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Entwurf:Scha‘baniyya-Intifada

Aus wikishia

Die Scha‘baniyya-Intifada (Arabisch: الإنتِفاضة الشَّعبانيّة) im Irak war ein Volksaufstand gegen das Regime von Saddam Hussein, der sich im Monat Scha’ban des Jahres 1411 n.H. (März 1991) ereignete. Die Bewegung setzte in Basra ein, woraufhin die Protestierenden innerhalb von 15 Tagen die Kontrolle über 14 von den insgesamt 18 Provinzen des Landes einnehmen konnten.

Doch die Baath- Partei reagierte mit brutaler Gewalt, was zum Tode von Zehntausenden von Menschen führte und rund zwei Millionen verloren ihren festen Wohnsitz. Zahlreiche Geistliche wurden verhaftet oder hingerichtet, andere wiederum flohen ins Ausland. Im Rahmen der Repressionen wurden auch die Heiligtümer von Imam Ali (a) und Imam Husain (a) beschädigt und zahlreiche Schulen, Moscheen und Hussainiyas zunichte gemacht.

Die weit verbreitete Unzufriedenheit der Bevölkerung, die durch die Kriege gegen Iran und Kuwait und den damit verbundenen verheerenden wirtschaftlichen und infrastrukturellen Schäden im eigenen Lande enstanden war, werden als Ursachen des Aufstandes angeführt.

Hintergrund

Der Volksaufstand im Irak begann im Monat Scha‘ban des Jahres 1411 n.H. (März 1991) in der Stadt Basra. Ein zurückgekehrter irakischer Soldat aus dem Kuwait-Krieg feuerte mit einem Panzer auf das Bild von Saddam Hussein[1] was eine Welle von Protesten auslöste, bei der die Bevölkerung zuerst die Gebäude der Baath-Partei und anschließend das Gefängnis der Stadt angriff und diese besetzte.[2] Nach der raschen Eroberung von Basra und der Ausbreitung dieser Nachricht kam es zu Demonstrationen in anderen Provinzen und zur Einnahme dieser.[3]

Die Zerstörung wirtschaftlicher und sozialer Infrastrukturen durch den Kuwait-Krieg, die gravierenden Schäden entstanden durch den Iran-Irak-Krieg sowie die allgemeine Unzufriedenheit mit der Baath-Regierung gelten als Hauptgründe für den Aufstand.[4] Nach dem Überfall des Iraks auf Kuwait führten die Koalitionsstreitkräfte unter der Führung der USA Angriffe auf den Irak durch, womit noch weitere wirtschaftliche Infrastrukturen des Landes destruiert wurden.[5] Dies schwächte das irakische Regime erheblich, und staatliche Institutionen kollabierten. Währenddessen gelangten Waffen in die Hände der Bevölkerung. All diese Ursachen bildeten den Grundstein für die Entstehung des Aufstandes.[6]

Der Aufstand entwickelte sich spontan ohne vorherige Planung. Es gab weder eine führende politische Partei noch eine zentrale Person, die den Widerstand koordinierte und leitete.[6]

Reichweite

Während des Scha‘baniyya-Aufstandes eroberte das Volk 14 von den insgesamt 18 Provinzen des Iraks. Dabei gelang es den Demonstranten die Provinzen Diyala, Wasit, Maisan, Basra, Thi-Qar, Muthanna, al-Qadisiyya, Babil, Karbala, Najaf, Dohuk, Arbil, Kirkuk und Sulaimaniya einzunehmen. Lediglich die zentralen Provinzen einschließlich Salah ad-Din, Bagdad, Niniwe und al-Anbar blieben von der Regierung beherrscht.[7] Daher gilt der Scha‘baniyya-Aufstand als die größte innenpolitische Herausforderung während der Regierungszeit Saddam Husseins.[8]

Najaf

Begonnen hatte die Bewegung in Najaf am 16. Scha'ban mit Demonstrationen in der Gegend rund um den Schrein von Imam Ali (a).[9] Diese entwickelten sich etwas später zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen und den Baathisten, wodurch auf beiden Seiten Tote und Verletzte zu beklagen waren. Bis zum Mittag des 17. Scha'ban dauerten die Kämpfe an und endeten mit dem Sieg der Volksgruppen, die schließlich grüne Fahnen im Stadtzentrum hissten.[10]

Karbala

In Karbala nahm der Aufstand am 18. Scha'ban seinen Anfang[11], obwohl es bereits am 16. Scha'ban vereinzelt zu Auseinandersetzungen kam.[12] Die Volksbewegung in der Stadt hielt drei Tage lang an. Am dritten Tag gelang es den Menschen die vollständige Kontrolle über Karbala zu übernehmen.[13]

Ausgang des Aufstandes

Der Schaban-Aufstand dauerte 15 Tage.[14] Die Revolutionären wurden von Saddams Streitkräften brutal niedergeschlagen, inoffizielle Berichte sprechen dabei von etwa 300.000 Menschen, rund zwei Millionen Iraker wurden vertrieben.[15] Das war das erste Ereignis, das die Herrschaft von Saddam Hussein ernsthaft bedrohte und das ihn fast hätte stürzen lassen.[16]

Einige Städte, darunter Najaf und Karbala, erlitten die größten Schäden.[17] In den religiösen Städten war Saddams Schwiegersohn Hussein Kamil für die Niederschlagung des Aufstandes zuständig. Die Repressionen in diesen beiden Städten galten als besonders grausam – zahlreiche Zivilisten wurden getötet. In Karbala und Najaf zerstörten Baath-Truppen viele Moscheen, Schulen und Hussainiyyas.[18] Große Mengen von Manuskripten wurden ebenfalls zunichte gemacht.[19]

Um verlorene Gebiete zurückzuerobern griff das Regime auch zu chemischen Waffen.[20] Viele der von den Baath-Truppen Festgenommenen wurden später getötet und in Massengräbern beigesetzt, die nach dem Sturz Saddams entdeckt wurden.[21] Zahlreiche Menschen suchten Zuflucht in den heiligen Schreinen. Doch auch diese wurden von den Baath-Milizen angegriffen, wobei viele Schutzsuchende ums Leben kamen.[21] Nach der Niederschlagung des Aufstandes wurde Ayatollah Khui zusammen mit einigen Familienmitgliedern und nahestehenden Personen verhaftet und nach Bagdad verbracht.[22] Wenige Tage später wurde er gezwungen, vor laufender Kamera, mit Saddam ein Gespräch zu führen.[23] Mehrere Vertreter von Ayatollah Khui, darunter Seyyed Muhammad-Reza Musawi Khalkhali, Seyyed Ja‘far Bahr al-Ulum und Seyyed Iz ud-Din Bahr al-Ulum, wurden nach der Niederschlagung des Aufstandes hingerichtet.[24] Andere prominente religiöse Persönlichkeiten wie Seyyed Muhammad Sabsewari, Scheich Muhammad-Reza Schabib Sa‘idi und Seyyed Muhammad Saleh Khorasani verließen das Land.[25]

Beschädigung heiliger Stätten

Die Leitung der Niederschlagung des Aufstandes in Karbala lag in den Händen Hussein Kamils, dem Schwiegersohn Saddam Husseins, während in Najaf Taha Yassin Ramadan, ein bekannter und einflussreicher Angehöriger der Baath-Partei, diese Aufgabe übernahm.[26] Saddam Husseins Streitkräfte gingen mit Artillerie und Panzern gegen Karbala und Najaf vor. Dabei wurden die Schreine von Imam Ali (a), Imam Husain (a) und al-Abbas (a) schwer beschädigt. Im Anschluss blieben die Tore dieser Heiligtümer für sechs Monate geschlossen.[27]

Unterstützer der Regierung

Nach der Vertreibung des Iraks aus Kuwait im Jahre 1991 verfolgte die US-Regierung offiziell die Strategie eines politischen Machtwechsels im Irak. Doch während des Schabani-Aufstandes erlaubte George Bush Saddam Hussein alle militärischen Mittel gegen die Bevölkerung einzusetzen. Experten bewerten diesen Kurswechsel als Maßnahme, um eine religiöse Regierung im Irak zu verhindern.[28] Beobachter vermuten zudem, dass die USA im Verlauf des Golfkrieges gezielt die republikanische Garde des Iraks unversehrt ließ. Laut Milan Rai, Autor eines aufschlussreichen Buches zu diesem Thema, sei diese Entscheidung bewusst und auf höchster Ebene der US-Führung getroffen worden.[29] Ebenso äußerte sich der damalige US-Außenminister in seinen später veröffentlichten Memoiren und bestätigte, dass international und regional beschlossen wurde Saddam nicht zu stürzen, da andernfalls eine pro-iranische Regierung hätte entstehen können.[20] Experten gehen davon aus, dass diese amerikanische Haltung unter Druck von Saudi-Arabien und der gesamten arabischen Welt entstand, da sie einen Sieg der Schiiten im Falle eines Machtwechsels fürchteten.[30]


=Die Rolle der Volksmudschahedin

Einige Berichte deuten darauf hin, dass die iranischen Volksmudschahedin bei der Niederschlagung des Schabani-Aufstands eng mit der irakischen Regierung zusammenarbeiteten. Es gibt Hinweise darauf, dass sie an der Repression in Basra beteiligt waren und zahlreiche Opfer in Massengräbern beerdigten.[31]

Ehemalige Mitglieder der Organisation äußerten sich später zu den Ereignissen und berichteten über eine Operation namens „Perle“, bei der es auch zu Massenmorden an Kurden kam. Sie gestanden dabei den Dienst der Organisation für Saddam Hussein während dieses Aufstandes ein.[32]

Später, am 30. Oktober 2015, meldete eine Gruppe, die sich aus den Familienmitgliedern der Opfer des Schabani-Aufstands zusammensetzte, bei einem Raketenangriff den Tod von 25 Mitgliedern der Volksmudschahedin sowie 200 verletzte Personen.[33]

Reaktionen

Ayatollah Khui veröffentlichte am 18. Scha‘ban, zwei Tage nach Beginn des Aufstandes in Najaf, eine Erklärung. Darin forderte er die Beachtung der religiösen Vorschriften, den Schutz von Eigentum und des öffentlichen Besitzes, die Bestattung der auf den Straßen liegenden Leichen, das Unterlassen von Verstümmelungen und ähnliche Maßnahmen.[34] Zwei Tage später verkündete er eine weitere Erklärung und ernannte neun Geistliche zwecks Verwaltung und Organisation, darunter:

  • Seyyed Mohammad Reza Mousavi Khalqali
  • Seyyed Jafar Bahr al-Ulum
  • Seyyed Ezzedine Bahr al-Ulum
  • Seyyed Muhammad Sabzwari, Sohn von Ayatollah Sabzwari
  • Scheich Muhammad Reza Schabib Sa‘idi
  • Seyyed Muhammad Salih Seyyed Abdul Rasul Khursan
  • Muhammad Taqi Khui, Sohn von Ayatollah Khui
  • Seyyed Muhammad Reza Khursan
  • Sayyed Muhy ad-Din Gharifi

Einige dieser Personen begaben sich anschließend in verschiedene Städte, um Angelegenheiten zu regeln.[35]

Auch Sayyed Abdul A'la Sabzewari, einer der führenden Geistlichen in Najaf, unterstützte den Aufstand mit einer religiösen Direktive.[36]

Seyyed Muhammad Baqir al-Hakim trat ebenfalls für den Aufstand ein, wobei seine Anhänger eine zentrale Rolle bei der Sha'ban-Intifada spielten.[37]

Gründe für das Scheitern

Forscher führen mehrere Faktoren für das rasche Scheitern der Scha‘ban-Intifada an:

  • Einsatz von schwerer Artillerie mit hoher Zerstörungskraft durch die Regierung;
  • Verwendung speziell ausgebildeter Einheiten wie der Republikanischen Garde des Iraks, die über zahlreiche Waffen verfügten und weitreichende Vollmachten zur grausamen Unterdrückung besaßen[40];
  • Luftüberlegenheit der Regierung durch Einsatz von Hubschraubern;
  • Fehlen einer kompetenten Führung innerhalb und außerhalb des Aufstandes ;
  • Fehlende Unterstützung der von Sunniten bewohnten Provinzen im Land;
  • Mangel an Rückhalt durch Staaten in der Region[41];
  • Fehlende Koordination zwischen den irakischen Gruppen ;
  • Planlose Kontrolle der Städte durch die Revolutionäre ;
  • Schwache Solidarität, Zusammenarbeit und nationalistische Loyalität unter den am Aufstand beteiligten Gruppen.[42]