkenntnis liegt, welche der Scharia eine höhere, tiefere Bedeutung verleiht.[13]

Grundprinzipien der Ismailitischen Esoterik

Das System der Esoterik bei den Ismailiten basiert auf den Konzepten des „Äußerem und Inneren“, „tanzil und ta‘will“ sowie der Unterscheidung von „Besonderen und Allgemeinen“.[14] Die Kernprinzipien der Esoterik lassen sich in drei Punkten zusammenfassen:[15]

  1. Prinzip der inneren Bedeutung gegenüber der äußeren Bedeutung: Religiöse Lehren besitzen zwei Ebenen, eine sichtbare und eine verborgene, wobei der innere Sinn höchste Relevanz besitzt.[16]
  2. Prinzip der Auslegung gegenüber tanzil und Interpretation (tafsir): Die Anhänger der Esoterik bemühen sich, durch metaphorische Deutung vom äußeren zum inneren Sinn des Koran und der Überlieferungen zu gelangen.[17]
  3. Prinzip der Kategorisierung der Menschen in Besondere und Allgemeine: Nach ismailitischem Verständnis obliegt die metaphorische Auslegung ausschließlich den Imamen, und nur eine kleine Gruppe von Auserwählten kann durch ihre Auslegung Zugang zum inneren Kern der Religion erhalten. Dementsprechend werden die Menschen in Eingeweihte (Besondere), die an die Imamat der Ismaili-Imame glauben, und die Allgemeinheit (Nicht-Ismailiten), die lediglich die äußere Seite der Religion erfassen können, unterteilt.[18]

Die Einhaltung religiöser Vorschriften im Esoterismus

Einige Gruppen und Glaubensrichtungen, die der Esoterik zugerechnet werden, halten die Befolgung religiöser Gebote unter bestimmten Umständen nicht für zwingend notwendig. So wird berichtet, dass insbesondere die frühen Ismailiten, die Qaramiten und Nizariten die Einhaltung der religiösen Vorschriften für diejenigen, die über das Wissen um den Imam und die inneren Wahrheiten verfügten, als entbehrlich ansahen.[19] Der Gelehrte Allameh Tabatabai schreibt in seinem Werk „Der Schiitentum im Islam“, dass die Esoterik die äußeren Gebote und Regeln des Islam als symbolische Ausdrucksformen der spirituellen Erkenntnis interpretierten und die offenkundigen Anordnungen der Scharia als für weniger Verständige vorgesehen betrachteten.[20]

Beispiele für esoterische Auslegungen

Die folgende Liste enthält Beispiele für Auslegungen, die Esoterik bezüglich verschiedener Koran vornahmen:

  • „Der Tag, an dem der Himmel zusammengefaltet wird“.[21] Auslegung: Der Tag, an dem die Scharia aufgehoben wird.[22]
  • „Dann erschuf Er die sieben Himmel in zwei Tagen; und in jedem Himmel setzte Er eine besondere Offenbarung ein.“[23] Auslegung: Er ernannte sieben Führer für zwei Zeitabschnitte – die äußere und die innere Ordnung – und gewährte jedem seinen jeweiligen Anteil.[24]
  • Gebet Noahs: „Füge den Unrecht Begehenden keinen Schaden zu außer der Irreführung.“ (Sure 71, Vers 24) Die Deutung Muhyiddin Arabis: „O Gott, gewähre denen, die ihrer eigenen Seele Unrecht getan und die Stufe des Selbstverlusts in Gott erreicht haben, nichts außer Deiner Erkenntnis, die den vollkommenen Menschen in Deiner Essenz verblüffen lässt.“[25]

Herkunft der Esoterik

Manche betrachten die Wurzeln der Esoterik innerhalb der Ismailiten als Ideen schiitischer Übertreiber des 2. Jahrchunderts n.H. Es wird vermutet, dass al-Mughira b. Sa'id (119 n.H.), der Anführer der Mughira-Bewegung, der erste Muslim war, der esoterische Ansichten vetrat und den Koran metaphorisch auslegte. Ebenso gilt Abu al-Khattab (138 n.H.), Gründer der Khattabiyah-Sekte, als Initiator einer Bewegung mit Esoterik Zügen unter Muslimen.[26] Auch die Esoterik im Sufismus wird auf das 2. Jahrhundert n. H. datiert und führt sie auf die ersten Sufis zurück – darunter Persönlichkeiten wie Hasan al-Basri, Abu Haschim al-Kufi (150 n.H.), Sufyan al-Thawri (161 n.H.) und Ibrahim al-Adham (162 n.H.).[27]

Vorwurf der Esoterik

Im Verlauf der islamischen Geschichte wurde „Esoterik“ als Vorwurf mit religiöser oder politischer Zielsetzung verwendet, um religiöse Gegner zu diskreditieren oder politische Kontrahenten zu beseitigen. So bezeichnete Ibn Taymiyya Schiiten, Sufis und Philosophen als „Batiniyya“.[28] Auch Personen, die der Esoterik beschuldigt wurden, wurden verfolgt und getötet – ein berühmtes Beispiel ist Hasan al-Wazir, der Wesir von Sultan Mahmud von Ghaznawi, der aus politischen Motiven hingerichtet wurde.[29]