Entwurf:Hadith Man Mat
Der Man Mat-Hadith (Arabisch: حَدیث مَنْ مات) ist eine Überlieferung des Propheten (s.), deren Kerngehalt wie folgt lautet: „Wer stirbt, ohne seinen Imam der Zeit erkannt zu haben, der stirbt den Tod der Dschahiliyya (der vorislamischen Zeit).“ Diese Überlieferung ist mit unterschiedlichen Wortlauten in den Quellen sowohl der Schiiten als auch der Sunniten verzeichnet und wird von beiden Konfessionen gleichermaßen anerkannt. Dennoch existieren zwischen schiitischer und sunnitischer Auslegung Unterschiede in der Interpretation dieses Hadiths. Die Schiiten beziehen diese Überlieferung auf die Thematik des Imamat und leiten daraus die Notwendigkeit ab, den unfehlbaren Imam zu erkennen und ihm Gehorsam zu leisten. Die Sunniten hingegen betrachten diese Erzählung im Kontext der Beziehung zwischen dem Volk und dem islamischen Herrscher und werten sie als Beweis für die Obliegenheit, dem rechtmäßigen Herrscher die Treue (Bai’a) zu schwören.
Der Stellenwert des „Man mata“-Hadiths
In den islamischen Quellen finden sich zahlreiche Überlieferungen, die mit der Phrase „Man mata“ (Wer stirbt…) beginnen;[1] der Ausdruck „Hadith Man mata“ bezieht sich jedoch üblicherweise auf diesen berühmten Ausspruch des Propheten (s):
„Wer stirbt, ohne seinen Imam der Zeit erkannt zu haben, der stirbt den Tod der Dschahiliyya.“
Dieser Hadith ist in den Überlieferungswerken der Schiiten und Sunniten mit verschiedenen Wortlauten überliefert.[2] Im Buch al-Kafi wird von Imam as-Sadiq (a.) berichtet, dass der Prophet (s.) sagte:
„Wer stirbt, ohne einen Imam zu haben, dessen Tod ist der Tod der Dschahiliyya.“[3]
In einigen sunnitischen Quellen heißt es zudem:
„Wer ohne Imam stirbt, der stirbt den Tod der Dschahiliyya.“[4]
Allama al-Majlisi stuft diese Überlieferung sowohl bei den Schiiten als auch bei den Sunniten als mutawatir ein.[5] Auch Scheich Bahai bezeichnete sie als einen Punkt, in dem sich beide Konfessionen einig sind.[6]
Zur Bedeutung des Todes der Dschahiliyya
In der von al-Kulaini überlieferten Version des „Man mata“-Hadiths erläutert Imam as-Sadiq (a.) zudem die Bedeutung des „Todes der Dschahiliyya“. Der vollständige Text der Überlieferung lautet:
Abdallah b. Abi Ya’fur berichtet, er habe Imam as-Sadiq (a.) nach dem Ausspruch des Propheten (s.) gefragt, welcher besagt: „Wer stirbt, ohne einen Imam zu haben, dessen Tod ist ein Tod der Dschahiliyya.“ Er fragte: „Ist damit das Sterben im Zustand des Unglaubens (Kufr) gemeint?“ Imam as-Sadiq (a) antwortete: „Es ist das Sterben im Zustand der Irreleitung.“ Ich fragte weiter: „Gilt dies auch für jemanden, der in dieser Zeit stirbt und keinen Anführer hat?“ Er sprach: „Ja.“[7]
Quellen des Hadiths
Einige Quellen der Schiiten und der Sunniten, in denen die „Man mata“-Überlieferung festgehalten ist, sind:
Schiitische Quellen
al-Kafi von al-Kulaini.[8]
Kamal ad-Din wa Tamam an-Ni’ma von Scheich as-Saduq.[9]
Kifayat al-Athar fi an-Nass 'ala al-A’imma al-Ithnay 'Aschar von Khazzaz ar-Razi.[10]
Sunnitische Quellen
Musnad von Ahmad b. Hanbal.[11]
Musnad von Abu Dawud Sulaiman b. Dawud at-Tayalisi.[12]
Musnad asch-Schamiyyin von Abu al-Qasim at-Tabarani.[13]
Interpretation des Hadiths durch schiitische und sunnitische Gelehrte
Sowohl schiitische als auch sunnitische Gelehrte haben auf Basis ihrer jeweiligen theologischen Grundlagen unterschiedliche Auslegungen des „Man mata“-Hadiths vorgelegt:
Schiitische Perspektive
Die Schiiten interpretieren dieses Hadith im Rahmen der Imamat-Thematik und betrachten es als Beweis für die Notwendigkeit der Existenz eines Imams in allen Zeitepochen.[14] Dieser Sichtweise zufolge ist das Erkennen des Imams sowie der Gehorsam ihm gegenüber die Bedingung, um dem „Tod der Dschahiliyya“ zu entgehen.[15] Der Begriff „Imam“ bezeichnet in dieser Überlieferung die schiitischen Imame und die Ahl al-Bait (a.); im Zeitalter der Verborgenheit muss man an Imam al-Mahdi (a.) als den Imam der Zeit glauben und auf seinem Pfad verweilen.[16]
Sunnitische Perspektive
Die Sunniten beziehen diese Überlieferung auf das Verhältnis der Muslime zum Herrscher der islamischen Gemeinschaft. In ihrer Lesart steht „Imam“ in diesem Hadith für den „Herrscher“, dem man folgen und dem man die Treue (Bai’a) halten müsse, um die Ordnung und Einheit der islamischen Umma zu bewahren.[17] Die Notwendigkeit der Gefolgschaft gegenüber dem islamischen Herrscher bleibe selbst dann bestehen, wenn dieser sich ungerecht oder frevelhaft verhält. Ibn Taimiyya interpretierte dieses Hadith, indem er die Gefolgschaft der Gefährten (Sahaba) und der nachfolgenden Generation (Tabi’un) gegenüber Yazid ibn Mu’awiya als ein Beispiel für dieses Prinzip anführte.[18]
Gleichwohl deuten einige sunnitische Quellen den „Imam“ in dieser Überlieferung als den Propheten (s.) und vertreten die Auffassung, dass der Glaube an den Propheten als Imam der Erdbewohner die Voraussetzung dafür sei, nicht den Tod der Dschahiliyya zu sterben.[19]
Themenbezogene Anfragen
Fußnoten
- ↑ Barqī, al-Maḥāsin, Band 1, Seite 88.
- ↑ Ibn Ṭāwūs, Iqbāl al-Aʿmāl, Band 2, Seite 252; Shaykh Ṣadūq, Kamāl al-Dīn, Band 2, Seite 410; Tafāzānī, Sharḥ Maqāṣid, Band 5, Seite 239; Qundūzī, Yanābīʿ al-Mawadda, Band 3, Seite 456.
- ↑ Kulaynī, al-Kāfī, Band 1, Seite 376.
- ↑ Ibn Ḥanbal, Musnad Aḥmad b. Ḥanbal, Band 28, Seite 88; Abū Dāwūd, Musnad Abī Dāwūd, Band 3, Seite 425; Ṭabarānī, Musnad al-Shāmīyīn, Band 2, Seite 437.
- ↑ Majlisī, Biḥār al-Anwār, Band 8, Seite 368.
- ↑ Shaykh Bahāʾī, al-Arbaʿūn Ḥadīthan, Band 1, Seite 431.
- ↑ Kulaynī, al-Kāfī, Band 1, Seite 376.
- ↑ Kulaynī, al-Kāfī, Band 1, Seite 376.
- ↑ Shaykh Ṣadūq, Kamāl al-Dīn, Band 2, Seite 409.
- ↑ Khazzāz Rāzī, Kifāyat al-Athar, Seite 296.
- ↑ Ibn Ḥanbal, Musnad Aḥmad b. Ḥanbal, Band 28, Seite 88.
- ↑ Abū Dāwūd, Musnad Abī Dāwūd, Band 3, Seite 425.
- ↑ Ṭabarānī, Musnad al-Shāmīyīn, Band 2, Seite 437.
- ↑ Abū al-Futūḥ Rāzī, Rawḍ al-Jinān, Band 4, Seite 173.
- ↑ Mullā Ṣadrā, Sharḥ Uṣūl al-Kāfī, Band 2, Seite 474.
- ↑ ʿAllāma Majlisī, Mirʾāt al-ʿUqūl, Band 4, Seite 27; Shaykh Bahāʾī, al-Arbaʿūn Ḥadīthan, Band 1, Seite 431.
- ↑ Ṣuḥayb ʿAbd al-Jabbār, al-Jāmiʿ al-Ṣaḥīḥ, Band 4, Seite 234, Fußnote.
- ↑ Ibn Taymiyya, Mukhtaṣar Minhāj al-Sunna, Band 1, Seite 49.
- ↑ Ibn Ḥibbān, Ṣaḥīḥ Ibn Ḥibbān, Band 10, Seite 434.
Quellenverzeichnis
- Abū al-Futūḥ Rāzī, Ḥusayn b. ʿAlī, Rawḍ al-Jinān wa-Rūḥ al-Jinān fī Tafsīr al-Qurʾān, Edition von Dr. Muḥammad Jaʿfar Yāḥaqqī und Dr. Muḥammad Mahdī Nāṣiḥ, Mashhad, Bonyād-i Pajūhesh-hā-yi Islāmī-i ʿĀstan Quds Raḍawī, 1408 q.
- Abū Dāwūd Ṭayyālisī, Sulaymān b. Dāwūd, Musnad Abī Dāwūd al-Ṭayyālisī, Edition von Muḥammad b. ʿAbd al-Muḥsin Turkī, Ägypten, Dār Hajr, 1. Auflage, 1419 q.
- Aḥmad b. Ḥanbal, Abū ʿAbdallāh, Musnad Aḥmad, Edition von Shuʿayb al-Arnaʾūṭ, Beyrut, Muʾassasat al-Risāla, 1421 q.
- ʿAllāma Majlisī, Muḥammad Bāqir, Biḥār al-Anwār, Beyrut, Dār Iḥyāʾ al-Turāth al-ʿArabī, 2. Auflage, 1403 n.H..
- ʿAllāma Majlisī, Muḥammad Bāqir, Mirʾāt al-ʿUqūl fī Sharḥ Akhbār Āl al-Rasūl, Edition und Korrektur von Sayyid Hāshim Rasūlī, Teheran, Dār al-Kutub al-Islāmiyya, 2. Auflage, 1403 n.H.
- Barqī, Abū Jaʿfar Aḥmad b. Muḥammad b. Khālid, al-Maḥāsin, Edition und Korrektur von Jalāl al-Dīn Muḥaddith, Qumm, Dār al-Kutub al-Islāmiyya, 2. Auflage, 1371 n.H.
- Ibn Taymiyya, Taqī al-Dīn, Mukhtaṣar Minhāj al-Sunna, Zusammenfassung von ʿAbdallāh b. Muḥammad al-Ghunaymān, Ṣanʿāʾ, Dār al-Ṣadīq, 2. Auflage, 1426 n.H.
- Khazzāz Rāzī, ʿAlī b. Muḥammad, Kifāyat al-Athar fī al-Naṣṣ ʿalā al-Aʾimma al-Ithnay ʿAshara, Qumm, Nashr-i Bidār, 1401 n.H.
- Kulaynī, Muḥammad b. Yaʿqūb, al-Kāfī, Edition und Korrektur von ʿAlī al-Akbar Ghaffārī und Muḥammad Ākhundī, Teheran, Dār al-Kutub al-Islāmiyya, 4. Auflage, 1407 n.H.
- Muḥammad b. Ḥibbān b. Aḥmad, Ṣaḥīḥ Ibn Ḥibbān, Edition von Shuʿayb al-Arnaʾūṭ, Beyrut, Muʾassasat al-Risāla, 2. Auflage, 1414 n.H.
- Mullā Ṣadrā, Sadr al-Dīn Shīrāzī Muḥammad b. Ibrāhīm, Sharḥ Uṣūl al-Kāfī, Edition und Korrektur von Muḥammad Khājawī, Teheran, Muʾassasa-yi Mutāleʿāt wa-Taḥqīqāt-i Farhangī, 1. Auflage, 1383 n.i.S.
- Muslim b. Ḥajjāj Qushayrī Naysābūrī, Ṣaḥīḥ Muslim al-Musnad al-Ṣaḥīḥ al-Mukhtaṣar bi-Naql al-ʿAdl ʿan al-ʿAdl ilā Rasūl Allāh, Edition von Muḥammad Fuʾād ʿAbd al-Bāqī, Beyrut, Dār al-Iḥyāʾ al-Turāth al-ʿArabī, ohne Angabe des Drucks.
- Qundūzī, Yanābīʿ al-Mawadda li-Dhawī al-Qurbā, Uswah Verlag, 1413 n.H.
- Sayyid b. Ṭāwūs, Raḍī al-Dīn ʿAlī, al-Iqbāl bi-al-Aʿmāl al-Ḥasana, Edition und Korrektur von Jawād Qayyūmī Aṣfahānī, Qumm, Entšārāt-i Daftar-i Tablīghāt-i Islāmī, 1. Auflage, 1415 n.H.
- Shaykh Bahāʾī, al-Arbaʿūn Ḥadīthan, Qumm, Jāmiʿa-yi Mudarrisīn Verlag, 3. Auflage, 1431 n.H..
- Shaykh Ṣadūq, Kamāl al-Dīn wa-Tamām al-Niʿma, Edition und Korrektur von ʿAlī al-Akbar Ghaffārī, Teheran, Dār al-Kutub al-Islāmiyya, 2. Auflage, 1395 n.H.
- Ṭabarānī, Sulaymān b. Aḥmad, Musnad al-Shāmīyīn, Beirut, Muʾassasat al-Risāla, 1. Auflage, 1405 n.H..
- Tafāzānī, Saʿd al-Dīn, Edition von ʿAbd al-Raḥmān ʿAmayra, al-Sharīf al-Raḍī Verlag, 1. Auflage, 1409 n.H..