Allama al-Majlisi

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Allamah al-Majlisi

Muḥammad Bāqir b. Muḥammad Taqī b. Maqṣūd ʿAlī al-Majlisī (Arabisch: محمد باقر بن محمد تقي بن مقصود علي المجلسي) (geb. 1037/1628-29-D. 1110/1699) bekannt als al-ʿAllāma al-Majlisī (Arabic: العلامة المجلسي) oder der zweite Majlisī (Arabisch: المجلسي الثاني) war einer der berühmtesten schiitischen Gelehrten in Jurisprudenz und Hadithwissenschaft.

Al-'Allama al-Majlisi interessierte sich mehr als andere für islamische Wissenschaften und Hadithstudien und stand den Akhbaris sehr nahe. Sein berühmtestes Buch war die umfassende Hadith-Sammlung Bihar al-Anwar, die eine große Rolle bei der Wiederbelebung der Bedeutung von Hadithen in der Religionswissenschaft spielte. Indem er Studenten ausbildete und viele Werke schrieb, von denen einige auf Persisch und für die Leser allgemein gehalten waren, beeinflusste er die schiitische Kultur und die wissenschaftlichen Methoden späterer Gelehrter.

Er war aufgrund seiner Zusammenarbeit mit den Safawiden und seiner einflussreichen sozialen und politischen Rolle zu dieser Zeit sehr berühmt. Während der Herrschaft von Shah Sulayman Safavi erreichte al-'Allama al-Majlisi die Position eines Scheich al-Islam und war während der Herrschaft von Sultan Husayn Safavi sehr einflussreich.

Geburt und Abstammung

Er wurde 1037/1628 in Isfahan [1], während der Herrschaft der Safawiden, im letzten Jahr von Shah 'Abbas I. geboren. Sein Vater Muhammad Taqi al-Majlisi gehörte zu den Adligen und berühmten islamischen Autoritäten seiner Zeit und war einer der Schüler von Baha' al- Din al-'Amili, 'Abd Allah al-Shushtari und Mirdamad. Muhammad Baqirs Mutter war eine Tochter von Sadr al-Din Muhammad al-'Ashuri al-Qummi, die aus einer wissens- und tugendreichen Familie stammte.[2]

Es wird von Muhammad Baqirs Vater zitiert: „Eines Nachts nach dem Mitternachtsgebet, ich hatte gerade ein großartiges Gefühl, als ich das Weinen meines Kindes hörte. Ich sagte zu Gott: ‚Oh Gott! Aufgrund der Rechte von Muhammad (s.) und seiner Familie (a.) mach dieses Kind zu einem Prediger Deiner Religion nach den Regeln des Meisters der Propheten (s.) und segne ihn mit grenzenlosen Möglichkeiten.'“[3] Es wird auch von ihm zitiert, dass er seiner Frau befahl Muhammad Baqir nicht zu stillen, wenn sie nicht religiös rein war. Es wird gesagt, dass Muhammad Baqir al-Majlisi drei Frauen, vier Söhne und fünf Töchter hatte.

Majlisi's Familie

Die Familie von al-'Allama al-Majlisi gehörte zu den ehrwürdigsten schiitischen Familien der letzten Jahrhunderte. Es gab ungefähr hundert fromme Gelehrte in dieser Familie. Der Vorfahre des Vaters von Muhammad Baqir war Abu Nu'aym al-Isfahani. Er gehörte zu den Hadith-Gelehrten und Koran-Auswendigelernten.[4] Muhammed Baqirs Großvater war Mulla Maqsud, der als frommer Dichter und sachkundiger Gelehrter beschrieben wird.[5] Die Mutter seines Vaters war die Tochter von Kamal al-Din al-Hasan al-'Amili al-Natanzi al-Isfahani. Die Brüder von Muhammad Baqir waren Mirza 'Aziz Allah und Mulla 'Abd Allah, die von Muhaddith Nuri gelobt wurden. Amina Biygum war die berühmteste Schwester von al-Majlisi, die ebenfalls zu den Gelehrten ihrer Zeit gehörte und die Frau von Mulla Salih Mazandarani war.[6]

Grund für die Namensgebung

Es wird gesagt, dass sein Familiename Majlisi dadurch entstanden war, weil sein Großvater große Majlis (religiöse Versammlungen) abhielt und seitdem der Begriff "Majlisi" für ihn verwendet wurde.[7] Ein anderer Bericht besagt, dass die Vergabe des Familiennamens dadurch erfolgte, weil Muahammad Taqi im Dorf Majlis von Isfahan lebte.[8]

Bildung

Es gibt nicht viele Informationen über die verschiedenen Stufen der Ausbildung von Muhammad Baqir al-Majlisi. Anscheinend wurde er von seinem Vater Muhammad Taqi al-Majlisi (gest. 1070/1660) mehr als von jedem anderen Lehrer unterrichtet, und weil sein Vater zu den Schülern von Scheich al-Baha'i gehörte waren sie beide auch beeinflusst von al-Shaykh al-Baha'is Gedanken.[9] Darüber hinaus hörte Muhammad Baqir al-Majlisi Ahadithe von vielen Gelehrten seiner Zeit und erhielt von Gelehrten wie Mulla Salih Mazandarani (gest. 1081/1670-1671), Mulla Muhsin Faiz Kashani (gest. 1091/ 1680-1681) und Scheich al-Hurr al-'Amili (gest. 1104/1693) die Erlaubnis, Hadithe zu überliefern. Quellen erwähnen 18 seiner Lehrer.[10] Muhammad Baqir al-Majlisi hatte viele Schüler und unterrichtete mehrere Klassen. Einige Quellen bezifferten die Zahl seiner Schüler mit mehr als 1000 Personen.[11] Einige seiner Schüler wurden berühmte schiitische Gelehrte wie Mirza 'Abd Allah Afandi Isfahani (gest. 1130/1718), Sayyid Ni'mat Allah al-Jaza'iri (gest. 1112/1701), Scheich ' Abd Allah al-Bahrani (gest. 1127/1715), Muhammad b. Ali Ardabili (gest. 1101/1689-90), Mir Muhammad Husayn Khatunabadi (gest. 1151/1738-39) und Sayyid Abu l-Qasim Khwansari (gest. 1157/1744-45).[12]

Stellung

Al-'Allama al-Majlisi war in verschiedenen islamischen Wissenschaften wie Tafsir, Hadith, Jurisprudenz, Prinzipien der Jurisprudenz, Geschichte, Rijal und Diraya bewandert und schrieb verschiedene Werke darüber. Er war ein produktiver Schriftsteller und nach einigen Berechnungen schrieb er während seines wissenschaftlichen Lebens (nach dem Alter der Reife) jeden Tag etwa 67 Zeilen mit durchschnittlich 50 Wörtern.[13]

Bihar al-anwar und andere Hadith-Werke

'Allama al-Majlisi liebte es mehr als alles andere Hadith-Sammlungen zusammenzustellen, wobei sein berühmtestes Werk Bihar al-Anwar war, eine großartige Sammlung von den Hadithen der Imamen (a.). Die Rückkehr zu Hadithen, das Zusammenstellen von Hadithsammlungen und das Schreiben von Kommentaren zu Hadithreferenzen war eine Bewegung, die während der Safawiden gefördert wurde und die ihre Wurzel in den Bemühungen schiitischer Gelehrter und ihren Antworten auf ideologische Bedürfnisse ihrer Zeit hatte. Das Zusammenstellen von Bihar al-anwar erfolgte aufgrund der allgemeinen Aufmerksamkeit, die die Gelehrten auf Ahadithe und deren Bewahrung legten.[14]

Bihar al-anwar deckt alle Humanwissenschaften ab, die sich in den Hadithen der Imame (a.) widerspiegeln, diese Sammlung spielte zu seiner Zeit die Rolle der schiitischen Enzyklopädie. Damals schrieben Gelehrte, einschließlich al-'Allama al-Majlisi, solche Werke mit der Idee, dass alle Wissenschaften göttliche Wurzeln haben, die in den Aussprüchen der Imame (a.) zu finden sind.[15] Die Wiederbelebung schiitischer Hadithe sollte auch dazu dienen, der Öffentlichkeit Zugang zu authentischen religiösen Gedanken zu verschaffen (die sich am meisten in den Hadithen der Imame (a.) widerspiegelten) sowie Antworten zusammenzustellen, um die Fragen der Schiiten zu beantworten, damit verhindert wird, dass sie in die Irre gehen.[16] Daher wird die Arbeit von 'Allama al-Majlisi beim Zusammenstellen von Hadith-Sammlungen für gewöhnlich als eine Maßnahme zur Stärkung der Schiiten bewertet, und daher wurde er auch als Erneuerer bei den Schiiten angesehen.[17]

Bei den arabischen Werken von al-'Allama al-Majlisi werden bis zu 10 Titel erwähnt, das umfangreichste Werk davon ist Bihar al-anwar mit etwa 700.000 Zeilen, gedruckt in 110 Bänden. Al-'Allama al-Majlisi schrieb auch Kommentare zu alten schiitischen Hadith-Sammlungen. In diesen Kommentaren diskutierte er verschiedene Themen, einschließlich Fragen zur Rechtswissenschaft. Er schrieb einen Kommentar zu al-Kafi und nannte ihn Mir'at al-'uqul. Er schrieb auch einen Kommentar zu Scheich at-Tusis Tahdhib al-Ahkam und betitelte ihn mit Maladh al-Akhyar fi fahm Tahdhib al-Akhbar. Einige andere Werke von al-'Allama al-Majlisi sind Sharh chihil hadith, al-Fawa'id at-Tarifa fi Sharh al-Sahifa (was ein Kommentar zur as-Sahifa al-Sajjadiyya ist), Risala i'tiqadat, Risala awzan und al-Wajiza fi ar-Rijal.[18]

Persische Werke

'Allama al-Majlisi schrieb mehrere Bücher und Abhandlungen auf Persisch, bis zu 49 Werke. Vor al-'Allama al-Majlisi schrieben Gelehrte persische Abhandlungen, um religiöse Wissenschaften unter den einfachen Leuten zu fördern, aber al-'Allamas Werke waren berühmter und wurden besser von den Persern angenommen.[19] Einige seiner persischen Werke sind: 'Ain al-Hayat, das ist ein Kommentar zum Testament des Propheten an Abu Dhar und enthält auch moralische Ratschläge; Mishkat al-Anwar handelt von dem Koran, den Bittgebeten und von den Belohnungen für das Rezitieren; Hayat al-Qulub handelt vom Leben der Propheten (a.), dem Leben des Propheten des Islam und vom Imamat; Jala' al-'Uyun - die Geschichte und die Nöte der Vierzehn Unfehlbaren (a.); Hilyat al-Muttaqin - die Umgangsformen mit Menschen und Empfehlungen für das tägliche individuelle und kollektive Leben; Haqq al-Yaqin - religiöse Überzeugungen.[20]

Gedanken

Interesse an Hadithen

Al-'Allama al-Majlisi lebte zu der Zeit, als die Neigung zu Ahadithen und zum Akhbarismus unter schiitischen Gelehrten weit verbreitet war. Er interessierte sich mehr für die Hadith-bezogenen Wissenschaften und insbesondere für die Ahadithe selbst und betrachtete die Ahadithe von den Imamen (a.) als die wichtigste Quelle, um religiöses Wissen und religiöse ?Ordnung ? zu erhalten, ausserdem betrachtete er diese Wissenschaft als überlegen gegenüber anderen islamischen Wissenschaften, insbesondere den philosophischen und rationalen Wissenschaften gegenüber. Nach Ansicht von al-'Allama al-Majlisi und vielen anderen Hadith-Gelehrten seiner Zeit waren Ahadithe von den Imamen (a.) nicht nur eine Quelle, um das Wissen zu erhalten, das für das Glück im Jenseits und die Führung des Menschen notwendig ist, sondern sie waren auch eine authentische und wichtige Quelle für alle Humanwissenschaften.[21]

Achbari oder Usuli

Trotz seines Interesses an Ahadithen sahen ihn viele Forscher der islamischen Wissenschaften als gemäßigten Akhbari-Gelehrten an, da er „den mittleren Weg“ bevorzugte auch hinsichtlich der Manieren der Mujtahids und Akhbaris.[22]

Forscher und Schriftsteller, die 'Allama Akhbari nicht berücksichtigen, studierten aber die Werke von al-'Allama al-Majlisi und stellten einige Meinungsverschiedenheiten zwischen seinen Ansichten und den Akhbari-Ansätzen fest. Zum Beispiel lehnte al-'Allama al-Majlisi die Gültigkeit der Vernunft nicht vollständig ab, wie es Akhbari tut, und betrachtete an einigen Stellen in seinen Werken intellektuelles theoretisches Wissen als den Weg, die Prinzipien der Religion zu verstehen. In einigen Fällen verwendete er auch rationale Argumente und philosophische Sprache und Terminologie bei der Erklärung und Interpretation einiger Ahadithe.[23] Trotz Akhbaris studierte al-'Allama al-Majlisi Rijal und schrieb ein Buch darüber. Er glaubte an die Autorität der wörtlichen Bedeutung des Qur'an und glaubte nicht an das Verbot der Verwendung von Dingen über die es für ihre Zulässigkeit keinen klaren Text gibt, und folgte dem Prinzip der Zulässigkeit.[24]

Im Gegensatz zu dieser Ansicht verwiesen dann einige Autoren auf die Meinungen von 'Allama al-Majlisi, die mit denen von Akhbaris übereinstimmten, und betrachteten ihn schließlich als Anhänger der Akhbari-Schule, indem sie sagten, dass al-'Allama al-Majlisi die Vernunft nicht für gültig hielte und die Aussprüche von Imamen (a.), als den Hauptweg und sogar den einzigen Weg sehe, um religiöse Lehren zu erreichen, sogar bei den Prinzipien der Religion. Wie Akhbaris hält er es für möglich, den Koran nur durch die Ahadithe von den Imamen (a.) zu verstehen. Er glaubte, dass der Hauptgrund in der Religion die Tradition ist und dass, wenn rationale und traditionelle Gründe nicht übereinstimmen, der Tradition Vorrang eingeräumt werden sollte.[25]

Ungültigkeit der Vernunft im Hinblick auf religiöses Wissen

'Allama al-Majlisi war gegen den philosophischen Intellektualismus und kritisierte einige philosophische Ideen in seinen Werken. Er kritisierte auch einige Ansichten muslimischer Philosophen, weil sie den Griechen folgten und den Koran und die islamischen Überlieferungen verließen. Er hielt den Gebrauch des Intellekts nur dann für zulässig, wenn dessen Erkenntnisse im Einklang mit religiösen Grundsätzen standen.[26]

In seinen Werken kritisiert er die Meinungen muslimischer Philosophen und sah einige ihrer Ideen als Gegensatz zu den wesentlichen Prinzipien der Religion an. Der Glaube an die Erschaffung der Welt in der Zeit, die Materialität der Engel und die körperliche Auferstehung gehören zu den Meinungen von al-'Allama al-Majlisi, in denen er sich den Philosophen widersetzte. In diesen Stellungnahmen unterstützte al-'Allama al-Majlisi seine Meinungen durch Ahadithe und kritisierte den Gegensatz der Ideen der Philosophen zu den Ahadithen.[27] Seine Meinungen wurden später von einigen islamischen Philosophen abgelehnt; zum Beispiel kritisierte 'Allama Tabataba'i die Meinungen von al-'Allama al-Majlisi und betrachtete sie als widersprüchlich. Er betrachtete auch das Eintreten von al-'Allama al-Majlisi in eine tiefe rationale Diskussion als einen Fehler von ihm.[28]

Obwohl 'Allama al-Majlisi in einigen seiner Werke rationale und philosophische Argumente verwendet, lehnt er die Verwendung rationaler Argumente ab, wenn er den Weg diskutiert, religiöses Wissen über religiöse Prinzipien zu erlangen. Er glaubte, dass es nicht zulässig sei, sich in religiösen Angelegenheiten darauf zu beziehen, da die Vernunft Fehler mache; während er in seinen Werken traditionelle Argumente für gültig hält, um die Prinzipien der Religion zu lernen. Dies widerspricht der Meinung der meisten muslimischen Gelehrten, die den Intellekt als den Weg betrachten, die Prinzipien der Religion zu lernen.[29]

Widerstand gegen den Sufismus

Wie auch einige andere Gelehrte der Rechtswissenschaft dieser Zeit kritisierte 'Allama al-Majlisi in seinen Werken den Sufismus und betrachtete ihre Gedanken, Gewohnheiten und Verhaltensweisen als gegen die Lehren der Imame (a.) gerichtet.[30] Einige Sufische Manieren und Gedanken, die al-'Allama al-Majlisi kritisierte, beinhalteten die Vernachlässigung religiöser Regeln, das Vorherrschen nicht-religiöser Manieren und Rituale unter ihnen wie DhikrKreise, Sama' und die esoterische Interpretation von Religion und religiösen Texten.[31]

Wie aus einigen Werken von al-'Allama al-Majlisi hervorgeht, die von einigen zeitgenössischen Schriftstellern bestätigt wurden, war al-'Allama nicht gegen Askese und Selbstreinigung, wenn sie den religiösen Sitten, dem Ansehen und dem Herzen der Religion entsprachen. Das wichtigste Thema für ihn war die Befolgung religiöser Vorschriften. Daher betrachtete er einige schiitische Gelehrte, die zwölf schiitischen Sufis wie Scheich Safi ad-Din al-Ardabili, Sayyid Ali b. Tawus, Ibn Fahd al-Hilli, Shahid al-Thani, Scheich al-Baha'i und sein Vater Muhammad Taqi al-Majlisi als Imami-Sufis. Er lobte sie (und unterschied diese zwölf Shia Sufis von jenen Sufis, die den Sunniten folgten). An manchen Stellen in seinen Werken führte er einige mystische Interpretationen für die Hadithe der Imame (a) an.[32]

Die Position des „Scheich al-Islam“

1098/1686-87, während der Herrschaft von Schah Sulaiman Safavi, erreichte al-'Allama al-Majlisi im Alter von 61 Jahren die Position des "Scheich al-Islam". Nach dem Tod von Shah Sulayman Safavi, blieb, als Sultan Husayn auf dem Thron saß, al-Majlisi die Position des Shaykh al-Islam erhalten.[33] Während der Safawidenherrschaft wurde diese Position mit religiösen Steuern belegt, man überwachte auch die Umsetzung dieser religiösen Entscheidung, ebenso das Justizsystems, die Schulen, Moscheen und Schreine. Es wurde ein Leiter ernannt , der die Gemeindegebete leitete und die religiösen Angelegenheiten im Land verwaltete.[34]

Kritik an 'Allama

Auf die Aktionen von 'Allama al-Majlisi in der Position des Scheich al-Islam während der Herrschaft von Sultan Husayn Safavi kam es zu unterschiedlichen und widersprüchlichen Reaktionen unter Forschern und Historikern. Einige Historiker wiesen auf die große Macht von al-'Allama al-Majlisi während der Herrschaft von Sultan Husayn hin und zeichneten ein Bild von ihm als eine Person mit Vorurteilen, die die religiösen Minderheiten belästigte. In dieser Zeit standen die Safawiden-Könige den schiitischen Rechtsgelehrten näher als je zuvor und unterstützten ihre Macht gegenüber anderen religiösen Gruppen wie den Sufis und Philosophen.[35]

Vorwurf der Härte und des Vorurteils

Zu Beginn der Herrschaft von Sultan Husayn Safavi bat al-'Allama al-Majlisi ihn, Befehle zu erteilen, um die Idole der in Isfahan lebenden Inder zu vernichten, das Trinken von alkoholischen Getränken zu verbieten, das Wetten mit Tauben zu verbieten und die Stammeskämpfe zu beenden. [36] Diese Aktionen wurden von schiitischen Schriftstellern als Maßnahmen für religiöse Reformen und als Kampf gegen soziale Korruption bewertet, [37] aber einige westliche Forscher kritisierten manche Aktionen wie das Verbot des Trinkens alkoholischer Getränke, das Verbot des Wettens mit Tauben und die Einschränkungen der Inder und betrachteten sie als Beispiele nutzloser Härte, die zu weitreichenden gesellschaftlichen Einwänden führen würden.[38]

Vorwurf bezüglich der Belästigung religiöser Minderheiten

Einige westliche Schriftsteller beschuldigten 'Allama al-Majlisi der Belästigung religiöser Minderheiten. Sie beschuldigten ihn, Sunniten zu zwingen Schiiten zu werden und religiöse Minderheiten wie Zoroastrier, Juden und Christen hart zu behandeln,[39] während es laut einigen Forschern darüber keine eindeutigen historischen Beweise gibt, die solche Anschuldigungen stützen würden. Einige von ihnen sind auch das Ergebnis offensichtlicher Fehler, die in den Werken der Orientalisten zu finden sind.[40]

Vorwurf der Belästigung von Sufis

Der vielleicht wichtigste Grund für die Darstellung eines voreingenommenen und harten Bildes von al-'Allama al-Majlisi waren die in einigen historischen Quellen erwähnten Berichte über seine Kämpfe mit dem Sufismus und die Schließung ihrer Versammlungsorte und ihre Vertreibung aus Isfahan.[41] Genauigkeit und Authentizität dieser Berichte wurden von anderen Forschern angezweifelt.[42] Obwohl es keinen Zweifel über den Kampf der Safawiden-Regierung und der Faqihs mit dem Sufismus zu dieser Zeit gibt, beschränkte sich der Kampf von al-'Allama al-Majlisi mit den Sufis darauf, einige Werke zu schreiben, die ihre Art und Weise kritisiert.[43] Einige sagten, dass die Einführung von 'Allama al-Majlisi als voreingenommener und harter Faqih Wurzeln in den Werken von Orientalisten habe und auf ihre Affinität zur Sufi-Bewegung zurückzuführen sei.[44]

Zusammenarbeit mit der Regierung und Lob der Könige

Die vollständige Zusammenarbeit von 'Allama al-Majlisi mit den Safawi-Königen und auch das Lob der Safawiden-Könige, das am Anfang einiger seiner Werke erwähnt wird, führte zu einiger Kritik. Es sei darauf hingewiesen, dass zur Zeit der Safawiden viele schiitische Gelehrte mit der Regierung der Safawiden zusammenarbeiteten. Diese Gelehrten hielten die Errichtung einer schiitischen Regierung für positiv. Ihrer Ansicht nach hatte diese Regierung zwar nicht die gleiche Legitimität wie die Regierung der unfehlbaren Imame (a.), aber sie konnte die Grundlage für die Freiheit der Schiiten und die Etablierung religiöser Urteile bilden. Daher hielten es schiitische Gelehrte für notwendig, von der Möglichkeit der Errichtung einer safawidischen Regierung zu profitieren, und erwähnten einige Meinungen bezüglich der politischen schiitischen Rechtsprechung, um theoretische Prinzipien der Zusammenarbeit mit Regierungen wieder aufzubauen.[45]

Andererseits war die Unterstützung der Safawiden-Regierung irgendwie ein Versuch, diese Regierung gegen die osmanische Regierung zu stärken, die begonnen hatte das sunnitische Kalifat in ihrer Nachbarschaft wieder aufzubauen, und es bestand immer noch die Gefahr, dass sie über die Safawiden siegen und damit ihre Härte gegenüber den Schiiten erneuern würden .[46] Auf jeden Fall vertrauten viele Menschen und Gelehrte wie al-'Allama al-Majlisi der Regierung der Safawiden, so sehr, dass sie manchmal glaubten, dass es die Regierung wäre, die den Boden für das Kommen von Imam al-Mahdi (a.) vorbereiten würde.[47]

Eine Gruppe von Gelehrten verwies jedoch auf die Theorie der Unzulässigkeit, wenn es um die Zusammenarbeit mit einer Unterdrückerregierung ging, welches die vorherrschende Theorie der politischen schiitischen Rechtsprechung war und zog sich aus der Politik zurück. [48] Während des Lebens von al-'Allama kritisierten einige schiitische Gelehrte sein Verhalten und beanstandeten einige seiner Handlungen, wie etwa seine Leitung des Freitagsgebets, das sie als spezifisch für die Zeit der unfehlbaren Imame (a.) betrachteten.[49]

Grabmal von Allamah al-Majlisi und seinem Vater

Ableben

Muhammad Baqir al-Majlisi starb am Vorabend des 27. Ramadan 1110/29. März 1699 in Isfahan im Alter von 70 Jahren. Er wurde, anhand seines letzten Willens, neben der Großen Moschee von Isfahan, neben dem Grab seines Vaters bestattet.[50]

Fußnoten

  1. Amīn, Aʿyān al-Shīʿa, Dar al-Taʿāruf, B. 9, S. 182. Mudarris Tabrīzī, Rayḥānat al-adab, 1369 n.i.S., B. 5, S. 196.
  2. Tihrānī, al-Dharīʿa, 1403 n.H., B. 1, S. 151. Majlisī, Biḥār al-anwār, 1403 n.H., B. 102, S. 105.
  3. Al-Majlisi, Bihar al-anwar, B. 102, S. 11
  4. Amīn, Aʿyān al-Shīʿa, Dar al-Taʿāruf, B. 9, S. 192. Khwānsārī, Rawḍāt al-jannāt, Ismāʿīlīyān, B. 2, S. 119.
  5. Majlisī, Biḥār al-anwār, 1403 n.H., B. 102, S. 105.
  6. Afandī, Rīyāḍ al-ʿulamāʾ, Intishārāt-i Khayyām, B. 5, S. 407. Ṭārumī, ʿAllāma Majlisī, 1389 n.i.S., S. 13..
  7. Majlisī, Biḥār al-anwār, 1403 AH, B. 102, S. 105.
  8. Qurayshī Karīn, Khadamāt-i ʿAllāma Majlisī, S. 50.
  9. Ṭārumī, ʿAllāma Majlisī, 1389 n.i.S., S. 14.
  10. Majlisī, Biḥār al-anwār, 1403 n.H., B. 102, S. 76-83.
  11. Qumī, al-Kunā wa l-alqāb, 1368 n.i.S., B. 3, S. 147. Majlisī, Biḥār al-anwār, 1403 n.H., B. 102, S. 13.
  12. Balāghī, Sharḥ-i aḥwāl-i ʿAllāma Majlisī, S. 24-28.
  13. Ṭārumī, ʿAllāma Majlisī, 1389 n.i.S., S. 119-120.
  14. Ṭārumī, ʿAllāma Majlisī, 1389 n.i.S., S. 70-71.
  15. Jaʿfarīyān, Biḥār al-anwār az zāwīya-yi nigāh-i dāʾirat al-maʿārifī, S. 28-30.
  16. Jaʿfarīyān, Biḥār al-anwār az zāwīya-yi nigāh-i dāʾirat al-maʿārifī, S. 36-37.
  17. Amīn, Aʿyān al-Shīʿa, Dar al-Taʿāruf, B. 9, S. 183.
  18. Ṭārumī, ʿAllāma Majlisī, 1389 n.i.S., S. 122-129. Balāghī, Sharḥ-i aḥwāl-i ʿAllāma Majlisī, S. 35.
  19. Ṭārumī, ʿAllāma Majlisī, 1389 n.i.S., S. 89-95.
  20. Amīn, Aʿyān al-Shīʿa, Dar al-Taʿāruf, B. 9, S. 183; Balāghī, Sharḥ-i aḥwāl-i ʿAllāma Majlisī, S. 35-40.
  21. Ṭārumī, ʿAllāma Majlisī, 1389 n.i.S., S. 180-185.
  22. Bihishtī, Akhbārīgarī, 1391 n.i.S., S. 148.
  23. Naṣīrī, ʿAllāma Majlisī wa naqd-i dīdgāhhā-yi falsafī, S. 72-73.
  24. Naṣīrī, ʿAllāma Majlisī wa naqd-i dīdgāhhā-yi falsafī, S. 72-73. Fiqhīzāda, ʿAllāma Majlisī wa fahm-i ḥadīth, 1393 n.i.S., S. 245-249.
  25. Kadīwar, ʿAql wa dīn az nigāh-i muḥaddith wa ḥakīm, S. 18-23.
  26. Ṭārumī, ʿAllāma Majlisī, 1389 Sh, S. 204. Naṣīrī, ʿAllāma Majlisī wa naqd-i dīdgāhhā-yi falsafī, S. 74-77.
  27. Naṣīrī, ʿAllāma Majlisī wa naqd-i dīdgāhhā-yi falsafī, S. 86-95.
  28. Naṣīrī, ʿAllāma Majlisī wa naqd-i dīdgāhhā-yi falsafī, S. 79.
  29. Kadīwar, ʿAql wa dīn az nigāh-i muḥaddith wa ḥakīm, S. 44; Naṣīrī, ʿAllāma Majlisī wa naqd-i dīdgāhhā-yi falsafī, S. 82-86.
  30. Jaʿfarīyān, Ṣafawīyya dar ʿarṣa-yi dīn, 1379 n.i.S., B. 2, S. 589-590.
  31. Ṭārumī, ʿAllāma Majlisī, 1389 Sh, S. 218-219.
  32. Jaʿfarīyān, Ṣafawīyya dar ʿarṣa-yi dīn, 1379 n.i.S., B. 2, S. 595-596. Ṭārumī, ʿAllāma Majlisī, 1389 n.i.S., S. 238-242.
  33. Ṭārumī, ʿAllāma Majlisī, 1389 n.i.S., S. 17.
  34. Fiqhīzāda, ʿAllāma Majlisī wa fahm-i ḥadīth, 1393 n.i.S., S. 252.
  35. Matthee, Zawāl-i Ṣafawīyya wa suqūṭ-i Iṣfahān, 1394 n.i.S., S. 311.
  36. 36. Lockhart, Inqirāḍ-i silsiala-yi Ṣafawīyya, 1383 Sh, S. 30-31.
  37. Jaʿfarīyān, Ṣafawīyya dar ʿarṣa-yi dīn, 1379 n.i.S., B. 2, S. 586. Fiqhīzāda, ʿAllāma Majlisī wa fahm-i ḥadīth, 1393 n.i.S., S. 269-270.
  38. Lockhart, Inqirāḍ-i silsiala-yi Ṣafawīyya, 1383 n.i.S., S. 62-64.
  39. Lockhart, Inqirāḍ-i silsiala-yi Ṣafawīyya, 1383 Sh, S. 62-64.
  40. 40. Ṭārumī, ʿAllāma Majlisī, 1389 Sh, S. 95, 111-114.
  41. 4Qazwīnī, Fawāʾid al-Ṣafawīyya, 1367 n.i.S., S. 78.
  42. Jaʿfarīyān, Ṣafawīyya dar ʿarṣa-yi dīn, 1379 n.i.S., B. 2, S. 577-588.
  43. Ṭārumī, ʿAllāma Majlisī, 1389 n.i.S., S. 109.
  44. Algar, ʿAllāma Majlisī az dīdgāh-i khāwarshināsān, S. 70.
  45. Rajabī, Ārāʾ-i faqīhān-i ʿaṣr-i Ṣafawī darbāra-yi taʿāmul bā ḥukūmatha, S. 54-55; Sulṭān Muḥammadī, Hamkārī bā ḥākim-i jāʾir dar nigāh-i ʿAllāma Majlisī, S. 221-222.
  46. Ṭārumī, ʿAllāma Majlisī, 1389 Sh, S. 55.
  47. Ṭārumī, ʿAllāma Majlisī, 1389 n.i.S., S. 30-41.
  48. Rajabī, Ārāʾ-i faqīhān-i ʿaṣr-i Ṣafawī darbāra-yi taʿāmul bā ḥukūmatha, S. 59.
  49. Ḥāʾirī, ʿAllāma Muḥammad Bāqir-i Majlisī, S. 58; Ṭārumī, ʿAllāma Majlisī, 1389 n.i.S., S. 65, 58-69.
  50. Qumī, al-Kunā wa l-alqāb, 1368 n.i.S., B. 3, S. 149.

Quellenverzeichnis

  • Afandī, ʿAbd Allāh b. ʿĪsā. Rīyāḍ al-ʿulamāʾ wa ḥīyāḍ al-fuḍalāʾ. Qom: Intishārāt-i Khayyām, [n.d].
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