Entwurf:Safar-Intifada im Irak
Safar-Intifada im Irak (Arabisch: إِنْتِفاضَة صَفَر في العِراق)Die war eine Erhebung der schiitischen Bevölkerung des Landes, die im Rahmen des Arba'in-Pilgermarsches gegen das Baath-Regime im Monat Safar des Jahres 1397 n.H. (entsprechend 1977 n.H. bzw. 1355 n.i.M) stattfand. Die Baath-Partei schränkte religiöse Zeremonien stark ein und verbot jegliche Aktivitäten, die mit der Einrichtung von Prozessionen oder dem Pilgermarsch nach Karbala zusammenhingen. Trotz dieses Verbots bereiteten sich die Bewohner von Najaf am 15. Safar 1397 auf den Arba'in-Pilgermarsch nach Karbala vor. Ein Konvoi von rund 30.000 Menschen machte sich auf den Weg, wurde jedoch schon zu Beginn mit staatlicher Repression konfrontiert, bei der einige ihr Leben verloren. Auf dem Weg von Najaf nach Karbala griffen Militärkräfte an, tausende Teilnehmer wurden verhaftet, einige getötet, andere zum Tode oder zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt. Die Geistlichen Muhammad-Baqir as-Sadr und Muhammad-Baqir al-Hakim spielten eine zentrale Rolle bei dieser Intifada. Auch Imam Khomeini billigte diese Volksbewegung.
Hintergrund
Die Baath-Partei übernahm 1968 die Macht im Irak[1] und führte bereits ein Jahr später weitreichende Restriktionen gegen die Durchführung schiitischer religiöser Zeremonien ein. Diese Einschränkungen führten zu Auseinandersetzungen zwischen der Bevölkerung und der Regierung.[2]
Im Jahr 1972 wurden religiöse Zeremonien auf wenige Hussainiyyas beschränkt, nur einige erhielten die Erlaubnis weiterhin Rituale abzuhalten.[3] Unter der Präsidentschaft von Hasan al-Bakr und seinem Vize Saddam Hussein wurden 1976 weitere Bestimmungen erlassen, die jede Form von Prozessionen und den Pilgermarsch nach Karbala untersagten. Auch Trauerzeremonien für Imam Hussein (a) unterlagen strengen Einschränkungen und durften nur unter bestimmten Bedingungen durchgeführt werden.[4] Im Jahr 1977 wurden diese Maßnahmen erneut bestätigt.[5]
Zunahme der Einschränkungen
In den ersten zehn Tagen des Monats Muharram im Jahr 1977 nahmen die Einschränkungen erheblich zu. Fahrzeuge wurden von Regierungsbeamten durchsucht, und jegliche Gegenstände, die mit Trauerzeremonien in Verbindung standen wurden beschlagnahmt. Berichten zufolge konfiszierten die Behörden sogar Lebensmittel, die für die Pilger vorbereitet worden waren.[6]
Am Abend vor Aschura im Jahre 1977 beschlossen einige junge Schiiten dennoch Trauerzeremonien abzuhalten. Die Regierung erlangte Kenntnis davon, nahm dutzende Personen fest und inhaftierte sie. Daraufhin entschied sich die Bevölkerung in der Nacht des 25. Muharram, dem Jahrestag des Märtyrertodes von Imam Sajjad (a), zu protestieren. Nach einer Beratung mit Sayyid Muhammad Baqir Sadr wurde diese Aktion jedoch auf den Arbaʿin Tag von Imam Hussein verschoben.[7]
Intifada
Weitere Informationen finden Sie unter Baath-Partei im Irak. Am 15. Safar 1397 (1977) versammelte sich eine große Menschenmenge am Schrein von Imam Ali (a) in Najaf, die zu Fuß an Arbaʿin den Schrein von Imam Hussein besuchen wollte.[8] Einige Forscher schätzen die Zahl der Pilger auf 30.000 Personen.[9] Trotz der Bemühungen des Militärs zur Verhinderung des Marsches zog die Menge los und hielt etwa zehn Kilometer nach Najaf an, um sich dort auszuruhen. Sofort wurden in der Umgebung Militärfahrzeuge positioniert.[10] Auf dem Weg dorthin und in den Tagen zuvor, war es schon vereinzelt zu Zusammenstößen gekommen.[11] Fünfzig Kilometer von Karbala entfernt gab es eine weitere Auseinandersetzung, bei der vier Personen ums Leben kamen.[12] Trotz der Gewalt und der Opfer setzten die Menschen ihren Marsch fort. Schließlich griffen die Streitkräfte an und töteten etwa 16 Personen, ausserdem gab es tausende von Festnahmen.[13] Von den Verhafteten wurden acht Personen hingerichtet und 16 weitere, darunter Sayyid Muhammad Baqir Hakim, zu lebenslanger Haft verurteilt.[14] Für einige Personen, die aus dem Irak geflüchtet waren, wurde eine Abwesenheitstodestrafe verhängt, die unter anderem Sayyid Murataza Askari, Sayyid Muhammad Hussein Fadlallah, Scheikh Muhammad Mahdi Schams ad-Din und Scheikh Muhammad Mahdi Asafi betraf.[15]
Die religiöse und politische Bewegung
Der Arba'in-Pilgerweg von Najaf nach Karbala ist ein religiöses Ritual.[16] Der Marsch und die Mawkibs (ihrer Haiats) in jenen Jahren galten auch als eine Art Widerstand gegen die damalige unterdrückerische Herrschaft.[17] An der Spitze der Menschenmenge wurde eine große grüne Fahne getragen, auf die der Vers "Die Hand Allahs ist über ihren Händen" geschrieben stand.[18][19] Diese Fahne und die Botschaft darauf war für die Regierung offenbar unmissverständlich.[20]
Sayyid Muhammad Baqir al-Sadr hatte die Menschen dazu aufgerufen, ihre Parolen auf Imam Hussein (a) zu beziehen und nicht direkt gegen die Regierung zu demonstrieren.[21] Dennoch wurden Parolen gegen Hassan al-Bakr und Saddam Hussein gerufen.[22]
Stellungnahme der Gelehrten
Imam Khomeini und Sayyid Abdullah Musawi Schirazi bestätigten den Safar-Aufstand des Iraks.[23] Sayyid Muhammad Baqir al-Sadr schickte Sayyid Muhammad Baqir al-Hakim als sein Vertreter zu den Pilgern[24], um sie zu ermutigen und sie auf die Hauptziele auszurichten.[25] Muhammad Baqir al-Hakim bestärkte die Menschen auf seinem Weg von Najaf nach Karbala und versicherte ihnen, dass er bis zuletzt an ihrer Seite bleiben würde.[26]
Folgen
Die irakische Regierung bezeichnete diesen Aufstand als subversive Aktion, die ihrer Ansicht nach durch koloniale Regierungen initiiert worden sei.[28] Andererseits wird dieser Aufstand von manchen als erste religiöse und politische Bewegung gegen die Baath-Partei betrachtet, bei der die Religion und Imam Hussein (a.s.) im Mittelpunkt standen.[29]
Als Ergebnisse des Aufstandes wurden folgende Punkte hervorgehoben:
- Das islamische Image der Baath-Partei wurde durch ihr Vorgehen gegen den Safar-Aufstand zunichte gemacht.
- Der Ruf der Baath-Partei wurde erstmals durch den Widerstand der Bevölkerung gegen die Regierung erschüttert.
- Innerparteiliche Konflikte in der Baath-Partei wurden angestoßen.[30]