Hadith Verteiler zwischen dem Paradies und der Hölle

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Der Hadith Qasim an-Nar wa al-Janna, ist eine Überlieferung des Propheten Muhammad (s.) über die Vorzüglichkeit Imam Alis, in dem er ihn als Verteiler zwischen dem Paradies und der Hölle präsentiert. Dieser Hadith kommt sowohl in schiitischen als auch sunnitischen Textquellen vor, allerdings mit verschiedenen Formulierungen.

Die muslimischen Gelehrten vertreten allgemein zwei Auffassungen bezüglich dieses Hadithes:

Einige von ihnen sind der Ansicht, mit dem Hadith sei gemeint, die Ali liebenden werden im Paradies sein und die ihn hassenden in der Hölle. Andere wiederum deuten diesen Hadith so, dass Ali derjenige am Tage der Auferstehung sei, der die Paradiesbewohner und die Bewohner der Hölle zuordnen wird.

Einige der schiitischen und sunnitischen Gelehrten sehen diesen Hadith als mutiwatir (häufig überliefert) an, wobei einige sunnitische Gelehrte ihn mit einer gewissen Überlieferungskette überliefern, die als unvertraulich (zaif) eingestuft wurde.

Der Hadith über den Verteiler zwischen der Hölle und dem Paradies wird auch in arabischen und persischen Gedichten zitiert.

Hadithtext

„Qasim an-Nar und wa al-Janna“ ist ein Hadith vom Propheten des Islam (s.) über Imam Ali (a.), der mit diversen Formulierungen überliefert wurde:

  • „O Ali, du bist der Verteiler zwischen dem Paradies und der Hölle.[1]

In der Sahifa von Imam ar-Riza (a.) kommt das Wort Hölle vor dem Wort Paradies vor: „O Ali, du bist der Verteiler zwischen der Hölle und dem Paradies“ [2]. In einigen anderen Quellen geht der Hadith folgendermaßen weiter: „Du tust deine dich liebenden ins Paradies und deine Feinde in die Hölle.[3]

  • „O Ali, du bist der Verteiler des Paradieses. Am Tag der Auferstehung sagst du zum Feuer, dies ist deins und dies meins.[4]
  • „O Ali, du bist der Verteiler zwischen der Hölle und du klopfst an das Tor des Paradieses und wirst ohne Abrechnung ins Paradies eintreten.[5]

Imam Ali (a.) stellt sich mit ähnlichen Ausdrücken wie Verteiler zwischen dem Paradies und der Hölle vor.[6] „Ich bin der Trenner, der zwischen Recht und Unrecht trennt. Meine Freunde tue ich ins Paradies und meine Feinde in die Hölle.[7] „Qasim an-Nar wa al-Janna“ ist auch ein Beiname Imam Alis (a.)[8] In den Ziaras Imam Alis (a.) wird auf diesen Hadith hingewiesen.[9]

Interpretationen

Die muslimischen Gelehrten legen bezüglich des Satzes „Der Verteiler zwischen der Hölle und dem Paradies“ allgemein zweierlei Interpretationen vor:

Einige von ihnen sind der Ansicht, dieser Hadith besage, die Freunde Alis (a.) sind die Rechtgeleiteten und werden ins Paradies eintreten, und seine Feinde sind die Irregeleiteten und werden in die Hölle kommen.[10] Ahmad b. Hanbal, ein sunnitischer Rechtsgelehrter (gest. 241 n.H) zieht den Schluss, nachdem er auf jemanden stiess, der den Hadith „Ana Qasim an-Nar“ ablehnte und diesem eine Überlieferung des Propheten (s.) über Ali (a.) vorlegte, in dem es heißt, „Dich liebt niemand außer der Gläubige und dich hasst niemand außer der Heuchler“, wenn die Gläubigen ins Paradies kommen und die Heuchler in die Hölle, ist Ali der Teiler der Hölle (Qasim an-Nar).[11]

Andere Gelehrte gehen wiederum davon aus, dass Imam Ali (a.) am Tage der Auferstehung tatsächlich der Verteiler zwischen dem Paradies und der Hölle ist, in dem Sinne, dass er die Menschen zum Paradies oder zur Hölle schickt.[12]

Einige Überlieferungen beinhalten diese Aussage.[13]

Weitere Gelehrte erklären, da Imam Ali (a.) das Imamat besitzt, ist seine Tat und sein Wort maßgebend und zu befolgen, wer ihm also folgt, der kommt ins Paradies und wer nicht in die Hölle.[14]

Authenzität und Überlieferungskette

Der Hadith Qasim an-Nar wa al-Janna ist aus der Sicht von Allamah al-Majlisi[15] und einigen sunnitischen Gelehrten mutiwatir (häufig überliefert).[16] Jabir b. ʼAb Allah,[17] ʼAbd Allah b. ʼAbbas,[18] ʼAbd Allah b. ʼUmar,[19] ʼAbd Allah b. Masʼud,[20] Abu-l-Tufail,[21] und Salt al-Hirawi.[22] zählen zu den Überlieferern dieses Hadithes. Doch eine Gruppe von sunnitischen Gelehrten haben ihn durch Musa b. Tarif und ʼAbaya b. Ribʼi zitiert, während diese beiden Überlieferer als schwach eingestuft werden.[23]

In Gedichten

Der Hadith Qasim an-Nar in arabischen [24] und persischen[25] Gedichten angewandt. Beispielsweise werden folgende Gedichtsverse Muhammad b. Idris Schafiʼi (gest. 204 n.H.), der Imam der schafiitischen Rechtsschule, zugeschrieben.

Die Liebe zu Ali (a.) ist ein Schild aus Feuer. Er ist der Teiler der Hölle und des Paradieses, der rechtmäßige Nachfolger, der Imam der Menschheit und der Jinns.[26]

Die folgenden Verse werden Qutb ad-Din Rawandi (gest. 573 n.H.) zugeschrieben:

Ali ist der Teiler der Hölle und Besitzer des Segens. Und wie gut, dass wir morgen (am Tage der Auferstehung) vor dem Höllenfeuer gerettet werden. Also ist Muhammad (s.) in der Religion wie die Sonne und nach ihm, Ali (a.) wie der leuchtende Mond.[27]

Fußnoten

  1. Scheich aṣ-Ṣadūq, ʼUyūn Aḫbār ar-Riḍā (a.), 1378 n.H., B.2, S.27; Ibn ʼUqda Kūfī, Faḍāʼil Amīr al-Muʼminīn (a.), 1424 n.H., S.102; Ṭabarī Āmulī, Bišārat al-Muṣṭafā, 1383 n.H., S.56 und 102 und 164.
  2. Ṣaḥīfa Imām Riḍā (a.), 1406 n.H., S.56 und 57.
  3. Ḫazāz Rāzī, Kifāyat al-Aṯar, 1401 n.H., S.151 und 152.
  4. Scheich aṣ-Ṣadūq, ʼUyūn Aḫbār ar-Riḍā (a.), 1378 n.H., B.2, S.86; al-Kūfī, Tafsīr Furāt al-Kufī, 1410 n.H., S.511, Hadithe 667.
  5. Ibn al-Maġāzilī, Manāqib al-Imām ʼAlī b. Abī Ṭālib (a.), 1424 n.H., S.107; Ḫārazmī, Manāqib, 1411 n.H., S.295; Ḥamūyī al-Ğuwainī, Farāʼid as-Samṭīn, 1400 n.H., B.1, S.325.
  6. Ṣafār, Baṣāʼir ad-Darağāt, 1404 n.H., S.415; Ibn ʼAsākir, Tārīḫ Dimašq, 1415 n.H., B.42, S.298; Ḥamūyī al-Ğuwainī, Farāʼid as-Samṭīn, 1400 n.H., B.1, S.326; Ibn Mardaway Iṣfahānī, Manāqib ʼAlī b. Abī Ṭālib, 1424 n.H., S.133.
  7. Kūfī, Tafsīr Furāt al-Kufī, 1410 n.H., S.67.
  8. Ḫārazmī, Manāqib, 1411 n.H., S.41 und 42; Ḥamawī Ğuwinī, Farāʼid as-Samṭīn, 1400 n.H., B.1, S.308.
  9. al-Kulainī, al-Kafī, 1407 n.H., B.4, S.570; aṭ-Ṭūsī, Tahḏīb al-Aḥkām, 1407 n.H., B.6, S.29.
  10. Ibn Abī al-Ḥadīd, Šarḥ Nahğ al-Balāġa, 1404 n.H., B.19, S.139; Mazandarānī, Šarḥ al-Kāfī, 1382 n.H., B.11, S.289 und B.12, S.172; al-Mağlisī, Biḥār al-Anwār, 1403 n.H., B.39, S.210
  11. Ibn Abī Yaʼlī, Ṭabaqāt al-Ḥanābila, Dār al-Maʼrifa, B.1, S.320.
  12. Ibn Abī al-Ḥadīd, Šarḥ Nahğ al-Balāġa, 1404 n.H., B.19, S.139; Ibn Maġāzilī, Manāqib al-Imam ʼAlī b. Abī Ṭālib (a.), 1424 n.H., S.107; al-Mağlisī, Biḥār al-Anwār, 1403 n.H., B.39, S.210.
  13. Scheich aṣ-Ṣadūq, ʼUyūn Aḫbār ar-Riḍā (a.), 1378 n.H., B.2, S.86; Scheich aṣ-Ṣadūq, 'ʼ'Ilal aš-Šarāyiʼ, 1385 n.i.S., B.1, S.162; Ibn Abī Yaʼlī, Ṭabaqāt al-Ḥanābila, Dār al-Maʼrifa, B.1, S.320.
  14. Ḥusainī Tehrānī, Imāmšenāsī, 1426 n.H., B.1, S.150.
  15. al-Mağlisī, Biḥār al-Anwār, 1403 n.H., B.39, S.210.
  16. Ibn Maġāzilī, Manāqib al-Imam ʼAlī b. Abī Ṭālib (a.), 1424 n.H., S.107.
  17. Ṣafār, Baṣāʼir ad-Darağāt, 1404 n.H., S.415 und 416.
  18. Ṭabarī Āmulī, Bišārat al-Muṣṭafā, 1383 n.H., S.102 und 153.
  19. Ṭabarī Āmulī, Bišārat al-Muṣṭafā, 1383 n.H., S.56.
  20. Ṭabarī Āmulī, Bišārat al-Muṣṭafā, 1383 n.H., S.164.
  21. Ḫazāz Rāzī, Kifāyat al-Aṯar, 1401 n.H., S.151.
  22. Scheich aṣ-Ṣadūq, ʼUyūn Aḫbār ar-Riḍā (a.), 1378 n.H., B.2, S.86.
  23. Dārqutnī, al-ʼIlal al-wāridat fī al-Aḥādīṯ an-Nabawī, 1405 n.H., B.6, S.273; aḏ-Ḏahabī, Mīzān al-Iʼtidāl, 1382 n.H., B.2, S.387 und B.4, S.208; Ibn ʼAsākir, Tārīḫ Dimašq, 1415 n.H., B.42, S.298-301
  24. Siehe: Ibn Šahr Āšūb, Āl-i Abī Ṭālib (a.), 1379 n.H., B.2, S.159 und 160.
  25. 25. نگاه کنید به:‌ «قسیم النار و الجنة»
  26. Qundūzī, Yanābīʼ al-Mawadat, Dār al-Uswah, B.1, S.254.
  27. Nūrī, Mustadrak al-Wasāyil, 1408 n.H., B.3, S.80.

Quellenverzeichnis

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  • Dārqutnī, ʿAlī b. ʿUmar, Al-ʿIlal al-wāridah fī al-aḥādīth al-nabawī. Riyadh: Dār al-Ṭayyiba, 1405 n.H.
  • Dāwūdī, Yūsuf b. Jawda, Manhaj al-imām al-dārqutnī fī naqd al-ḥadīth fī kitāb al-ʿilal. Kairo: Dār al-Muḥadithīn, 1432 n.H/2011.
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