Entwurf:Heilende Wirkung des Korans
Die heilende Wirkung des Korans beschreibt den Einfluss der Koranverse auf die Verbesserung von Glaubens-, ethischen und physischen Leiden und gilt als eine transzendente Eigenschaft des Korans. Kommentatoren betrachten geistige Verunreinigungen wie Unglaube, Heuchelei und Neid als „Herzkrankheiten“, die durch die Führung des Korans geheilt werden können. Bestimmte Suren und Verse, darunter die Eröffnungs-Sure (Al-Fatiha), An-Nas, Al-Falaq und Ayat al-Kursi, werden in Überlieferungen empfohlen, um Krankheiten zu lindern.
Diese Wirkung wird göttlichem Willen und übernatürlicher Kraft zugeschrieben und geht über natürliche Ursachen hinaus. Dennoch wurde der Koran in der Tradition des Propheten und seiner Familie stets begleitend zu Medizin und ärztlicher Behandlung eingesetzt. Darüber hinaus verweisen Berichte gläubiger Personen, Aussagen schiitischer Gelehrter sowie Erkenntnisse aus psychologischen Studien auf die heilsame Wirkung des Korans, vorausgesetzt, es besteht tiefes Vertrauen in seine Kraft, aufrichtige Rezitation und Befolgung seiner Lehren.
Begriffliche Klärung und Bedeutung
Die heilende Kraft des Korans bedeutet die Behandlung oder Linderung von Krankheiten mithilfe seiner Verse[1] und stellt eine metaphysische Besonderheit des heiligen Textes dar.[2] Laut Gelehrten besitzen sämtliche Koransuren eine heilende Wirkung[3], wobei beispielsweise Vers 82 der Sure Al-Isra als Hinweis darauf gilt.[3] Einige Forscher heben hervor, dass der Ausdruck „schifa“ (Heilung) und seine Derivate in sechs Koraversen verwendet werden, die als „Heilsverse“ bekannt sind.[6]
Nach bestimmten Überlieferungen[7] vermag der Koran sowohl bei geistigen, moralischen als auch körperlichen Leiden eine Heilung zu bewirken[8]; dieses heilende Potenzial wird jedoch an die Befolgung der koranischen Gebote gebunden.[9] Ajatollah Khamenei bezeichnet den Koran als ein Heilmittel gegen die Leiden der Menschheit, wie Kriege, Unterdrückung und Ungerechtigkeiten.[10]
Das Heilpotenzial des Korans im Lichte des göttlichen Willens
Die heilende Kraft des Korans wird direkt auf den Willen und die Macht Gottes zurückgeführt; dies bedeutet, dass Gott jenseits natürlicher Ursachen die Genesung von Kranken bewirken kann. Im Koran wird beispielsweise die Heilung von Erkrankten und die Auferweckung von Toten durch Jesus (a.) mit göttlicher Erlaubnis erwähnt.[11][12] Dennoch haben sich in der Analyse der Überlieferungen zu den besonderen Wirkungen einzelner Suren und der Heilkraft des Korans unterschiedliche Sichtweisen herausgebildet.[13] Einige betrachten die Heilung durch den Koran als eine Art universelles Heilmittel, das für alle wirksam ist. Andere sehen darin vor allem eine göttliche Gnade oder eine besondere Gunst. Wieder andere vertreten die Auffassung, dass das Rezitieren bestimmter Suren lediglich den Rahmen für Heilungsprozesse schaffen kann, ohne selbst als direkte Ursache für die Genesung zu gelten.[14] Nach Ansicht einiger Wissenschaftler wurde der Koran in der Praxis des Propheten und seiner Familie neben Medikamenten und Ärzten eingesetzt, wobei seine Wirkung allerdings nicht als gewöhnliches Heilmittel missverstanden werden darf, sondern vielmehr in Kombination mit natürlichen Ursachen interpretiert wird.[15]
Wirkung des Korans auf die Behandlung psychischer und seelischer Erkrankungen
Der Koran wird als Heilmethode bei psychischen Leiden angesehen.[16] Ayatollah Makarem Schirazi, ein bedeutender schiitischer Koranexeget, interpretiert den Begriff „Krankheit des Herzens“ im Vers 67 der Sure Yunus als geistige und spirituelle Verunreinigungen.[17][18] Diese Krankheiten umfassen Bereiche der Glaubensüberzeugungen, wie Unglaube und Götzendienst, sowie ethische und verhaltensbezogene Defizite, zum Beispiel Neid, Geiz und Groll.[19] Nach dem sunnitischen Kommentator Fakhr ad-Din ar-Razi korrigiert der Koran durch die Darlegung der Wahrheiten über die Schöpfung und das Wesen des Menschen, sowie Ursprung und Jenseits, falsche Glaubensansichten und schafft durch die Darstellung moralischer Laster die Grundlage für ihre Behandlung und die Hinführung des Menschen zu Tugenden.[20]
Gemäß einer Überlieferung von Imam Ali (a.)[21] zählen Unglaube, Heuchelei und Irreführung zu den schwerwiegendsten seelischen Erkrankungen des Menschen, und der Koran wird als deren Heilmittel beschrieben.[22] Ali Nasiri, Gründer des Instituts für Offenbarungs- und Weisheitslehren, stützt sich dabei auf die Verse 57 der Sure Yunus und 82 der Sure al-Isra und vertritt die Ansicht, dass der Koran für alle Menschen heilende Kräfte bei Glaubenskrankheiten und für Gläubige auch bei moralischen Krankheiten besitzt.[23]
Der Einfluss des Korans auf die Reduktion von Angstzuständen
Studien aus der Psychologie weisen darauf hin, dass das Lesen und Verstehen des Korans zur Linderung von Angst- und Depressionssymptomen beiträgt.[24] Untersuchungen mit verschiedenen Gruppen, darunter Schwangere und kranke Personen, zeigen, dass das Hören der Koranrezitation die psychische und physische Verfassung fördert.[25] Zudem führte ein sechsmonatiges tägliches Rezitieren des Korans bei Jugendlichen zu einer signifikanten Verringerung von Angstzuständen.[26]
Der Einfluss des Korans auf die Heilung körperlicher Erkrankungen
Nach Auffassung einiger Koranexegeten kann der Koran bei der Behandlung bestimmter körperlicher Krankheiten wirksam sein.[27] Das Rezitieren, die Segnung (tabarruk) und das Befolgen seiner Lehren werden als wesentliche Faktoren für diese heilende Wirkung angesehen.[28] Darüber hinaus verweisen Forscher auf die gesundheitsbezogenen Lehren des Korans in Bereichen wie Ernährung[29], sexuelle Hygiene[30], Fasten[31] und Honigkonsum[32] und sehen darin präventive Vorschriften, die zur Förderung der Gesundheit und Verbesserung von Krankheiten beitragen können.[33]
Heilende Überlieferungen zum Koran
Es existieren zahlreiche Überlieferungen, die sich auf die heilenden Eigenschaften bestimmter Koranverse und Suren beziehen.[34] Nach diesen Überlieferungen werden bestimmte Suren zur Behandlung spezieller Leiden empfohlen[35], darunter:
- Die Sure Al-Fatiha zur Linderung aller Krankheiten,[36]
- Die Suren An-Nas und Al-Falaq zur Bekämpfung starker Schmerzen,[37]
- Ayat al-Kursi zum Schutz vor Schaden und zur Verhinderung von Lähmungen;[38] eine Überlieferung berichtet, dass Imam Ali (a.) das Rezitieren von Ayat al-Kursi zur Heilung von Augenleiden empfahl[39],
- Die Sure „Wa in yakad...“[40] zur Abwehr des bösen Blicks.[41]
Diese Wirkungen werden jedoch an den Glauben an die heilende Kraft des Korans geknüpft.[44] Einige Gelehrte, wie Seyyed Abu al-Qasim Khui, äußern Zweifel an der Authentizität einiger Überlieferungen und vermuten, dass sie von Erzählern hinzugefügt wurden.[43]
Erfahrungen mit der heilenden Wirkung des Korans
Zahlreiche Erfahrungsberichte bestätigen, dass bestimmte Verse und Suren des Korans bei der Behandlung körperlicher Krankheiten positive Ergebnisse gezeigt haben.[44] Ayatollah Jawadi Amoli betrachtet die heilende Wirkung des Korans auf körperliche Leiden als empirisch belegt.[45] Molla Saleh Mazandarani, ein Gelehrter des 11. Jahrhunderts n.H., vertritt die Ansicht, dass jeder Koranvers, insbesondere wenn er mit Aufrichtigkeit und Vertrauen rezitiert wird, heilkräftig sein kann und dass die Sure Al-Fatiha zur Heilung verschiedener Krankheiten erprobt wurde, vor allem bei siebzigfachem Rezitieren.[46] Muhammad Taqi al-Majlisi berichtet ebenfalls von der Genesung über tausend Patienten, deren Heilung er persönlich durch das Rezitieren der Sure Al-Fatiha miterlebt hat.[47]