Entwurf:Ehe von Imam al-Mahdi (a)
Die Ehe von Imam al-Mahdi (a) ist ein kontroverses Thema unter den Gelehrten. Befürworter der Ansicht, dass Imam al-Mahdi verheiratet ist stützen sich auf Überlieferungen in denen seine Nachkommen erwähnt werden. Zudem argumentieren sie, die Ehe ist eine zentrale und empfohlene Tradition des Propheten Muhammads (s) und Imam al-Mahdi (a.j) sei dieser Praxis gefolgt. Gegner dieser Auffassung sehen die Heirat von Imam al-Mahdi (a) als unvereinbar mit dem Prinzip der "Verborgenheit" an, die darauf abzielt ihn weitgehend vor den Menschen zu verbergen. Einige Gelehrte aber meinen, eine Ehe seitens Imam al-Mahdi (a) sei zwar nicht ausgeschlossen, es könne aber keine endgültige Position dazu eingenommen werden. Unter den Befürwortern befinden sich Persönlichkeiten wie Seyyed Muhammad Sadr, Muhaddith Nuri (verstorben 1320 nach n.H.) sowie Ali Akbar Nahawandi (verstorben 1369 nach H.). Die analytische Diskussion über dieses Thema wurde erstmals im Buch "Tarikh al-Ghaibat al-Kubra" von Seyyed Muhammad Sadr (verstorben 1377 n.i.M) behandelt.
Hintergrund der Diskussion
Die schiitischen Gelehrten sind sich uneinig darüber, ob Imam al-Mahdi (a) während seiner Verborgenheit geheiratet hat oder nicht. Laut dem "Daneschname Imam al-Mahdi" nahm diese Diskussion erst im 14. Jahrhundert n.i.S ernsthaft Form an.[1] Das erste Werk, das diese Frage analytisch untersuchte war "Tarikh al-Ghaibat al-Kubra" von Seyyed Muhammad Sadr (verstorben 1377 n.i.S.).[2] Bereits zuvor wurde das Thema jedoch in Werken wie "Najm al-Thaqib"[3] von Muhaddith Nuri (verstorben 1320 n.H) sowie in "al-Abqari al-Hisan"[4] von Ali Akbar Nahawandi (verstorben 1369 n.H) aufgegriffen. Darüber hinaus existiert in "Bihar al-Anwar" ein Kapitel mit dem Titel "Die Kalifen Al-Mahdis und seine Nachkommen sowie die Ereignisse nach ihm – Der Friede sei mit ihm und seinen Vorfahren".[5]
Ansichten
Über die Ehe von Imam al-Mahdi (a) gibt es drei verschiedene Meinungen:
Befürworter
Seyyed Muhammad Sadr,[6] Muhaddis Nuri[7] und Ali Akbar Nahawandi[8] vertreten die Ansicht, Imam Al-Mahdi (a) sei verheiratet. Zudem wird diese Überzeugung auch in der Enzyklopädie von Imam Al-Mahdi, Allameh Majlisi zugeschrieben.[9] Ihre Argumente lauten wie folgt:
- Die Ehe gilt als Tradition des Propheten (s), und Imam Al-Mahdi ist am ehesten geneigt dieser Tradition zu folgen. Daher wird angenommen, dass er dieser Tradition auch während seiner Verborgenheit gefolgt ist.[10]
- Es gibt Hadithe und Ziyarahs, die implizieren, dass Imam al-Mahdi Kinder hat. In der "Enzyklopädie von Imam al-Mahdi" gibt es dazu vierzehn Überlieferungen.[11] Darunter befindet sich auch der bekannte "Hadith des Vermächtnisses", laut dem nach Imam al-Mahdi (a) zwölf Al-Mahdis aus seiner Nachkommenschaft regieren werden.[12] Allerdings merkt Allameh Majlisi an, diese Überlieferungen stimmen nicht mit der verbreiteten Ansicht überein. Zudem wird vermutet, dass mit den zwölf Mahdis Prophet Muhammad (s) und die schiitischen Imame mit Ausnahme von Imam al-Mahdi selbst gemeint sind.[13] Eine andere Überlieferung besagt, dass Imam al-Mahdi (a) gemeinsam mit seiner Familie in der Moschee Sahla verweilen wird.[14] Hier argumentieren Gegner, dass, selbst bei Annahme dieser Hadithe, eine Ehe und Nachkommen von Imam al-Mahdi (a) erst nach seiner Wiedererscheinung in Frage käme.[15]
- Es gibt Berichte über die mögliche Existenz seiner Familie auf der Insel Khadra.[16] Allerdings halten einige schiitische Gelehrte diese Erzählung für unwahr und für eine Legende.[17]
Gegner
Die Argumente gegen die Ehe von Imam Al-Mahdi umfassen folgende Punkte:
- Widerspruch zur Philosophie der Verborgenheit: Die Verborgenheit von Imam al-Mahdi (a) basiert darauf, für die Menschen unerkannt und unbekannt zu bleiben. Eine Ehe wäre jedoch nicht damit vereinbar, da sie zu einer öffentlichen Bekanntmachung seines Status führen könnte.[18]
- Es existieren Überlieferungen, aus denen abgeleitet wird, Imam al-Mahdi habe keine Nachkommen.[19]
- Mangel an Hinweisen durch seine Gesandten: Würde Imam al-Mahdi (a) heiraten, so hätten seine Gesandten oder Vertreter während der kleinen Verborgenheit bestimmt darauf hingewiesen.[20]
Schweigen
In der "Enzyklopädie Imam al-Mahdi (a)" wird erwähnt, dass sich die Argumente der Befürworter und der Gegner bezüglich einer Ehe von Imam al-Mahdi (a) einander widersprechen, weshalb es schwierig ist, auf dieser Grundlage, diese historische Frage endgültig zu klären.[21] Seyyed Ja‘far Murtaza Ameli ( gest. 1441 n.H.), ein Gelehrter der islamischen Geschichte, ist der Ansicht, dass die Existenz von Nachkommen Imam Al-Mahdis zweifelhaft sei und eine eindeutige Aussage darüber zu treffen wäre nicht möglich.[22] Ebenso erklärte Ayatollah Safi Golpayegani (1400 n.H.), ein Vorbild der Nachahmung, dass zwar eine Heirat Imam Al-Mahdis (a) möglich sei, bis heute aber kein zuverlässiger Hadith gefunden wurde, der in dieser Angelegenheit Sicherheit bietet.[23]
Fußnoten
- ↑ Mohammadi Reyschahri, Daneschname Imam al-Mahdi, S.56
- ↑ Mohammadi Reyschahri, Daneschname Imam al-Mahdi, S.45, Fußnot.2
- ↑ Nuri, Najm al-Thaqib, S.402-407
- ↑ Nahawandi, Al-Abqari al-Hisan, B.6, S.537
- ↑ Majlisi, Bihar al-Anwar, B.53, S.145
- ↑ Sadr, Tarikh al-Ghaiba al-Kubr, B.2, S.64
- ↑ Nuri, Najm al-Thaqib, S.403
- ↑ Nahawandi, Al-Abqari al-Hisan, B.6, S.537
- ↑ Mohammadi Reyschahri, Daneschname Imam al-Mahdi, S.45
- ↑ Nuri, Najm al-Thaqib, S.403
- ↑ Mohammadi Reyschahri, Daneschname Imam al-Mahdi, S.46-51
- ↑ Tusi, Al-Ghaiba, S.150
- ↑ Majlisi, Bihar al-Anwar, B.53, S.148-149
- ↑ Ibn Maschhadi, Al-Mazar al-Kabir, S.134-135
- ↑ Safi Golpayegani, Pasokh-e Dah Porsesch, S.54
- ↑ Nuri, Najm al-Thaqib, S.405
- ↑ Kaschif al-Ghita, Al-Haqq al-Mubin, S.87
- ↑ Mohammadi Reyschahri, Daneschname Imam al-Mahdi, B.3, S.52-53
- ↑ Tusi, Al-Ghaiba, S.224
- ↑ Mohammadi Reyschahri, Daneschname Imam al-Mahdi, B.3, S.53
- ↑ Mohammadi Reyschahri, Daneschname Imam al-Mahdi, B.3, S.55-56
- ↑ Ameli, Dirasa fi Alamat az-Zuhur, S.257, zitiert von Mohammadi Reyschahri, Daneschname Imam al-Mahdi, B.3, S.55
- ↑ Safi Golpayegani, Pasokh-e Dah Porsesch, S.54
Quellenverzeichnis
- Ibn Maschadi, Muhammad ibn Jafar, Al-Mazar al-Kabir, korrigiert von Jawad Qayyumi Isfahani, Qom, Daftar Intischarat Islami, 1409 n.H.
- Kaschif al-Ghita, Jafar, Al-Haqq al-Mubin, Teheran, Ahmad Shirazi, 1319 n.H.
- Majlisi, Muhammad Baqir, Bihar al-Anwar, Beirut, Dar Ihya al-Turath al-Arabi, zweite Auflage, 1403 n.H.
- Mohammadi Rayschahri, Muhammad, Daneschname Imam al-Mahdi, Qom, Dar al-Hadith, 1393 n.i.S.
- Nahawandi, Ali Akbar, Al-Abqari al-Hisan fi Ahwal Maulana Sahib al-Zaman (a.), Qom, Jamkaran-Moschee, 1386 n.i.S.
- Nuri, Mirza Hussain, Najm al-Thaqib, Qom, Jamkaran-Moschee, 1383 n.i.S.
- Sadr, Sayyid Muhammad, Tarikh al-Ghaiba al-Kubra, Dar al-Ta’aruf.
- Safi Golpayegani, Lotfollah, Pasokh-e Dah Porsesch, Qom, Büro von Ayatollah Safi Golpayegani, 1390 n.i.S.
- Tusi, Muhammad ibn Hassan, Al-Ghaiba, Qom, Institut Al-Maarif Al-Islamiyyah, 1411 n.H.