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Entwurf:Seyyed Ali al-Husaini as-Sistani

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Ayatollah Seyyed Ali al-Husaini as-Sistani, zeitgenössicher Großayatollah Iraks

Seyyed ʿAlī al-Ḥusainī al-Sīstānī (Arabisch: السيد علي الحسیني السيستاني) (geb. 1930 n. Chr.) gilt als einer der profiliertesten schiitischen Rechtsgelehrten und als maßgebliche Referenzinstanz (Marjaʿ-e Taqlid) des 21. Jahrhunderts. Sein Wirken ist insbesondere durch den Erhalt der theologischen Lehrstätte (Ḥawza) von Nadschaf unter dem repressiven Baath-Regime, die Förderung des interethnischen und konfessionellen Kohäsionsprozesses im Irak nach der Ära Saddam Husseins sowie durch seinen dezidierten Beitrag zur verfassungsrechtlichen Konsolidierung und zur Stärkung der nationalen Identität des Landes gekennzeichnet.

Seine Ausbildung begann as-Sistani im Jahr 1360 H. an der Hawza von Maschhad. Im weiteren Verlauf seiner Studien in Qom partizipierte er an den hochrangigen Vorlesungen von Seyyed Husain Tabatabai Borujerdi und Seyyed Muhammad Hojjat Kuhkamari, bevor er im Jahr 1371 H. nach Nadschaf übersiedelte. Bereits im Alter von 31 Jahren wurde ihm die Befugnis zum Ijtihad durch Seyyed Abu l-Qasim al-Khui und Husaini al-Hilli erteilt. Seit 1381 H. widmet er sich der akademischen Lehre im Bereich der externen Rechtswissenschaften (Baḥth-e Kharij). Nach dem Ableben al-Khuis im Jahr 1413 H. avancierte er – unterstützt durch die Empfehlungen führender Kleriker Nadschafs – schrittweise zur spirituellen Autorität der schiitischen Gemeinschaft, deren Anhängerschaft sich heute über den Irak, den Iran, Indien und Pakistan bis hin zu den diasporischen Gemeinden in Europa und Nordamerika erstreckt.

Im Kontext des irakischen Transformationsprozesses nach dem Sturz des Baath-Regimes wird al-Sistani als zentrale Integrationsfigur wahrgenommen, die durch ihr Bekenntnis zum irakischen Nationalismus sowie durch die Förderung des interkonfessionellen Dialogs zwischen Schiiten und Sunniten maßgeblich zur Inklusion heterogener gesellschaftlicher Gruppen in den politischen Diskurs beitrug. Sein Eintreten für demokratische Reformen, sein Widerstand gegen fremde Besatzungsmächte, sein Aufruf zur Mobilisierung gegen den „Islamischen Staat“ sowie sein historischer Dialog mit Papst Franziskus markieren wesentliche Eckpunkte seines politischen und religiösen Engagements.

Das durch sein Büro koordinierte institutionelle Netzwerk umfasst ein breites Spektrum an wissenschaftlichen, kulturellen sowie sozialen Einrichtungen in Ländern wie dem Iran, dem Irak, der Türkei und Großbritannien. Darüber hinaus hat al-Sistani ein umfangreiches Œuvre an Traktaten und Vorlesungsreihen zu den Disziplinen Fiqh, Usul al-Fiqh (Rechtsmethodik), Hadithwissenschaft sowie Rijal (Biographik der Überlieferer) vorgelegt.

Biografie und Stellung

Seyyed ʿAli al-Ḥusayni al-Sistani wurde am 9. Rabiʿ al-Awwal 1349 H. (31. Juli 1930) in Maschhad geboren. Sein Vater, Seyyed Muḥammad Baqir, war ein renommierter schiitischer Gelehrter; seine Mutter entstammte der Familie von Seyyed Reza Mehrbani Sarabi.[1] Sein Großvater, Seyyed ʿAli al-Sistani, der in Nadschaf als Schüler Mirza Schirazis wirkte, ließ sich nach seiner Rückkehr in den Iran im Jahr 1318 H. in Maschhad nieder und übernahm dort die religiöse Führung der Gemeinde.[2]

Die wissenschaftliche und politische Rezeption al-Sistanis betont vor allem sein entschlossenes Handeln während der Ära Saddam, das primär auf die Konservierung des geistigen Zentrums von Nadschaf nach dem Tode Seyyed Abu l-Qasim al-Khuis gerichtet war.[3] Sein politisches Wirken nach 2003 gilt als determinierend für die politische Orientierung der irakischen Bevölkerung. Diese Tätigkeit wird als essentieller Faktor für die Wahrung der gesellschaftlichen Einheit verschiedener irakischer Volksgruppen[4], die Herausbildung eines nationalen Identitätsbewusstseins sowie einer stabilen staatlichen Struktur[5] und als signifikante Einflussnahme auf die Ausgestaltung der neuen irakischen Verfassung eingestuft.[6]

Bildungsweg

Die religiöse Ausbildung von Seyyed ʿAli al-Sistani begann im Jahr 1360 H. Q. in Maschhad. Die Grundlagen der Ḥawza-Lehre sowie die mittlere Stufe seiner Ausbildung absolvierte er unter der Supervision renommierter Gelehrter wie Muhammad Taqi Adib Nischapuri, Seyyed Ahmad Modarres Yazdi und Mirza Haschim Qazvini. Parallel dazu vertiefte er seine Kenntnisse in der Philosophie unter der Leitung von Mujtaba Qazwini und partizipierte an den Lehrveranstaltungen von Mirza Mahdi Isfahani sowie Mirza Mahdi Aschtiyani. Im Jahr 1368 H.Q. erfolgte sein Wechsel nach Qom, wo er an den fortgeschrittenen Studien (Darṣ-e Kharij) von Seyyed Husain Tabatabaʾi Borujerdi und Seyyed Muḥammad Hojjat Kuhkamari teilnahm.[7]

Migration nach Nadschaf

Im Jahr 1371 H. Q. erfolgte die Übersiedlung nach Nadschaf, wo sich al-Sistani an der Bakharai-Schule ansiedelte. In diesem akademischen Umfeld absolvierte er die fortgeschrittenen Studien in den Disziplinen Fiqh (Jurisprudenz) und Uṣul al-Fiqh (Rechtsmethodik) unter Seyyed Abu l-Qasim al-Khui und Husain al-Hilli. Sein wissenschaftliches Profil wurde durch die Teilnahme an den Vorlesungen von Seyyed Muhsin Tabatabaʾi Hakim sowie Seyyed Maḥmud Husaini Schahrudi maßgeblich ergänzt.[8]

Lehrtätigkeit und Schülerkreis

Ab dem Jahr 1381 H. Q. widmete sich al-Sistani der akademischen Lehre im Bereich der fortgeschrittenen Rechtswissenschaften, eine Tätigkeit, die er bis zum Jahr 1411 H. Q. ausübte. Zu seinem Schülerkreis zählen unter anderem:

  • Seyyed Muḥammad Reza Sistani
  • Seyyed Muhammad Baqir Sistani
  • Seyyed Morteza Mohri
  • Seyyed Muḥammad ʿAli Rabbani
  • Seyyed Haschim Haschimi
  • Seyyed Munir Seyyed Adnan al-Qutaifi
  • Scheich Mahdi Morwarid
  • Seyyed Ahmad Madadi
  • Scheich Mustafa Harandi[9]

Ijtihad

Im Jahr 1380 H. Q. wurde Seyyed ʿAli al-Sistani im Alter von 31 Jahren durch Seyyed Abu l-Qasim al-Khui und Husain al-Ḥilli zur Ijtihad befähigt. In diesem Zusammenhang ist hervorzuheben, dass er der einzige Gelehrte war, dem von Scheich Husain al-Hilli eine uneingeschränkte Erlaubnis zum Ijtihad erteilt wurde.[10] Die Expertise al-Sistanis in den Disziplinen ʿIlm ar-Rijal (Biographik der Überlieferer) sowie der Hadithwissenschaft wurde zudem durch Aghabozorg Tehrani in einer zeitgenössischen Schrift des selben Jahres explizit bestätigt.[11]

Religiöse Autorität (Marjaʿiyya)

Das Totengebet von Ayatullah as-Sistani für Seyyed Abu l-Qasim al-Khui

Gemäß den offiziellen Dokumentationen des Büros von Seyyed ʿAli al-Sistani empfahlen nach dem Ableben von Seyyed Abu l-Qasim al-Khui im Jahr 1413 H. diverse prominente Gelehrte aus Nadschaf, darunter Seyyed ʿAli Beheschti und Morteza Borujerdi, die Nachfolge al-Sistanis. Diese Empfehlung induzierte eine signifikante Expansion seiner Anhängerschaft, die sich über den Irak, den Iran, Indien und Pakistan bis in die Golfstaaten erstreckte. Infolge des Ablebens von Seyyed ʿAbd al-ʿAli Sabzewari (1414 H.), Seyyed Muhammad-Reza Golpayegani (ebenfalls 1414 H.), Muhammad ʿAli Araki und Seyyed Muḥammad Rohani gewann diese Entwicklung an Dynamik, woraufhin sich sein Einflussbereich auch auf die schiitischen Gemeinschaften in Europa und Nordamerika ausweitete.[12]

Bereits im Jahr 1409 H., infolge der Erkrankung des führenden schiitischen Rechtsgelehrten Seyyed Abu l-Qasim al-Khui, übernahm al-Sistani bis 1414 H. die Leitung des Freitagsgebetes in der al-Khadhra-Moschee in Nadschaf. Die Leitung des Totengebetes für al-Khui nach dessen Ableben wird in der Forschung als symbolischer Akt gewertet, der seine Position als rechtmäßiger Nachfolger al-Khuis untermauerte.[13]

Wissenschaftliche Merkmale

Seyyed Jawad Schahristani, der Schwiegersohn al-Sistanis, charakterisiert diesen als einen Rechtsgelehrten, dessen tiefgreifende Studien unter den Marajiʿ (religiösen Autoritäten) seinesgleichen suchen.[14] Des Weiteren hebt sein Schüler Seyyed Munir Khabbaz die spezifischen Qualitäten seiner didaktischen und forschungsorientierten Methodik hervor:

  • Die Synthese der unterschiedlichen Lehrmethoden aus den drei bedeutenden wissenschaftlichen Zentren Maschhad, Qom und Nadschaf;
  • Ein fundiertes Verständnis sowie die Anwendung juristischer und hadithwissenschaftlicher Werke anderer islamischer Rechtsschulen zur vertieften Exegese der Überlieferungen der Ahl al-Bait (a);
  • Die Integration zeitgenössischer Konzepte aus den nicht-traditionalen Wissenschaften, um die klassischen Studien der Hawza-Schüler zu ergänzen und zu vertiefen.[15]

Hauptartikel: Verzeichnis der Werke von Seyyed ʿAli al-Sistani

Seyyed ʿAli al-Sistani hat ein umfangreiches Œuvre hinterlassen, das die Disziplinen Fiqh (islamische Jurisprudenz), Usul al-Fiqh (Rechtsmethodik), die Hadithwissenschaft sowie die Rijal (Überliefererbiographik) umfasst. Darüber hinaus sind die von seinen Schülern angefertigten Transkriptionen seiner Vorlesungen – sogenannte Taqarirat – über die offizielle Website zugänglich und bilden eine wesentliche Quelle seiner Lehre.

Gedankliche Grundlagen und politische Gedanken

Das politische und gesellschaftliche Wirken Seyyed ʿAli al-Sistani wird in der Forschung häufig als eine Vermittlungsposition zwischen dem Reformismus von Seyyed Abu l-Qasim al-Khui einerseits und den politisch-aktivistischen Ansätzen von Imam Khomeini sowie Seyyed Muhammad Baqir as-Sadr andererseits interpretiert. Al-Sistani lehnt eine direkte politische Herrschaft der Rechtsgelehrten bei der Staatsbildung ab und favorisiert ein staatsbürgerlich-ziviles Modell gegenüber einem rein religiös fundierten Staat. Gleichwohl distanziert er sich von einer rein politisch-neutralen oder gar gleichgültigen Haltung der Geistlichkeit; er schreibt der religiösen Autorität vielmehr eine beaufsichtigende und leitende Funktion im gesellschaftlichen Diskurs zu.[16] Der Politikwissenschaftler ʿAbd al-Wahhab Furati interpretiert al-Sistanis politisches Handeln als eine Rückbesinnung auf die Konzepte von Mirza Muhammad Husain Naʾini, der einen Gesellschaftsvertrag zwischen Volk und Souverän innerhalb eines demokratischen Systems propagierte.[17]

Ablehnung der allgemeinen Herrschaft des Faqihs

Al-Sistani lehnt das Konzept der allgemeinen Herrschaft der Geistlichen (Wilayat al-Faqih in ihrer absoluten Form) ab. Seiner Auffassung nach beansprucht der Geistliche keine Herrschaft über die staatlichen Verwaltungs- und Regierungsangelegenheiten.[18] Gleichwohl bedeutet diese Ablehnung keine Depolitisierung der Geistlichkeit; vielmehr erkennt er deren Befugnisse in spezifischen Bereichen wie den Nachbarschaftsangelegenheiten (Hasbiyya) oder der Justiz an, da die Wahrnehmung dieser Funktionen in der traditionellen Überlieferung als Pflicht des Rechtsgelehrten verankert ist.[19]

Das Recht auf Selbstbestimmung im unregulierten Bereich

In jenen Bereichen, in denen die religiöse Rechtsquelle keine explizite Entscheidung getroffen hat – ein Zustand, der in der Jurisprudenz als Mantaqat al-Faraqh (das Ausfüllen rechtlicher Leerstellen) bezeichnet wird –, sieht al-Sistani die Entscheidungsgewalt beim Volk. Damit liegt dieser Bereich außerhalb der direkten Einflussnahme der Geistlichkeit.[20] Diese rechtlichen Leerstellen bilden einen signifikanten öffentlichen Raum, in dem die Bürger das Recht besitzen, Gesetzgebungen zu entwerfen, sofern diese nicht im Widerspruch zur Scharia stehen. Innerhalb dieses Rahmens wird keine natürliche Herrschaft eines Einzelnen über andere anerkannt; vielmehr können die Bürger ihre Befugnisse in diesem Bereich lediglich durch Delegation an Dritte übertragen.[21]

Die staatliche Ordnung als Ausdruck des Volkswillens

Basierend auf seinem theoretischen Ansatz unterstützt Seyyed ʿAli al-Sistani eine Regierungsform, die durch demokratische Prozesse und die Legitimation durch die Mehrheit der Bevölkerung begründet wird.[22] Diese Mehrheit definiert er dabei nicht über konfessionelle oder ethnische Merkmale, sondern als die Gesamtheit der irakischen Staatsbürger, die am demokratischen Prozess partizipieren. Dieses Konzept trug maßgeblich zur Entwicklung einer resilienten Zivilgesellschaft im Irak bei, deren Institutionalisierung verhindert, dass einzelne politische Fraktionen ihre Machtansprüche unkontrolliert geltend machen.[23] Folglich postuliert er, dass die Verfassung dem Willen der irakischen Bevölkerung unterliegen muss, wobei angesichts der muslimischen Mehrheit des Landes eine Konformität mit den islamischen Prinzipien gewahrt bleiben sollte.[24]

Förderung der nationalen Einheit und irakischer Nationalismus

Wissenschaftliche Analysen verdeutlichen, dass Seyyed ʿAli al-Sistani zur Prävention politischer, ethnischer und religiöser Konflikte stets die Inklusivität des irakischen Staates betonte: Das Land sei das Gemeingut aller Iraker und dürfe nicht exklusiv einer einzelnen Gruppe oder Konfession vorbehalten sein. Trotz seines Status als schiitischer Gelehrter wahrt er eine überparteiliche Haltung, setzt sich gegen die Marginalisierung anderer Ethnien und Glaubensgemeinschaften ein und plädiert konsequent für die friedliche Beilegung von Konflikten.[25] Diese Positionen werden als Ausdruck einer kommunitaristischen Demokratie verstanden, die auf der umfassenden Partizipation aller gesellschaftlichen Gruppen am Machtprozess basiert, ihnen eine autonome Sphäre zugesteht und gleichzeitig die Verpflichtung zur Wahrung der staatlichen Ordnung unterstreicht.[26]

Politisch-soziale Paradigmen=

Das politisch-soziale Agieren von Seyyed ʿAli al-Sistani wird in der wissenschaftlichen Betrachtung – insbesondere in der Ära nach dem Sturz Saddam Husseins – als ein kohärentes Handeln interpretiert, das unmittelbar aus seinen intellektuellen Fundamenten resultiert. Dieses Wirken trug maßgeblich zur Bewahrung der irakischen nationalen Einheit, zur Etablierung eines modernen politischen Systems sowie zur Ablehnung fremder Besatzungsmächte bei. Zudem fungierte sein Engagement als entscheidendes Korrektiv, um eine Fragmentierung des Staates durch radikale Gruppierungen zu verhindern.[27]

Bestrebungen zur interkonfessionellen Einheit (Schiiten und Sunniten)

As-Sistani legt ein außerordentliches Gewicht auf die religiöse Kohäsion der irakischen Bevölkerung. Sein Bekenntnis zum interkonfessionellen Dialog wird durch seine explizite Rhetorik untermauert:

«

Ayatullah as-Sistani:„Ich habe wiederholt betont und betone es erneut: Sagt nicht, die Sunniten seien lediglich unsere Brüder, sondern sie sind unser Herz und unsere Seele.“

»

[28]

Er betrachtet jegliche Angriffe auf das Leben, das Eigentum, die Ehre oder den Glauben von Muslimen – ungeachtet ihrer Zugehörigkeit zur schiitischen, sunnitischen oder anderen Glaubensgemeinschaften – als strikt unzulässig. In diesem Kontext erachtet er auch die Diffamierung bestimmter Prophetengefährten als unstatthaft.[29] Während der Phase intensiver religiöser Spannungen im Jahr 2007 unterstrich al-Sistani die Notwendigkeit einer islamischen Einheit sowie der rechtlichen Gleichstellung aller irakischen Staatsbürger. Er appellierte explizit an die schiitische Gemeinschaft, eine verantwortungsvolle Führungsrolle beim Schutz der Rechte der sunnitischen Bevölkerung einzunehmen.[30]

Einfluss auf die Transformation des politischen und rechtlichen Systems

Im Zuge der US-Invasion und des anschließenden Regimewechsels positionierte sich al-Sistani dezidiert gegen die von den US-amerikanischen Behörden initiierten Entwürfe zur Ausarbeitung einer neuen Verfassung. Er postulierte, dass die verfassungsrechtliche Gestaltung ein exklusives Souveränitätsrecht des irakischen Volkes sei. Darüber hinaus bestand er unnachgiebig darauf, dass die Mitglieder des irakischen Gesetzgebenden Rates durch demokratisch legitimierte Wahlen bestimmt werden müssten.[31]

Mobilisierung zur Verteidigung gegen den Islamischen Staat (IS)

Nach dem Fall von Mossul und dem Vormarsch der IS-Truppen in Richtung Zentral- und Süd-Irak rief al-Sistani zur kollektiven Verteidigung des Territoriums, der Zivilbevölkerung und der religiösen Heiligtümer auf. Er forderte jene Bürger, die über die physische und militärische Eignung verfügten, sich den staatlichen Sicherheitskräften im Kampf gegen den Terrorismus anzuschließen.[32] Obschon dieser Appell, der durch den Imam der Karbala-Großmoschee, ʿAbd al-Mahdi al-Karbalaʾi, verkündet wurde, formal nicht den Status einer expliziten Fatwa besaß,[33] erfüllte er aufgrund seiner enormen soziopolitischen Mobilisierungskraft faktisch deren Funktion und veranlasste eine signifikante Anzahl von Bürgern zum Widerstand gegen den IS.[34]

Dialog mit dem Vatikan: Das Treffen mit Papst Franziskus

Das Treffen mit Papst Franziskus

Ein historisch bedeutsames Ereignis in der jüngeren Vergangenheit war der Besuch von Papst Franziskus in Nadschaf am 5. März 2021. Im Rahmen dieses interreligiösen Dialogs erörterten die beiden Würdenträger die gravierenden regionalen Herausforderungen der Gegenwart, darunter die destruktiven Auswirkungen bewaffneter Konflikte, die Armut, die Verletzung fundamentaler Freiheitsrechte, die Problematik ungerechter Sanktionen sowie die humanitäre Krise der palästinensischen Vertreibung.[35]

Themenbezogene Anfragen

Fußnoten

  1. Zendegī-nāme…, offizielle Website des Büros von Āyatollāh Sīstānī.
  2. Āqā Bozorɡ Tehrānī, Ṭabaqāt al-Aʿlām al-Shīʿa, B. 16, S. 1435.
  3. Fatḥī, Faqīhī barāye hame-ye asr, Website Dīn Online.
  4. Kāẓemī, Raftār-e siyāsī-ye Āyatollāh Sīstānī (bā taʾakkid bar vaḥdat va nafy-e ešġālgarī), S. 76–79.
  5. Negehbān et al., Rāhbardhā-ye siyāsī-ye Āyatollāh Sīstānī jahat-e takvīn-e hūvīyat va dowlat-e millī dar ʿIrāq, S. 124–134.
  6. Aḥmadyān, Dīdgāh-hā va mowāziʿ-e Āyatollāh Sīstānī dar ravand-e tadvīn-e qānūn-e esāsī-ye ʿIrāq-e nowīn, S. 123–125.
  7. Zendegī-nāme…, offizielle Website des Büros von Āyatollāh Sīstānī.
  8. Zendegī-nāme…, offizielle Website des Büros von Āyatollāh Sīstānī.
  9. Zendegī-nāme…, offizielle Website des Büros von Āyatollāh Sīstānī.
  10. Zendegī-nāme…, offizielle Website des Büros von Āyatollāh Sīstānī.
  11. Zendegī-nāme…, offizielle Website des Büros von Āyatollāh Sīstānī.
  12. Zendegī-nāme…, offizielle Website des Büros von Āyatollāh Sīstānī.
  13. Fatḥī, Faqīhī barāye hame-ye asr, Website Dīn Online.
  14. Šahrēstānī, Sabk-e zendegī-ye Ḥaḍrat-e Āyatollāh Sīstānī, Website Ḥawza.
  15. Khabbāz, Vējēhgī-hā-ye šaxṣiyatī wa sīra-ye siyāsī-ye Āyatollāh Sīstānī, Website Šīʿa News.
  16. Ḥakīm, al-Naǧaf wa ḥawazatuhā (al-Kitāb al-Khāmis), 2018, S. 157–179; Hājjī Yūsufī u ʿĀref-Nežād, Nešāne-šenāsī-ye goftemān dar Islām-e siyāsī va mardom-salār-e Āyatollāh Sīstānī“, S. 58–63.
  17. Farātī, Āyatollāh Sīstānī va nazariye-ye erādat al-umma, S. 86–87.
  18. Ḥosseinī Sīstānī, al-Ijtihād wa al-Taqlīd wa al-Iḥtiyāṭ, 1437 n. H., S. 105–128.
  19. Ḥosseinī Sīstānī, al-Ijtihād wa al-Taqlīd wa al-Iḥtiyāṭ, S. 86.
  20. Ḥosseinī Sīstānī, al-Ijtihād wa al-Taqlīd wa al-Iḥtiyāṭ, S. 86.
  21. Ḥakīm, al-Naǧaf wa ḥawazatuhā (al-Kitāb al-Khāmis), S. 159.
  22. Farātī, Āyatollāh Sīstānī va nazariye-ye erādat al-umma, S. 88–89.
  23. Ḫaffāf, al-Nuṣūṣ al-ṣādira ʿan samāḥat al-Sayyid al-Sīstānī fī al-masʾala al-ʿIrāqiyya, S. 13, 28, 31 und 142.
  24. Aḥmadyān, Dīdgāh-hā va mowāziʿ-e Āyatollāh Sīstānī dar ravand-e tadvīn-e qānūn-e esāsī-ye ʿIrāq-e nowīn, S. 123–125.
  25. Rabbānī et al., Naqš-e Āyatollāh Sīstānī dar mahar-e monāzeʿ mian-e Šīʿiyān va Sonni-hā-ye ʿIrāq pas az 2003m, S. 273–274.
  26. Farātī, Āyatollāh Sīstānī va nazariye-ye erādat al-umma, S. 89–90.
  27. Negehbān et al., Rāhbardhā-ye siyāsī-ye Āyatollāh Sīstānī jahat-e takvīn-e hūvīyat va dowlat-e millī dar ʿIrāq, S. 134–135.
  28. „Sunnis not only our brethren, but our souls: Ayatollah Sistani“, Nachrichtenagentur Mehr.
  29. Rabbānī et al., Naqš-e Āyatollāh Sīstānī dar mahar-e monāzeʿ mian-e Šīʿiyān va Sonni-hā-ye ʿIrāq pas az 2003m, S. 275–276.
  30. Rabbānī et al., Naqš-e Āyatollāh Sīstānī dar mahar-e monāzeʿ mian-e Šīʿiyān va Sonni-hā-ye ʿIrāq pas az 2003m, S. 276.
  31. Ḫaffāf, al-Nuṣūṣ al-ṣādira ʿan samāḥat al-Sayyid al-Sīstānī fī al-masʾala al-ʿIrāqiyya, S. 18–19.
  32. Ḥaṭṭāb, Tawẓīf al-Ḥašd al-Šaʿbī fī al-madrak al-siyāsī al-ʿIrāqī, S. 108; „Naqš-e fatvā-ye ǧihādī-ye Āyatollāh Sīstānī dar jelogīrī az taǧrīye-ye ʿIrāq“, Nachrichtenagentur Mehr.
  33. Maʿmūrī, Naqš-e Āyatollāh Sīstānī dar afzāyeš-e masʾūliyat-e axlāqī dar jang bā Daʿeš, Website BBC.
  34. Āyatollāh Sīstānī fatvā-ye ǧihād ṣādar kard, Nachrichtenagentur Ḥawza.
  35. Bayāniye-ye daftar-e Āyatollāh al-ʿażamī Sīstānī az didār-e Pāp, Nachrichtenagentur IRNA.

Quellenverzeichnis

  • Āqā Bozorɡ Tehrānī, Moḥammad-Moḥsهn, Ṭabaqāt al-Aʿlām al-Shīʿa, Beyrut, Dār Iḥyāʾ al-Turāṯ, 1430 n. H.
  • https://hawzah.net/fa/News/View/97209/%D8%A2%DB%8C%D8%AA-%D8%A7%D9%84%D9%84%D9%87-%D8%B3%DB%8C%D8%B3%D8%AA%D8%A7%D9%86%DB%8C-%D9%81%D8%AA%D9%88%D8%A7%DB%8C-%D8%AC%D9%87%D8%A7%D8%AF-%D8%B5%D8%A7%D8%AF%D8%B1-%DA%A9%D8%B1%D8%AF (Ayatollah Sistani hat eine Fatwa zum Dschihad erlassen), Nachrichtenagentur Ḥawza, veröffentlicht am 23. Chordād 1393 n.Sch., abgerufen am 25. Bahman 1404 n.Sch.
  • Aḥmadyān, Qodrat, https://andishehsiyasi.ri-khomeini.ac.ir/article%2079593%20498d20725a1bfea4a24e4549520daffd.pdf (Diskursanalyse im politischen und demokratischen Islam von Ayatollah Sistani, in: *Faslnāme-ye Andīše-ye Sīyāsī dar Islām, Nr. 17, 1397 n. Sch.
  • Hājjī Yūsufī, Amīr-Moḥammad u Abūl-Qāsem ʿĀref-Nežād, „Nešāne-šenāsī-ye goftemān dar Islām-e siyāsī va mardom-salār-e Āyatollāh Sīstānī“, in: Faslnāme-ye Pežūhešnāme-ye ʿOlūm-e Sīyāsī, 6. Jahrgang, Nr. 4, 1390 n. Sch.
  • Ḥosseinī Sīstānī, Sayyid ʿAlī, al-Ijtihād wa al-Taqlīd wa al-Iḥtiyāṭ, unter Mitwirkung von Moḥammad-ʿAlī Rabbānī, Website al-Taqrīrāt, 1437 n. H.
  • Ḥaṭṭāb, Ǧawād Kāẓem, „Tawẓīf al-Ḥašd al-Šaʿbī fī al-madrak al-siyāsī al-ʿIrāqī“, in: Zeitschrift Ḥammūrābī, 7. Jahrgang, Nr. 29, Winter 2019.
  • Ḥakīm, ʿAbd al-Hādī, *al-Naǧaf wa ḥawazatuhā*, Karbalā, Dār al-Kafīl, 2018.
  • Khabbāz, Sayyid Munīr, „Vējēhgī-hā-ye šaxṣiyatī va siyāsī-ye Āyatollāh Sīstānī“, Website *Šīʿa News*, veröffentlicht am 28. Farvardīn 1397 n. Sch., abgerufen am 28. Ābān 1404 n. Sch.
  • „Bayāniye-ye daftar-e Āyatollāh al-ʿażamī Sīstānī az didār-e Pāp“, Nachrichtenagentur *Irān (IRNA)*, veröffentlicht am 16. Esfand 1399 n. Sch., abgerufen am 1. Āzar 1404 n. Sch.
  • „Naqš-e fatvā-ye ǧihādī-ye Āyatollāh Sīstānī dar jelogīrī az taǧzīye-ye ʿIrāq“, Nachrichtenagentur *Mehr*, veröffentlicht am 26. Chordād 1394 n. Sch., abgerufen am 1. Āzar 1404 n. Sch.
  • Ḫaffāf, Ḥāmed, al-Nuṣūṣ al-ṣādira ʿan sāḥat al-Sayyid al-Sīstānī fī al-masʾala al-ʿIrāqiyya, Beirut, Dār al-Muʾarriḫ al-ʿArabī, 2007.
  • „Zendegī-nāme-ye Ḥaḍrat-e Āyatollāh Sayyid ʿAlī Ḥosseinī Sīstānī“, offizielle Website des Büros von Āyatollāh Sīstānī, abgerufen am 1. Āzar 1404 n. Sch.
  • „Marākez va moʾassasāt“, Website des Büros von Āyatollāh Sīstānī, abgerufen am 14. Chordād 1396 n. Sch.
  • Rabbānī, Sayyid Ibrāhīm, ʿAlī Šīrxānī u Dāwūd Keyānī, „Naqš-e Āyatollāh Sīstānī dar mahar-e monāzeʿ mian-e Šīʿiyān va Sonni-hā-ye ʿIrāq pas az 2003m“, in: *Faslnāme-ye Siyāsat-e Moteʿāliye*, Nr. 33, 1400 n. Sch.
  • Šahrēstānī, Sayyid Ǧawād, „Sabk-e zendegī-ye Ḥaḍrat-e Āyatollāh al-ʿażamī Sīstānī“, Interview mit ʿAsr-e Andīše, Informationsportal Ḥawza, veröffentlicht am 21. Esfand 1396 n. Sch., abgerufen am 28. Ābān 1404 n. Sch.
  • Fatḥī, ʿAlī-Ašraf, „Faqīhī barāye hame-ye asr“, Website Dīn Online, veröffentlicht am 30. Chordād 1393 n. Sch., abgerufen am 28. Ābān 1404 n. Sch.
  • Farātī, ʿAbd al-Wahhāb, „Āyatollāh Sīstānī va nazariye-ye erādat al-umma“, in: Faslnāme-ye Siyāsat-e Moteʿāliye, Nr. 39, 1401 n. Sch.
  • Kāẓemī, Sayyid Āṣef, „Raftār-e siyāsī-ye Āyatollāh Sīstānī (bā taʾakkid bar vaḥdat va nafy-e ešġālgarī)“, in: Do-faslnāme-ye Moṭāleʿāt-e Tārīḫī-ye Ommat-e Islāmī, Nr. 3, 1395 n. Sch.
  • Maʿmūrī, ʿAlī, „Naqš-e Āyatollāh Sīstānī dar afzāyeš-e masʾūliyat-e axlāqī dar jang bā Daʿeš“, Website BBC Farsi, veröffentlicht am 10. Chordād 1395 n. Sch., abgerufen am 17. Chordād 1396 n. Sch.
  • Negehbān, Moḥammad-Amīn, Abū-al-Faḍl Šekūri u Sayyid Moḥsen Āl-Ġafūr, „Rāhbardhā-ye siyāsī-ye Āyatollāh Sīstānī jahat-e takvīn-e hūvīyat va dowlat-e millī dar ʿIrāq“, in: Zeitschrift ʿOlūm-e Sīyāsī*, Nr. 105, 1403 n. Sch.
  • „Sunnis not only our brethren, but our souls: Ayatollah Sistani“, Nachrichtenagentur Mehr, veröffentlicht am 26. Januar 2013, abgerufen am 25. Bahman 1404 n. Sch.