Zum Inhalt springen

Entwurf:Muʿjam Rijal al-Hadith (Buch)

Aus wikishia

Muʿjam Rijal al-Ḥadīth wa Tafṣīl Ṭabaqāt ar-Ruwāt (Arabisch: مُعْجَمُ رجالِ الْحَدیث وَ تَفْصیلُ طَبَقاتِ الرُّواة) von Seyyed Abu l-Qasim Khui stellt ein Standardwerk der Ilm al-Rijal, der Wissenschaft von den Hadithüberlieferern, dar. In diesem systematisch alphabetisch gegliederten Kompendium werden über 15.000 Überlieferer schiitischer Hadithe porträtiert und fundierte Einschätzungen zur Zuverlässigkeit ihrer Überlieferungen vorgenommen.

Das Vorwort des Werkes widmet sich detailliert sechs zentralen Themenfeldern der Ilm al-Rijal, darunter der wissenschaftlichen Notwendigkeit dieser Disziplin, den Kriterien zur Bewertung der Vertrauenswürdigkeit von Erzählern sowie der Authentizität der Hadithe in den sogenannten „Kutub al-Arba‘a“ (den vier kanonischen Büchern) der Schiiten. Das Werk gliedert sich in vier Hauptabschnitte: die Asmaʾ (Namen), Kunya (Beinahmen), Laqab (Titel) und Nisaʾ (Frauen). Der „Muʿjam rijāl al-Hadith“ umfasst insgesamt 24 Bände. Eine Besonderheit dieses Werkes besteht in der Zusammenführung sämtlicher Überlieferernamen, wobei Khui zudem die Frage der Namensverfälschung der Überlieferer adressiert und diese korrigiert.

Autor

Hauptartikel: Seyyed Abu al-Qasim Musawi Khui

Seyyed Abu al-Qasim Musawi Khui (1899–1992) zählte zu den schiitischen Vorbilder der Nachahmung (Marja‘-e Taqlid, auch Großayatollah genannt) und war ein Schüler von Mirza Naʾini sowie Muhaqqiq Isfahani.[1] Nach dem Tod von Sayyid Muhsin Tabatabai Hakim übernahm er zum qualifizierstes Vorbild der Nachahmung im Irak.[2] Khui verfasste Werke in den Disziplinen Fiqh, Usul al-Fiqh, Ilm ar-Rijal, Kalam und den Koranwissenschaften. Seine Schriften wurden in der fünfzigbändigen Reihe Mawsuʿat al-Imam al-Khui zusammengefasst.[3]

Bedeutung des Werkes

Muʿjam Rijal al-Hadith gilt als das umfassendste und systematischste Werk der schiitischen Rijal-Schriften. Ihm werden Alleinstellungsmerkmale zugeschrieben, die in früheren Werken dieser Disziplin nicht in vergleichbarer Weise vorzufinden sind. Besonders hervorzuheben ist hierbei die vielseitige Überprüfung der Überlieferer und die kritische Herangehensweise bezüglich der damaligen Hadith-Gelehrten insbesondere klassischer rijalischer Werke und die Neubewertung ihrer Sichtweisen.[4] Darüber hinaus wird das Buch aufgrund seiner detaillierten und vielseitigen Analyse der Überlieferer geschätzt, die nützliche Informationen über sie bereitstellt, die nirgendwo oder selten vorzufinden sind.[5]

Motivation und Entstehung

Wie der Verfasser im Vorwort darlegt, bildete die Ilm ar-Rijal seit jeher ein zentrales Anliegen der Rechtsgelehrten. Dennoch erfahre sie in der Gegenwart eine gewisse Vernachlässigung, obwohl sie eine methodische Grundlage für die Ableitung von Rechtsurteilen (Ijtihad) darstellt. Vor diesem Hintergrund beabsichtigte Khui, ein fundiertes Nachschlagewerk zu schaffen, das sämtliche Spezifika dieser Disziplin abdeckt.[6]

Bei der Erstellung des „Muʿjam Rijal al-Hadith“ wurde Khui von einem Team unterstützt, das ihm bei der Organisation, Transkription, Korrektur, dem Abgleich der Quellen sowie der Erstellung der Verweise assistierte.[7] Zu diesem Kreis gehörten unter anderem Muhammad Muzaffari, Haidar ʿAli Haschemian, Yahya Araki, Sayyid Murtaza Nakhjawani, Sayyid ʿAbd al-ʿAziz Tabatabai Yazdi, Sayyid Jawad Gulpayegani, Muhammad Kazim Khansari, Fakhr al-Din Zanjani, Muhammad Tabrizi, Ghulam Reza Rahmani und Sayyid Murtaza Hakami.[8]

Inhalt und Aufbau des Werkes

Das Werk gliedert sich in eine ausführliche Einleitung sowie vier Hauptteile. Während die Einleitung sechs grundlegende Themenfelder der Ilm ar-Rijal (Wissenschaft der Hadithüberlieferer) systematisch erörtert, widmen sich die vier Hauptteile der Identifizierung der Überlieferer sowie der Bewertung ihrer Glaubwürdigkeit.

Einleitung

Die einleitenden Erörterungen lassen sich in sechs Themenkomplexe zusammenfassen:

  • Die Notwendigkeit der Disziplin der (Ilm ar-Rijal), die Widerlegung skeptischer Positionen zu deren Relevanz sowie die Auseinandersetzung mit der Annahme einer absoluten Zuverlässigkeit der vier kanonischen Hadith-Sammlungen (Kutub al-Arbaʿa);[9]
  • Die Methodik und Kriterien zur Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit und der Reputation eines Überlieferers;[10]
  • Die Anerkennung und Validierung impliziter Vertrauenswürdigkeitsbeurteilungen;[11]
  • Die kritische Bewertung der Unzulänglichkeit allgemeiner Konformitätskriterien, wie etwa die Zugehörigkeit zu den Gelehrten des Konsenses“ (Ashab al-Ijmaʿ), das Vorhandensein einer Lehrbefugnis (Maschayekh-e Ejaze), die Bevollmächtigung durch einen Imam oder die bloße Gefährten-Eigenschaft;[12]
  • Die analytische Untersuchung der Hadithe innerhalb der Kutub al-Arbaʿa unter expliziter Widerlegung von Argumenten, die deren Fehlerlosigkeit postulieren;[13]
  • Die Darstellung der maßgeblichen schiitischen Quellenwerke der Rijal-Literatur sowie eine Anzweiflung der Authentizität des Werkes Rijal Ibn al-Ghazaʾiri.[14]

Hauptteile

Die vier Abschnitte des „Muʿjam Rijal al-Ḥadith“ gliedern sich systematisch in: Asmaʾ (Namen), Kunya (Beinahmen), Alqab (Titel) und Nisaʾ (Frauen). Das Werk verzeichnet insgesamt 15.676 Einträge, wobei Dubletten aufgrund identischer Personenprofile entsprechend gekennzeichnet sind. Während in den ersten drei Teilen sämtliche Überlieferer überprüft werden, deren Name, Kunya oder Titel in den klassischen Rijal-Büchern oder in den Isnad-Ketten (Überlieferungsketten) vorkommen, ist der vierte Teil den Frauen vorbehalten, die in den einschlägigen Überlieferungsquellen Erwähnung finden.[15]

Besonderheiten des Werkes

Der „Muʿjam Rijal al-Hadith“ zeichnet sich durch eine Reihe von Eigenschaften aus, die ihn von anderen Werken der Gattung abheben:

  • Der Name sämtlicher Überlieferer der Isnad-Ketten der vier großen Hadith-Sammlungen (Kutub al-Arba‘a), einschließlich jener, die in klassischen Rijal-Werken unberücksichtigt blieben.
  • Die umfassende Zusammenführung von Überlieferern aus sowohl bekannten als auch weniger rezipierten Rijal-Quellen.
  • Die vereinfachte Identifizierung der „Generationen der Überlieferer“ (tabaqat), da bei jeder Einführung eines Überlieferers alldiejenigen erwähnt werden, die von ihm überlieferten und er von ihnen überlieferte.
  • Die detaillierte Ausarbeitung biographischer Informationen der Überlieferer.
  • Neben der Wiedergabe der Einschätzungen anderer Hadith-Gelehrter bewertet der Autor die Überlieferer mithilfe eigener Kriterien und nimmt somit eine kritische Prüfung und Einordnung vor.
  • Ein häufiges Problem in der Überlieferungskette ist die Verfälschung oder Veränderung der Namen der Erzähler, etwa die Verwechslung von Hassan und Husain, Ahmad und Muhammad oder „an“ und „bin“. Diese Problematik wird in diesem Werk besonders berücksichtigt, wodurch die Namen sorgfältig korrigiert wurden.[16]

Themenbezogene Anfragen

Fußnoten

  1. Pirī Sabzevārī, Ayatollah al-ʿAẓam Sayyid Abū al-Qāsim Ḫuʾī, der große zeitgenössische Koranwissenschaftler“, S. 30; Anṣārī Qomī, Nudǧūm-e ummat – Hazrat Ayatollah al-ʿAẓam Ḥāǧ Sayyid Abū al-Qāsim Ḫuʾī, S. 57.
  2. Šarīf Rāzī, Ganjīne-ye dānešmandān, B. 2, S. 3–5; Raʾis-zāde, Ḫuʾī, Abū al-Qāsim, S. 515.
  3. Raʾis-zāde, Ḫuʾī, Abū al-Qāsim, S. 522.
  4. Wanaki et al.,Uṣūl-e awwalī-ye riǧālī, S. 120.
  5. Alīnežād, Maʿrifi-ye yeki az mohemmattarin afsār-e riǧālī-ye Šīʿa, S. 167.
  6. Siehe: Ḫuʾī, Muʿǧam riǧāl al-ḥadīṯ, B. 1, S. 11–12.
  7. Mokhtārī, Nokte-hā, S. 222–223.
  8. Mokhtārī, Nokte-hā, S. 223./Ḫuʾī, Muʿǧam riǧāl al-ḥadīṯ, B. 1, S. 50.
  9. Ḫuʾī, Muʿǧam riǧāl al-ḥadīṯ, B. 1, S. 17.
  10. Ḫuʾī, Muʿǧam riǧāl al-ḥadīṯ, B. 1, S. 37.
  11. Ḫuʾī, Muʿǧam riǧāl al-ḥadīṯ, B. 1, S. 47.
  12. Ḫuʾī, Muʿǧam riǧāl al-ḥadīṯ, B. 1, S. 53–73.
  13. ¹Ḫuʾī, Muʿǧam riǧāl al-ḥadīṯ, B. 1, S. 79.
  14. Siehe: Ḫuʾī, Muʿǧam riǧāl al-ḥadīṯ, B. 1, S. 93.
  15. ʿAli-næžād, Einführung in eines der wichtigsten biographischen Werke der Schia, S. 164.
  16. Alīnežād, ''Maʿrifi-ye yeki az mohemmattarin afsār-e riǧālī-ye Šīʿa, S. 167–177.

Quellenverzeichnis

  • ʿAlinežād, Abū Ṭālib: Maʿrifi-ye yeki az mohemmtarin afsār-e riǧālī-ye Šīʿa, in: Šīʿa-šenāsi, Herbst 1386 n.i.S., Nr. 19.
  • Delbarī, ʿAlī: Āšenā’ī bā oṣūl-e ʿelm-e riǧāl, Maschhad, Universität für Islamische Wissenschaften Reżawī, 1395 n.i.S.
  • Ḫuʾī, Sayyid Abū al-Qāsim: Muʿǧam riǧāl al-ḥadīṯ wa at-tafṣīl ṭabaqāt ar-ruwāt, Qom, Zentrum für die Veröffentlichung der islamischen Kultur in der Welt, 1413 n.H.
  • Mokhtārī, Reżā: Nokte-hā, in: Ketāb-e Šīʿe, Frühjahr/Sommer 1389 n.i.S, Nr. 1.
  • Anṣārī Qomī, Nāṣir ad-Dīn: Nudǧūm-e ummat – Hazrat Ayatollah al-ʿAẓam Ḫuʾī, in: Zeitschrift Nūr-e ʿilm, B. 4, Nr. 11, Mehr/Ābān 1371 n.i.S.
  • Pirī Sabzevārī, Ḥusain: Ayatollah al-ʿAẓam Sayyid Abū al-Qāsim Ḫuʾī, Qur’ān Ṡenās-e bozorg-e Mo’āṣer, in: Monatszeitschrift Golestān-e Qurʾān, Nr. 126, Ābān 1381 n.i.S.
  • Raʾis-zāde, Moḥammad: Ḫuʾī, Abū al-Qāsim, in: Enzyklopädie der islamischen Welt (Dā’ira al-Maʿārif al-Islāmī), Teheran, Stiftung für die Islamische Enzyklopädie, 1375 n.i.S.
  • Rabbānī-Ḫwāh, Aḥmad: Āšenā’ī bā dāneš wa manābeʿ-e riǧāl-e Šīʿa.[Verlagsangaben fehlen im Original].
  • Šarīf Rāzī, Moḥammad: Ganjīne-ye dānešmandān, Teheran, Islamischer Buchhandel, 1352–1354 n.i.S.
  • Talā’īān, Rasūl: Maʾźadšenāši-ye riǧāl-e Šīʿa, Qom, Verlag und Druckanstalt Dār al-Ḥadīṯ, 1381 n.i.S./ 1423 n.H.
  • Wanaki, Faṭime, Moḥammad Kāẓem Raḥmān-setāyeš und Faṭḥīje Fetāḥī-zāde: Raweh-e Ḫuʾī dar taʿāmol bā oṣūl-e awwalī-ye riǧālī, in: Rahjāft-hā’ī dar ʿulūm-e Qurʾān wa Ḥadīṯ), Nr. 97, Herbst/Winter 1395 n.i.S