Entwurf:Seyyed Ali Hosseini Sistani
Seyyed Ali Hosseini Sistani (geb. 1930 / iranisches Jahr 1309) ist einer der schiitischen Rechtsgelehrten (Marja') im 15. Jahrhundert n.H. Zu seinen wichtigsten Wirkungsweisen gehören die Bewahrung der Existenz der Hawza von Nadschaf während der Herrschaft der Ba'thisten, Wahrung der Einheit der verschiedenen irakischen Ethnien nach Sturz Saddam Husseins und sein Einfluss auf die Ausarbeitung der irakischen Verfassung in der Neuzeit sowie Bewahrung der nationalen Identität des Irak.
Sistani begann seine Hawza-Ausbildung im Jahr 1360 n.H. in Maschhad. Anschließend nahm er in Qom an den Fortgeschrittenenkursen von Sayyid Husain Borujerdi und Seyyed Mohammad Hojjat Kuhkamari teil und ging schließlich 1371 n.H. nach Nadschaf. Von Sayyid Abu al-Qasim Khoei und Hussein Hilli erhielt er im Alter von 31 Jahren die Idschtihad-Lizenz. Sistani begann 1381 n.H. mit der Lehre von Fortgeschriettenen-Kursen. Nach dem Tod von Sayyid Abu al-Qasim Khoei im Jahr 1413 n.H. wurde er auf Empfehlung der Gelehrten von Nadschaf allmählich zur allgemeinen schiitischen Marja' und der Kreis seiner Nachahmer (Muqallid) erweiterte sich vom Irak und Iran bis nach Indien, Pakistan, Europa und die USA.
Es wird gesagt, dass Seyyed Ali Sistani durch seine Betonung des irakischen Nationalismus, Wahrung der Einheit von Schia und Sunna und Beteiligung aller Gruppen an der Macht eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des neuen irakischen Systems nach dem Sturz Saddams spielte. Die Unterstützung des demokratischen Prozesses, Ablehnung der Besatzung, Aufruf zur Verteidigung gegen ISIS und das historische Treffen mit Papst Franziskus werden als herausragende Punkte seiner Aktivitäten angesehen. Sein Büro organisiert ein Netzwerk von wissenschaftlichen, kulturellen, Forschungs- und Dienstleistungseinrichtungen in verschiedenen Ländern, darunter Iran, Irak, Türkei und England. Sistani verfasste zudem Werke und Niederschriften (Taqrirat) in den Bereichen Islamische Jurisprudenz, Usul, Überlieferungen und Rijal[Anmerkung 1]
Einführung, Biografie und Stellung
Seyyed Ali Hosseini Sistani wurde am 4. August 1930 (islamisch: 9. Rabi' al-awwal 1349 n.H. / iranisch: 13. Mordad 1309 n.H.S.) in Maschhad geboren. Sein Vater Seyyed Mohammad Baqir war einer der Gelehrten der Schia und seine Mutter war die Tochter von Seyyed Reza Mehrabani Sarabi.[1] Sein Großvater Seyyed Ali Sistani war einer der Schüler Mirza Schirazis in Nadschaf, der nach seiner Rückkehr in den Iran im Jahr 1318 n.H. sich in Maschhad niederließ und die religiöse Autorität (Marja'iyyat) für die Menschen übernahm.[2] Es wird gesagt, dass der Ruhm von Seyyed Ali Sistani auf seine Verhaltensweise zur Zeit Saddam Husseins zur Bewahrung der Existenz der Hawza von Nadschaf[3] nach Sayyid Abu al-Qasim Khoei sowie auf sein politisches Handeln nach dem Sturz Saddams und Lenkung der politischen Meinung der Menschen in politischen Ereignissen des Irak zurückzuführen ist; so sehr, dass diese Art des Verhaltens als einer der wichtigen Faktoren für die Wahrung der Einheit der verschiedenen irakischen Ethnien,[4] Herausbildung der nationalen Identität und Nationalstaats[5] sowie Einfluss auf Ausarbeitung der neuen irakischen Verfassung[6] angesehen wird.
Ausbildung
Seyyed Ali Sistani begann seine Hawza-Ausbildung im Jahr 1360 n.H. in Maschhad. Er erlernte die einführenden und mittleren Grade der Hawza-Fächer bei Gelehrten wie Mohammad Taqi Adib Nischaburi, Seyyed Ahmad Modarres Yazdi, Mirza Haschim Qazwini und Philosophie bei Modschtaba Qazwini. Er nahm auch an Kursen von Mirza Mehdi Isfahani und Mirza Mehdi Aschtiani teil. Im Jahr 1368 n.H. wanderte er nach Qom aus und besuchte die Fortgeschrittenen-Kurse von Sayyid Husain Borujerdi und Seyyed Mohammad Hojjat Kuhkamari.[7]


Auswanderung nach Nadschaf
Sistani wanderte im Jahr 1371 n.H. nach Nadschaf aus und ließ sich in der Bucharai-Schule nieder. In Nadschaf besuchte er die Fortgeschrittenen-Kurse in Fiqh und Usul von Sayyid Abu al-Qasim Khoei und Hussein Hilli und profitierte auch von den Kursen Seyyed Mohsen Tabatabai Hakims und Seyyed Mahmud Hosseini Schahrudis.[8]
Lehrtätigkeit und Schüler
Seyyed Ali Sistani begann seine Kharidsch (Fortgeschritten-Kurse)-Kurse im Jahr 1381 n.H. und setzte sie bis zum Jahr 1411 n.H. fort. Zu den Studenten, die an seinen Kursen teilnahmen, gehören:
- Seyyed Mohammad Reza Sistani
- Seyyed Mohammad Baqer Sistani
- Seyyed Morteza Mehri
- Seyyed Mohammad Ali Rabbani
- Seyyed Hashem Haschemi
- Seyyed Monir Seyyed Adnan al-Qatifi
- Scheich Mehdi Morwarid
- Seyyed Ahmad Madadi
- Scheich Mostafa Harandi.[9]
Idschtihad
Seyyed Ali Sistani erhielt im Jahr 1380 n.H. im Alter von 31 Jahren von Sayyid Abu al-Qasim Khoei und Hussein Halli die Idschtihad-Lizenz. Er war die einzige Person, die von Scheich Hussein Hilli eine uneingeschränkte Idschtihad-Lizenz erhielt.[10] Aqa Bozorg Tehrani bescheinigte ihm in einem Schreiben aus dem Jahr 1380 n.H. seinen Master in Rijal-Wissenschaft und den Überlieferungen.[11]
Marja'iyyat (Religiöse Autorität)

Gemäß der auf der Website des Büros von Seyyed Ali Sistani veröffentlichten Information empfahlen nach dem Tod von Sayyid Abu al-Qasim Khoei im Jahr 1413 n.H. eine Gruppe von Gelehrten aus Nadschaf, darunter Seyyed Ali Beheschti und Morteza Borujerdi, den Menschen die Nachahmung (Taqlid) Sistanis was dazu führte, dass sich die Nachahmer (Muqallidun) im Irak, Iran, Indien, Pakistan und den Ländern des Persischen Golfs ihm zuwandten. Dieser Prozess beschleunigte sich mit dem Tod von Seyyed Abd al-A'la Sabzewari (1414 n.H.), Seyyed Mohammad Reza Golpayegani (1414 n.H.), Mohammad Ali Araki und Seyyed Mohammad Rohani und der Kreis der Nachahmer Sistanis erweiterte sich auch auf die schiitischen Gemeinschaften in Europa und den USA aus.[12]
Nach Erkrankung des der Marja' der Schiiten Sayyid Abu al-Qasim Khoei im Jahr 1409 n.H. hatte Sistani übernahm er bis zum Jahr 1414 n.H. die Vorbeterschaft (Imamat al-Dschama'a) in der Chadra-Moschee von Nadschaf und verrichtete nach Khoei's Tod dessen Totengebet was als Zeichen seiner Nachfolge für Khoei gedeutet wurde.[13]
Wissenschaftliche Merkmale
Der Schwiegersohn von Seyyed Ali Sistani Seyyed Dschawad Schahrestani beschreibt ihn als Faqih, der in Bezug auf seine Studien unter den Maraji' seinesgleichen sucht.[14] Der Schüler Sistanis Seyyed Monir Chabaz nennt mehrere Merkmale seiner Lehre und Forschung:
- Synthese der Lehrschulen der drei verschiedenen Hawzen von Maschhad, Qom und Nadschaf;
- Beherrschung der Fiqh- und Hadith-Bücher anderer islamischen Rechtsschulen und deren Nutzung zum Verständnis der Überlieferungen der Ahl al-Bayt (a.);
- Nutzung verbreiteter Theorien aus nicht-Hawza-Wissenschaften zur Vertiefung der Hawza-Wissenschaften.[15]
Hauptartikel: [[Liste der Werke von Seyyed Ali Sistani Seyyed Ali Sistani verfasste zahlreiche Veröffentlichungen in den Bereichen Islamische Jurisprudenz, Usul al-fiqh, Überlieferungen und Rijal. Seine Schüler verfassten zudem mehrere Niederschriften (Taqrirat) seiner Kurse, die auf der Website Taqrirat zugänglich sind.
Denkgrundlagen und politische Ansichten
Die politisch-gesellschaftliche Haltung von Seyyed Ali Sistani wurde als mittlere Position zwischen Sayyid Abu al-Qasim Khoei einerseits und Sayyid Ruhollah Khomeini und Seyyed Mohammad Baqir as-Sadr andererseits beschrieben. In dem Sinne, dass er zwar dem Faqih keine Rolle bei Bildung einer Regierung zuschreibt und sich eher für einen zivilen Staat als einen religiösen Staat ausspricht, jedoch auch Gleichgültigkeit der Fuqaha gegenüber politischen Angelegenheiten nicht akzeptiert und der Marja'iyyat eine überwachende und lenkende Rolle zuschreibt.[16] Der Forscher für politisches Fiqh Abdulwahab Farati sieht Sistanis politisches Engagement als Folge einer Rückkehr zum Denken Mirza Nainis, der einen Gesellschaftsvertrag zwischen dem Volk und Herrscher in einem demokratischen System unterstützt.[17]
Ablehnung der allgemeinen Wilayat al-Faqih
Sistani akzeptiert die von vielen Fuqaha vertretene allgemeine Wilayat al-Faqih (umfassende Bevollmächtigung des Rechtsgelehrten) nicht. Seiner Ansicht nach hat der Faqih keinerlei Vollmacht (Wilaya) über Angelegenheiten, die mit der Regierung zusammenhängen;[18] Dennoch bedeutet die Ablehnung der Wilayat al-Faqih über öffentliche Angelegenheiten nicht die Vollmacht der Fuqaha über Angelegenheiten wie Hisba[Anmerkung 2] und Rechtsprechung (persisch: قضاوت ) zu ignorieren, denn die Übernahme dieser Angelegenheiten wird in Überlieferungen für den Faqih als notwendig erachtet.[19]
Verfügungsrecht der Menschen in der Region al-Faragh
Nach Ansicht von Seyyed Ali Sistani sind dort wo vom Gesetzgeber (Schar') kein Urteil erlassen wurde und was üblicherweise als Bereich der nicht festgelegten Urteile oder Region al-Faragh im Irak bezeichnet wird, die Menschen entscheidend und liegt außerhalb des Verfügungsbereichs des Faqih.[20] Zur Erläuterung dieser Ansicht wurde gesagt, dass die Region al-Faragh einen großen Teil des öffentlichen Raums umfasst in dem das Recht der Menschen anerkannt ist und das Volk das Recht auf Gesetzgebung in diesem Bereich unter der Bedingung haben, dass sie nicht gegen die islamische Gesetzgebung (Scharia) verstoßen. In diesem Bereich hat niemand Vollmacht (Wilaya) über einen anderen und nur die Menschen selbst können ihre Wilaya in diesem Bereich an andere delegieren.[21]
Regierung dem allgemeinen Willen unterworfen
Laut Abdulwahab Farati unterstützt Seyyed Ali Sistani auf Grundlage seiner Denkgrundlagen eine Regierung, die in einem demokratischen Prozess von der Mehrheit des Volkes akzeptiert wurde.[22] Die Mehrheit ist aus seiner Sicht nicht die konfessionelle oder ethnische Mehrheit, sondern die Mehrheit der irakischen Staatsbürger, die an den Wahlen teilnahmen. Das Produkt einer solchen Denkweise wird als Entstehen einer starken Zivilgesellschaft (persisch: جامعه مدنی) im Irak angesehen mit deren Institutionalisierung die Forderungen politischer Gruppen nach Anteilen abnehmen.[23] Demzufolge wird auch gesagt, dass die Verfassung dem Willen des irakischen Volkes unterworfen sein muss und da die Mehrheit Muslime sind darf diese Verfassung auch nicht gegen islamische religiöse Normen verstoßen.[24]
Wahrung der Einheit mit Betonung auf irakischem Nationalismus
Laut Forschern betonte Seyyed Ali Sistani zur Eindämmung der politischen, ethnischen und religiösen Konflikte im Irak in seinen Erklärungen stets, dass der Irak allen Irakern gehört, nicht einer bestimmten Gruppe oder Konfession. Obwohl er ein Faqih schiitischer Konfession ist, nahm er bisher keine parteiische Position ein, um Schiiten zu bevorzugen, erachtet Übergriffe auf andere Ethnien und Anhänger anderer Konfessionen als nicht erlaubt (haram) und betont letztlich die friedliche Beilegung von Konflikten.[25] Diese Art der Positionierung Sistanis wird als nahe an einer konsensuellen Demokratie (Konkordanzdemokratie) angesehen, der zufolge alle irakischen ethnischen und religiösen Gruppen an der Macht beteiligt sein sollen, Recht auf Selbstverwaltung haben und letztlich dem Erhalt des neuen irakischen Systems verpflichtet sein sollen.[26]
Politisch-gesellschaftliche Ansätze
Die politischen und gesellschaftlichen Ansätze von Seyyed Ali Sistani, insbesondere nach dem Sturz Saddams, werden als Verhalten im Einklang mit seinen Denkgrundlagen bewertet, das zur Wahrung der Einheit des Irak, Entstehung eines modernen politischen Systems, Ablehnung der Besatzung und Verhinderung der Zersplitterung des Irak durch extremistische Gruppen führte.[27]
- Bemühen um Wahrung der Einheit von Schia und Sunna:
Ich sagte immer wieder und sage es noch einmal: Sagt nicht die Sunniten Vorlage:Sollbruchstelle seien unsere Brüder, sondern sie sind unser eigenes Selbst![28]
Seyyed Ali Sistani betont die rituelle Einheit der meisten Iraker und erklärt Übergriffe auf Leben, Eigentum, Ehre und Überzeugungen von Muslimen (sowohl Schiiten als auch Sunniten) und gar anderen Konfessionen für verboten (haram); aus diesem Grund ist er der Ansicht, dass das Verfluchen einiger Gefährten des Propheten Muhammad (s.) verboten ist.[29] Im Zuge der religiösen Spannungen des Jahres 2007 n. Chr. betonte Sistani die Notwendigkeit der islamischen Einheit und juristischen Gleichheit aller Iraker und rief die Schiiten auf bei der Verteidigung der Rechte der Sunniten eine Vorreiterrolle zu übernehmen.[30]
- Beteiligung an der Veränderung des irakischen Systems und der Gesetze:
Nach dem Angriff der US-Streitkräfte auf den Irak und Sturz der Regierung Saddam Husseins lehnte Sistani den Plan der USA zur Ausarbeitung einer Verfassung ab, erachtete dieses Recht als allein dem irakischen Volk zustehend und war der Ansicht, dass die Mitglieder der irakischen gesetzgebenden Versammlung durch Wahlen bestimmt werden müssen.[31]
- Ausspruch der Fatwa des Dschihad gegen den ISIS:
Hauptartikel: Fatwa Dschihad gegen den ISIS Nach dem Fall von Mossul im Irak und Vormarsch der ISIS in Richtung des Zentrums und Südens des Iraks erklärte Sistani die Verteidigung des Landes, Nation und Heiligtümer zur Al-Wajib al-Kifa'i und forderte die Bürger, die in der Lage sind Waffen zu tragen und gegen Terroristen zu kämpfen auf sich den Sicherheitskräften anzuschließen.[32] Diese Forderung von Seyyed Ali Sistani, die vom Freitagsprediger von Karbala Abdulmahdi al-Karbalai verkündet wurde war zwar keine Fatwa,[33] hatte aber Analysen zufolge die Funktion einer Fatwa und führte dazu, dass sich viele den Reihen des Kämpfer gegen den ISIS anschlossen.[34]

- Treffen mit Papst Franziskus:
Das damalige Oberhaupt der Katholiken Papst Franziskus traf am 6. März 1399 n.H.S. im Rahmen seiner Irakreise mit Seyyed Ali Sistani in Nadschaf zusammen. Bei diesem Treffen erörterte Sistani die großen Herausforderungen der Region, darunter Kriege, Armut, Verletzung von Freiheiten, ungerechte Sanktionen und Vertreibung der Palästinenser.[35]
Angeschlossene Institutionen
Hauptartikel: Liste dem Büro Seyyed Ali Sistani angeschlossener Zentren Das Büro von Seyyed Ali Sistani gründete ein Netzwerk von wissenschaftlichen, kulturellen, Forschungs- und Dienstleistungseinrichtungen in verschiedenen Ländern, darunter Iran, Irak, Türkei und England. Zu diesen Institutionen gehören unter anderem das Imam-Ali(a.)-Institut in Qom, die Kultureinrichtung Aal al-Bayt(a.) in Istanbul, das Islamische Forschungszentrum al-Mustafa, das Zentrum für Glaubensforschung in Qom, das Zentrum zur Wiederbelebung des islamischen Erbes, das Zentrum für astronomische Forschung und Fachbibliotheken.[36]
Anmerkungen
- ↑ Eine besondere Wissenschaft im Bereich der Überlieferungen, die die Kette er Überlieferer analysiert und aufgrund vorliegender Informationen die jeweilige Person auf ihre Authentizität und Vertrauen beurteilt, damit schließlich bewertet werden kann, in welchem Maß die Überlieferungen authentisch sind.
- ↑ Notwendigkeiten des Erhalts der sozialen Ordnung und Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen