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Entwurf:Israiliyyat

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Isrā’īliyāt (Arabisch: الإسرائيليات) als Begriff bezieht sich auf Berichte aus jüdischen und christlichen Quellen und auf alte Legenden, welche in die islamischen Texte Eingang fanden. Zurückgeführt wird der Einfluss dieser Inhalte auf die islamischen Texte hauptsächlich auf Erzählungen von jüdischen Konvertiten in den ersten Jahrhunderten n.H.. In einigen Überlieferungen vom Propheten (s) wurde den Muslimen untersagt auf Isra‘iliyat zuzugreifen. Der Eintritt dieser Berichte in islamische Quellen wird als eine Folge kultureller Beeinflussung der vorislamischen arabischen Gesellschaft durch die jüdische Bevölkerung auf der Arabischen Halbinsel betrachtet.

Zu den bekanntesten Persönlichkeiten, die zur Entstehung und Verbreitung der Isra‘iliyat beitrugen, zählen Figuren wie Kaʿb al-Ahbar, Tamim b. Aws ad-Dari, ʿAbd Allah b. Salam, Wahb b. Munabbah, Abu Huraira und ʿAbd Allah b. ʿAbbas. Zwischen dem zweiten und fünften Jahrhundert n.H. tätigten Gelehrte wie Fazl ibn Schazan und Sayyid Murtaza kritische Ansätze bezüglich "Isra‘iliyat". Trotzdessen fanden diese Berichte ihren Weg in wichtige Quellen wie in den Tafsir von at-Tabari („Jamiʿ al-Bayan“) und in den Tafsir von al-Qummi.

Die Isra‘iliyat behandelt vor allem Themen wie die Schöpfung der Welt, beispielsweise die Veränderung der Mondfarbe und das Tragen der Erde auf Wasser. Darüber hinaus werden Geschichten über frühere Propheten erzählt, darunter Details wie die Größe der Arche Noah. Zudem werden Propheten wie David Fehler oder Sünden zugeschrieben. Auch werden metaphysische Phänomene aufgegriffen.

Über die Isra‘iliyat wurden Bücher verfasst wie etwa „Isra‘iliyat und ihr Einfluss auf die Geschichten der Propheten in den Koran-Kommentaren“ von Hamid Mohammadqasemi sowie „al-Israʾiliyyat fi at-Tafsir wa al-Hadith“ von Muhammad Husain adh-Dhahabi.

Begriffserklärung

Isra'iliyyat bezeichnet Berichte, die aus jüdischen und christlichen Quellen oder aus alten Geschichten stammen und in islamische Kommentare, wie in Erklärungen (Tafsirs) und in die Hadithliteratur Eingang fanden.[1] Laut adh-Dhahabi, einem Dozenten der Al-Azhar-Universität in Ägypten, erweiterten einige Kommentatoren den Rahmen dieses Begriffs und zählen auch jegliche unbegründeten Berichte (wie etwa die Legende von »Gharanik«), die in Tafsir- oder Hadithbüchern auftauchen, zu den Isra'iliyyat.[2] Al-Mas'udi, ein sunnitischer Historiker des vierten Jahrhunderts n.H., definiert Isra'iliyyat als jene Nachrichten, die weder vollständig akzeptiert noch durchweg abgelehnt werden können.[3]

Das Wort Isra'iliyyat ist der Plural von Isra'iliyya und bezieht sich auf Israel[4] – ein Beiname des Propheten Jakob (a.).[5] Die Anwendung dieses Begriffs für all diese Arten von Berichten erklärt sich durch die Vielzahl der Nachrichten, die aus jüdischen Quellen überliefert wurden.[6] Laut dem Autor des Artikels „Isra'iliyyat“ in der Islamischen Enzyklopädie wurde dieser Begriff erstmals für ein Buch namens *Isra'iliyyat* von Wahb ibn Munabbah verwendet, einem jemenitischen Geschichtsschreiber des 2. Jahrhunderts n.H. Einige literarische Quellen zeigen auch andere Namen für dieses Werk an.[7]

Israelitisches aus der Perspektive der Überlieferungen und islamischer Gelehrter

In den überlieferten Hadithen des Propheten des Islam (s) finden sich Inhalte, die vor dem Rückgriff auf die Quellen der Schriftbesitzer (Juden und Christen) warnen. In einem Hadith heißt es, dass man die Schriftbesitzer nicht befragen soll, da sie nicht rechtleiten, sondern zu falschen Wegen führen.[8] In einem anderen Hadith heißt es, dass man die Worte der Schriftbesitzer weder bestätigen noch ablehnen soll.[9] Es wird berichtet, dass solche Hadithe dazu führten, dass die Überlieferungen der Schriftbesitzer in der Zeit der Prophetengefährten weniger Beachtung fanden.[10]

Andererseits heißt es in einer Überlieferung „Erzählt von den Kindern Israels, ohne dass es ein Hindernis gibt“, was besagen soll, dass das Zitieren von Überlieferungen aus jüdischen Quellen unproblematisch ist.[12] Muhammad-Hadi Ma’rifat (gestorben 1385 n.i.S.), ein bekannter Gelehrter und Forscher im Bereich der Koranwissenschaften, vertritt jedoch die Auffassung diese Aussage sei metaphorisch zu verstehen. Sie soll die Verwerflichkeiten der Juden vermitteln, insofern, dass jede vorstellbare unanständige Handlung ihnen zuzutrauen ist. Daher wäre alles, was über sie erzählt wird, als wahr anzusehen.[13]

Ibn Taimiyya und Ibn Kathir, prominente sunnitische Gelehrte des 8. n.H., unterteilen die „Isra‘iliyat“ in drei Kategorien: Diejenigen Überlieferungen, die durch den Koran und die prophetische Tradition (Sunnah) bestätigt werden und somit akzeptabel sind. Dann jene Berichte, die den islamischen Quellen widersprechen und daher abzulehnen sind, wobei die letzte Kategorie all die Überlieferungen umfasst, die in den islamischen Quellen keine Erwähnung finden und über deren Wahrhaftigkeit oder Falschheit keine endgültige Bewertung möglich ist.[14] Muhammad-Hadi Ma’rifat übernimmt diese Einteilung und liefert Beispiele dafür.[15] Er betont zudem, dass bei den Überlieferungen der dritten Kategorie Vorsicht geboten sei und man darauf verzichten sollte sie weiterzugeben.[16]

Ausbreitung

Die Verbreitung der Isra‘iliyat in islamischen Quellen wird auf die kulturelle Beeinflussung der altarabischen Kultur durch die jüdischen Bewohner der arabischen Halbinsel zurückgeführt.[17] Laut Abdulhadi Masudi, einem Wissenschaftler im Bereich der Hadith-Forschung, nahm diese Einflussnahme mit der Konversion einiger Juden und Christen zum Islam zu.[18] Dadurch gelangten Überlieferungen aus jüdischen und christlichen Quellen in die islamische Kultur.[19]

Ein Grund für die Übernahme von Inhalten aus den Lehren der Schriftbesitzer wird darin gesehen, dass der Koran bei der Schilderung von Geschichten über Propheten mit der Tora und dem Evangelium übereinstimmt. Gleichzeitig lässt der Koran in manchen Fällen bei solchen Erzählungen Details offen.[20] Es wird berichtet, dass manche Muslime aus diesem Grund sogar die Schriftbesitzer konsultierten, um weitere Informationen über diese Geschichten zu erhalten.[21] Nach Auffassung von Ja‘far Subhani, einem der bekannten schiitischen Geistlichen, führte das Verbot der Hadith-Niederschrift – welches etwa ein Jahrhundert lang andauerte – dazu, dass jüdische und christliche Überlieferungen Hadithe ersetzten und ihren Weg in sunnitische Werke wie Sahih al-Bukhari und Sahih al-Muslim fanden.[22] Zudem wird behauptet, dass jüdische Gelehrte absichtlich Berichte aus dem Talmud, dem zweiten heiligen Buch der Juden, sowie jüdische Legenden verfälschten und diese Prophet Muhammad (s) zuschrieben. Ziel dieses Vorgehens war, die kulturellen Grundlagen des Islams zu schwächen .[23]

Einflussreiche Persönlichkeiten hinsichtlich der Verbreitung der „Israʼiliyyat“

Zu den bekanntesten Persönlichkeiten, die zur Entstehung und Verbreitung der „Israʼiliyyāt“ unter den Gefährten und der Tabi‘in beitrugen zählen Ka'b al-Ahbar, Tamim b. Aws Dari, ʿAbdullah b. Salam, Wahb b. Munabbah, Abu Huraira, ʿAbdullah b. ʿAbbas, ʿAbdullah b. ʿAmr b. al-ʿAs und Muhammad b. Ka'b al-Qurazi.[24] Laut Berichten sollen insbesondere die ersten vier Personen eine bedeutendere Rolle bei der Förderung dieser Erzählungen gespielt haben.[25]

Ka'b al-Ahbar

Hauptartikel: Ka’b al-Ahbar Ka'b al-Ahbar, vollständig Abu Ishaq Ka'b b. Matiʿ al-Himyari genannt (gest. 32 n.H.)[26], war ein einflussreicher jüdischer Gelehrter aus dem Jemen.[27] Während der Herrschaft von Abu Bakr nahm er den Islam an.[28] Rijal-Gelehrte erwähnen Ka'b als einen der ersten Tabi’in, Gefährten und Tabi‘in wie Ibn ʿAbbas, Abu Huraira, Malik b. Abi 'Amir und ʿAta' b. Abi Rabah überlieferten Erzählungen von ihm.[29] Laut historischen Quellen beantwortete Ka'b, der mit jüdischen Schriften vertraut war, nach seiner Konversion in muslimischen Gemeinschaften ihre Fragen.[30] Das Interesse von Umar und Mu'awiya an seinen Erzählungen soll maßgeblich zur weiten Verbreitung seiner Überlieferungen unter Muslimen beigetragen haben[31], dahingehend, dass er sogar gelegentlich bestimmte Verse des Korans interpretierte.[32]

Tamim b. Aws Dari

Hauptartikel: Tamim ad-Dari Tamim b. Aws b. Kharija ad-Dari, bekannt unter dem Namen Tamim al-Dari (gest. 40 n.H.), war ein konvertierter Christ, der während Sanat al-Wufud (das Jahr der Delegation) zum Islam übertrat.[33] Laut schiitischen Forschern gehörte auch er zu den Persönlichkeiten, die die „Israʼiliyyat“ in die islamische Kultur einführten.[34] In Berichten sunnitischer Quellen gilt Tamam als der erste Erzähler, der in der Prophetenmoschee den Muslimen Geschichten präsentierte.[35] Angeblich begann er während der Herrschaft von Umar einmal pro Woche Geschichten vorzutragen und steigerte dies während der Zeit von Uthman auf zweimal pro Woche.[36]

ʿAbdullah b. Salam

ʿAbdullah b. Salam (gestorben im Jahr 43 n.H.)[37] war ein jüdischer Gelehrter, der zu Lebzeiten des Propheten ( s) den Islam annahm.[38] Laut Berichten erfolgte seine Konversion nach einer Reihe von Frage- und Antwort-Sitzungen mit dem Propheten ( s).[39] Während ad-Dhahabi, ein sunnitischer Gelehrter, ihn aufgrund von Überlieferungen bei al-Bukhari als gerecht und gelehrt bezeichnete,[40] hielt der schiitische Gelehrte Muhammad Hadi Maʿrifat ihn für einen Verfälscher von Überlieferungen.[41]

Wahb b. Munabbah

Wahb b. Munabbah (gest. 114 n.H.) wird als eine weitere zentrale Figur in der Verbreitung der sogenannten „Israiliyyat“ angesehen.[42] Seine Familie stammte ursprünglich aus Chorassan, während er selbst im Jemen geboren wurde.[43] Es heißt, dass er mit Hebräisch und Syrisch vertraut war und viele Inhalte aus älteren Schriften im Jemen verbreitete.[44] Laut Rasul Jafarian, einem schiitischen Historiker, verbreiteten sich die Überlieferungen von Wahb in späteren Perioden zunehmend auch in anderen Regionen. Sie dienten oft als Grundlage für wenig gebildete Geschichtenerzähler, die in Versammlungen und Moscheen Gruppen zusammenbrachten, um ihnen Geschichten vorzutragen.[45]

Sammlung und Kritik an der „Israeliyyat“ im 2. bis 5. Jahrhundert n.H.

Im Zuge der Entwicklung der islamischen Wissenschaften ( 2. und 3. Jahrhundert n.H.) fanden einige israelische Überlieferungen Eingang in islamische Quellen.[46] Gelehrte wie Fazl b. Schazan übten jedoch strenge Kritik an ihrer Authentizität.[47] Dennoch wurden diese Überlieferungen gelegentlich weiterhin verwendet.[48] Zu den bedeutenden Werken, die solche Inhalte enthielten, gehören der schiitische Tafsir von Qumi[49] sowie ganz speziell der Tafsir at-Tabari aus sunnitischer Perspektive.[50]

Im 4. und 5. Jahrhundert n.H., als Predigten und erzählerische Literatur florierten, fand die Israiliyyat auch Zugang zu Werken von Autoren, denen es oft an Genauigkeit in der Quellenangabe mangelte. Beispiele hierfür sind „Bustan al-ʿArifin“ von Abu Lais Samarqandi, „Qisas al-Anbiya“ von Kasai sowie ähnliche Werke von Thaʿlabi und Rabghuzi.[51]

Es wird berichtet, dass Sayyid al-Murtadha, ein schiitischer Gelehrter und Theologe des 5. Jahrhunderts n.H., sich aktiv mit der Israeliyyat und den Geschichten ihrer Geschichtenerzähler auseinandersetzte .[52] Zeitgleich beschäftigten sich Wissenschaftler wie Muthhar Maqdasi[53], Ibn Nadim[54] und al-Biruni[55] intensiv mit den jüdischen Denkströmungen und analysierten deren Unterschiede zum Islam.

Einige Beispiele bezüglich der Israiliyyat in islamischen Quellen

Es gibt zahlreiche Beispiele für die "Israiliyyat", also Überlieferungen mit jüdischem oder christlichem Ursprung, die in islamischen Quellen zu finden sind. Diese Berichte beziehen sich auf verschiedene Themenbereiche wie die Erschaffung der Welt, die Geschichte vergangener Völker und verborgene Phänomene. In den islamischen Auslegungen, Überlieferungen und historischen Schriften sind solche Erzählungen häufig zu finden.[56] Es wird berichtet, dass die Israiliyyat vor allem in den Quellen der sunnitischen Tradition vorkommen, gelegentlich aber auch in schiitischen Werken Eingang fanden.[57] Laut Muhammad Hadi Ma‘rifat gelten zum Beispiel die Tafsir-Werke von at-Tabari (4. Jh.) und ad-Durr al-Manthur von as-Suyuti (10. Jh.) als bedeutende Quellen für die Verbreitung solcher Überlieferungen in späteren Kommentaren.[58] Einige Beispiele für die Israeliyyat sind folgende:

Erschaffung der Welt

Im Buch "at-Tafsir wa-l-Mufassirun" wird eine Überlieferung[59] von Fakhr ad-Din ar-Razi erwähnt, die angeblich dem Propheten Muhammad (s) zugeschrieben wird. Gemäß dieser war der Mond ursprünglich genauso strahlend wie die Sonne, bis ihn der Engel Gabriel mit einem Schlag traf, wodurch seine Farbe sich änderte und schwarze Flecken auf ihm entstanden.[60] Ein weiteres Beispiel ist eine Überlieferung aus dem Werk "Majma’ az-Zawa’id", in der berichtet wird, dass täglich neun Engel Eis auf die Sonne werfen, um ihre zerstörerische Hitze zu mildern.[61] Es wird ebenfalls erzählt, dass die Erde auf Wasser ruht, dieses Wasser läge auf einem Felsen und dieser Fels wiederum auf dem Rücken eines Wals, der direkt mit dem göttlichen Thron verbunden ist.[62]

Geschichten von Propheten und vergangenen Generationen

In einigen israelitischen Überlieferungen findet sich eine Beschreibung der Arche Noah mit unterschiedlichen Abmessungen.[63] Demnach soll die Arche entweder 600 oder 1200 Ellen lang gewesen sein, mit einer Breite von 333 bis 600 Ellen und mit drei Ebenen: für Tiere, Menschen und Vögel.[64] Es heißt auch, dass die Arche Noah sieben Mal um das Haus Gottes herumgesegelt sei und nach ihrer Landung auf dem Berg Al-Dschudi am Tag von Aschura habe Noah aus Dankbarkeit einen Fastentag eingelegt. Dabei sollen auch Tiere und Insekten zum Fasten aufgefordert worden sein.[65]

Zudem werden in einigen Berichten den Propheten Verfehlungen zugeschrieben, die ihrem hohen Ansehen zu widersprechen scheinen.[66] So findet sich im Tafsir von al-Qummi eine Geschichte über den Propheten David, in der erzählt wird, er habe sich von der Schönheit der Frau Urias verführen lassen und mittels einer List Uria getötet. Nach einer Zurechtweisung durch Engel habe David 40 Tage lang intensiv Buße getan und schließlich diese Frau geheiratet. Ihr Sohn sei dann der Prophet Salomo gewesen.[67]