Zwölf Imame der Schiiten

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Als ‴Imame der Schiiten‴ werden die zwölf Personen aus dem Prophetenhaus Muhammad (s.) bezeichnet, die, nach der schiitischen Glaubenslehre, als rechtmäßige Nachfolger des Propheten (s.) und Führer der islamischen Gemeinschaft betrachtet werden. Der erste Imam ist Imam ʿAlī (a.). Die späteren elf Imame sind seine Kinder und Enkel und stammen in gerader Linie von ihm und seiner Ehefrau Fāṭima al-Zahrāʾ(s) ab.

Nach schiitischer Lehre wurden diese Zwölf Imame seitens Allah zur Führerschaft (Imāmat) ernannt. Er hat sie das Wissen von Sich (ʿIlm ladunnī) gelehrt und von Verunreinigungen gereinigt, infolgedessen besitzen sie Unfehlbarkeit ʿIṣmat. Auch im Jenseits können sie für Ihre Anhänger durch Fürsprache Šafāʿat wirken. Man kann mit Hilfe ihrer Mittlerschaft tawassul versuchen, eine größere Nähe zu Allah aufzubauen. Zusätzlich zur religiösen Autorität übernehmen sie auch die politische Führung der muslimischen Gemeinschaft. Einige Qurʾanverse wie Uli l-Amr-Vers, At-Taṭhīr Vers, Wilāya-Vers, Ikmāl-Vers, Tablīġ-Vers und Ṣādiqīn-Vers behandeln das Thema der Führerschaft (Imāmat), ohne die Namen der Zwölf Imame zu nennen.

In einigen Überlieferungen vom Propheten (s.) ist auf die Namen, Eigenschaften und Anzahl der Imame hingewiesen worden. Diesbezüglich kann man die bekanntesten Überlieferungen wie Ḥadiṯ aṯ-Ṯaqalain, Ḥadīṯ al-Manzilat, Ḥadīṯ al-Safīna, Ḥadīṯ al-Yaum al-Dār, Ḥadīṯ al-Medina al-ʿilm, Ḥadīṯ al-Ṭair mašwī, Ḥadīṯ al-Raʾyat, Ḥadīṯ al-Kisā, Ḥadīṯ al-Ğābir und Ḥadīṯ von den Zwölf Kalifen nennen. Aufgrund dieser Überlieferungen stammen die Zwölf Imame allesamt von den Quraiš und Ahl al-Bait ab. Imam al-Mahdī (a.) ist der letzte der Zwölf Imame (a.) und erwartete Erlöser.

Man trifft in den Überlieferungsrefrenzen zahlreiche Überlieferungen vom Propheten (s.), in denen er Imam ʿAlī (a.) zum ersten Nachfolger bzw. Imam ernannt hat. Es gibt auch Überlieferungen sowohl vom Propheten (s.) als auch von Imam ʿAlī (a.), die die Führerschaft Imāmat des zweiten Imams bescheinigen. Seitdem stellte jeder Imam seinen Nachfolger nach sich selbst vor. Angesichts dieser vorhandenen Überlieferungen beträgt die Anzahl der Führer (Imame) nach dem Propheten (s.) zwölf Personen. [1]

Der Stellenwert der Zwölf Imame bei den Schiiten

Die Glaubenslehre des Imāmat gehört zu den Grundlagen des Zwölferschiiten Glaubens und in diesem Zusammenhang sind in den Überlieferungsrefrenzen zahlreiche Überlieferungen vom Propheten und Imamen vorhanden. Die schiitischen Exegeten Mufasirīn und Theologen stehen auf dem Standpunkt, dass der Heilige Qurʾan implizit auf den Führungsauftrags der Imame hingedeutet hat [2] und glauben, dass die folgenden Verse dieses Thema behandeln: Uli l-Amr-Vers, At-Taṭhīr Vers, Wilāya-Vers, Ikmāl-Vers, Tablīġ-Vers und Ṣādiqīn-Vers.

Gemäß den Glaubenslehren der Zwölferschiiten hat die Führerschaftsphase der Zwölf Imame mit dem Ableben des Propheten Muhammad in 11 n. H. und dem Anfang des Führungsauftrags von Imam ʿAlī (a.) begonnen und dauert ohne Unterbrechung bis heute an. Nach dem Märtyrertod vom elften Imam bzw. Imam al-Ḥasan al-ʿAskarī (a.) in 260 n. H. und die Übertragung der Führerschaft auf seinen Sohn bzw. Imam al-Mahdī (a.), zog sich der scheinbare Zustand der Führerschaft Imāmat in die Verborgenheit zurück.

Schiiten halten die Zwölf Imame für unfehlbar und glauben, dass Allah sie das Wissen von Sich (ʿIlm ladunnī) gelehrt hat [3] und man kann mit Hilfe ihrer Mittlerschaft tawassul eine größere Nähe zu Allah aufbauen. Visitation ihrer Grabstätten gehört zum schiitischen Ritual. Auch im Jenseits können sie für Ihre Anhänger durch Fürsprache Šafāʿat wirken . [4]

Argumentation für den Beweis des Imāmats

Die Imāmīya-Rechtsschule Imamiten sieht die Argumentation für den Beweis der Führerschaft Imāmat als ein sehr wichtiges Thema an und schiitische Gelehrte haben sich bisher durch Herstellung vieler Werke damit befasst. Das Buch Kitāb Sulaim Ibn Qais Hilālī, das gegen Ende des ersten Jahrhunderts n. H. verfasst wurde, zählt zu den ältesten Büchern, in denen von den Zwölf Imamen die Rede ist. [5]

Die Werke, die explizit und ausschließlich die Führerschaft der Zwölf Imame behandeln, heißen ″Nuṣūṣ″, was sich von Naṣ ableitet. Unter den Hauptwerken kann man das Buch mit dem Titel Muqtaḍab al-aṯar (401 n. H.) verfasst von Ibn ʿAyyāš Ğauharī und das Buch Kifāya al-aṯar von Ḫazzāz al-Qummī (Ende des 4. Jahrhunderts n. H.) nennen, deren Schriftsteller sich bemüht haben, die mit dem Thema der “Führerschaft“ befassten Überlieferungen sowohl aus den sunnitischen als auch aus den schiitischen Überlieferungsrefrenzen zu versammeln.

Zusätzlich zu den Nuṣūṣ-Büchern, kann man auch auf einige Werke mit dem allgemeinen Titel ″Dalāʾil al-imāma″ bezüglich der Wunder der Imame (a.), wie das al-Ṭabarī zugeschriebe Buch Dalāʾil al-imāma (1383 n. H.), hinweisen oder auf die Werke mit dem allgemeinen Titel ″al-Waṣīya″, die sich mit dem Thema der Übertragung des Testamentes (Waṣīya) unter der Zwölf Imamenkette beschäftigen, wie das Buch Iṯbāt al-waṣīya (Ḥaidarīya Bibliothek) verfasst von Masʿūdī.

Den weiteren Schwerpunkt legen die Theologen der Imāmīya-Rechtschule (Imamiten) auf die schriftlichen Überlieferungen der Führerschaft Imāmat. Viele wichtige theologische Werke wurden diesem Thema gewidmet. Zu den bekanntesten Überlieferungen gehören Ḥadiṯ aṯ-Ṯaqalain, Ḥadīṯ al-Manzilat, Ḥadīṯ al-Safīna, Ḥadīṯ al-Yaum al-dār, Ḥadīṯ al-Medina al-ʿilm, Ḥadīṯ al-Ṭair mašwī, Ḥadīṯ al-Raʾyat, Ḥadīṯ al-Kisā, Ḥadīṯ al-Ğābir und Ḥadīṯ von den zwölf Kalifen.

Ḥadīṯ von den Zwölf Kalifen

Hauptartikel: Ḥadīṯ von den Zwölf Kalifen

Zusätzlich zu den schiitischen gibt es auch sunnitische Überlieferungen, die die Existenz der Zwölf Führer nach dem Propheten (s.) bescheinigen. Im Laufe des ersten Jahrhunderts wurden Überlieferungen von manchen Ṣiḥāba des Propheten (s.) über die versprochenen Zwölf Imame in muslimischem Kreise weitergegeben. Zu den bekanntesten zählt Ḥadīṯ von Ğābir Ibn Sumara, die sowohl im Hauptwerk Ṣaḥīḥ Buḫārī als auch in Ṣaḥīḥ Muslim angeführt worden ist. Dabei handelt es sich darum, dass die Führung nach dem Propheten zwölf Personen obliegt und sie stammen allesamt von Quraiš ab. [6]

Auch eine Überlieferung von Ibn Masʿūd besagt, dass die Anzahl der Führer nach dem Propheten (s.) zwölf Personen beträgt, genauso, wie die Anzahl der Führer von den Kindern Israels.

Vorstellung der Zwölf Imame der Schiiten

1. Imam ʿAlī (a.)

Hauptartikel: Imam ʿAlī (a.)

ʿAlī (a.) zur Zeit des Propheten (s.)

Der Befehlshaber der Gläubigen ʿAlī (a.) ist der Sohn Abū Ṭālibs, Cousin des Propheten Muhammad (s.) und Scheich von Banū Hāšim. Abū Ṭālib, der Onkel des Propheten, hatte schon den acht jährigen Muhammad (s.) in seinen Haushalt aufgenommen und sich um ihn gekümmert. Er unterstützte ihn auch nach seiner Mission und wehrte die Drohungen der arabischen Ungläubigen und vorallem der Quraiš von ihm ab. [7]

Gemäß einem anerkannten Bericht wurde ʿAlī (a.) zehn Jahre vor dem Beginn der Mission des Propheten (s.) geboren. Wegen der herrschenden Hungersnot in Mekka und in der Umgebung zog er nach dem Prophetensantrag in sein Haus, als er gerade sechs Jahre alt war. Somit ist er schon von seiner Kindheit an beim Propheten Muhammad (s.) aufgewachsen, was ihm die beste Erziehung gewährte. [8]

Zu Beginn der Mission des Propheten, als er aus der Höhle Ḥirā heimkehrte, nahmen seine Ehefrau Ḫadī ğa (a.) und der in seinem Haus aufgewachsene ʿAlī (a.) als erste den Islam an. Am Anfang der öffentlichen Mission war ʿAlī (a.) die erste und einzige Person, die seinen Glauben ausdrücklich beim Vorfall von Yaum al-Dār auf der Versammlung ankündigte. Er hat nie etwas anderes als Allah angebetet. [9]

ʿAlī (a.) war immer des Propheten Begleiter, bis der Prophet von Mekka nach Medina auswanderte. Am Vorabend der Auswanderung, als die Ungläubigen das Haus des Propheten belagerten, um ihn in seinem Bett zu ermordern, legte sich ʿAlī (a.) in sein Bett, während der Prophet selbst unbemerkt das Haus verließ und nach Medina auswanderte. [10] Aus Anlass dieses Ereignises wurde der al-Ištirā-Vers offenbart.

Selbst nachdem ʿAlī (a.) auch nach Medina auswanderte, wo die Hochzeit mit der Tochter des Propheten Fāṭima al-Zahrāʾ(s) erfolgte, verbrachte er seine meiste Zeit mit dem Propheten. Bei der so genannten Verbrüderung zwischen Auswanderern (Muhāğirān) und einheimischen Helfern (Anṣār) nahm sich der Prophet (s.) Imam ʿAlī (a.) zum Bruder. [11]

Imam ʿAlī (a.) beteiligte sich an allen Schlachten und Feldzügen, an denen der Prophet teilgenommen hatte, mit Ausnahme des Feldzuges nach Tabūk, wo er den Propheten Muhammad (s.) in Medina vertreten sollte. Er flüchtete nie vor dem Feind und widersprach nie dem Propheten, so dass er (s.) aussprach: “ʿAlī trennt sich nicht vom Recht und das Recht trennt sich nicht von ʿAlī.“ [12]

ʿAlī (a.) nach dem Propheten (s.)

ʿAlī (a.) war 33 Jahre alt, als der Prophet (s.) ablebte. Er war zwar eine ausgezeichnete Persönlichkeit unter den Gefährten und Ṣiḥāba und jedem in allen religiösen Praktiken weit überlegen, jedoch man bewirkte, dass er des Propheten Nachfolge nicht antreten durfte, obwohl der Prophet auf seine Nachfolgerschaft in verschiedenen Veranstaltungen, wie beim Ereignis von Ġadīr hingewiesen und ihn als Oberhaupt der islamischen Regierung nach sich selbst eingesetzt hatte. Dafür gebrauchte man die Ausrede, dass er zu jung sei und in den Schlachten Blut vergossen und sich Feinde gemacht habe. Nachdem er Protest erhoben und sich erfolglos für sein Recht eingesetzt hatte, schwieg er 25 Jahre und widmete sein Leben der Erziehung der Menschen. Nach der Ermordung des dritten Kalifen (Stellvertreter des Propheten) eilten die Leute herbei, um ihm als Nachfolger den Treueid Baiʿat zu leisten. Hiermit wurde er der vierte Kalif der muslimischen Gemeinde. [13]

ʿAlī (a.) regierte vier Jahre und neun Monate und es wurden ihm im Laufe dieser Zeit drei innerislamische Kriege aufgezwungen. Manche Personen der Getreuen (Ṣiḥāba) des Propheten (s.), an deren Spitze eine der Mütter der Gläubigen ʿĀiša und sowie Ṭalḥa und Zubair standen, rebellierten unter dem Vorwand, das Blut des dritten Kalifen zu beanspruchen und ließen die Kamelschlacht (Schlacht von Ğamal) gegen ihn in der Nähe von Baṣra stattfinden. Die Schlacht von Ṣiffīn ist die zweite große innermuslimische Schlacht, die durch Muʿāwīya Ibn Abū Sufyān gegen ihn an der Grenze von Irak und Syrien angezettelt wurde und eineinhalb dauerte. Die Schlacht von Nahrawān gegen Ḫawāriğ ist das letzte große Unheil seiner Zeit. Somit verwandte er in seiner Regierungszeit viel Mühe und Zeit auf die Lösung der inneren Konflikte. Bald darauf wurde er am Morgen des 19. Tags des Monats Ramaḍān des 4. Jahrhunderts n. H. bei der Niederwerfung in der Moschee von Kūfa hinterrücks durch Ḫawāriğ erstochen und erlangte am Vorabend des 21. Tags desselben Monats den Märtyrertod. [14]

Charaktereigenschaften

Wie die Geschichte erzählt und Freunde und Feinde berichteten, bezeugten und es zugaben, fehlte dem Befehlshaber der Gläubigen bzw. Imam ʿAlī (a.) keine der menschlichen Vollkommenheiten und er wurde in den islamischen Praktiken als ein perfektes Beispiel für die Erziehung durch den Heiligen Propheten (s.) betrachtet. [15]

Er war die kenntnisreichste Person unter den Gefährten des Propheten und allen anderen Muslimen und die Erste im Islam, die seine wissenschaftlichen Gutachten mit “Argumentationen“ vorlegte. Er war der großartigste Gelehrte der islamischen Bildung und besaß das vollkommene Beherrschen der Verse des heiligen Qurʿan und die islamischen Gesetze. Er etablierte die arabische Syntax und war der redegewandteste Sprecher unter den Arabern. [16] (Siehe Nahğ al-Balāġa)

In Tapferkeit war ʿAlī (a.) ein Vorbild, beim Anbeten Allahs einzigartig und unschlagbar in seiner Frömmigkeit. Es befinden sich viele Geschichten und Erzählungen über seine Barmherzigkeit mit Untergebenen, sein Mitleid mit Armen und seine Großzügigkeit mit Bedürftigen. [17]

2. Imam Ḥasan (a.)

Hauptartikel: Imam al-Ḥasan al-Muğtabā (a.)

Imam al-Ḥasan al-Muğtabā (a.) und sein Bruder Imam al-Ḥusain (a.) waren zwei Söhne des Befehlshabers der Gläubigen ʿAlī (a.) aus der Ehe mit Fāṭima al-Zahrāʾ(s). Der Prophet (s.) sprach immer wieder aus: “Ḥasan und Ḥusain sind meine Söhne”. Gemäß Aussage des Propheten sprach Imam ʿAlī (a.) seine anderen Kinder an: “Ihr seid meine Söhne, Ḥasan und Ḥusain sind die Söhne des Gesandten Allahs.“ [18]

Imam Ḥasan (a.), der älteste Sohn von Imam ʿAlī (a.) wurde im dritten Jahre nach der Hiğra in Medina geboren. Er verlor seinen Großvater, den Propheten, als er sieben Jahre alt war und bald darauf seine Mutter, die Dame Fāṭima al-Zahrāʾ(s). [19] Nach dem Märtyrertod seines Vaters wurde er durch Allah und gemäß Testament seines Vaters zur Führerschaft Imāmat ernannt. Er verwaltete sechs Monate als Kalif die muslimische Gemeinde.

Muʿāwīya Ibn Abū Sufyān, der ärgste Feind von Imam ʿAlī (a.) und seiner Familie, hatte jahrelang um die höchste Macht gekämpft, zuerst unter dem Vorwand, das Blut des dritten Kalifen zu beanspruchen und danach wollte er die absolute Macht über das islamische Reich haben und anstelle Imam al-Ḥasan (a.) selbst regieren. Er brach mit seinen Truppen nach dem Irak auf, wo Imam Ḥasans Regierungssitz war und eröffnete einen Krieg gegen ihn. Er bestach mit Bestechungsgeld, trickste die Gouverneure von Imam Ḥasans Armee aus und stiftete sie an, sich dem entgegenzustellen. In dieser Situation blieb nur noch die Möglichkeit zum Friedensvertrag. Er (a.) überließ das Kalifat dem Muʿāwīya unter Bedingungen. Gemäß einigen Vertragsdokumenten verpflichtete sich Muʿāwīya, keinen Nachfolger für sich zu bestimmen und die Macht an Imam Ḥasan zu übergeben und ʿAlī (a.) und seine Anhänger, Mitstreiter und Freunde sollten niemals mehr bedrängt und unterdrückt werden. [20] Muʿāwīya hielt nicht eine einzige Klausel des Vertrages ein. Die Dauer des Imāmats von Imam Ḥasan (a.) betrug zehn Jahre und er lebte im Laufe dieser Zeit in einer schwierigen Situation, sodass er auch in seinem eigenen Haus nicht in Sicherheit war. Er wurde schließlich im Jahre 50 n. H. durch seine Ehefrau, die durch Muʿāwīya angestiftet wurde, vergiftet und Märtyrer. [21]

3. Imam Ḥusain (a.)

Hauptartikel: Imam al-Ḥusain (a.)

Imam al-Ḥusain (a.) (Titel: Sayyid al-Šuhadā (Fürst der Märtyrer)), der zweite Sohn von Imam ʿAlī (a.) und der Tochter des Propheten (s.) Fāṭima al-Zahrāʾ(s) wurde im Jahr 4 n. H. geboren. Nach dem Märtyrertod seines Bruders Imam al-Ḥasan al-Muğtabā (a.) ging die Verantwortung des Imāmats im Auftrag Gottes und gemäß Testament seines Bruders auf ihn über.

Sein Imāmat dauerte zehn Jahre. Mit Ausnahme von den letzten sechs Monaten war sein Imāmat zeitgenössisch mit dem Kalifat von Muʿāwīya Ibn Abū Sufyān. Der Imam (a.) lebte genauso wie sein Bruder in einer schwierigen Situation. Muʿāwīya versuchte, seinen unsittlichen Sohn „Yazīd“ als Nachfolger in Stellung zu bringen. [22] Schließlich starb er in der Mitte des Jahres 60 n. H. und Yazīd wurde sein Nachfolger. [23]

Nach dem Tod seines Vaters forderte Yazīd den Gouverneur von Medina eilends durch einen Brief auf, dass er entweder den Treueeid von Imam Ḥusain (a.), dem amtierenden Imam der Zwölf Imame einfordern, oder aber Imam Ḥusains Kopf nach Damaskus schicken sollte. Nachdem der Gouverneur Imam Ḥusain (a.) unmittelbar aufforderte, den Treueeid zu leisten, bat ihn der Imam um eine Frist, um es sich zu überlegen. Er setzte sich nächtlich mit seiner Familie nach Mekka in Bewegung, wo er vier Monate in der Nähe von Haus Allahs Kaʿba, das im Islam als sicher und geschützt bezeichnet wird, unterkam. [24]

Mittlerweile erhielt der Imam hunderte von Einladungsbriefen aus dem Irak und vor allem aus Kūfa, in denen er gebeten wurde, dorthin zu gehen, das Volk zu führen und gegen Ungerechtigkeit aufzustehen. [25] In der Pilgerzeit Ḥağ erfuhr der Imam, dass einige der Agenten von Yazīd in Gestalt von Pilgernden in Mekka eingetroffen waren, um ihn zu ermordern. [26]

Er sprach auf der Versammlung und informierte sie von seiner Reise in den Irak, erwähnte seinen Märtyrertod, bat sie um Hilfe und Unterstützung für sein Ziel und um Aufopferung ihres eigenen Lebens auf dem Weg Gottes. Am nächsten Morgen setzte er sich mit seiner Familie, seinen engsten Gefährten sowie zahlreichen weiteren nahen Verwandten in Bewegung nach dem Irak. [27]

Manche ausgezeichnete, vornehme und wohlwollende Leute versuchten ihn auf seinem Weg zu stoppen und ihn an das Risiko einer solchen Bewegung zu erinnern. Jedoch er antwortete darauf: “Ich leiste (dem Yazīd) nie einen Treueid und billige die Regierung der Ungerechtigkeit nicht und ich weiß, wohin ich auch gehe, sie werden mich töten und ich verlasse Mekka, damit die Heiligkeit und Würde des heiligen Hauses Allahs durch Vergießung meines Bluts nicht entweiht wird. [28]

In Kerbela

Hauptartikel: Ereignis von ʿĀšūrā

Imam al-Ḥusain (a.), seine Familie und seine geringen Gefährten wurden durch die Yazīds Armee in der Wüste namens Kerbela, 70 km von Kūfa entfernt, belagert. Sie übernachteten dort acht Tage. Die Belagerung wurde jeden Tag enger und die Zahl der Feinde nahm zu. Bald war die Karawane Imam Ḥusains (a.) von 30 000 bewaffneten Soldaten umgeben. [29]

In der Nacht vor dem Krieg bzw. ʿĀšūrā sprach der Imam seine Gefährten während einer kurzen Rede an: “Wir haben uns gegenüber nichts weiter, als den Tod und das Martyrium. Der Feind hat nichts mit irgendjemandem außer mir zu tun. Ich entbinde euch von jeglicher weiterer Verpflichtung mir gegenüber und stelle es euch frei, die Dunkelheit zu nutzen und das Zeltlager zu verlassen, um euer Leben vor dieser furchtbaren Gefahr zu erretten.” [30]

Am Ende des neunten Tages von Muḥarram al-Ḥarām erhielt der Imam (a.) die ultimative Aufforderung, dass sie entweder Yazīd Ibn Muʿāwīya den Treueid schwören sollten, oder aber für ihren Widerstand bestraft werden würden. Der Imam bat sie um eine weitere Nacht, um die Nachtwache zu halten und anzubeten und entschied sich für den Krieg am nächsten Tag. [31] (Siehe: Tag von Tāsūʿā)

Am 10. Muḥarram al-Ḥarām 61 n. H. standen der Imam (a.) und seine geringe Zahl an Gefährten (insgesamt weniger als 90 Personen, von denen 40 alte Gefährten waren, 30 andere schlossen sich dem Imam aus der Armee des Feindes an. Der Rest waren seine Hāšimī-Verwandten, d. h. seine Kinder, Brüder, Neffen und Cousinen) gegen die ungezählte Armee des Feindes und der Krieg begann. [32] (Siehe: Tag von ʿĀšūrā)

An jenem Tag kämpften sie von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang und der Imam (a.) und alle seine Soldaten wurden Märtyrer. (Zu den Toten zählten auch zwei kleine Kinder Imam Ḥasans (a.) und das kleine Kind und der Säugling des Imam Ḥusains (a.)) [33]

Gefangenschaft der Familie des Imams

Nach Kriegsende plünderte der Feind die Zelte des Imams und nahm die Häupter der Märtyrer und die gefangene Familie des Imams nach Kūfa und nachher nach Damaskus zu Yazīd mit. [34]

Durch die Schlacht von Kerbela, die Gefangenschaft der Frauen und Mädchen des Imams, die von einer Stadt zur anderen vorgeführt wurden und durch die Reden der Tochter des Befehlshabers der Gläubigen ʿAlī (a.) in Kūfa und Damaskus und die Reden des vierten Imams, die unter den Gefangenen waren, wurden Umayyaden blamiert. Muʿāwīyas vorherige Propaganda wurde neutralisiert, so dass auch Yazīd sich öffentlich vor den Taten seiner Agenten ekelte. Die Schlacht von Kerbela war ein wesentlicher Faktor in der Geschichte des Islam, der durch seinen langfristigen Effekt, die Regierung von Umayyaden verdrängte. Revolutionen und Revolten zusammen mit den 12 jährigen blutigen Schlachten zählen zu seinen kurzfristigen Effekten. Keine Person, die an der Ermordung des Imams teilnahm, konnte der Rache entkommen. [35]

4. Imam Sağğād (a.)

Lehre Hauptartikel: Imam as-Sağğād (a.)

Imam ʿAlī Ibn al-Ḥusain (a.) mit dem am häufigsten verwendeten Titel “Sağğād“ (der sich Niederwerfende) und “Zain al-ʿĀbidīn“ (Zier der Diener) ist der Sohn des dritten Imams und der Tochter von Yazdgerd III, des letzten Herrschers des persischen Sassanidenreichs. Seine anderen drei Brüder wurden in der Schlacht von Kerbela Märtyrer. Er konnte aufgrund einer schweren Krankheit an der Schlacht nicht teilnehmen und wurde zusammen mit den Gefangenen nach Damaskus geschickt. [36]

Nach dem Ende seiner Gefangenschaft wurde der Imam auf Befehl Yazīds respektvoll nach Medina zurückgeschickt, um es zu vermeiden, eine Wut in der Öffentlichkeit aufsteigen zu lassen. Er (a.) wurde erneut auf Befehl des umayadischen Kalifen, ʿAbdul Malik, verhaftet und in Fesseln von Medina nach Syrien gebracht. Später ist er nach Medina zurückgekehrt. [37]

Da er nicht durch Predigten in der Öffentlichkeit wirken durfte, hat er durch öffentliche Bittgebete gewirkt. Nach seiner Rückkehr nach Medina sprach er mit keinem, außer seinen besonderen Schiiten, wie Abū Ḥamza Ṯumālī und Abū Ḫālid Kābulī. Selbstverständlich veröffentlichten sie die Lehre von Imam unter den Schiiten. Hiermit entwickelte sich die schiitische Rechtschule, deren Höhepunkt zur Zeit des Imāmats des fünften Imams erreicht wurde. [38]

As-Ṣahīfa As-Sağğadīa ist eine Sammlung, die aus 54 Bittgebeten besteht und sie wird als eines seiner wertvollsten Werke betrachtet. [39] Sein Imāmat dauerte 35 Jahre. Schließlich wurde er in 95 n. H. durch Walīd Ibn ʿAbdul Malik, der von Hišām, dem umayadischen Kalif angestiftet wurde, vergiftet und zum Märtyrer. [40]

5. Imam Bāqir (a.)

Hauptartikel: Imam Muḥammad al-Bāqir (a.)

Imam Muhammad Ibn ʿAlī, bekannt als Bāqir al-ʿUlūm, ist der fünfte Imam der Schiiten. Dieser Titel wurde ihm vom Propheten Muhammad (s.) zuerkannt. Er wurde im Jahre 57 n. H. geboren und war 4 Jahre alt, als die Schlacht von Kerbela tobte, und gehörte zu den Gefangenen. Nach seinem Vater wurde er seitens Allah als Imam eingesetzt und in 114 oder 117 n. H. gemäß manchen schiitischen Überlieferungen durch Ibrāhīm Ibn Walīd Ibn ʿAbdul Malik, den Neffen von Hišām, dem umayadischen Kalif, vergiftet und Märtyrer. [41]

Zur Zeit des fünften Imams gab es immer wieder Aufstände und Kriege gegen Umayyaden. Die Regierung beschäftigte sich damit, sie zu unterdrücken und hatte deswegen wenig Zeit, die Ahl al-Bait zu bedrängen. [42] Andererseits wurde die Familie des Imam Ḥusains, die in der Schlacht von Kerbela unterdrückt wurde, von Muslimen bedauert. Der Imam ergriff diese beiden Möglichkeiten für die Veröffentlichung islamischer Lehren, welche den vorigen Imamen nicht zur Verfügung standen. Das bezeugen unzählige Berichte und Überlieferungen, die von ihm stammen. [43]

6. Imam Ṣādiq (a.)

Hauptartikel: Imam al-Ṣādiq (a.)

Imam Ğaʿfar Ibn Muhammad (Ṣādiq), der Sohn des fünften Imams, wurde in 83 n. H. geboren und in 148 n. H. im Alter von 65 durch Anstiftung von Manṣūr, dem abbasidischen Kalif, vergiftet und zum Märtyrer. [44] Mit Ausnahme von Imam al-Mahdī, der in Verborgenheit lebt, ist er der älteste Imam.

Die Revolutionen der islamischen Länder, insbesondere der Aufstand, der durch “Musawwida“ (Schwarzkleidungsträger) gegen das umayadische Kalifat geführt wurde und die blutigen Schlachten, die den Sturz der Umayyaden verursachten, sowie eine gute Atmosphäre, welche der fünfte Imam bereits während der 20 Jahre seines Imāmats durch die Veröffentlichung der islamischen Lehren vorbereitet hatte, führten alle dazu, dass bessere Voraussetzungen für den sechsten Imam zur Verbreitung und Bekanntmachung der religiösen Lehren geschaffen wurden. [45]

Während seines Imāmats, das 34 Jahre andauerte, konnte Imam Ṣādiq (a.) viele Wissenschaftler und gelehrte Persönlichkeiten wie Zarrāra, Muhammad Ibn Muslim, Muʾmin al-Ṭāq, Hišām Ibn Ḥakam, Abān Ibn Taġlib, Hišām Ibn Sālim, Ḥarīz, Hišām Kalbī Nasāba und Ğābir Ibn Ḥayyān etc. ausbilden. Er war auch Lehrer zahlreicher sunnitischer Gelehrter, wie Sufyān al-Ṯaurī, Abū Ḥanifa, (Führer der ḥanafīyya Schule), Qāḍī Sakūnī und Qāḍī Abu l-Baḫtarī etc. Es heißt, dass 4000 Gelehrte und Wissenschaftler in seinen Klassen unterrichtet und erzogen worden seien. [46] Die Zahl seiner Überlieferungen zusammen mit den Überlieferungen von seinem Vater sind insgesamt mehr als die Zahl der Überlieferungen, welche vom Propheten Muhammad (s.) sowie von den anderen zehn Imamen stammen. [47]

Al-Manṣūr al-ʿAbbāsīs befahl seinen Agenten, den Imam in Medina zu verhaften. Er (a.) wurde schon einmal in Gegenwart des fünften Imams auf Befehl Hišāms, des umayadischen Kalifen, verhaftet und nach Damaskus und später auf Befehl Saffāḥs, des abbasidischen Kalifen, in den Irak geschickt. Der Imam stand für eine Zeit unter der Überwachung von Manṣūr. Er wollte den Imam mehrmals ermorden lassen. Schließlich gestattete er ihn, nach Medina zurückzukehren. Der Imam wurde aufgrund der schwierigen Umstände gezwungen, seinen Glauben in Verstellung (Taqīyya) zu halten. Endlich verschwor sich Manṣūr gegen ihn und hat ihn vergiften und Märtyrer machen gelassen. [48]

7. Imam Kāẓim (a.)

Hauptartikel: Imam Mūsā b. Ğaʿfar al-Kāẓim (a)

Der siebte Imam Mūsa Ibn Ğaʿfar (Kāẓim) ist der Sohn und Nachfolger von Imam al-Ṣādiq (a.). Er wurde in 128 n. H. geboren und in 183 n. H. im Gefängnis vergiftet und Märtyer. [49]

Er hat vier Kalifen der Abbasiden Manṣūr, Hādī, Mahdī und Hārūn erlebt, in deren Diktaturen Gewalt vor Recht ging. Deswegen sollte er auch Verstellung (Taqīyya) betreiben. Als sich Hārūn auf die Pilgerfahrt nach Medina begab, befahl er seinen Agenten, den Imam, während der (a.) beim Verrichten des Gebets in der Prophetenmoschee war, gefangen zu nehmen und in Fesseln nach Baṣra ins Gefängnis zu schicken. Später wurde der Imam von Baṣra nach Baġdād geschickt und wurde danach in verschiedenen Gefängnissen untergebracht. Zuletzt ließ ihn Hārūn in Baġdād von al-Sindī Ibn Šāhak vergiften und an der Stelle namens Maqābir Quraiš in der heutigen Stadt Kāẓimain im Irak begraben. [50]

8. Imam Riḍā (a.)

Hauptartikel: Imam al-Riḍā (a.)

Der achte Imam ʿAlī Ibn Mūsa (Riḍā) ist der Sohn des siebten Imams und wurde gemäß den meisten historischen Büchern in 148 n. H. geboren und in 203 n. H. Märtyrer. [51]

Nach dem Märtyrertod seines Vaters wurde ihm gemäß der Festlegung durch Allah von seinem Vater das Imāmat übertragen. Imam Riḍā (a.) hat drei Kalifen der Abbasiden Hārūn, Hārūns Sohn Amīn und seinen anderen Sohn Maʾmūn erlebt. [52]

Nach dem Tod von Hārūn kam es immer wieder über das Thema „Macht“ zu ernsthaften Differenzen zwischen seinen zwei Söhnen Amīn und Maʾmūn, welche zu den blutigen Schlachten und schließlich zur Ermordung von Amīn führten. Zu jener Zeit übte das abbasidische Kalifat grausame Gewalt gegen ʿAlawīyyūn aus (als ʿAlawī wird ein Anhänger von Imam ʿAlī (a.) bezeichnet). Des Öfteren standen ʿAlawīyyūn gegen die Ungerechtigkeit auf und es wurden Kriege geführt, welche großes Unheil über die Regierung brachten. Die Imame der Schiiten kämpften zwar mit den Aufständigen nicht mit, jedoch wurden sie durch Schiiten, die zu jener Zeit aus einer größen Bevölkerung bestanden, als religiöse Führer bezeichnet und die Regierung wurde als unreines System angesehen. Die Fortdauer dieser Situation stellte für die Regierung eine Gefahr dar und bedrohte das Kalifat. [53]

Maʿmūn wollte das Problem, das die alte 70 jährige unterdrückerische Politik seiner Vorfahren nicht lösen konnte, durch einen neuen Plan beenden. Deshalb entschied er, den achten Imam zur Statthalterschaft zu berufen. Denn, wenn die ʿAlawīyyūn mit der Regierung verbunden wären, würden sie keinen Aufstand mehr gegen die Regierung führen. Und die Schiiten würden das Vertrauen zu den Imamen der Ahl al-Bait völlig verlieren, nachdem sie die Beziehung ihres Imams zur Regierung, die sie als unrein betrachteten, gesehen hatten. So würde sich ihre religiöse Gemeinschaft auflösen und die Regierung durch keine Gefahr mehr bedroht. [54] Nachdem Maʿmūn sein Ziel erreichen würde, könnte er einfach den Imam ermordern lassen.

Um den Plan zu verwirklichen, rief Maʿmūn den Imam in 200 n. H. von Medina in Marw, wo sich sein Regierungssitz befand, und bot dem Imam zuerst das Oberhaupt der Regierung und dann die Statthalterschaft an. Der Imam lehnte zunächst ab, jedoch nahm er später die Statthalterschaft unter dem Druck Maʿmūns an, unter der Bedingung, nicht in die Regierungsgeschäfte, in die Ernennungen und Entlassungen eingreifen zu müssen. [55] Bald darauf erkannte Maʿmūn seinen Fehler, als er die rasche Entwicklung der Schiiten sah. Er vergiftete den Imam und machte ihn zum Märtyrer. Der Imam wurde im Iran in der Stadt Ṭūs, die sich heute Mašhad nennt, beigesetzt. [56]

9. Imam Ğawād (a.)

Hauptartikel: Imam al-Ğawād (a.)

Imam Muhammad Ibn ʿAlī, Sohn des achten Imams, wurde in 195 n. H. in Medina geboren. Zu seinen Titeln gehören: “Ibn al-Riḍā“, „Taqī“ und „Ğawād“. Gemäß den schiitischen Überlieferungen wurde er in 220 n. H. durch Anstiftung von Muʿtaṣim, dem abbasidischen Kalif, durch seine Ehefrau, welche die Tochter von Maʾmūn ʿAbbasī war, vergiftet und zum Märtyrer. Er ruht zusammen mit seinem Großvater, dem siebten Imam, in Kāẓimīyya. [57]

Nach dem Märtyrertod seines Vaters ging die Verantwortung des Imāmts seitens Allah auf ihn über. Beim Ableben seines Vaters wohnte er in Medina. Maʾmūn befahl ihm nach Baġdād zu kommen, wo sich zu jener Zeit der Regierungssitz befand. Obwohl Maʾmūn den Imam hasste, versuchte er ihn durch allerlei Aufmerksamkeiten für sich einzunehmen und ihm seine Freundlichkeit zu zeigen, indem er ihn mit seiner Tochter verheiratete. Das war eigentlich seine raffinierte Politik. Er behielt den Imam in Baġdād, hiermit hatte er die Möglichkeit, ihn innerhalb und außerhalb seines eigenen Hauses besser zu kontrollieren. Nach einiger Zeit kehrte der Imam nach Medina zurück und blieb bis zum Ende der Herrschaft von Maʾmūn dort. Nach dem Tod von Maʾmūn gelangte Muʿtaṣim zur Macht und rief den Imam nach Baġdād und ließ ihn überwachen. Schließlich wurde er durch seine Ehefrau, die durch Muʿtaṣim angestiftet worden war, vergiftet und ermordet. [58]

10. Imam Hādī (a.)

Hauptartikel: Imam al-Hādī (a.)

Imam ʿAlī Ibn Muhammad betitelt mit “Naqī” und „Hādī“ ist der Sohn des neunten Imams. Er wurde in 212 n. H. in Medina geboren und in 254 n. H. (gemäß den schiitischen Überlieferungen) durch Muʿtaz, den abbasidischen Kalif, vergiftet und erlangte den Märtyrertod. [59]

Der zehnte Imam erlebte sieben abbasidische Kalifen mit: Maʾmūn, Muʿtaṣim, Wāṯiq, Mutawakkil, Muntaṣir, Mustaʿīn und Muʿtaz. [60]

In 243 n. H. unter dem Einfluss von Verleumdung befahl Mutawakkil dem Imam, von Medina nach Sāmarra, wo sich seine Regierungsstelle befand, zu kommen. Nach seinem Eintritt in Sāmarra tat Mutawakkil zwar äußerlich nichts gegen ihn, jedoch benutzte er hinterrücks alle Mitteln um ihn zu belästigen und zu schädigen. Er rief den Imam mehrmals mit der Absicht der Schändigung und Ermordung zu sich und ordnete an, das Haus des Imams zu durchsuchen. [61]

In der Feindschaft mit den Zwölf Imamen kam niemand unter den abbasidischen Kalifen dem Mutawakkil gleich. Er beschimpfte öffentlich den Imam ʿAlī (a.) und beauftragte jemanden, den Imam in den Partys nachzuahmen und zu verspotten. In 237 n. H. ordnete er an, das Mausoleum von Imam al-Ḥusain (a.) in Kerbela und sowie viele Häuser um dieses herum zu zerstören. [62]

Zu seiner Zeit lebten die ʿAlawīyyūn in Ḥiğāz in einem so jämmerlichen Zustand, so dass ihre Frauen nicht genug Kleider zum tragen hatten. Manche von ihnen hatten nur einen alten Tschador (eine Variante Verhüllung), welchen sie zum Zeitpunkt des Ritualgebets der Reihe nach, eine nach der Anderen, trugen. Mutawakkil bedrängte auch die ʿAlawīyyūn von Ägypten. Der Imam erduldigte schweres Leid, bis Mutawakkil starb. Danach kamen Muntaṣir, Mustaʿīn und Muʿtaz, einer nach dem anderen an die Macht. Schließlich wurde der Imam durch eine Verschwörung des Muʿtaz vergiftet und zum Märtyrer. [63]

11. Imam Ḥasan ʿAskarī (a.)

Hauptartikel: Imam Ḥasan al-ʿAskarī (a.)

Ḥasan Ibn ʿAlī betitelt mit „ʿAskarī”, Sohn des zehnten Imams wurde in 232 n. H. geboren und in 260 n. H. (gemäß manchen schiitischen Überlieferungen) durch eine Verschwörung des Muʿtamid, des abbasidischen Kalifen, vergiftet und erlebte den Märtyrertod. [64]

Der elfte Imam wurde nach dem Ableben seines Vaters im Auftrag Gottes und gemäß des Testaments seiner Vorfahren zum Imāmat eingesetzt. Während seines Imāmats, das sieben Jahre andauerte, musste er aufgrund der schwierigen Zeiten und der übermäßigen Belästigungen der Regierung Verstellung (Taqīyya) betreiben. Er schloss seine Haustür vor den Leuten mit Ausnahme von engsten Vertrauten. Allerdings verbrachte er die meiste Lebenszeit im Gefängnis. Der erste Grund für all diese Belästigungen war, dass zu jener Zeit die Bevölkerungszahl der Schiiten wuchs und infolgedessen ihre Macht zugenommen hatte. Die Sache bedrohte das Kalifat. Auch die Tatsache, dass die Schiiten an das Prinzip des Imāmats glaubten, war bekannt und es konnte dazu führen, dass die Imame bald erkannt wurden. Deswegen überwachten sie die Imame mehr als vorher und strebten danach, sie durch mysteriöse Pläne zu ermordern und zu vernichten. Zweitens wussten sie, dass nach Vorstellung der schiitischen Eliten, der elfte Imam einen Sohn zurückgelassen hatte, der der versprochene Erlöser sei, dessen Führerschaft schon vom Propheten Muhammad (a.), wie die sunnitischen und schiitischen Berichte aussagen, vorhergesagt worden war. [65]

Im Hinblick auf die obenerwähnten Gründe wurde der elfte Imam mehr als die vorigen Imame überwacht. Der Kalif seiner Zeit beschloss, das Imāmat auf irgendeine Weise zu beenden. Sobald er über die Krankheit des Imams erfuhr, schickte er einen Arzt in sein Haus und beauftragte einige vertrauenswürdige Personen und manche Richter in seinem Haus, alles zu kontrollieren. Nach dem Märtyrertod des Imams befahl er, sein Haus zu durchsuchen und seine Sklavinnen durch einige Hebammen untersuchen zu lassen. Er wollte um jeden Preis die Geburt des zwölften Imams verhindern. Zwei Jahre lang suchten die Agenten des Kalifen fieberhaft nach dem Sohn des Imams, bis sie schließlich völlig enttäuscht aufgaben. [66]

Der elfte Imam wurde in seinem Haus in der Stadt Sāmarra im Irak neben dem Grab seines Vaters begraben. [67]

12. Imam Mahdī (a.)

Hauptartikel: Imam al-Mahdī (a.)

Al-Mahdī, der erwarteter Erlöser, der größtenteils den Titel “Imam der Zeit” und “Fürst der Zeit” trägt, ist der Sohn des elften Imams, dessen Name und Beiname der gleiche, wie der des Prophet Muhammad (s.) ist. Er wurde in 256 n. H. in Sāmarra geboren und wuchs bis zum Zeitpunkt des Märtyrertods seines Vaters in 260 n. H. bei ihm auf und wurde von ihm ausgebildet. Er musste sich vor der Bedrohung durch die Herrschaft verstecken. Keiner hatte Zutritt zu ihm, außer den Eliten der Schiiten. Nach dem Märtyrertod seines Vaters und Übertragung des Imāmats auf ihn, lebte er auf Befehl Allahs in der Verborgenheit.

Die Verborgenheit des Imams kann in zwei Abschnitte geteilt werden:

1. Die kleine Verborgenheit: Sie begann ab 260 n. H. und wurde in 329 n. H. beendet (ungefähr 70 Jahre). Während dieser Zeit war der Imam durch die vier Stellvertreter mit den Leuten in Kontakt. [68]

2. Die große Verborgenheit: Sie begann ab 329 n. H. und dauert bis heute an. Der Prophet (s.) sagt in einer von Sunniten und Schiiten angenommenen Überlieferung: "Wenn es aus dem Leben dieser Welt nichts mehr gibt, sondern nur einen Tag, wird Allah ihn verlängern, bis al-Mahdī (aj) von meinen Kindern wieder erscheint und die Welt mit Gerechtigkeit füllt, wie sie mit Ungerechtigkeit und Unterdrückung erfüllt ist." [69]

Sunnitische Refrenzen

Zusätzlich zu dem, was oben erwähnt ist, wurden der Zwölf Imame auch in sunnitischem Kreise ehrfürchtig gedacht. Es wurden von ihnen Bücher über den Vorzug der Imame verfasst.

Die Zahl der von Sunniten geschriebenen Bücher, die sich mit diesem Thema befassen, ist nicht gering. Die Hymne, die von Abu l-Faḍl Yaḥyā Ibn Salāma Ḥaṣkafī (551 oder 553 n. H.) auf die Lobpreisung der einzelnen der Zwölf Imame gedichtet wurde, zählt zu einer der Motivationen zur Herstellung solcher Werke. [70]

Im Folgenden sind einige von Sunniten verfasste Bücher aufgelistet, die den Vorzug der Zwölf Imame behandeln:

1. Maṭālib al-sa'ul fī manāqib Āl al-Rasūl geschrieben von Kamāl al-Dīn Ibn Ṭalḥa al-Šāfi'ī (geb. 562/1167), veröffentlicht in Nağaf durch Dār al-Kutub al-Tiğārīyya.

2. Taḏkira ḫawāṣ al-umma fī ḫaṣā'iṣ al-a'imma geschrieben vom hanafitischen Gelehrte Yūsuf Ibn Qazāwaġlī Sibṭ Ibn Al-Ğauzī (geb. 654/1256), häufig veröffentlicht in Nağaf 1369/1949.

3. Al-Fuṣūl al-muhimma fī ma'rifat al-a'imma geschrieben von Ibn Ṣabbāġ al-Mālikī (855/1451), das häufig in Nağaf durch Dār al-Kutub al-Tiğārīyya veröffentlicht wurde und seine vielen Ausgaben in den Bibliotheken der islamischen Welt zeigen seine weite Verbreitung in den verschiedenen Jahrhunderten. In seiner Arbeit hat Ibn Ṣabbāġ häufig aus Schi'a-Quellen wie al-Šaiḫ al-Mufīds al-Iršād (S. 192, 213 usw.) zitiert.


4. Al-Šaḏarāt al-Ḏahabīyya oder al-A'immat al-iṯnā 'ašar geschrieben von Šams al-Dīn Ibn Ṭūlūn, einem hanafitischen Gelehrte aus Damaskus (953/1546), erschienen in Beirut 1377/1958 durch die Bemühungen von Ṣalāh al-Dīn al-Munğid.

5. Al-Itḥāf bi-ḥubb al-ašrāf geschrieben von 'Abd Allāh Ibn 'Āmir al-Šibrāwī, dem schafiitischen Gelehrte aus Ägypten (1172/1759), das 1313/1895 in Kairo veröffentlicht wurde.

6. Nūr al-abṣār fī manāqib Āl Bait al-Nabī al-Muḫtār geschrieben von Sayyid Mu'min al-Šablanğī (Nach 1290/1873) häufig veröffentlicht, einschließlich in Kairo 1346/1927.

7. Yanābī 'al-mawadda geschrieben von Sulaimān Ibn Ibrāhīm al-Qundūzī, dem hanafitischen Gelehrte (1294 n. H./1877 n. Ch.), das 1302/1885 in Istanbul veröffentlicht wurde.

Fußnoten

  1. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 197-199.
  2. Makārim Šīrāzī, ″Payām Qurʾan″, B. 9, Imāmat dar Qurʾan, ab Seite 182.
  3. ″Tarğuma al-Mīzān″, B. 13, S. 474.
  4. al-Šaiḫ al-Ṭūsī, ″al-Tibyān″, B. 1, S. 214.
  5. S. 227; Siehe auch: ″Nağāšī″, S. 440.
  6. Siehe: ″ Ṣaḥīḥ Buḫārī″, B. 8, S. 127; ″Ṣaḥīḥ Muslim″, B. 3, S. 1452-1453; ″Abū dāwūd″, B. 4, S. 106; ″Tirmiḏī″, B. 4, S. 501.
  7. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 199.
  8. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 199.
  9. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 199-200.
  10. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 200.
  11. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 200-201.
  12. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 201.
  13. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 201.
  14. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 201-202.
  15. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 202.
  16. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 202-203.
  17. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 204-205.
  18. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 205.
  19. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 205.
  20. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 205-206.
  21. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 206-207.
  22. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 207-208.
  23. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 208.
  24. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 209.
  25. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 209-210.
  26. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 210.
  27. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 210.
  28. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 211.
  29. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 211-212.
  30. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 212.
  31. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 212-213.
  32. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 213.
  33. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 213.
  34. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 213-214.
  35. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 214.
  36. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 215-216.
  37. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 216.
  38. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 216.
  39. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 216.
  40. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 216-217.
  41. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 217.
  42. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 217.
  43. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 217-218.
  44. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 218.
  45. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 218-219.
  46. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 219.
  47. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 219.
  48. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 220.
  49. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 221.
  50. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 221.
  51. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 222.
  52. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 222.
  53. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 222-223
  54. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 223
  55. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 223-224
  56. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 224
  57. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 224-225.
  58. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 225.
  59. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 225-226.
  60. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 226.
  61. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 226.
  62. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 226-227.
  63. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 227.
  64. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 227-228.
  65. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 228.
  66. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 229.
  67. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 229.
  68. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 230.
  69. Ṭabāṭabāʾī, ″Schīʿa dar Islam″, S. 231.
  70. Siehe: Sibṭ Ibn Ğauzī, 365-367; Ibn Ṭūlūn, 40-43.