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Entwurf:Tabarri

Aus wikishia

Tabarri (Arabisch: تبرّي), im Sinne von Abgrenzung und Distanzierung von den Feinden Gottes und von seinen auserwählten Dienern, ist eine der Zweige der Religion innerhalb des Schiitentums. In der schiitischen Lehre spielt Tabarri eine zentrale Rolle, sowohl in den Glaubensangelegeheiten als auch in den Verhaltensmaximen. Schiitische Gelehrte leiten aus bestimmten Koranversen und Überlieferungen die Verpflichtung ab, sich von Ungläubigen, Polytheisten, Feinden der Ahl al-Bait (a.), ihren Mördern sowie von den Führern der Irreführung, Unterdrückung und Tyrannei zu distanzieren.

Viele Schiiten hoben in der Vergangenheit hervor, dass der Ausdruck "Tabarri" gegenüber den Feinden der Ahl al-Bait (a.) sowie gegenüber jenen, die deren rechtmäßigen Führungsanspruch usurpierten, mit den Grundsätzen der Einheit und der Stärkung der Beziehungen zwischen Muslimen sowie der Annäherung islamischer Konfessionen kollidieren könnte.

Begriffsklärung

Der Begriff Tabarri bezeichnet im theologischen Kontext die Abscheu und die Distanzierung von den Feinden Gottes und von den Feinden seiner auserwählten Diener.[1] Das Wort entstammt der arabischen Wurzel „bur-ʾ“ und ist verwandt mit Begriffen wie „Bara'a“ (Loslösung). Sprachlich gesehen bedeutet es, sich von etwas zu entfernen, dessen Nähe als unangemessen erachtet wird.[2]

Stellung und Bedeutung

Tabarri wird in der schiitischen Glaubenslehre neben Tawalli als einer der Zweige des Glaubens verstanden.[4] In schiitischen Überlieferungen wird die Wichtigkeit von Tabarri wiederholt hervorgehoben.[5] al-Kulaini widmet in seinem Buch „al-Kafi“ ein Kapitel mit dem Titel "Kapitel über die Liebe um Gottes Willen und den Hass um Gottes Willen" den Themen Tawalla und Tabarru‘ und versammelt darin sechzehn Überlieferungen.[6]

In einem überlieferten Ausspruch des Propheten (s.) wird das Distanzieren oder Feindsein um Gottes Willen als eine der stärksten und sichersten Stütze des Glaubens bezeichnet.[7] Auch Imam Riza (a.) betont, dass die Abgrenzung von den Feinden Gottes, von den Feinden des Propheten (s.) und der Ahl al-Bait (a.) zusammen mit der Anerkennung ihrer Führung als Vollkommenheit des Glaubens betrachtet wird.[8]

Notwendigkeit von Tabarri

In der schiitischen Lehre ist Tabarri eine verbindliche religiöse Pflicht.[9] Scheich Sadduq, ein bedeutender schiitischer Jurist und Theologe, erklärt, dass es im schiitischen Glauben verpflichtend sei, sich von den Ungerechten und den Tyrannen abzuwenden.[10] Hurr al-'Amili sammelte in seinem Werk „Wasa'il al-Shi'a“ in einem Kapitel mit dem Titel "Die Pflicht zur Liebe gegenüber den Gläubigen und zum Hass gegenüber Ungläubige" Überlieferungen, aus denen sich die Verbindlichkeit von Tabarri ableiten lässt.[11]

Zur Begründung der Obligation dieses Prinzips wird unter anderem auf den ersten Vers der Sure „al-Mumtahana“ verwiesen.[12] Allama Tabatabai kommentiert hierzu, dass dieser Vers die Gläubigen stark davor warnt Freundschaften mit den Feinden Allahs einzugehen.[13] Sayyid Abd al-Husain Lari betont in seiner Erläuterung zum Buch „al-Makasib“ von Scheich Ansari, dass diese Verse gemeinsam mit den Überlieferungen eindeutig darauf hinweisen, dass Tabarri eine religiöse Pflicht ist.[14]

Diejenigen, von denen Distanzierung (Tabarri) verpflichtend ist

Auf Grundlage der Verse des Korans und der Überlieferungen (Hadithe) betrachten die schiitischen Gelehrten die Distanzierung von bestimmten Gruppen als verpflichtend:

  • Polytheisten (Muschrikun): Laut Allameh Tabatabai wird in Koranversen wie dem dritten Vers der Sure at-Tawbah, dem 114. Vers derselben Sure sowie dem 19. Vers der Sure al-An'am explizit auf die Ablehnung und Distanzierung der Propheten von den Polytheisten und deren Götzendienst hingewiesen. Insbesondere die ersten drei Verse der Sure at-Tawbah, bekannt als die "Verse der Lossagung",[15] fordern klar die Loslösung von den Polytheisten.[16]
  • Gegner der Ahl al-Bait (a.): Schiitische Gelehrte argumentieren unter Bezugnahme bestimmter Überlieferungen, dass es verpflichtend sei sich von den Feinden der Familie des Propheten (Ahl al-Bait a.) und jenen, die deren legitimes Führungsrecht usurpierten, zu distanzieren.[17]
  • Mörder der Ahl al-Bait (a.): Ein Hadith, den Scheich Saduq in seinem Werk „al-Khisal“ von Imam Sadiq (a.) überliefert hat, erklärt die Distanzierung von den Mördern der Ahl al-Bait (a.) und jenen, die ihnen Unrecht taten, als verpflichtend.[18]
  • Unrechts- und Tyrannenregime: Die Lossagung vom Unrecht und von den tyrannischen Regierungen, deren Unterdrückung sich gegen Muslime und andere weltweit richtet ist ebenfalls verpflichtend.[19] Heutzutage wird das zionistische Regime als ein offensichtliches Beispiel eines solchen ungerechten und usurpatorischen Systems angesehen, das vor allem Muslime und das Volk Palästinas unterdrückt.[20]

Zusammenhang zwischen Tawalli und Tabarri

In einigen Überlieferungen wird betont, dass Tawalli - also die Liebe zur Ahl al-Bait (a.) und die Anerkennung ihrer Führungsautorität –[21] nur dann akzeptiert, wenn eine Person auch Tabarri, also die Lossagung von ihren Feinden, praktiziert. In einem Hadith von Imam Sadiq (a.) wird berichtet: "Wer behauptet uns zu lieben und mit uns befreundet zu sein, sich aber nicht von unseren Feinden distanziert, lügt."[22] Ebenso wird von Imam Riza (a.) überliefert, dass die Führungsautorität der Ahl al-Bait (a.) nicht vollständig akzeptiert wird oder ihre Liebe zu ihnen nicht rein ist, solange man sich nicht von ihren Feinden lossagt.[23]

Morteza Motahhari erklärt, Tabarri bedeutet gegenüber allem was Imam Ali (a.) und seinem Weg entgegensteht eine negative Haltung einzunehmen. Glaube allein genügt nicht; es sei auch notwendig den „Taghut“ - also alle Manifestationen des falschen Führertums - abzulehnen.[24] Abul-Futuh al-Razi, ein schiitischer Exeget des 6. Jahrhunderts n.H. sieht Tabarri als eine Voraussetzung für Tawalli. Er betont, dass Monotheisten zunächst durch das Wort des Tauhids (Bekenntnis zur Einheit Gottes) sich von allem lossagen müssen was mit Unglauben und Polytheismus verbunden ist, um den Bereich des Glaubens betreten zu können.[25]

Tabra’iyan

Die Tabrā’īyān (تبرائیان) waren eine Gruppe von schiitischen Gläubigen, die während der Safawiden-Dynastie aktiv waren. Sie vertraten die Auffassung, dass die Distanzierung und Ablehnung gegenüber den Feinden der Familie des Propheten (s.) (Ahl al-Bait a.) sowie gegenüber den Usurpatoren des Kalifats ihre Verfluchung offen und öffentlich zum Ausdruck gebracht werden soll.[26] Innerhalb der Stadt äußerten sie daher lautstark ihre Loyalität zu Imam Ali (a.) und verfluchten die Gegner und Feinde, darunter auch die Kalifen der Umayyaden und Abbasiden.[27]

Im Gegensatz zu dieser Gruppe gab es jedoch viele Schiiten, die diese öffentliche Form der Ablehnung und des Verfluchens als schädlich für die Einheit der Muslime betrachteten. Sie argumentierten, dass ein solches Verhalten den Prinzipien des Zusammenhalts und der Stärkung der Beziehungen zwischen Muslimen widerspreche und die Annäherung der islamischen Konfessionen untergraben könne.[28]