Verborgenheit Imam al-Mahdīs (a.)

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Begriffsdefinition

Der Begriff "Ġaiba" bedeutet wörtlich die Verborgenheit, Abwesenheit, außer Sicht sein. [1] Die idiomatische Bedeutung des Wortes im Bereich Mahdawiyat bezieht sich auf die Verborgenheit Imam Mahdis (a.).

Historischer Aspekt

Die Anfangszeit der kleinen Verborgenheit

Über die Endzeit der kleinen Verborgenheit sind sich die schiitischen Gelehrten einig, jedoch stimmen sie nicht darin überein, wann Imam al-Mahdī (a.) von Gott in die kleine Verborgenheit entrückt wurde. Manche stehen auf dem Standpunkt, dass die kleine Verborgenheit mit der Geburt des Imam al-Mahdī (a.) in 255 nach der Hidschra (nach der Islamischen Zeitrechnung), 869 n. Chr., angefangen und 74 Jahre angedauert hat. Manche sind der Auffassung, dass sie mit dem Märtyrertod seines Vaters, Imam al-Ḥasan al-ʿAskarīs (a.), in 260 n. H. begonnen und somit 69 Jahre angehalten hat.

Scheich al-Mufīd vertrat die erste Ansicht und schrieb in seinem Buch al-Iršād: “Die kleine Verborgenheit des Imams hat mit seiner Geburt begonnen und wird andauern, bis die Verbindung zwischen ihm und der schiitischen Gemeinde (mit dem Tode des vierten Stellvertreters) verloren wird. (Siehe dazu: Die Vier Stellvertreter). Die große Verborgenheit beginnt mit dem Ende der kleinen und wird fortdauern, bis zum Tag, an dem der Imam einen bewaffneten Aufstand mit dem Schwert auslöst.“ [2]

Ṭabarsī erklärte sich in seinem Buch Aʿlām al-warā mit dieser Ansicht einverstanden und erwähnte die kleine Verborgenheit für die Dauer von 74 Jahren.[3]

Einige andere hervorragende schiitische Gelehrte und Überlieferer, sowie zahlreiche Historiker erachten die Geburt des Imams als Anfangszeit der kleinen Verborgenheit.

Einige sprachen davon, dass die kleine Verborgenheit mit dem Tode seines Vaters, Imam al-Ḥasan al-ʿAskarīs (a.), in 260 n. H. begann und 69 Jahre andauerte.

Im Buch Tārīḫ al-ġaibat aṣ-ṣuġrā verwarf der Autor die erste Ansicht und brachte Argumente vor, um den zweiten Standpunkt zu begründen, welcher besagt, dass die kleine Verborgenheit mit dem Ableben des Vaters von Imam al-Mahdī (a.) begann. Der Autor ist der Überzeugung, dass Die Vier Stellvertreter als Vermittler zwischen dem Imam und seinen Schiiten nach dem Märtyrertod des Imam al-Ḥasan al-ʿAskarī (a.) ernannt wurden. Außerdem betrachtet er sie als Unterscheidungsmerkmal zwischen der kleinen und großen Verborgenheit. Mittels seiner vier Stellvertreter stand Imam Mahdī (a.) mit der Gemeinde in Kontakt. Sie vermittelten die Befehle und Verbote des verborgenen Imams an die schiitische Gemeinde weiter. Nach dem Tod des letzten Stellvertreters wurde die Verbindung verloren. Deswegen fing die kleine Verborgenheit, nach der Auffassung des Autors, zeitgleich zum Ableben des Imam al-Ḥasan al-ʿAskarī (a.) und mit der Bestimmung des ersten vertrauenswürdigen Stellvertreters an.[4]

Schiiten nach dem Märtyrertod vom Imam al-Ḥasan al-ʿAskarī (a.)

Zweifel an der Existenz des Sohnes Imam Ḥasan ʿAskarīs (a.)

Zu Zeiten Imam Ḥasan ʿAskarīs (a.) verbreitete sich die Nachricht, dass die Schiiten den Aufstand seines Sohnes erwarteten.[5] Aus diesem Grunde wollte die Herrschaft um jeden Preis die Geburt des Sohnes verhindern. Dies machte notwendig, den Sohn geheim zu halten. Niemand sollte ihn je zu Gesicht bekommen mit Ausnahme einiger weniger besonders vertrauenswürdiger Männer der Schia.[6] Also wussten nur sehr wenige, dass Imam Ḥasan ʿAskarī (a.) einen Sohn hinterlassen hat.[7]

Da der Imam aufgrund der politischen Umstände niemand anders als seine Mutter in seinem Testament bedacht hatte, kamen außerdem manche Schiiten im ersten und zweiten Jahr nach dem Ableben des Imams zu der Auffassung, dass seine Mutter in der Zeit der Verborgenheit die Führung (das Imāmat) im Auftrag des Imams übernommen hat.[8]

Nach dem Märtyrertod Imam Ḥasan ʿAskarīs (a.) machten die vertrauenswürdigen Schiiten, angeführt von ʿUṯmān Ibn Saʿīd ʿAmrī innerhalb der schiitischen Gemeinde bekannt, dass der Imam einen Sohn hinterlassen hat, der sein Nachfolger und der letzte Imam ist.[9] ʿAbdullāh Ibn Ğaʿfar Ḥimīrī sagte: “Ich fragte ʿUṯmān Ibn Saʿīd ʿAmrī nach dem Namen des Nachfolgers Imam Ḥasan ʿAskarīs (a.). Er erwiderte darauf: Ihr dürft nicht nach seinem Namen fragen, weil der amtierende Kalif glaubt, dass der Imam keinen Sohn hinterlassen hat und sein Besitz auf seine Mutter, Schwester und seinen Bruder übergegangen ist. Wenn sein Name weitergesagt würde, würde sich die Herrschaft auf die Suche nach ihm machen, um ihn zu ermorden.“[10]

Umherirren beim Erkennen des Imams

Trotz Aufklärung der vertrauenswürdigen Gefährten Imam Ḥasan ʿAskarīs (a.) begegnete die schiitische Gemeinde nach seinem Ableben einer schwierigen Situation. Viele irakische und mesopotamische Schiiten irrten herum und wussten nicht, was sie unternehmen sollten.[11] Sie hatten gehört, dass der Imam seinen Sohn nach Medina geschickt hätte. Deswegen beauftragten sie eine Person damit, sich nach der Existenz des Sohnes des Imams in Medina zu erkundigen.[12] Es heißt, dass Abū Zaid Aḥmad Ibn Sahl Balḫī, der ausgezeichnete Wissenschaftler und ein Zeitgenosse der kleinen Verborgenheit, von Churasan (Ḫurāsān) nach Irak aufbrach, um den Sohn des Imams, bzw. Imam Mahdī (a.) zu suchen.[13]

Inzwischen waren die engen Verwandten Imam Ḥasan ʿAskarīs (a.) geteilter Meinung. Seine Mutter, Ḥudaiṯ, und seine väterliche Tante, Ḥakīma, setzten sich für den Sohn des Imams, seine Existenz und seinen Führungsauftrag (Imāmat) ein. Im Gegensatz dazu, hielt seine Schwester zu ihrem anderen Bruder, Ğaʿfar Ibn ʿAlī al-Hādī.[14]

Die Schiiten, welche als höhere Beamte und als Verantwortliche der wichtigsten Aufgaben in den obersten Behörden tätig waren, spalteten sich in zwei Gruppen auf. Es gab erhebliche Abweichungen in ihrer Auffassung von der Sache. Zum Beispiel bestätigte die Familie von Nubaḫtī die Existenz des Sohnes Imam Ḥasan ʿAskarīs (a.) und unterstützte seinen Führungsauftrag. Weiterhin erkannte sie ʿUṯmān Ibn Saʿīd ʿAmrī und seinen Sohn als Stellvertreter des verborgenen Imams an.[15]

Aufspaltung der schiitischen Gemeinde

Die Führungskrise verursachte, dass in dieser Zeit eine Anzahl der Schiiten zu anderen schiitischen und nicht-schiitischen Sekten bekehrt wurden und sich ihnen anschlossen.[16] Manche glaubten an den Tod Imam Ḥasan ʿAskarīs (a.) nicht und sahen ihn als Mahdī (den Rechtgeleiteten) an, der in der Endzeit auftauchen und das Unrecht auf der Welt beseitigen wird. Im Gegensatz dazu lehnte eine Anzahl seinen Führungsauftrag (Imāmat) ab und glaubte an das Imāmat seines Bruders Sayyid Muḥammad, des älteren Sohnes von Imam al-Hādī (a.), den einige Schiiten wegen seines hohen Stellenwerts als folgenden Imam nach seinem Vater erachtet hatten.[17]

Eine große Anzahl der Schiiten erkannten den Bruder Imam Ḥasan ʿAskarīs (a.), Ğaʿfar, als Imam an.[18] Er hatte die Absicht, das Imāmat zu erreichen. Er erhob Erbansprüche nach dem Ableben Imam Ḥasan ʿAskarīs (a.), obwohl die Mutter des Imams noch am Leben war.[19] Er stiftete weiterhin den amtierenden Kalifen an, das Haus des Imams nach seinem Sohn abzusuchen. Mit dessen Hilfe wurde eine der Ehefrauen Imam Ḥasan ʿAskarīs (a.) verhaftet und beaufsichtigt, ob sie schwanger sei.[20] Außerdem versuchte Ğaʿfar, einen abbasidischen Agenten jährlich zwanzigtausend Dinar als Bestechungsgeld für die Anerkennung seines unrechtmäßigen Imāmats zu bezahlen.[21]


Trotz der Differenzen glaubten die meisten Schiiten endlich an das Imāmat des Sohnes Imam Ḥasan ʿAskarīs (a.) nämlich an Imam al-Mahdī (a.). Das führte zu der Entstehung der Imamiten (Zwölferschiiten).[22] Scheich Mufīd zitierte eine Aussage von Ḥasan Ibn Mūsā Nubaḫtī, dem Autor des Buches Firaq aš-šīʿa, und schrieb über die vierzehn Sekten, die nach dem Märtyrertod Imam Ḥasan ʿAskarīs (a.) entstanden:

“Von den erwähnten Sekten besteht in unserer Zeit, 373 n. H., nur noch die der Imamiten. Der Begriff (Imamiten) bezeichnet diejenigen, die das Imāmat des Sohnes Imam Ḥasan ʿAskarīs (a.) annehmen und daran glauben, dass er ein langes Leben haben wird, bis zu dem Tage, an dem er mit dem Schwert (gegen Unrecht) aufsteht.“[23]

Die Vier Stellvertreter in der Zeit der kleinen Verborgenheit

Da es möglich war, dass die Schiiten wegen der Verborgenheit Imam Mahdīs (a.) irre gingen, hielt man es für notwendig, die Verbindung zwischen dem Imam und den Schiiten nicht auf einmal abzubrechen. Um geeignete Maßnahmen gegen Abweichungen treffen zu können, ernannte Imam Mahdī (a.) vier hervorragende Personen zu Stellvertretern, um sich um die Angelegenheiten der Schiiten unter seiner Führung und Anweisungen zu kümmern.[24]

Zu den Maßnahmen der Vier Stellvertreter gehörten Anstrengungen zum Eindringen der schiitischen Größen ins abbasidische Regierungssystem, sowie der Kampf gegen die Ġulāt, welche übertriebene Glaubensvorstellungen hatten und daran glaubten, dass die Zwölf Imame der Schiiten Götter seien oder einen göttlichen Geist hätten. Dazu gehörte auch der Kampf gegen die falschen Anspruchsteller, die sich als Stellvertreter des Imams vorgestellt hatten. Und die Organisierung der Wukalā (Agenten)[25]

Die Korrespondenzen Imam Mahdīs (a.) zur Festigung der Schia

In diesen schwierigen Umständen unterhielt der Imam Korrespondenzen (Tauqīʿāt). In manchen davon hat er seinen Führungsauftrag (Imāmat) begründet. Das Argument zum Beweis seines Imāmats, auf das er sich stützte, ist die Dauerhaftigkeit der göttlichen Führung von der Zeit Adams (a.) bis zur Zeit Imam Ḥasan ʿAskarīs (a.) und dass die Erde nie leer von Gottes Beweis (Hudschat) sein darf. Er stellte drei Kriterien für die Unterscheidung des Imams von den falschen Anspruchstellern des Imāmats auf: Fehlerlosigkeit bzw. Fernbleiben von Sünden, das Wissen und die göttliche Bescheinigung. Im Folgenden wird auf einer dieser Korrespondenzen hingewiesen.

Es gab erhebliche Abweichungen in der Auffassung Ibn Abī Ġānim Qazwīnīs von der Nachfolge Imam Ḥasan ʿAskarīs (a.). Er hatte Differenzen mit einer Anzahl der Schiiten über diese Sache. Er vertrat die Meinung, dass der Imam verstorben ist und keinen Nachfolger hätte. In einem Brief an Imam al-Mahdī (a.) fragten die Schiiten ihn danach. Als Antwort bekamen sie einen vom Imam handgeschriebenen Brief, der wie im Folgenden lautete:

“Im Namen Gottes, des barmherzigen Erbarmers. Möge Allah euch und uns vor Irrtum und Verführung beschützen ... . Ich habe es mitgeteilt bekommen, dass es über eure Vormünder (Imame) zu Differenzen zwischen euch kam und ihr beim Erkennen des Imams irregegangen seid. Das machte uns traurig, nicht unseretwegen, sondern euretwegen. Habt ihr denn nicht gesehen, dass es seit der Zeit Adams (a.) bis zum vorigen Imam (Imam Ḥasan ʿAskarī (a.)) seitens Allah sichere Zuflucht gab, bei der ihr Schutz suchtet. Und Er hisste Flaggen, mit deren Hilfe ihr rechtgeleitet wurdet. Immer wenn eine Flagge eingeholt wurde, hisste Er eine andere und immer wenn ein Stern unterging, ließ Er einen anderen leuchten. Als der vorige Imam zu seinem Schöpfer zurückkehrte, habt ihr gedacht, dass Allah seine Religion hiermit abgeschafft und die Verbindung zwischen Sich und Seinen Geschöpfen abgebrochen hätte. Nie war es so und es wird auch nie so sein, bis zu dem Tage der Auferstehung. Der vorige Imam ist verstorben, während er glücklich war und folgte der Herangehensweise seiner Vorfahren. Sein Testament, sein Wissen und seine Nachfolge haben wir geerbt. Niemand als ein Sünder, der Unrecht tut, streitet sich mit uns über seinen Stellenwert.“[26]

Die schiitische Gemeinde am Ende der kleinen Verborgenheit

In den letzten Jahren der Zeit der kleinen Verborgenheit entwickelte sich die Schia in einigen Städten des Iran vor allem in Qom und Āwe. Außerdem hatten die Schiiten staatliche Dienststellen angetreten. Die Familie Nubaḫt in Baġdād war ein Beispiel dafür.[27] Mudarrisī Ṭabāṭabāʾī schrieb:

“Mit der Machtergreifung durch die Buyiden im Iran und die höchste Staatsmacht über den Irak, nämlich die abbasidische Regierung und mit dem Machtantritt der Āl-i Ḥamdān in Damaskus in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts wurde die politische Situation zugunsten der Schiiten verändert. Die Schiiten traten in alle staatlichen Ämter ein. Der soziale Einfluss der Schia war in dieser Zeit in so hohem Grad, dass die heutigen westlichen Historiker diesen Zeitabschnitt mit dem “Jahrhundert der Schia“ bezeichnen.[28]

In dieser Zeit wurden die Verteidigungsschriften wie Al-Imāma wal tabṣira min al-ḥaira von ʿAlī Ibn Bābawaih zur Festigung der religiösen Glaubensüberzeugungen der Imamiten verfasst. Das Verfassen der Bücher solcher Art wurde in späteren Jahren weitergeführt. Zu nennen sind: Kitāb al-ġaiba von Muḥammad Ibn Ibrāhīm Nuʿmānī und das Buch Ikmāl ad-dīn von Scheich Ṣadūq. Und man sieht, wie die Schia zu einem stabilen Zustand wuchs und die Zeit der kleinen Verborgenheit unverwüstlich und widerstandsfähig hinter sich brachte und in die Zeit der großen Verborgenheit eintrat .

Religiöser Aspekt

Das Wesen der Verborgenheit

Zum Wesen der Verborgenheit hatte man verschiedenartige Einstellungen aus den Überlieferungen.

Die Unsichtbarkeit des Körpers

In dieser Ansicht ist der Körper Imam al-Mahdīs (a.) unsichtbar. Dies beruht auf einem Wunder.[29] Aufgrund dieser Ansicht sieht der Imam die Leute, während sie ihn nicht sehen können. Diese Ansicht ist nach Sayyid Muḥammad Ṣadr die einfachste akzeptable wissenschaftliche Hypothese über seine Verborgenheit und seinen Schutz vor den Unterdrückern.[30] Diese Auffassung entspricht mehr der wörtlichen Bedeutung des Wortes Ġaiba (Verborgenheit)[31] sowie den Überlieferungen, in denen das Leben des Imams mit einer Sonne verglichen wird, die hinter einer Wolke verbunden ist, aber dennoch den Menschen Licht und Wärme spendet.[32]

Die Unerkennbarkeit des Titels

Mit der Verborgenheit in dieser Ansicht ist nicht gemeint, dass der Imam auf einem Berg, in einer Höhle oder woanders verborgen sei, sondern zielt sie darauf ab, dass der Imam unerkannt von den Menschen ist. Das heißt, er ist in der Zeit seines "Inkognitos" bzw. "Anonymseins"[33] Unter diesem Aspekt betrachtet lebt der Imam nicht im Verborgenen. Ganz im Gegenteil lebt er unter den Menschen. Er wird gesehen, jedoch erkennt keiner ihn und seinen Titel.[34] Sayyid Muḥammad Ṣadr hat diese Ansicht vertreten und sich zu deren Beweis auf die folgenden Argumente gestützt:

  • Sein erstes Argument beruht auf den Überlieferungen, welche besagen, dass der Imam die Leute in der Ḥağ-Zeremonie bzw. der Pilgerfahrt nach Mekka sieht und erkennt. Die Leute sehen ihn ebenfalls, jedoch erkennen ihn nicht als den erwarteten Imam.[35]
  • Sein zweites Argument basiert auf den Überlieferungen, welche eine Ahnung von dem Lebensraum des Imams als eine Bedrohung für sein Leben betrachten. Wie zum Beispiel der Brief, den der Imam an Muḥammad Ibn ʿUṯmān ʿAmrī schrieb und darin darauf hin wies: “Wenn ihr über (meinen) Lebensraum erführet, würdet ihr den weitersagen.“ Ein anderes Beispiel dafür ist die Äußerung von Abū Sahl Naubaḫtī, welche besagt: “Wenn ich von seinem Lebensraum eine Ahnung hätte, wie es Ḥusain Ibn Rūḥ Naubaḫtī weiß, würde ich ihn vielleicht (zum Beweis der Existenz des Imams) in den Debatten preisgeben.“ Dieses Argument darf erst dann als ein überzeugender Rechtfertigungsgrund angesehen werden, wenn niemand den Imam erkennt. Er würde sonst durch keine Gefahr bedroht sein, wenn sein Körper im Verborgenen wäre.[36]
  • Das dritte Argument Sayyid Muḥammad Ṣadrs gründet sich darauf, wenn das Leben Imam al-Mahdīs (a.) lediglich durch die Unsichtbarkeit seines Körpers zu retten sei, müsste das dann durch ein Wunder geschehen. Jedoch scheint dieses Wunder sinnlos, wenn anstelle seines Körpers sein Titel verborgen werden kann, damit keiner ihn erkennt.[37]

Die Unsichtbarkeit des Körpers und Unerkennbarkeit des Titels

Āyatullāh Ṣāfī Golpāyegānī glaubt daran, dass die Verborgenheit Imam Mahdīs (a.) auf beide Weisen erfolgen kann. Er schrieb: “Aus Überlieferungen und Erzählungen, welche davon berichten, dass manche Persönlichkeiten den Imam besucht haben, ergeben sich die beiden Formen der Verborgenheit.[38]

Die Verborgenheit der Propheten vor der islamischen Zeit

Manche Propheten wie Ṣāliḥ, Jonas[39], Moses[40], Jesus und Ḫḍr, die vor der islamischen Zeit die Führung der Menschen übernahmen, waren gemäß Überlieferungen der Zwölf Imame der Schiiten und koranischen Versen aufgrund mancher Gründe, wie z. B. ihr Volk zu testen, verpflichtet, in der Verborgenheit zu leben. In einer Anzahl der Überlieferungen ist die Verborgenheit der Propheten als Gottes regelhaftes Tun betrachtet.[41]

Die Ursachen der Verborgenheit

In den Überlieferungen sind Ursachen für die Verborgenheit Imam Mahdīs (a.) angegeben, zu nennen sind:

  • Der Imam ist dadurch außer Lebensgefahr[42]
  • Das Prüfen der Gläubigen[43]
  • Keine geeignete politische und soziale Grundlage zur Globalisierung des Islam

In manchen Überlieferungen wird die Ursache der Verborgenheit als Gottes Geheimnis bezeichnet, das nach der Wiederkunft Imam Mahdīs (a.) offenkundig wird.[44]

Fußnoten

  1. Faḫr ad-Dīn Ṭuraiḥī, Mağmaʿ al-baḥrain, B. 2, Māda Ġaiba (die Wurzel von Ġaiba); Lisān al-ʿarab, B. 4, S. 454; Ğauharī, aṣ-Ṣiḥāḥ, B. 2, S. 633.
  2. Al-Mufīd, al-Iršād, B. 2, S. 340.
  3. Faḍl Ibn Ḥasan Ṭabarsī, Aʿlām al-warā bi aʿlām al-hudā, B. 2, S. 259.
  4. Sayyid Muḥammad Ṣadr, Tārīḫ al-ġaibat aṣ-ṣuġrā, ab Seite 341.
  5. Al-Mufīd, al-Iršād, B. 2, S. 336.
  6. Ğāsim Ḥusain, Tārīḫ sīyāsī ġaibat Imām dawāzdahum, S. 102.
  7. Nubaḫtī, Firaq aš-šīʿa, S. 105; al-Mufīd, al-Iršād, B. 2, S. 336; Ibn Šahr Āšūb, al-Manāqib, B. 4, S. 422.
  8. Šaiḫ Ṣadūq, Kamāl ad-dīn, B. 2, S. 507.
  9. Abū Sahl Nubaḫtī, al-Tanbīh, S. 92-93.
  10. Šaiḫ Ṭūsī, al-Ġaiba, S. 359-361.
  11. Sehen Sie: Šaiḫ Ṣadūq, Kamāl ad-dīn, B. 2, S. 426, 429 u. 487.
  12. Kulainī, al-Kāfī, B. 1, S. 328.
  13. Yāqūt Ḥamawī, Muʿğam al-udabāʾ, B. 3, S. 73-74.
  14. Mudarrisī Ṭabāṭabāʾī, Maktab dar farāyand takāmul, S. 161-162.
  15. Mudarrisī Ṭabāṭabāʾī, Maktab dar farāyand takāmul, S. 162.
  16. Kulainī, al-Kāfī, B. 1, S. 520; Šaiḫ Ṣadūq, Kamāl ad-dīn, B. 2, S. 408.
  17. Ṣābirī, Tārīḫ firaq islāmī, B. 2, S. 197, die Fußnote 2.
  18. Nubaḫtī, Firaq aš-šīʿa, S. 107 u. 109; Ašʿarī Qumī, al-Maqālāt wal firaq, S. 110 u. 114; Šaiḫ Ṣadūq, Kamāl ad-dīn, B. 2, S. 408.
  19. Al-Mufīd, al-Iršād, B. 2, S. 345; Irbilī, Kašf al-ġumma fī maʿrifat al-aʾimma, B. 2, S. 205 u. 223; Ḏahabī, B. 13, S. 121.
  20. Al-Mufīd, al-Iršād, B. 2, S. 345; Ṭabarsī, Aʿlām al-warā bi aʿlām al-hudā, B. 2, S. 360; Irbilī, Kašf al-ġumma fī maʿrifat al-aʾimma, B. 3, S. 205.
  21. Sehen Sie: al-Mufīd, al-Iršād, B. 2, S. 345; Irbilī, Kašf al-ġumma fī maʿrifat al-aʾimma, B. 3, S. 199, 205.
  22. Ṭūsī, al-Ġaiba
  23. Sayyid Murtaḍā, al-Fuṣūl al-muḫtāra, B. 2, S. 321.
  24. Sehen Sie: Ṭūsī, al-Ġaiba, Qom, 1411 nach der Hidschra, S. 173-174.
  25. Šaiḫ Ṭūsī, al-Ġaiba, Qom, 1411 nach der Hidschra, S. 109 u. 225-226.
  26. Šaiḫ Ṭūsī, al-Ġaiba, S. 286.
  27. Sehen Sie: Ğaʿfarīyān, Ḥayāt fekrī wa sīyāsī Imāmān šīʿa, S. 594-595.
  28. Mudarrisī Ṭabāṭabāʾī, Maktab dar farāyand takāmul, S. 235.
  29. Ṣāfī Golpāyegānī, Dah risāle, S. 71; Sayyid Muḥammad Ṣadr, Tārīḫ al-ġaibat al-kubrā, B. 2. S. 31-32.
  30. Sayyid Muḥammad Ṣadr, Tārīḫ al-ġaibat al-kubrā, B. 2. S. 31-32.
  31. Sayyid Muḥammad Ṣadr, Tārīḫ al-ġaibat al-kubrā, B. 2. S. 31-32.
  32. Salīmiyān, Darsnāme mahdawiyat, B. 2, S. 39.
  33. Ṣadr, Rāhe Mahdī (möge er bald erscheinen), S. 78.
  34. Ṣāfī Golpāyegānī, Dah risāle, S. 70-71.
  35. Šaiḫ Ṭūsī, al-Ġaiba, S. 364; Šaiḫ Ṣadūq, Kamāl ad-dīn wa tamām an-naʿma, B. 2, S. 440; Salīmiyān, Darsnāme mahdawiyat, B. 2, S. 39.
  36. Sayyid Muḥammad Ṣadr, Tārīḫ al-ġaibat al-kubrā, B. 2. S. 35-36.
  37. Sayyid Muḥammad Ṣadr, Tārīḫ al-ġaibat al-kubrā, B. 2. S. 36.
  38. Ṣāfī Golpāyegānī, Pāsuḫe dah risāle, S. 70.
  39. Sure 21- Die Propheten- al-Anbiyāʾ, Vers 87.
  40. Sure 2- Die Kuh- al-Baqara, Vers 51.
  41. Šaiḫ Ṣadūq, Kamāl ad-dīn wa tamām an-naʿma, B. 1, S. 323.
  42. Nuʿmānī, al-Ġaiba, S. 177; Ṭūsī, al-Ġaiba, S. 334.
  43. Nuʿmānī, al-Ġaiba, S. 205; Ṭūsī, al-Ġaiba, S. 339.
  44. Šaiḫ Ṣadūq, Kamāl ad-dīn wa tamām an-naʿma, B. 2, S. 282.