Glauben

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Glaube (arabisch: Iman/ایمان) ist die Überzeugung des Herzens an Gott und Seine Einzigheit, Prophezeiung, Lehren des Propheten Gottes und die zwölf unfehlbaren Imame. Schiitische Juristen betrachten den Glauben als eine der notwendigen Bedingungen für islamisch juristische Autoritäten[Anmerkung 1], Vorbeter, Rechtsprechung und Almosen-Empfänger. Den meisten schiitischen Gelehrten zufolge kann der Glaube nicht Teil des Taqlid[Anmerkung 2] sein.

Schiitische Theologen sehen zusätzlich zum Glauben an Tauhid, Prophezeiung des Propheten (s.), Gerechtigkeit Gottes und Auferstehung den Glauben an das Imamat der schiitischen Imame nach dem Propheten als erforderlich an. Gemäß den Lehren des Heiligen Korans gibt es einen Unterschied zwischen Glaube und Islam und liegt auf einer höheren Ebene. Außerdem kann die Itensität des Glaubens zuzunehmen oder abnehmen und niemand kann zum Glauben gezwungen werden.

Viele schiitische Gelehrte sind der Ansicht, dass es im Islam nur um den Glauben geht und auf dieser Grundlage wird jeder Gläubige als Muslim betrachtet. Aber nicht jeder Muslim ist unbedingt ein Gläubiger. Einige schiitische Gelehrte wie Nasir ad-Din at-Tusi und Schahid Thani sind der Ansicht, dass wahrer Glaube und wahrer Islam eins sind. Aber der äußerliche Islam ist auf einer niedrigeren Ebene als der Glaube.

Begriffserklärung

In den Traditionen und Werken der schiitischen Rechtsprechung wird Glaube in zwei Arten untergliedert. In allgemeinen Glauben und speziellen Glauben: Der allgemeine Glaube ist der Glaube des Herzens an alle Lehren des Prophet Gottes und der spezielle Glaube zusätzlich zum allgemeinen an den Imam und die Wilaya der zwölf Imame.[1] Gemäß des speziellen Glaubens sind bei den 12er-Die Schia alle zwölf Imame gemeint.[2]

Der spezielle Glaube wird in vielen Themen der islamsichen Jurisprudenz wie ijtihad[Anmerkung 3] und Taqlid[Anmerkung 4], Rituelle Reinheit, Gebet, Almosen, Fünftelabgabe, Fasten, I'tikaf, rituelle Wallfahrt, Stiftung, Gelübde, Richter und Märtyrium mit einbezogen und gilt als Bedingung für die Authentizität und Akzeptanz aller Gottesdienste.[3] Der Glaube ist Bedingung für einen Marja Taqlid, Vorbeter, Berechtigung zum Erhalt von Zakat und Khums, Richter, Zeuge und vom islamischen Regenten (persisch: حاکم شرع) eingesetze Verwalter des islamischen Staatseigentums.[4] Es wurde gesagt, dass viele Juristen die Bedingung des Glaubens ebenfalls beim Gebetsrufer der Gemeinde und Stellvertreter bei der rituellen Wallfahrt (Haddsch) festlegten.[5]

Scheich Mufid, einer der Gelehrten der Imamiyya betrachtet Glauben als Bestätigung des Herzens, mündliches Bekenntnis und aktiven Gehorsam.[6] Der sunnitische Gelehrte Shafi'i ist derselben Ansicht.[7] Einige Schiiten wie Sayyid Mortaza, Scheich at-Tusi, Ibn Maitham Bahrani, Fazel Miqdad und Abd al-Razzaq Lahiji sind der Überzeugung, dass Glaube ein Akt des Herzens ist und auf dieser Grundlage der Glaube des Herzens an Gott, den Propheten Gottes und die Offenbarung und ein Gläubiger ist jemand, der mit seinem Herzen glaubt und es nicht nötig dieses wörtlich wiederzugeben.[8]

Beispiele

Im heiligen Koran gibt es Beispiele für den Glauben. Darunter Glauben an Gott,[9] alle Propheten,[10] an das, was Gott ihnen offenbarte wie Bücher des Himmels,[11] den Tag des Gerichts,[12] an Engel[13] sowie an das Verborgene.[14]

Die schiitischen Theologen sehen die Notwendigkeit des Glaubens an Monotheismus, Gerechtigkeit Gottes, Auferstehung, Propheten und das Imamat der schiitischen Imame nach dem Propheten.[15] Andererseits glauben die Mu'tazila, dass Glaube bedeutet an den Monotheismus, Gerechtigkeit Gottes, Prophetentum des Propheten zu glauben, seine Versprechen und Gelübde anzuerkennen und einzuhalten bis hin zu Gutes gebieten und Böses verbieten.[16] Ash'ari sind der Ansicht, dass die Voraussetzung des Glaubens darin besteht alles anzuerkennen, was der Prophet brachte wie Gottes Einzigkeit und Verpflichtung zum Gebet.[17]

Auswirkungen und Funktionen

In vielen Versen des Koran geht es um den Glauben und seine Werke und Eigenschaften; Auf dieser Grundlage unterscheidet sich der Glaube vom Islam und steht auf einer höheren Ebene als dieser.[18] Der Glaube ist die Realität, die Gottes intensive Liebe bringt.[19] Gott rettet die Gläubigen vor der «Finsternis» und bringt sie in die Welt des «Lichts».[20]

Nach dem Heiligen Koran kann der Glaube wachsen oder sinken[21] und die Herzen der Gläubigen erreichen mit ihm Gewissheit und Stabilität.[22] Im Koran heißt es auch, dass kein Mensch zum Gläubigen gezwungen werden kann.[23]

In Versen des Heiligen Korans werden die Gläubigen auf ihre Fehler, Mängel und Sünden hingewiesen und aufgefordert sich selbst zu korrigieren.[24]

Glaube durch Befolgung

Die bekannten Imamiyya-Gelehrten sind der Ansicht, dass Befolgung im Glauben, z,B. An Gott zu glauben weil es der Jurist als regel aufstellte, nicht ausreicht.[25] Man muss z.B. selbst zur Überzeugung kommen, dass Gott existiert und ein Einziger ist. Auch Mu'tazila und die meisten Ash'airiten sind in dieser Hinsicht mit den Schiiten gleicher Ansicht.[26] Demgegenüber sind die sunnitischen Juristen[27] Haschwiyyah und Talimiyya den Glauben basierend auf Befolgung für korrekt.[28]

Beziehung zwischen Islam und Glauben

Viele schiitische Gelehrte sind der Ansicht, dass Islam und Glaube zwei verschiedene Konzepte sind und dementsprechend ist der Islam die Hauptmenge: Glaube; Jeder Gläubige ist ein Muslim aber nicht jeder Muslim unbedingt gläubig.[29] Auch die meisten Asch'airiten vertreten eine solche Ansicht.[30]

Allerdings sehen die Mu'tazila,[31] viele der Khawarij, Zaydiyyah,[32] Abu Hanifah und seine Anhänger,[33] und Scheich at-Tusi,[34] keinen Unterschied zwischen Islam und Glauben. Amin al-Islam Tabarsi schreibt in Majma al-Bayan unter Vers 35 der Sure Al-Ahzab, dass Glaube und Islam nach Ansicht der meisten Koran-Exegeten dasselbe ist und dass das «Gläubige» nur als Wiederholung zu «Muslimisch» dient.[35]

Nasir ad-Din at-Tusi, schiitischer Theologe des 7. Jahrhunderts n. H.,[36] Schahid Thani, großer schiitischer Jurist im 10. Jahrhundert n. H.,[37] und Taftazani, Theologe, 8. Jahrhunderts der Hijri,[38] sind der Meinung, dass wahrer Glaube und Islam dasselbe sind, der Islam jedoch eine vom Glauben unterschiedliche Erscehinungsform hat und allgemeiner ist. Dementsprechend sind diejenigen, die Glauben haben notwendigerweise Muslime. Aber alle Gläubige sind auch Muslime.

Laut Sayyid Mohammad Hossein Tabatabai (1904–1981 n.Chr), einem Philosophen und Koranexegeten, haben Islam und Glaube Stufen und das Erreichen jeder Stufe des Islam ist eine Voraussetzung für das Erreichen der nächsten Stufe des Glaubens. Da die erste Ordnung des Islam darin besteht, die äußerlichen Gebote und Verordnungen Gottes zu akzeptieren ist die erste Glaubensordnung danach der Glaube des Herzens und der Glaube an den Inhalt des Glaubensbekenntnisses, was zur Erfüllung der sekundären Stufen des Islam führt.[39]

Fußnoten

  1. Muassisa Dairat al-Ma'arif Fiqh Islami, Farhang Fiqh, B.1, S.787
  2. Schahid Thani, Masalik al-Afham, B.5, S.337-338
  3. Najafi, Jawahir al-Kalam, B.15, S.63
  4. Muassisa Dairat al-Ma'arif Fiqh Islami, Farhang Fiqh, B.1, S.787
  5. Muassisa Dairat al-Ma'arif Fiqh Islami, Farhang Fiqh, B.1, S.787
  6. Fazel Miqdad, Irschad al-Talibin, S.440; Schobbar, Hagh al-Yaghin, S.558-559
  7. Khamis, Usul al-Din Ind al-Imam Abu Hanifa, S.41
  8. Sayed Morteza, Al-Zakhira, S.536-537; Bahrani, Qawaid al-Maram, S.170; Fazel Miqdad, Irschad al-Talibin, S.442; Fazel Miqdad, Al-Lawame al-Ilahiyya, S.440; Lahiji, Sarmaye Iman, S.165
  9. Sure Baqara, Verse 186,256; Sure Al Imran, Verse 52,110,193; Sure Nisa, Vers 175
  10. Sure Al Imran, Vers 179; Sure Hadid, Vers 19; Sure Baqara, Vers 177; Sure Nisa, Vers 136
  11. Sure Baqara, Vers 136; Sure Nisa, Vers 162
  12. Sure Baqara, Verse 62,8,126,228,232,264
  13. Sure Baqara, Verse 177,285
  14. Sure Baqara, Vers 4
  15. Ghazali, Qawaid al-Aqayed, S.145; Schahid Thani, Haghayegh al-Iman, S.144 und 164
  16. Ghazali, Qawaid al-Aqayed, S.145
  17. Taftazani, Scharh al-Maqasid, B.5, S.177; Iji, Kitab Mawaqif, B.3, S.527
  18. Sure Hujurat, Vers 14
  19. Sure Baqara, Vers 165
  20. Sure Baqara, Vers 257
  21. Sure Baqara, Verse 9 und 124
  22. Sure Ra'd, Verse 13 und 28
  23. Sure Baqara, Vers 256
  24. Sure Saff, Vers 2; Sure Munafequn, Vers 9; Sure Momtahana, Vers 1; Sure Hujurat, Verse 1-12; Sure Mujadela, Vers 9
  25. Schahid Thani, Haghayegh al-Iman, S.59
  26. Taftazani, Scharh al-Maqasid, B.5, S.288
  27. Taftazani, Scharh al-Maqasid, B.5, S.218
  28. Schahid Thani, Haghayegh al-Iman, S.59
  29. Mofid, Awa'il al-Maqalat, S.54
  30. Baqilani, Tamhid al-Awail, S.391
  31. Mu'tazili, Scharh al-Usul al-Khamsa, S.705
  32. Mofid, Awa'il al-Maqalat, S.54
  33. Khamis, Usul al-Din Ind al-Imam Abu Hanifa, S.435-436
  34. Tusi, Al-Tibyan, B.2, S.418
  35. Tabrisi, Majma' al-Bayan, B.8, S.561
  36. Tusi, Qawaid al-Aqayed, S.142-143
  37. Schahid Thani, Haghayegh al-Iman, S.120-121
  38. Taftazani, Scharh al-Maqasid, B.5, S.207
  39. Tabatabaee, Al-Mizan, B.1, S.301 und 303

Anmerkungen

  1. Ein islamischer Jurist dem bestätigt wurde ausreichend Kenntnis in islam-wissenschafltichen Bereichen besitzt, die ihn befähigen Gesetze auf Grundlage islamischer Quellen korrekt zu extrahieren.
  2. Um religiöse Fragen der korekten Praxis zu beantworten muss man entweder ausreichend Kenntnis in diesem Thema besitzen oder die Anweisungen eines bestätigten Juristen, den man Marja nennt befolgen.
  3. Ausreichende Kenntnis in verschiedenen Bereichen wie Koran-Exegese, arabische Sprache, Überlieferungen, Kenntnis der Berichterstatter um religisöe Gesetze aus Koran und Überlieferungen abzuleiten.
  4. Praktische Befolgung eines Juristen in religiösen Themen

Quellenverzeichnis