Prophet Muḥammad (s.)

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Muḥammad ibn ʿAbd Allāh ibn ʿAbd al-Muṭṭalib ibn Hāšim (Haschim) (arabisch: مُحَمَّد بن عَبدُاللّه بن عَبدُالمُطّلِب بن هاشم) (geb. ʿĀm al-Fīl / 570 n. Chr. Mekka - gest. 11 nach der Hidschra / 632 n. Chr. Medina) ist der Prophet des Islam, dessen Mission im Wesentlichen darin bestand, zum Monotheismus (Tauḥīd) aufzurufen. Außerdem war er ein sozialer Reformist und ein politischer Führer. Er war der letzte Prophet Gottes und sein größtes Wunder war der Koran (Qurʾān). Obwohl Prophet Muḥammad (s.) in der polytheistischen Gesellschaft Arabiens geboren wurde, verehrte er nie irgendwelche Idole (Gottes-, Götzenbilder in Menschengestalt) und vermied unpassendes Verhalten, das im vorislamischen Arabien verbreitet war. Er wurde von Gott im Alter von vierzig Jahren zum Propheten bestimmt. Trotz der Polytheisten von Mekka, die ihn und seine Anhänger viele Jahre lang unterdrückten, gaben weder er noch seine Anhänger den Islam auf. Dreizehn Jahre nach seiner Predigt in Mekka emigrierte er nach Medina. Diese Auswanderung (Hidschra) markiert den Beginn des islamischen Kalenders. In Medina gründete er eine stetig wachsende Gemeinschaft von Gläubigen, die "islamische Weltgemeinschaft" (Ummah). Aufgrund der Bemühungen des Propheten (s.) endete das vorislamische Zeitalter der Unwissenheit und die polytheistische Gesellschaft Arabiens verwandelte sich innerhab kürzester Zeit in eine monotheistische Gesellschaft. Gegen Ende des Lebens des Propheten (s.) waren fast alle Menschen auf der arabischen Halbinsel zum Islam konvertiert. Die Zahl der Muslime ist seitdem kontinuierlich gestiegen und der Islam ist heute die am schnellsten wachsende Religion der Welt. Der Prophet (s.) forderte seine Anhänger auf, sich an die Lehren des Koran und der Ahl al-Bait (a.) zu halten. (Sehen Sie Ḥadīṯ aṯ-Ṯaqalain). Er ernannte ʿAlī ibn Abī Ṭālib (a.) zu verschiedenen Anlässen seines Lebens, einschließlich des Ereignisses von Ġadīr, zu seinem Nachfolger.

Inhaltsverzeichnis

Abstammung, Beinamen und Titel

Die Abstammungslinie des Propheten (s.) lautet folgendermaßen: Muḥammad ibn ʿAbd Allāh ibn ʿAbd al-Muṭṭalib (Šaiba al-Ḥamd, ʿĀmir) ibn Hāšim (Haschim) (ʿAmr al-ʿUlā) ibn ʿAbd Manāf (al-Muġīra) ibn Quṣayy (Zaid) ibn Kilāb (Ḥakīm) ibn Murra ibn Kaʿb ibn Luʾayy ibn Ġālib ibn Fihr (Quraiš) (Quraisch) ibn Mālik ibn Naḍr (Qais) ibn Kināna ibn Ḫuzaima ibn Mudrika (ʿAmr) ibn Ilyās ibn Muḍar ibn Nizār (Ḫuldān) ibn Maʿadd ibn ʿAdnān.[1] Seine Mutter hieß Āmina und war die Tochter von Wahb ibn ʿAbd Manāf ibn Zuhra ibn Kilāb. Laut al-ʿAllāma al-Mağlisī sind sich alle Zwölferschiiten darin einig, dass Āmina bint Wahb, ʿAbd Allāh ibn ʿAbd al-Muṭṭalib und die Vorfahren des Propheten Muḥammad (s.) bis zu Adam (a.) von echtem Glauben erfüllt waren."[2]

Dem Propheten (s.) wurden die Beinamen (Kunyas) "Abu l-Qāsim" und "Abū Ibrāhīm" gegeben.[3] Einige seiner Titel lauten wie folgt: Al-Muṣṭafā (der Auserwählte), Ḥabīb Allāh (Gottes Freund), Ṣafī Allāh (der Auserwählte Gottes), Niʿmat Allāh (Gabe Gottes), Ḫiyarat ḫalq Allāh (der Auserwählte von den Geschöpfen Gottes), Sayyid al-Mursalīn (Herr der Propheten), Ḫātim al-Nabīyyīn (der Letzte der Propheten), Raḥmatan li-l-ʿĀlamīn (Gnade für die Welten), al-Nabī al-Ummī (der schriftunkundige Prophet).[4]

Geburt und Kindheit

Geburt

Das genaue Geburtsjahr des Propheten (s.) ist nicht bekannt. Ibn Hischam und einige andere sind der Meinung, dass sein Geburtsjahr gleichzeitig auch das Jahr des Elefanten (ʿĀm al-Fīl) war. In diesem Jahr versuchte Abraha mit seinen Elefanten das Haus Gottes (Kaʿba) in Mekka zu zerstören. In Anbetracht dessen, dass das Leben des Propheten (s.) im Jahre 632 n. Chr. zu Ende ging und er zum Zeitpunkt seines Todes 63 Jahre alt war, müssen sein Geburtsjahr und das Jahr des Elefanten entweder 569 oder 570 gewesen sein.[5]

Er ist nach Mehrheit der schiitischen Gelehrten am 17. Tag des arabischen Monats Rabī al-Awwal geboren. Sunnitischer Ansicht nach kam er am 12. desselben Monats zur Welt.[6] Im Iran wurde der Zeitraum zwischen dem 12. und 17. zur Woche der Einheit ernannt. Sie soll die Einheit der Sunniten und der Schiiten stärken.

Der Prophet (s.) ist in Mekka geboren. Einige Quellen berichten von seiner Geburt im Tal von Abū Ṭālib im Hause von Muḥammad ibn Yūsuf.[7]

Kindheit

Der heilige Koran weist explizit darauf hin, dass Muḥammad (s.) Waise war. Diesbezüglich liegen zahlreiche historische Quellen vor.[8] ʿAbd Allāh, Muḥammads Vater, ging einige Monate nach seiner Heirat mit Āmina, der Tochter von Wahb (dem Oberhaupt des Stammes der Banū Zuhra) auf eine Geschäftsreise nach Damaskus. Jedoch verstarb er auf dem Rückweg in Yaṯrib (der heutigen Stadt "Medina" in Saudi-Arabien). Einige Historiker berichten von seinem Tod nur einige Monate nach Muḥammads Geburt. Muḥammad (s.) verbrachte seine frühe Kindheit bei Ḥalīma, seiner Pflegemutter aus dem Stamme der Banū Saʿd, die ihn stillte.

Als Muḥammad (s.) 6 Jahre und 3 Monate alt war (einigen Berichten zufolge 4 Jahre alt), nahm ihn seine Mutter Āmina mit nach Yaṯrib, um ihre Verwandten zu besuchen. Auf der Rückreise nach Mekka starb sie in Abwāʾ und wurde dort bestattet. Zum Zeitpunkt ihres Todes war sie 30 Jahre alt.[9] Nach dem Verlust seiner Mutter übernahm ʿAbd al-Muṭṭalib, sein Großvater väterlicherseits, die Vormundschaft Muḥammads (s.). Als Muḥammad (s.) acht Jahre alt war, starb auch ʿAbd al-Muṭṭalib. Nach seinem Tod kümmerte sich Abū Ṭālib, der Onkel Muḥammads, um ihn.[10] Abū Ṭālibs Frau, Fāṭima bint Asad, war so freundlich zu Muḥammad (s.), dass er, als sie starb, sagte: "Heute ist meine Mutter gestorben!".

Vor der Berufung zum Prophetentum (Mabʿaṯ)

Es gibt zwar zahlreiche deutliche Berichte über das Leben des Propheten Muḥammads (s.) in historischen Quellen und die Ereignisse seines Lebens wurden im Vergleich zu den anderen Propheten ausführlicher und präziser aufgezeichnet, jedoch sind manche Details seines Lebens unklar, weshalb es unterschiedliche Auffassungen zwischen den Geschichtswissenschaftlern darüber gibt.

Die erste Reise nach Syrien und die Prophezeiung des christlichen Mönchs

Es wird berichtet, dass Muḥammad (s.) als er ein Kind war, seinen Onkel Abū Ṭālib auf einer seiner Reisen nach Damaskus begleitete. Unterwegs hielten sie sich an dem Ort Buṣrā auf, in dem sie einen christlichen Mönch mit dem Namen Baḥīrā trafen. Er sah die Zeichen des Prophetentums bei Muḥammad (s.) und riet Abū Ṭālib, ihn vor seinen Feinden, besonders vor den Juden, zu schützen. Als sich die Karawane von Baḥīrā langsam entfernte, bat er Muḥammad (s.) zu bleiben und sagte zu ihm: "Bei al-Lāt und al-ʿUzzā (ʿUzzā ist einer der Götzen aus der Zeit der Unwissenheit, der zusammen mit Lāt angebetet wurde) bitte ich dich, meine Fragen zu beantworten!" Muḥammad (s.) erwiderte ihm: "Bitte mich nicht, mit den Namen von al-Lāt und al-ʿUzzā, denn ich hasse nichts mehr als sie." Dann bat ihn Baḥīrā, im Namen Allahs, seine Fragen zu beantworten.[11]

Ḥilf al-Fuḍūl

Hauptartikel: Ḥilf al-Fuḍūl

Eines der bedeutendsten Ereignisse in Muḥammads (s.) Leben vor seiner Heirat, war die Teilnahme an der Vereinbarung Ḥilf al-Fuḍūl, für die sich einige Jugendliche von Mekka zusammengefunden hatten, um jeden unterdrückten Menschen zu unterstützen und seine Rechte zu verteidigen. Der Prophet (s.) erwähnte später diese Vereinbarung lobend und sagte, wenn er noch einmal dazu aufgerufen werden würde, würde er sich ihr sicherlich anschließen.[12]

Die zweite Reise nach Syrien

Als Muḥammad (s.) 25 Jahre alt war, sagte sein Onkel, Abū Ṭālib, zu ihm: "Die Karawane der Quraisch hat vor nach Damaskus zu reisen. Chadidscha bint Chuwailid (a.) gab einigen deiner Familienangehörigen Geld, damit diese für sie Geschäfte machen und sie ihnen Gewinnanteile dafür gibt. Sie könnte dich auch akzeptieren, wenn du möchtest." Dann sprach er mit Chadidscha (a.) und sie gab Muḥammad (s.) Arbeit. Von Ibn Isḥāq wurde wiedergegeben, dass Chadidscha (a.) über die Vertrauenswürdigkeit und die Würde Muḥammads (s.) bereits informiert war, weshalb sie ihm die Nachricht schickte, dass sie ihm einen größeren Anteil zahlen würde, wenn er mit ihrem Geld Geschäfte machen würde.[13] Nach dieser Geschäftsreise schlossen Chadidscha (a.) und Muḥammad (s.) die Ehe.

Ehe

Hauptartikel: Frauen des Propheten Muḥammad (s.)

Muḥammad (s.) heiratete Chadidscha (a.), als er 25 Jahre alt war.[14] Chadidscha (a.) lebte 25 Jahre mit dem Propheten (s.) zusammen und starb zehn Jahre nach Muḥammads Berufung. Nach ihrem Ableben heiratete der Prophet (s.) Sauda bint Zamʿa ibn Qais. Die nächsten Frauen des Propheten (s.) hießen: ʿĀiša, Ḥafṣa, Zainab bint Ḫuzaima, Umm Ḥabība bint Abū Sufyān, Umm Salama, Zainab bint Ğaḥš, Ğuwairiyya bint al-Ḥāriṯ ibn abī Ḍirār, Ṣafiyya bint Ḥuyyai, Maimūna bint al-Ḥāriṯ und Māriya bint Šamʿūn bekannt als Māriya al-Qibṭiyya.[15]

Kinder

Hauptartikel: Kinder des Propheten Muḥammad (s.)

Mit Ausnahme von Ibrāhīm, den Māriya al- Qibṭiyya zur Welt brachte, stammten alle anderen sechs Kinder des Propheten (s.) von Chadidscha bint Chuwailid. Alle seine Kinder außer Fāṭima az-Zahrāʾ(s.) starben, als der Prophet (s.) noch lebte. Alle seine Nachkommen stammen nur von dieser Tochter ab. Insgesamt hatte er 3 Söhne und 4 Töchter:

  • Al-Qāsim: Das erste Kind des Propheten (s.), das im Alter von 2 Jahren in Mekka starb.
  • ʿAbd Allāh: Er wurde kurz nach dem Beginn der Mission des Propheten (s.) in Mekka geboren und ist dort auch gestorben.
  • Ruqayya: Gestorben in Medina, 2 Jahre nach der Hidschra / 623-24 n. Chr.
  • Zainab: Gestorben in Medina, 8 / 629-30
  • Umm Kulṯūm: Gestorben in Medina, 9 / 630-31
  • Ibrāhīm: Gestorben in Medina, 10 / 631
  • Fāṭima az-Zahrāʾ(s.): Sie wurde 11 / 632 in Medina zur Märtyrerin. Die Nachkommen des Propheten (s.) wurden nur durch sie weitergeführt.[16]

Befestigung des schwarzen Steins (al-Ḥağar al-Aswad)

Die Befestigung von Al-Ḥağar al-Aswad (dem schwarzen Stein) an der Kaʿba (Haus Gottes) erfolgte vor Beginn der Mission des Propheten (s.). Die Geschichte besagt, dass die Kaʿba selbst von den polytheistischen Arabern des vorislamischen Zeitalters (Zeit der Unwissenheit) geachtet wurde. Nachdem eine Flut die Kaʿba beschädigt und ihre Mauern zerstört hatte, rekonstruierten die Quraisch die Mauern. Als sie aber den schwarzen Stein (einen heiligen Stein des Islam) an der Kaʿba befestigen wollten, kam es zu einem Streit zwischen den Oberhäuptern der Quraisch-Stämme, wer von ihnen den Stein befestigen sollte. Jeder Stamm wollte die Ehre haben, den Stein an die Kaʿba zu setzen. Die Auseinandersetzung war hitzig und sie ließen sogar eine Wanne voll Blut bringen und steckten die Hände hinein, was eine Art Versprechen war, gegeneinander zu kämpfen, bis ein Stamm gewinnen würde. Schließlich stimmten sie zu, das Urteil der ersten Person zu akzeptieren, die die Masğid al-Ḥarām (die Geweihte Moschee) durch das Eingangstor von Banū Šaiba betreten würde und das zu tun, was diese Person sagen würde. Die erste Person, die eintrat, war Muḥammad (s.). Die Adligen der Quraisch sagten, Muḥammad (s.) sei vertrauenswürdig und sie würden sein Urteil akzeptieren. Muḥammad (s.) sagte, dass sie ein Stück Stoff ausbreiten sollten. Sie taten es und er legte den schwarzen Stein darauf. Dann sollte das Oberhaupt jedes Stammes einen Zipfel dieses Tuches halten. Sie hoben das Tuch hoch und brachten den Stein an die Stelle, an der er installiert werden sollte. Dann hob der Prophet (s.) den Stein hoch und brachte ihn an der Kaʿba an. Mit einem solchen Urteil verhinderte er einen bevorstehenden Krieg.[17]

Berufung (Mabʿaṯ)

Hauptartikel: Mabʿaṯ

Nach Angaben der Zwölferschiiten (Imamiten) begann die Mission des Propheten (s.) am 27. des Monats Rağab (nach dem Islamischen Kalender).[18] In den letzten Jahren vor seiner Mission nahm er immer weniger Kontakt zu anderen Menschen auf und verehrte Gott. Einmal im Jahr verbrachte er einen ganzen Monat allein in einer Höhle, genannt Ḥirāʾ, in den Bergen und betete dort Gott an. (Siehe: Taḥannuṯ). Jeder bedürftige Mensch, der ihn um etwas bat, wurde von ihm mit Nahrung versorgt. Nachdem der Monat zu Ende war, kehrte er nach Mekka zurück und umrundete die Kaʿba (das Haus Gottes) sieben Mal oder mehr, bevor er nach Hause ging.[19]

Als er zum Prophetentum berufen wurde, befand sich in der Höhle von Ḥirāʾ. Er berichtet folgendes darüber: "Gabriel kam zu mir und sagte: Lies! Ich antwortete: Ich kann nicht lesen. Er sagte noch einmal: Lies! Ich antwortete: Was soll ich lesen? Er sagte: Lies, im Namen deines Herrn, Der erschuf." (Koran, 96:1)

Es wird grundsätzlich angenommen, dass der Prophet (s.) zu Beginn seiner Mission vierzig Jahre alt war.[20] Nach seiner Berufung zum Prophetentum und der Offenbarung der ersten fünf Verse der Sure al-ʿAlaq kehrte er nach Mekka in sein Haus zurück. Es befanden sich drei Personen im Haus. Seine Frau Chadidscha, sein Cousin ʿAlī ibn Abī Ṭālib und sein Adoptivsohn Zaid ibn Ḥāriṯa.[21] Der heilige Prophet (s.) begann zuerst, den Islam seiner eigenen Familie beizubringen. Also war seine Frau, die allererste Muslima unter den Frauen und ʿAlī ibn Abī Ṭālib, der allererste Muslim unter den Männern, die an sein Prophetentum glaubten. Zu dieser Zeit stand ʿAlī unter der Vormundschaft des Propheten (s.).[22] In den historischen Quellen weiterer islamischer Sekten werden Abū Bakr und Zaid ibn Ḥāriṯa als die ersten Muslime genannt.[23]

Obwohl die anfängliche Einladung zum Islam sehr begrenzt war, wuchs jedoch die Zahl der Muslime und sie begannen um Mekka herum das Gebet mit dem Propheten (s.) zu verrichten.[24]

Öffentliche Einladung

Es wird berichtet, dass Muḥammad (s.) nach Beginn seiner Mission drei Jahre heimlich zum Islam aufrief. Allerdings aufgrund der Reihenfolge der Offenbarung der Koranverse glauben einige, dass seine öffentliche Einladung sehr kurz nach der ersten Offenbarung stattfand.

Zu Beginn forderte der Prophet (s.) die Menschen auf, die Anbetung mehrerer Götter (Götzen) aufzugeben und nur den einzigen Gott anzubeten. Es war eigentlich ein Aufruf zum Tauḥīd (Monotheismus). Am Anfang war die Zahl der Gebetsabschnitte (Rakʿa) der täglichen Ritualgebete zwei. Später hatten die Nicht-Reisenden die Pflicht, die Gebete in vier Rakʿa und die Reisenden in zwei Rakʿa zu verrichten. Bei der Verrichtung der Gebete versteckten sich die Muslime vor den Polytheisten an den Berghängen oder in einsamen Gegenden.[25] Allmählich vermehrte sich die Zahl der Muslime in Mekka. Es ist bekannt, dass der Prophet (s.) nach drei Jahren heimlicher Mission von Gott beauftragt wurde, die Menschen öffentlich zum Islam zu rufen. "Warne die Nächsten aus deinem Stamm! Senke deinen Fittich über den, der dir von den Gläubigen Folge leistet! Wenn sie sich gegen dich auflehnen, sprich: «Ich habe nichts mit dem zu tun, was ihr tut!»" (Koran, 26:214-216)

Ibn Isḥāq berichtet, dass der Prophet (s.) nach der Offenbarung dieser Verse zu seinem Cousin, ʿAlī (a.), sagte: "Oh ʿAlī! Gott hat mir befohlen, meine nächsten Verwandten zur Anbetung Gottes zu rufen. Schlachte also ein Schaf und bereite etwas Brot und eine Schüssel Milch vor." ʿAlī (a.) leistete seiner Bitte Folge. Ungefähr vierzig seiner Verwandten versammelten sich und aßen sich satt. Als der Prophet (s.) seine Rede beginnen wollte, sagte Abū Lahab, ein anderer Onkel des Propheten (s.): "Er hat euch alle (mit dem Essen) verzaubert." Die Versammlung wurde aufgelöst und alle Gäste verließen den Ort. Der Prophet (s.) lud sie bei einer anderen Gelegenheit erneut ein und sagte zu ihnen:

"O Kinder von ʿAbd al-Muṭṭalib! Ich glaube, dass niemand unter den Arabern jemals etwas Besseres für sein Volk gebracht hat als das, was ich für euch gebracht habe. Ich habe diese Welt und die Nächste für euch gebracht."[26] Laut al-Ṭabarī, nachdem der Prophet (s.) seine Verwandten zum Islam gerufen hatte, sagte er:

"Wer von euch würde mir bei dieser (Mission) helfen, der mein Bruder, mein Stellvertreter und Kalif unter euch sein könnte?" Alle schwiegen, außer ʿAlī (a.), der sagte: "O du Gesandter Allahs! Ich werde diese Person sein!" Der Prophet (s.) sagte dann: "Er ist mein Stellvertreter und mein Kalif unter euch! Hört auf seine Worte und befolgt seine Befehle."[27]

Diese Erzählung wurde auch von anderen Historikern und Biografen weitergegeben und gehört zu den berühmtesten Überlieferungen. (Sehen Sie: Ḥadīṯ Yaum al-Dār)[28]

Feindschaft der Quraisch und ihre Folgen

Als die Zahl der Muslime zunahm, waren die Oberhäupter der Quraisch sehr besorgt. Sie trafen Abū Ṭālib (den Onkel und Beschützer des Propheten (s.)) und baten ihn, seinen Neffen von der Mission des Prophetentums abzuhalten. Sie forderten ihn auf, Muḥammad (s.) zu übergeben, um ihn zu töten. Als Gegenleistung könnte Abū Ṭālib dann die Vormundschaft für ʿAmmāra ibn al-Walīd, einen hübschen und, nach ihrer Meinung, weisen Jungen übernehmen. Abū Ṭālib antwortete mit dem Ausruf: "Soll ich meinen Sohn euch übergeben, damit ihr ihn tötet und euren Sohn annehmen? Was für eine schwere Aufgabe!"[29]

Die Quraisch konnten dem Propheten (s.) wegen des Stammesabkommen keinen Schaden zufügen, sonst wäre es mit den Banu Haschim (dem Stamm, von dem der Prophet (s.) abstammte) zu einer kriegerischen Auseinandersetzung gekommen. Es hätte auch sein können, dass sich die anderen Stämme in ihre Angelegenheiten einmischen würden und dadurch wäre die Situation noch schwieriger gerworden. So gingen ihre Angriffe gegen den Propheten (s.) nicht über Beschimpfungen und leichte Verletzungen hinaus. Sie schikanierten aber die schutzlosen Neumuslime, soweit sie es konnten.[30]

Der Konflikt eskalierte. Also gingen die Häuptlinge der Quraisch wieder zu Abū Ṭālib und baten ihn, seinen Neffen von seinem Weg abzuhalten. Abū Ṭālib übermittelte dem Propheten (s.) ihre Nachricht. Der Prophet (s.) erwiderte: "Bei Allah, wahrlich, wenn sie die Sonne in meine rechte Hand und den Mond in meine linke Hand legen würden, so würde mich dies nicht davon abbringen, bis zu meinem Tod meine Botschaft weiter zu verkünden." Abū Ṭālib sagte: "Dann folge deiner Mission und ich werde nicht zulassen, dass sie dir Schaden zufügen." Daraufhin waren die Quraisch fest entschlossen, ihn und seine Anhänger noch mehr zu quälen.

Emigration der Muslime nach Abessinien (Äthiopien)

Mit der wachsenden Zahl der Neumuslime nahm auch die Feindschaft der Quraisch gegen sie zu. Da der Prophet (s.) unter Abū Ṭālibs Schutz stand, konnten die Quraisch ihn aufgrund des Stammesabkommens nicht verletzen. Sie hielten sich jedoch nicht zurück, seine Anhänger, vorallem diejenigen, die keinen Stammesschutz hatten, zu foltern. Die Belästigungen und Folterungen seiner Anhänger erzürnte den Propheten (s.) und er hatte vor die Muslime nach Abessinien zu schicken. Er sagte ihnen: "Es gibt dort einen König, der niemanden unterdrückt. Geht dorthin und bleibt dort, damit Gott euch von den Schwierigkeiten befreit." Als die Quraisch von der Auswanderung dieser Muslime erfuhren, schickten sie ʿAmr ibn al-ʿĀṣ und ʿAbd Allāh ibn Abī Rabīʿa zum König von Abessinien, um diese nach Mekka zurückzubringen. Nach einer langwierigen Verhandlung und Anhörung der Vertreter der Quraisch und der Muslime, lehnte der König es ab, sich den Bitten der Quraisch zu unterwerfen. So kehrten die Vertreter erfolglos nach Mekka zurück.[31]

Der Boykott

Hauptartikel: Tal von Abū Ṭālib

Als die Quraisch sahen, dass der Islam in Mekka an Bedeutung gewann und der König von Äthiopien die Auswanderer nicht übergab, beschlossen sie, Muḥammad (s.) und seinen Stamm, die Banu Haschim, durch den Boykott von Handel und sozialer Kontakte zu isolieren um Druck auf sie auszuüben. Demzufolge schlossen sie einen Vertrag . Vertragsgemäß durfte niemand die Töchter der Familie Haschim und ʿAbd al-Muṭṭalib ehelichen oder deren Söhne mit ihren Töchtern verheiraten. Außerdem durfte niemand mit ihnen Geschäfte machen. Dann hängten sie das Vertragspapier im Inneren der Kaʿba, als Zeichen ihrer großen Verpflichtung, auf. Danach mussten die Banu Haschim und die Banu ʿAbd al-Muṭṭalib im Tal von Banū Yūsuf, das später das Tal von Abū Ṭālib genannt wurde, unter diesem Boykott leben.[32] Die Sanktionen dauerten zwei oder drei Jahre an. Während dieser Zeit lebten sie in einer extrem schwierigen Lage. Ein paar ihrer Verwandten schmuggelten Weizen zu ihnen, damit sie überleben konnten. Eines Nachts wurde Abu Dschahl, ein erbitterter Feind der Banu Haschim, darüber in Kenntnis gesetzt. Er verbot Ḥakīm ibn Ḥazām Weizen für Chadidscha, die Frau des Propheten (s.), zu bringen. Andere traten dazwischen und tadelten Abu Dschahl wegen seiner strengen Massnahmen. Schließlich bereuten einige der Quraisch den ungerechtfertigten Vertrag und entschieden sich für die Banu Haschim. Sie fragten sich, warum die Banū Maḫzūm ein bequemes Leben genießen können, während die Banu Haschim und Banu ʿAbd al-Muṭṭalib in erheblichen Schwierigkeiten lebten. Daher beschlossen einige Vertragspartner, den Vertrag zu kündigen.

Ibn Hischam schrieb, dass Abū Ṭālib sich mit den Quraisch traf und sagte: "Mein Neffe behauptet, dass die Termiten das Vertragspapier gefressen haben und nur der Name Gottes übrig geblieben ist. Schaut einmal nach! Wenn er die Wahrheit sagt, beendet die Sanktionen und wenn er lügt, werde ich ihn euch ausliefern´.'

Als sie in die Kaʿba gingen, sahen sie, dass die Termiten bereits auf wundersame Weise das Vertragspapier bis auf den Namen Gottes gefressen hatten. Demzufolge wurde der Boykott gegen die Banu Haschim aufgehoben und der Belagerungsvertrag gekündigt. Die Banu Haschim konnten nun das Tal verlassen.[33]

Reise nach Ṭāʾif

Kurz nachdem der Prophet (s.) das Tal verlassen hatte, starben zwei seiner engsten Familienmitglieder, seine Frau Chadidscha und sein Onkel Abū Ṭālib. Mit Abū Ṭālibs Ableben verlor der Prophet (s.) einen seiner prominenten Unterstützer. Die Polytheisten nutzten seinen Tod aus, um ihn und die Muslime noch mehr zu unterdrücken. Der Prophet (s.) reiste nach Ṭāʾif, um die Bevölkerung dieser Stadt zu bitten, hinter ihm und den Muslimen zu stehen. Sie reagierten ihm gegenüber sehr brüsk. Als der Prophet (s.) bei ihnen keine Unterstützung fand, kehrte er nach Mekka zurück.[34]

Auswanderung nach Medina (Hidschra)

Der erste Treueid von al-ʿAqaba

Hauptartikel: Erster Treueid von al-ʿAqaba

Im elften Jahr nach der Berufung des Propheten (s.) zu seiner Mission (620 n. Chr.) trafen sechs Menschen aus dem Stamm Chazradsch den Propheten (s.) auf der Pilgerfahrt nach Mekka. Der Prophet (s.) lud sie zum Islam ein. Sie sicherten ihm zu, die Botschaft seiner Mission den Einwohnern ihrer Stadt zu verkünden. Im nächsten Jahr (621) schworen zwölf Personen aus Yaṯrib nach der Pilgerfahrt an dem Ort al-ʿAqaba dem Propheten (s.) die Treue, Gott nichts beizugesellen, nicht zu stehlen, sich der Unzucht (Zinā) zu enthalten, ihre Kinder nicht zu töten (aus Furcht vor Armut), ihre Mädchen nicht lebendig zu begraben, niemanden zu verleumden und dem Propheten Muḥammad (s.) zu gehorchen, wenn er ihnen das Gute gebietet. Der Prophet (s.) entsandte dann Muṣʿab ibn ʿUmair als Lehrer mit ihnen nach Yaṯrib, um sie den heiligen Koran zu lehren und von der Situation der Stadt und der Aufgeschlossenheit ihrer Bewohner für den Islam einen Bericht zu erstatten.[35]

Der zweite Treueid von al-ʿAqaba

Hauptartikel: Zweiter Treueid von al-ʿAqaba

Im folgenden Jahr (622 n. Chr.) versammelten sich 73 Männer und Frauen aus dem Stamm Chazradsch nach der Pilgerfahrt an dem Ort al-ʿAqaba. Der Prophet (s.) ging zusammen mit seinem Onkel, al-ʿAbbās ibn ʿAbd al-Muṭṭalib, zu ihnen. Es wurde berichtet, dass ʿAbbās zuerst sprach: "O Volk von Chazradsch! Muḥammad (s.) ist einer von uns, wir haben ihn so gut wie möglich vor allen Verletzungen und Gefahren geschützt. Nun will er zu euch kommen, also unterstützt ihn, wenn ihr könnt und verteidigt ihn vor seinen Feinden, ansonsten lasst ihn von jetzt an gehen."

Sie antworteten: "Wir haben dich gehört, oh Gesandter Allahs! Sag uns das, was du und dein Gott für ein rechtes Wort (gütige Rede) haltet!" Der Prophet (s.) rezitierte einige Verse des Koran und sagte dann: "Ich gehe den Bund mit euch ein, dass ihr mich wie eure Verwandten unterstützt." Die Vertreter des Volkes von Yaṯrib schworen ihm die Treue, Feind seiner Feinde und Freund seiner Freunde zu sein und mit denjenigen Krieg zu führen, die einen Krieg mit ihm anfangen. Sie nannten diesen Bund Baiʿat al-Ḥarb. Danach erlaubte der Prophet (s.) den Muslimen von Mekka, nach Yaṯrib auszuwandern. Die Muslime, die nach Yaṯrib auswanderten, wurden später Muhadschirin (die Auswanderer) genannt. Die Auswanderer willkommenheißende Bevölkerung von Yaṯrib wurde mit Ansar (den Unterstützern, Helfern) bezeichnet.[36]

Dār al-Nadwa Verschwörung

Die Oberhäupter der Quraisch waren der Ansicht, dass der Islam eine Gefahr für sie darstelle, insbesondere als sie erfuhren, dass die Einwohner von Yaṯrib dem Propheten (s.) die Treue geleistet hatten, was dazu führte, dass der Islam unter den Menschen etablierter wurde. Sie fühlten sich weiter durch die Tatsache bedroht, dass der Prophet (s.) sich für all die Folterungen und Belästigungen, denen er und die Muslime durch sie ausgesetzt war, an ihnen rächen würde. Sie meinten sogar, dass der Prophet (s.), selbst wenn er keinen Krieg gegen sie führen würde, immer noch eine ernsthafte Bedrohung für sie darstellen würde, da Yaṯrib die größte Stadt in der Nähe von Mekka war. Die Handelskarawanen der Quraisch hatten hoch geschätzte Kunden in dieser Stadt, die für ihren wirtschaftlichen Erfolg sehr wichtig waren. Sie würden einen enormen wirtschaftlichen Verlust erleiden, wenn sie den Zugang zu dieser Stadt verlieren würden. Um ein solches Verlustgeschäft zu verhindern, kamen sie zu dem Schluss, ihr Stammesabkommen zu ignorieren und Muḥammad (s.) zu töten. Es war jedoch nur sehr schwer ihn zu ermorden, denn die Banu Haschim würden Rache an ihnen nehmen. So trafen sich die Quraisch an dem Ort Dār al-Nadwa, um eine Lösung zu finden. Sie kamen zu dem Schluss, dass eine Gruppe junger Männer aus allen Stämmen Muḥammad (s.) überfallen, gleichzeitig ihre Schwerter ziehen und ihn töten sollten. Auf diese Weise wäre sein Mörder nicht eine einzelne Person und die Banu Haschim wären nicht in der Lage sich zu rächen, weil sie keinen Krieg gegen alle Stämme in Mekka führen könnten. Sie wären gezwungen, sich mit Blutgeld zufriedenzugeben.

In der Nacht, in der die Quraisch versuchten ihren Plan durchzuführen, hatte der Prophet (s.) bereits auf Befehl Gottes Mekka verlassen und Ali (a.) gebeten, sich stattdessen in sein Bett zu legen. (Sehen Sie: Lailat al-Mabīt. Der Prophet (s.) und Abū Bakr ibn Abī Quḥāfa waren nach Yaṯrib aufgebrochen und versteckten sich drei Tage lang in einer Höhle namens Ṯaur in der Nähe von Mekka, solange bis die Verfolger enttäuscht nach langem Suchen zurückkehrten. Dann setzten sie heimlich ihren Weg nach Yaṯrib fort.[37]

Ankunft in Yaṯrib

Hauptartikel: Auswanderung (Hidschra)

Es kommt zwischen Historikern zu Differenzen darüber, wann der Prophet (s.) Mekka verlassen hat und wann er in Yaṯrib angekommen ist. Ibn Hischam berichtet, dass er am Montag, den 12. Rabī al-Awwal in Qubā (einem Dorf nicht weit entfernt von Yaṯrib) eintraf. Gemäß Ibn Kalbī hatte er sich am Montag, den 1. Rabī al-Awwal von Mekka entfernt und am Freitag, den 12. desselben Monats Qubā erreicht. Den Angaben einiger anderen Geschichtswissenschaftlern zufolge hatte er am 8. Rabī al-Awwal Qubā erreicht. Weitere zeitgenössische europäische und muslimische Historiker sind der Meinung, dass er neun Tage brauchte, um Qubā zu erreichen. Nach ihrer Auffassung ist er dort am 12. des Monats Rabī al-Awwal angekommen, es war der 24. September 622 n. Chr. (14 Jahre nach seiner Berufung).

Später wurde die Auswanderung (Hidschra) des Propheten (s.) von Mekka nach Yaṯrib mit dem Beginn des islamischen Kalenders gleichgesetzt. Während des Aufenthalts in Qubā baute der Prophet (s.) eine Moschee, die auch "Qubā" genannt wurde. Die Moschee existiert noch heute. [38]

Nach der Auswanderung des Propheten (s.) blieb ʿAlī (a.) drei Tage in Mekka und gab die dem Propheten (s.) anvertrauten Güter ihren Besitzern zurück. Er reiste danach zusammen mit anderen Familienangehörigen des Propheten (s.), darunter Fāṭima az-Zahrāʾ(s.), der geliebten Tochter des Propheten (s.), nach Yaṯrib und gesellte sich zu dem Propheten (s.) in Qubā im Haus von Kulṯūm ibn Hadam.[39]

Der Prophet (s.) brach am Freitag, den 12. Rabī al-Awwal mit einer Gruppe aus Banū Nağğār nach Yaṯrib auf. Das erste Freitagsgebet verrichtete er mit den Leuten aus Banū Sālim ibn ʿAuf. Als er die Stadt Yaṯrib betrat, wollte ihn das Oberhaupt jeder Großfamilie in seinem Haus wohnen lassen, da es ihm eine große Ehre war. Der Prophet (s.) sagte: "Wo auch immer sich mein Kamel niederlässt, dort wird mein Haus sein. Es steht unter göttlichem Befehl und weiß, wohin es gehen soll." Das Kamel kniete vor den Häusern der Banū Mālik ibn Nağğār nieder, auf einem Grundstück, das zwei Waisenkindern gehörte. Der Prophet (s.) kaufte es von Muʿāḏ ibn ʿAfrāʾ, der ihr Vormund war und errichtete dort eine Moschee, von der aus sich die heutige Prophetenmoschee weiterentwickelte. Abū Ayyūb al-Anṣārī trug den Sattel des Propheten (s.) in sein Haus. Der Prophet (s.) blieb vorübergehend bei ihm, bis eine Wohnung für ihn gebaut wurde. Er selbst half den Muslimen beim Bau der Moschee. Es wurden auch Arkaden (Ṣuffa) für die armen Gefährten des Propheten (s.) gebaut, unter denen sie leben konnten. Diese Muslime wurden die "Leute der Arkaden" (Aṣḥāb Ṣuffa) genannt.[40]

Die Auswanderung des Propheten (s.) von Mekka nach Yaṯrib, die als Hidschra bekannt wurde, war ein bedeutendes Ereignis in seinem Leben und in der islamischen Geschichte. Nach dieser Auswanderung wurde die Stadt Yaṯrib unter dem Namen "Madīnat al-Rasūl" (Stadt des Propheten (s.)) kurz "Medina" berühmt.

Bald darauf nahm die Zahl der Auswanderer (Muhadschirin) zu und die Bewohner von Medina, Ansar (die Helfer), nahmen sie in ihren Häusern auf. Auf Anweisung des Propheten (s.) sollte sich jeder Auswanderer mit einem Helfer verbrüdern. Der Prophet (s.) selbst nahm ʿAlī (a.) zum Bruder.[41] Es gab auch Personen, die den Islam nur mit ihren Zungen angenommen hatten, jedoch im Herzen nicht daran glaubten. Sie wurden die Heuchler (Munāfiqūn) genannt. Kurz nachdem der Prophet (s.) Medina betreten hatte, schloss er ein Bündnis mit verschiedenen Gruppen der Stadt darunter auch mit den Juden, um den gegenseitigen sozialen Rechten Beachtung zu schenken.[42]

Sabotage der Heuchler und der Juden von Medina

Nun war zwar der Großteil der Bevölkerung von Medina entweder Muslim oder mit dem Propheten (s.) verbündet, jedoch konnten sich alle Einwohner der Stadt und Umgebung nicht vollständig dem Propheten (s.) unterordnen. ʿAbd Allāh ibn Ubai, der sich kurz davor zum Herrscher von Medina hochgearbeitet hatte und mit Muḥammads (s.) Ankunft in der Stadt seine Position gemindert wurde, wollte nicht schweigen. Obwohl er sich Muslim nannte, machten er und seine Anhänger trotzdem heimlich Pläne gegen Muḥammad (s.) und traten in eine Beziehung mit den Juden von Medina, die ebenfalls mit dem Propheten (s.) in Feindschaft lebten.[43]

Diese Personen, die in den ersten medinensischen Koranversen als "Heuchler" Munāfiqūn bezeichnet wurden, standen dem Propheten (s.) und den Muslimen ständig im Weg und bereiteten ihnen Probleme. Der Umgang mit ihnen war schwieriger als der mit den Nicht-Muslimen bzw. den Polytheisten und den Juden. Immer wenn sie mit ihren Satanen alleine waren, sagten sie, dass sie auf ihrer Seite stünden, doch wenn sie dann mit den Gläubigen zusammentrafen, sagten sie, dass sie Muslime seien. Aus diesem Grund konnte der Prophet (s.) nicht mit ihnen kämpfen.[44] Einige Koranverse drohten ihnen, dass Gott und der Prophet (s.) sich ihrer wahren Überzeugungen bewusst sind und wissen, dass es nur eine Verschwörung ist, sich Muslim zu nennen, um sich selbst schützen zu können. [43]

"Wenn zu dir die Heuchler kommen, so sprechen sie: «Wir bezeugen, dass du wahrlich der Gesandte Gottes bist!» Gott weiß, dass du wahrlich sein Gesandter bist. Und Gott bezeugt, dass die Heuchler wahrlich Lügner sind!" (Koran, 63:1)

ʿAbd Allāh ibn Ubai hörte mit seinen Verschwörungen gegen den Islam bis zu seinem Tod (9/630) nicht auf. Die Juden hatten zwar die Verfassung von Medina unterzeichnet, welche ihnen Vorteile, wie die Teilhabe an den Beuten, brachte, jedoch zeigten sie ihr wahres Gesicht und erklärten sich unzufrieden mit den Muslimen. Der Grund für ihre Unzufriedenheit war, dass die islamische Regierung über die Wirtschaft der Stadt Kontrolle ausübte und mit den Beduinen und den Polytheisten von Mekka Handel trieb. Sie (die Juden) erwarteten, dass sich ʿAbd Allāh ibn Ubai zum Herrscher von Medina aufschwingen würde, damit sie wirtschaftlich stärker Einfluss nehmen könnten. Die Anwesenheit von Muḥammad (s.) und die Verbreitung des Islam unter seiner Führung verhinderte dies jedoch. Darüber hinaus lehnten sie die Herrschaft des Propheten Muḥammad (s.) ab, da er nicht jüdischer Abstammung war. Aufgrunddessen gaben sie nach einer Weile Äusserungen gegen Muḥammad (s)ab. Anscheinend nahm ʿAbd Allāh ibn Ubai an ihrer Provokation zur Feindschaft mit dem Propheten (s.) teil. Die Juden behaupteten, dass der von ihnen erwartete Prophet nicht Muḥammad sei und Verse der Thora und des Evangeliums über ihn den Versen des Koran widersprächen. Daraufhin wurden dem Propheten (s.) einige Verse des Koran offenbart, die besagten, dass Verse der Thora und des Evangeliums von jüdischen Gelehrten im Laufe der Zeit verzerrt worden wären, um an ihrer Position festhalten zu können. Letztendlich brach der heilige Koran auf einmal die Beziehung des Islam zum Christentum und Judentum ab. Mit der Offenbarung folgender Verse zeigte der Koran den Arabern, dass sie im Vergleich zu den Juden eine separate Gemeinschaft sind:.

"Ihr Buchbesitzer! Weshalb streitet ihr über Abraham? Wo doch die Thora und das Evangelium erst nach ihm herabgesandt wurden? Begreift ihr denn nicht? Ihr da! Ihr habt gestritten über etwas, wovon ihr Wissen habt. Doch warum streitet ihr nun über etwas, wovon ihr kein Wissen habt? Gott weiß, ihr aber wisst nicht. Abraham war weder Jude noch Christ; sondern er war ein wahrer Gläubiger, ein Gottergebener. Und er war keiner von den Beigesellern." (Koran, 3:65-67)[45]

Gebetsrichtungswechsel

Hauptartikel: Gebetsrichtungswechsel

Der Prophet (s.) betete siebzehn Monate nach der Auswanderung nach Medina in Richtung der al-Aqṣā-Moschee in Palästina. In dieser Zeit schikanierten die Juden den Propheten beharrlich mit ihrer Kritik. Sie sagten: Muḥammad hatte keine Gebetsrichtung (Qibla), bis wir ihn darüber unterrichteten." Dieser harte Tadel verärgerte den Propheten (s.). Eines Tages, im Monat Ša'bān 2/624, als er das Mittagsgebet in der Banū Salama-Moschee verrichtete, wurde ihm folgender Vers offenbart, der ihm befahl die Gebetsrichtung zu wechseln. :

"Wohl sehen wir, wie du dein Angesicht gen Himmel hin- und herbewegst. So wollen wir dir eine Richtung geben, die dein Gefallen findet. Wende nun dein Angesicht zur heiligen Anbetungsstätte! Wo immer ihr auch seid, kehrt euer Angesicht ihr zu! Siehe, denen das Buch gegeben wurde, die wissen wahrlich, dass es die Wahrheit ist von ihrem Herrn. Gott lässt, was sie tun, nicht unbeachtet." (Koran, 2:144)

Der Prophet (s.) wandte sein Gesicht zur Kaʿba (dem Haus Gottes in Mekka). Hiermit wurde die Moschee als Ḏū-Qiblatain-Moschee (Moschee der beiden Gebetsrichtungen) bekannt. Der Gebetsrichtungswechsel traf die Juden und die Heuchler schwer. Nun kritisierten sie, was die Muslime denn von ihrer Richtung abgebracht hätte, in der sie bisher gebetet hatten. Der folgende Vers wurde als Antwort auf ihren Tadel herabgesandt.:

«Was brachte sie von ihrer Richtung ab, in der sie bisher gebetet haben?» Sprich: «Gottes ist der Osten und der Westen. Er leitet, wen er will, auf einen geraden Weg.» (Koran, 2:142)[46]

Verteidigungsschlachten vor der Eroberung Mekkas

Die Schlacht von Badr

Hauptartikel: Schlacht von Badr

Als der Prophet (s.) den zweiten Treueid von al-ʿAqaba mit dem Volk von Medina einging, schien ein Kampf mit den Quraisch unvermeidlich.[47] Die erste Begegnung mit ihnen fand im Monat Ṣafar des 2. Jahres nach der Auswanderung Hidschra / August 623 statt. Diese Begegnung wurde Ġazwa Abwāʾ oder Wuddān genannt, bei der es keinen gewaltsamen Zusammenstoß gab. Es war nur ein geringfügiger Kampf. Eine weitere Begegnung, Ġazwa Buwāṭ erfolgte in Rabī al-Awwal / September desselben Jahres, bei der es wie bei der ersten zu keiner heftigen Auseinandersetzung kam. Dann in Ğumādi al-Ulā / November, verbreitete sich die Nachricht, dass eine von Abū Sufyān angeführte Karawane der Quraisch von Mekka nach Damaskus aufgebrochen war. Der Prophet (s.) ging zusammen mit den Muslimen in das Gebiet Ḏāt al-ʿAšīra, um sich ihnen zu stellen. Die Karawane hatte aber den Ort bereits vor der Ankunft der Muslime verlassen. Ihr Versuch war erfolglos geblieben, weil einige Spione in Medina, die die Pläne der Muslime kannten, den mekkanischen Karawanen die drohende Gefahr verrieten. Die Karawanen wechselten ihre Routen oder beschleunigten ihr Tempo.[48]

Im selben Jahr (2/623) kam es schließlich zu einer bedeutenden militärischen Auseinandersetzung zwischen den Muslimen und den Polytheisten von Mekka. Diese Schlacht, die als Schlacht von Badr bekannt wurde, wurde von den Muslimen gewonnen, obwohl sie weniger an der Zahl waren. Viele Polytheisten wurden entweder getötet oder gefangen genommen und viele andere konnten den Muslimen entkommen.[49] In dieser Schlacht wurden Abu Dschahl und ca. 70 andere Adlige der Quraisch getötet und ungefähr die gleiche Anzahl festgenommen. Nur 14 Muslime wurden in Badr zum Märtyrer. In diesem Kampf half ʿAlī (a.) dem Propheten (s.) enorm. Er brachte auch einige namhafte und mächtige Krieger der mekkanischen Armee ums Leben. (36 oder 37 Polytheisten wurden von ihm allein getötet). Seine Tapferkeit sicherte den Sieg des Islam.[50]

Kampf gegen die Juden

Die erste Auseinandersetzung mit den Juden fand einige Wochen nach der Schlacht von Badr statt, die zum großen Sieg der Muslime führte. Die Juden der Banū Qainuqāʿ, ein in Medina heimischer Stamm der Juden, besass eine Burg außerhalb von Medina. Sie lebten unter anderem von der Goldschmiedekunst. Es wird erzählt, dass einst eine arabische muslimische Frau auf den Markt der Banū Qainuqāʿ ging, um ihren Schmuck bei einem Goldschmied zu verkaufen. Sie ließ sich kurz danach vor einem Juweliergeschäft nieder. Doch einer der Juden kam heimlich von hinten auf sie zu und befestigte ihre Keidung hinter ihrem Rücken an der Wand. Als sie aufstand, rutschte ihr Gewand herunter. Alle lachten über sie. Die Frau schrie und bat andere Muslime auf dem Markt um Hilfe, was zu einem Kampf führte. Ein Muslim entrüstete sich über das unverschämte Verhalten des Juden und erhob sich, um der Frau zu helfen. Der Konflikt eskalierte und er tötete den jüdischen Mann. Die Juden töteten ihn ebenfalls, was die Situation verschlimmerte. Nach diesem Geschehen warnte der Prophet (s.) die Juden, dass, wenn sie sich nicht ergeben würden, sie die unangenehmen Folgen ihrer Handlung genauso wie die Quraisch verantworten müssen. Die Banū Qainuqāʿ antworteten dem Propheten (s.), dass der Sieg über die Quraisch in der Schlacht von Badr ihn nicht mit Stolz erfüllen sollte. Die Juden behaupteten, dass die Quraisch keine echten Krieger wären. Sie drohten dem Propheten (s.), wenn sie gegen ihn kämpfen würden, würden sie ihm schon zeigen, wie mächtig sie seien. Der folgende Vers wurde über diese Juden offenbart:

"Sag denen, die ungläubig sind: «Ihr werdet besiegt und zur Hölle hingebracht.» Welch schlimme Lagerstatt! Ihr hattet ein Zeichen an zwei Gruppen, welche aufeinandertrafen: Die eine kämpfte auf dem Wege Gottes, ungläubig war die andere. Sie sahen klaren Blicks jene als doppelt so viele an, wie sie selber waren. Gott stärkt mit seinem Beistand, wen er will. Siehe, darin liegt wahrlich eine Lehre für die, die sehen können!" (Koran, 3:12-13)

Also belagerten die Muslime unweigerlich ihre Burg. Die Juden ergaben sich letztendlich nach fünfzehn Tagen. ʿAbd Allāh ibn Ubai flehte den Propheten (s.) an, sie nicht zu töten. Der Prophet (s.) verbannte sie nach Syrien. Die Belagerung der Banū Qainuqāʿ erfolgte im Monat Šawwāl des 2. Jahres nach der Auswanderung (Hidschra), es war der 2. April 624.[51]

Die Schlacht von Uḥud

Hauptartikel: Schlacht von Uḥud

In 3/625 forderten die Quraisch ihre Verbündeten zur Mitarbeit gegen die Muslime auf. Sofort machten sie sich mit einer von Abū Sufyān angeführten Armee auf den Weg nach Medina. Zunächst wollte der Prophet (s.) innerhalb der Grenzen von Medina bleiben, er beschloss jedoch später, der mekkanischen Armee außerhalb der Stadt entgegenzuwirken. Die beiden Armeen trafen sich irgendwo in der Nähe des Berges von Uḥud. Obwohl die Muslime anfangs kurz vor dem Sieg standen, verloren sie dennoch den Krieg. Dies geschah wegen Ḫālid ibn Walīds Trick und der falschen Entscheidung einer Gruppe von Muslimen, wodurch die Mekkaner sie von hinten angreifen konnten und viele Muslime den Tod fanden. In dieser Schlacht wurde Ḥamza, der Onkel des Propheten (s.), zum Märtyrer. Der Prophet (s.) wurde schwer verletzt und es ging das Gerücht um, dass er getötet worden wäre. Dies war ein weiterer Grund für die Entmutigung der Muslime. Sie kehrten niedergeschlagen nach Medina zurück. Es wurden einige Verse herabgesandt, um ihnen Trost zu spenden.


Die Schlachten von Banū Naḍīr und Dūmat al-Ğandal

Hauptartikel: Schlacht von Banū Naḍīr, Schlacht von Dūmat al-Ğandal

In 4/625 kam es zu einigen geringen Auseinandersetzungen mit Stämmen in der Umgebung von Medina, die den Islam nicht zu ihren Gunsten ansahen. Es schien nur allzu möglich, dass sie sich miteinander verbünden würden, um in Medina eindringen zu können. Die beiden Ereignisse von Rağīʿ und Biʾr Maʿūna, bei denen muslimische Missionare durch verbündete Stämme getötet wurden, geben Hinweise auf ihre Einheit.[52] In diesem Jahr fand eine der wichtigsten Schlachten des Propheten (s.) mit einem der medinensischen jüdischen Stämme genannt Banū Naḍīrstatt. Der Prophet (s.) hielt ein Treffen für Verhandlungen mit ihnen ab, bei dem sie jedoch eine Verschwörung im Schilde führten, um ihn zu ermorden. Letztendlich mussten sie aber Medina verlassen.[53]

Im folgenden Jahr ging der Prophet (s.) zusammen mit den Muslimen in die Region Dūmat al-Ğandal, die sich an der Grenze zu Syrien befand. Als die muslimische Armee dort ankam, war der Feind bereits geflohen. Die Muslime kehrten nach Medina zurück.[54]

Die Schlachten von Aḥzāb, Banū Quraiẓa und Banū Muṣṭaliq

Hauptartikel: Schlacht von Aḥzāb, Schlacht von Banū Quraiẓa und Schlacht von Banū Muṣṭaliq

In 4/625 brach Abū Sufyān zusammen mit einer mekkanischen Armee nach Badr auf, er änderte aber unterwegs seine Meinung und zog sich zurück. Dies schadete seiner Position als Kommandant bei den Oberhäuptern der Quraisch. Er versuchte deswegen eine große Armee aufzustellen und schaffte es schließlich in 5/626. Die Zahl seiner ausgerüsteten Krieger schwankte zwischen 7.000 und 10.000, darunter 600 berittene Krieger. Diese mannstarke Armee begab sich in Richtung Medina. Die Schlacht, die daraufhin tobte, wurde Aḥzāb (die Verbündeten) genannt. Die Namensgebung war darauf zurückzuführen, dass Abū Sufyāns Armee aus mehreren verschiedenen arabischen Stämmen bestand. Außerdem verbündeten sich auch Gruppen von den Juden aus Banū Naḍīr, die in der Burg von Chaibar wohnten, mit den Quraisch und den Ġaṭfān gegen den Propheten (s.). Die Juden der Banū Quraiẓa, die in der Nähe von Medina lebten und zuvor dem Propheten (s.) versprochen hatten und verpflichtet waren, die Quraisch nicht zu unterstützen, verstießen gegen ihren Vertrag mit den Muslimen und schlossen sich den Mekkanern an. Die Armee des Propheten (s.) bestand nur aus 3.000 Soldaten, die bis auf einige alle Fußsoldaten waren.

Im Gegensatz zur Schlacht von Uḥud entschieden sich die Muslime für eine Verteidigungstaktik. Um die Stadt vor einem Angriff zu schützen, schlug der Gefährte des Propheten (s.), Salmān al-Fārsī vor, vor der Stadt einen Graben auszuheben. Da Medina von allen Seiten bis auf eine von Palmengärten und Gebäuden umgeben und geschützt war, konnte der Feind nicht von dort in die Stadt eindringen. Bevor die mekkanische Armee Medina erreichte, war der Graben im Norden, wo ein Angriff möglich war, schon fertig gestellt. Der Feind war schockiert, als er dort eintraf, da er eine solche Blockade nicht vorhergesehen hatte. Berittene Soldaten konnten nicht über den Graben springen und wer versuchte sich dem Graben zu nähern, wurde von den medinensischen Bogenschützen beschossen.

ʿAmr ibn ʿAbdiwad und ʿAkrama ibn Abī Ğahl beschlossen mit ihren Pferden über den Graben zu springen. ʿAmr ibn ʿAbdiwad, der ein namhafter Krieger war, wurde von ʿAlī (a.) getötet. Auf den ersten Blick schien es, als würde Medina besiegt werden. Was konnte die kleine Truppe der Muslime gegen die gewaltige Armee des Feindes unternehmen? Zuerst wollte der Prophet (s.) den Stamm Ġaṭfān, der sich mit dem Feind verbündet hatte, von der mekkanischen Armee trennen. Also machte er ein Angebot, dass ihnen ein Drittel der Ernte von Medina gehören würde unter der Bedingung, die Quraisch nicht mehr zu unterstützen. Die Ansar (Helfer) von Medina fragten den Propheten (s.), ob dieser Friedensvertrag auf Befehl Gottes gewesen sei? Als er das verneinte, sagten sie: "Als Gott uns damals noch nicht geleitet hatte, waren wir nicht bereit etwas zu tun, was zu unserer Erniedrigung führen würde. Wie können wir uns heute so herabsetzen, wenn Gott uns den rechten Weg geleitet hat?" Es wurde kein Friedensvertrag geschlossen.

Einige wenige Muslime, die ihre Religion verheimlicht hatten, waren gleichzeitig mit den Banū Quraiẓa und den Ġaṭfān verbunden und brachten die beiden Stämme gegeneinander auf. Dazu kam die göttliche Hilfe. Ein heftiger Sturm kam auf, was die Situation für die mekkanische Armee noch schwieriger machte. Abū Sufyān befahl seinen Soldaten sich nach Mekka zurückzuziehen. Medina war somit nach 15 Tagen Belagerung befreit.

Die Schlacht von Aḥzāb führte zu einem guten Ergebnis für die Muslime, jedoch endete sie für die Mekkaner tragisch. Mekkanische Händler verloren für immer den Markt von Medina. Darüber hinaus befand sich Medina in einer strategischen Lage in Richtung Syrien. So konnten die Handelskarawanen der Quraisch nicht ohne Schwierigkeiten mit Syrien Geschäfte machen. Abū Sufyāns Ruf war bei den Quraisch geschädigt und die Quraisch fielen bei den anderen mekkanischen Stämmen in Ungnade. Der unerwartete Sieg der Muslime in dieser Schlacht zog die Beduinen zum Islam und überzeugte sie, dass eine übernatürliche Macht die Muslime unterstützt hatte. Somit wurden die Umstände für die Muslime immer günstiger.[55]

Nach der Schlacht von Aḥzāb ging der Prophet (s.) zu den Juden der Banū Quraiẓa. Gemäß dem Vertrag, den sie kurz nach der Ankunft des Propheten (s.) in Medina unterzeichnet hatten, wären sie geschützt unter der Bedingung, sich nicht gegen die Muslime zu erheben. Da sie sich aber in der Schlacht von Aḥzāb mit den Feinden des Islam verbündet hatten, hatte der Vertrag seine Gültigkeit verloren. Der Vertragsbruch stellte eine massive Berohung für die Muslime dar. Also belagerte der Prophet (s.) sie gemeinsam mit den Muslimen. Die Belagerung dauerte 25 Tage, woraufhin sie sich ergaben und gefangen genommen wurden. Der Stamm Aus, der mit diesen Gefangenen verbündet war, sagte zum Propheten (s.): "Die Banū Quraiẓa (die Gefangenen) sind mit uns verbündet und bedauern, was sie getan haben. Behandle unsere Verbündeten genauso wie die Verbündeten der Chazradsch." Sie meinten damit die Juden der Banū Qainuqāʿ. Der Prophet (s.) hatte den damals gefangenen Juden der Banū Qainuqāʿ die Schuld vergeben und sie ʿAbd Allāh ibn Ubai, dem Oberhaupt der Chazradsch ausgeliefert, damit er eine Entscheidung über sie fällte. Der Prophet (s.) tat das Gleiche und überantwortete die Gefangenen der Banū QuraiẓaSaʿd ibn Muʿāḏ, dem Oberhaupt des Stammes Aus. Er verurteilte die Männer zum Tod und die Frauen und Kinder zur Gefangenschaft. Das Urteil wurde kurz danach vollstreckt.[56]

Einige Historiker stehen dieser Geschichte jedoch skeptisch gegenüber. Schahidi drückt es so aus: "Es scheint, als sei die Geschichte der Banū Quraiẓa durch einen Geschichtenerzähler aus Chazradsch einige Jahre nach dem Ereignis, als die zum Zeitpunkt der Belagerung anwesende Bevölkerung nicht mehr existierte, verzerrt und verfälscht worden. Damit hätte er zeigen wollen, dass der Stamm Chazradsch im Vergleich zum Stamm Aus mehr Respekt bei dem Propheten (s.) genossen hat. Der Prophet (s.) hätte die gefangenen Verbündeten der Chazradsch freigelassen und die der Aus getötet. Dieser Geschichtenerzähler beabsichtigte weiterhin, zu beweisen, dass das Oberhaupt des Stammes Aus nicht an der Seite seiner Verbündeten gestanden hat.[57]

Im Jahr 6/627 besiegten die Muslime die Banū Muṣṭaliq, die eine Armee gegen den Propheten (s.) aufstellten.[58]

Die Schlacht von Chaibar

Hauptartikel: Schlacht von Chaibar

In 7/629 triumphierte der Prophet (s.) über die Juden von Chaibar, die sich zuvor mehrmals mit seinen Feinden vereinigt hatten. Chaibar, eine Burg nahe Medina, wurde von den Muslimen erobert. Die Juden sicherten ihre Landwirtschaft durch einen Friedensvertrag mit dem Propheten (s.). Sie sollten jedoch jährlich einen Teil ihrer Ernte an die Muslime abgeben.[59]

In der Schlacht von Chaibar schien es fast unmöglich, eine der Burgen der Juden zu erobern. Zuerst waren Abū Bakr und dann ʿUmar verpflichtet die Burg einzunehmen, aber sie scheiterten. Der Prophet (s.) sagte: Morgen werde ich einem Mann diese Flagge geben, durch den (uns) ein Sieg von Gott beschieden wird. Derjenige, der Gott und seinen Propheten liebt und Gott und sein Prophet ihn lieben."

Am nächsten Tag rief er ʿAlī (a.) zu sich und heilte seinen Augenschmerz mit seinem Speichel (der Speichel des Propheten (s.) heilte Wunden). Es war eines seiner zahlreichen Heilungswunder). Er sagte dann zu ʿAlī: "Nimm diese Flagge und geh, Gott wird dir zum Sieg verhelfen."

Ibn Isḥāq gibt von Abū Rāfiʿ, einem der Anwesenden in der Schlacht, wieder: "ʿAlī näherte sich der Burg und kämpfte mit den Juden. Als sein Schild nach den Schlägen eines Juden fiel, nahm er ein Burgtor und benutzte es als Schild, um sich zu schützen. Er trug das Tor bis er den Sieg errang und liess es nach dem Krieg fallen." Abū Rāfiʿ sagte weiter: "Sieben Männer und ich bemühten uns, das Tor zu heben, aber wir schafften es nicht!"[60]

Friedensvertrag von Ḥudaibiyya

Hauptartikel: Friedensvertrag von Ḥudaibiyya

Der Sieg in der Schlacht von Aḥzāb durch die Muslime, dazu einige weitere Schlachten in 6/627, die sie gewonnen hatten, Kriegsbeute, die sie unter sich teilten, sowie die Unterwerfung der Juden von Banū Quraiẓa erhöhten das Ansehen und die Macht des Islam in den Augen der Bevölkerung der arabischen Halbinsel in dem Maße, dass viele Stämme zu Muslimen wurden oder Friedensverträge mit den Muslimen unterzeichneten. [61] Es war ein günstiger Zeitpunkt für den Propheten (s.) den Menschen in Mekka die Pracht und Herrlichkeit des Islam zu zeigen und sie zum Islam zu rufen.

Im Monat Ḏu al-Qa'da des 6. Jahres nach der Hidschra (Auswanderung nach Medina), es war der 6. April 628 n. Chr., brach der Prophet (s.) zusammen mit 1500 Muslimen aus Medina nach Mekka auf, um die ʿUmra (Wallfahrt) durchzuführen. Als die Quraisch sich dessen bewusst wurden, bereiteten sie sich vor, um die Ankunft der Muslime in Mekka zu verhindern. Zunächst schickten sie Ḫālid ibn Walīd und ʿAkrama ibn Abī Ğahl zu ihnen, um sie von der Wallfahrt abzuhalten. Der Prophet (s.) erreichte jedoch gemeinsam mit den Muslimen den Ort Ḥudaibiyya, der den Beginn des Ḥaram (des heiligen Landes) markierte. Er schickte eine Botschaft an die Mekkaner, um ihnen mitzuteilen, dass sie zum Pilgern gekommen seien und nicht um Krieg zu führen. Die Quraisch lehnten zuerst ihren Antrag in Mekka einzutreten ab. Schließlich wurde ein Friedensvertrag zwischen den mekkanischen Vertretern und dem Propheten (s.) geschlossen. Vertragsgemäß durften sich beide Seiten in den kommenden zehn Jahren nicht bekämpfen. Doch in diesem Jahr wird Muḥammad zurückkehren müssen, ohne Mekka betreten zu haben. Aber im darauffolgenden Jahr sind die Quraisch verpflichtet, die Stadt für drei Tage zu verlassen und sie den Muslimen zum Pilgern zur Verfügung zu stellen. Ein anderer Teil des Vertragsdokumentes lautete folgendermaßen: Wenn ein Mekkaner zu Muḥammad (s.)überläuft, ist er für dessen Rückführung an die Mekkaner verpflichtet. Hingegen wenn jemand zu den Mekkanern überläuft, stehen die Mekkaner nicht in der Pflicht, ihn zu überantworten. Darüber hinaus wurde im Vertrag erwähnt, dass andere Stämme sich für ein Bündnis mit dem Propheten (s.) oder mit den Quraisch entscheiden konnten.[62] Der Vertrag könnte also gebrochen werden, wenn die Muslime oder die Quraisch gegen die Verbündeten ihres Gegenübers Krieg führen würden. Der Bruch dieses Vertragsdokumentes durch die Quraisch führte später zur Eroberung Mekkas.

Einige der Gefährten des Propheten (s.) ärgerten sich über den Text des Vertrages und sahen ihn als Herabsetzung der Muslime an, da sie dessen Bedeutung und Nutzen nicht verstehen konnten. Der Vertragsabschluss stellte aber in Wahrheit einen großen Sieg für die Muslime dar. Die Mekkaner hatten den Propheten (s.) und seine Gefährten bis dahin völlig ignoriert und sich in den Kopf gesetzt alle Muslime zu vernichten. Doch nun mussten sie mit der Unterzeichnung dieses Vertrages die Muslime offiziell anerkennen und mit ihnen gleichberechtigt umgehen.[63]

Kurze Zeit nach der Vertragsunterzeichnung wurde ein Mekkaner, der Muslim geworden und nach Medina geflohen war, gemäß dem Vertrag nach Mekka zurückgebracht. Er floh jedoch unterwegs, aber statt nach Medina zurückzukehren, versteckte er sich an einem Ort, der sich auf dem Weg nach Syrien befand und als Handelsweg zwischen Mekka und Syrien fungierte. Allmählich gesellten sich weitere muslimische mekkanische Flüchtlinge zu ihm und wurden zu einer Bedrohung für die Handelskarawanen der Quraisch, die nach Syrien aufbrachen. Um die Gefahr abzuwenden, baten die Quraisch den Propheten (s.) sie nach Medina zurückzurufen. Das war der Schlüssel für die Rückführung der Flüchtlinge.

Aufruf an die Herrscher der Nachbarländer zum Islam

Nach dem Friedensvertrag von Ḥudaibiyya, beschloss der Prophet (s.) Herrscher und Könige der Nachbarländer zum Islam aufzurufen. Also schrieb er Briefe an den oströmischen Kaiser, den König von Persien, den König von Abessinien (Äthiopien), den Ghassanidenkönig von Syrien und an den Emir von al-Yamāma.[64]

Pilgerfahrt nach Mekka

In Ḏu al-Qa'da 7/629 brach der Prophet (s.) nach Mekka zur Pilgerfahrt auf, wie es im Friedensvertrag von Ḥudaibiyya vereinbart worden war. Die glorreiche Ankunft des Propheten (s.) und der Muslime in der Masğid al-Ḥarām (der Geweihten Moschee, die als berühmteste und heiligste Moschee im Islam bezeichnet wird), die Ausführung der ʿUmra (Wallfahrt), die Herrlichkeit ihrer Rituale und der große Respekt, den die Muslime dem Propheten (s.) zollten, hielten auch die Quraisch für großartig. Es wurde ihnen klar, dass sie keine Macht mehr haben dem Propheten (s.) zu widerstehen. Diejenigen, die klug waren, erkannten, dass das frühere System zusammenbrach und eine neue Tür für das Volk geöffnet wurde. Deshalb eilten zwei ihrer Oberhäupter, Ḫālid ibn Walīd und ʿAmr ibn ʿĀṣ, nach Medina und wurden Muslime.[65]

Die Eroberung Mekkas

Hauptartikel: Eroberung Mekkas

Gemäß dem Friedensvertrag von Ḥudaibiyya stand es allen Stämmen zu, sich entweder mit den Muslimen oder den Quraisch zu verbünden. Der Stamm der Ḫuzāʿa verbündete sich mit dem Propheten (s.) und der von Banū Bakr vereinigte sich mit den Quraisch. Im Jahre 8 nach der Hidschra kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Banū Bakr und den Ḫuzāʿa. Die Quraisch unterstützten die Banū Bakr in diesem Kampf. Somit hatten die Quraisch den Ḥudaibiyya-Friedensvertrag gebrochen, da sie gegen einen der Verbündeten des Propheten (s.) gekämpft hatten. Abū Sufyān erkannte sofort, dass eine solche Vertragsverletzung Konsequenzen mit sich ziehen würde und eilte daher nach Medina, um den Vertrag zu erneuern, aber er schaffte es nicht.

Im Monat Ramaḍān 8/629 brach der Prophet (s.) mit 10.000 Muslimen nach Mekka auf. Er begann seine Reise, als niemand davon wusste. Nachdem sie in Marr al-Ẓahrān angekommen waren, verließ ʿAbbās, der Onkel des Propheten (s.), nachts sein Zelt und suchte einige Mekkaner auf, um den Quraisch die Nachricht der baldigen Ankunft des Propheten (s.) in Mekka zusammen mit einer großen Armee zu übermitteln. Die Quraisch sollten zum Propheten (s.) kommen, sonst würde er in Mekka eintreffen und dies könnte zu einer Schlacht führen. Doch plötzlich traf ʿAbbās auf Abū Sufyān, er beherbergte ihn und brachte ihn dann zum Propheten (s.). Abū Sufyān wurde Muslim. Am nächsten Tag befahl der Prophet (s.) seinem Onkel, Abū Sufyān zu einem Ort zu führen, an dem er die große Armee des Propheten (s.) sehen konnte. Als Abū Sufyān die große Zahl der Muslime sah, sagte er zu ʿAbbās: "Das Königreich deines Neffen ist gewachsen!" ʿAbbās sagte: "Das ist das Prophetentum, nicht das Königreich!" Abū Sufyān antwortete: "Ja, in der Tat!" Dann ging ʿAbbās zum Propheten (s.) und sagte zu ihm: "Abū Sufyān ist einer, der Privilegien haben will." Der Prophet (s.) sprach: "Jeder (von den Mekkanern), der in sein Haus geht und seine Tür schließt, wird sicher sein. Auch jeder, der in Abū Sufyāns Haus untergebracht ist, wird sicher sein. Jeder, der die Geweihte Moschee (Masğid al-Ḥarām) betritt, wird ebenfalls in Sicherheit sein." Die große Menge an Muslimen erreichte Mekka. Ibn Hischam gibt von Ibn Isḥāq wieder, dass Saʿd ibn ʿUbāda, das Oberhaupt des Stammes der Chazradsch, der an diesem Tag zusammen mit den Muslimen in Mekka angekommen war, sagte: "Heute ist der Tag des Massakers! Heute ist der Tag der Respektlosigkeit und der Verletzung der Heiligkeit." Er wollte sich damit an den Familien der Quraisch und der ʿAdnānī rächen. Um ein Missverständnis zu vermeiden, dass der islamische Sieg eine Form von Stammesrache wäre, sagte der Prophet (s.) zu ʿAlī (a.): "Nimm die Flagge von Saʿd ibn ʿUbāda, denn heute ist der Tag der Barmherzigkeit". Es gab keinen Streit zwischen den Mekkanern und den Muslimen bis auf etwas Ärger in der Stadt. Der Prophet (s.) ging zur Geweihten Moschee und umkreiste die Kaʿba (das Haus Gottes) siebenmal, blieb dann vor ihrer Tür stehen und sagte: "Es gibt keinen Gott außer Allah, Er hat keinen Partner. Wahr ist seine Verheißung, und er hilft seinem Diener und besiegt Feinde allein."

Die Menschen ließen von jedem Stammesanspruch ab, außer den Positionen, der Kaʿba zu dienen und den Pilgern Wasser zu geben. Der Prophet (s.) hielt sich zwei Wochen in Mekka auf und kümmerte sich um einige Angelegenheiten, die in Ordnung gebracht werden mussten. Ein Bereich, um den er sich auch kümmerte, war die Entsendung von Beauftragten in das Gebiet um Mekka herum. Es sollten die Götzenhäuser und die Götzenbilder, die sich in der Kaʿba befanden, zerstört werden. Die edle Art und Weise, wie der Prophet (s.) die Mekkaner behandelte, zeigte die Herrlichkeit und die Pracht des Islam und die Großzügigkeit des Propheten (s.) gegenüber den früheren Gegnern des Islam. Die Quraisch, die zwanzig Jahre lang den Propheten (s.) und seine Anhänger in jeder nur erdenklichen Weise schikaniert hatten, fürchteten die Strafe, der sie möglicherweise ausgesetzt sein würden. Als sie hörten, dass der Prophet (s.) sie befreit hatte, entschlossen sie sich gegen die Ungläubigen zu kämpfen, anstatt sich dem Islam zu widersetzen.[66]

Die Schlachten nach der Eroberung Mekkas

Die Schlacht von Ḥunain

Hauptartikel: Schlacht von Ḥunain

Nicht weniger als 15 Tage nach der Ankunft des Propheten (s.) in Mekka verbündeten sich einige Großfamilien von der arabischen Halbinsel, die noch nicht Muslime geworden waren, gegen ihn. Der Prophet (s.) verliess Mekka mit einer großen Armee. Als sie an dem Ort Ḥunain ankamen, schoss der Feind, der ihnen in den umliegenden Tälern aufgelauert hatte, mit Pfeilen auf sie. Der Angriff war so intensiv, dass sich die Muslime zurückziehen mussten, nur wenige Soldaten blieben da noch standfest. Sie kehrten jedoch wieder, griffen den Feind an und besiegten ihn.[67]

Die Schlacht von Tabūk

Hauptartikel: Schlacht von Tabūk

Zu den wichtigsten Ereignissen des Jahres 9/630 gehört die Schlacht von Tabūk. Der Prophet (s.) wurde informiert, dass das Byzantinische Reich eine große Armee in Balqāʾ aufgestellt hatte, um die Muslime zu überfallen. Da der Sommer jedoch extrem heiß und die Zeit der Ernte gekommen war, wollten die Menschen lieber zu Hause bleiben. Auch die Schatzkammer war fast leer. Einige sagten: "Es ist Sommer und es ist heiß! Zieht doch nicht in dieser Hitze aus!". Das sind diejenigen, die im Koran bitter verurteilt wurden:

"Sie sprachen: «Zieht nicht in der Hitze aus!» Sprich: «Das Feuer der Hölle ist noch viel heißer!» Hätten sie doch nur Verstand!" (Koran, 9:81)

Die Anzahl der muslimischen Armee betrug 30.000 Soldaten.[68] Das war die höchste Anzahl, nicht nur in allen Schlachten des Propheten (s.), sondern auch auf der ganzen arabischen Halbinsel. Vor diesem Krieg befahl der Prophet (s.) ʿAlī (a.) in Medina zu bleiben und sich um seine (s.) Angelegenheiten zu kümmern. Die Heuchler nutzten diese Gelegenheit aus und sagten, dass der Prophet (s.) nicht wolle, dass ʿAlī ihn auf dieser Reise begleite. Als ʿAlī (a.) sich darüber beim Propheten (s.) beschwerte, sagte dieser (s.) zu ihm: "Ich habe dich zu meinem Stellvertreter ernannt, denn du bist für mich wie Aaron für Mose, nur dass es keinen Propheten mehr nach mir gibt." (Sehen Sie: Ḥadīṯ Manzila). Die Armee litt auf dem Weg dorthin extremen Durst und als sie schliesslich in Tabūk ankam, wurde ihr mitgeteilt, dass die Nachricht über die Byzantinier falsch gewesen war. So kehrten sie ohne Konflikt zurück. Die Schlacht von Tabūk wird als die letzte Konfrontation (oder letzter Versuch) zwischen den Muslimen und den Nicht-Muslimen zu Lebzeiten des Propheten (s.) angesehen.

Sanat al-Wufūd

Hauptartikel: Sanat al-Wufūd

Nach der Eroberung Mekkas verbreitete sich der Islam auf der gesamten arabischen Halbinsel. Die meisten Stämme sandten ihre Vertreter zu dem Propheten (s.), um ihn über ihre Bekehrung zum Islam und ihren Gehorsam ihm gegenüber zu informieren. Die Vertreter wurden in Medina vom Propheten (s.) empfangen. Diese Zeit wurde später als Sanat al-Wufūd (Jahr der Delegationen / Versammlungen) bezeichnet.[69]

In 9/630 schloss der Prophet (s.) einen Vertrag mit den Christen der Nadschran, (Sehen Sie: Mubāhala (Selbstverfluchungsordal)). Er ging anschließend auf Pilgerfahrt. Auf der Rückreise an dem Ort Ġadīr Ḫum kündigte er an, dass ʿAlī ibn Abī Ṭālib (a.) nach ihm der Vormund der Muslime werden sollte.

Letzte Pilgerfahrt des Propheten (s.) nach Mekka

Hauptartikel: Abschiedspilgerfahrt

Der Prophet (s.) begab sich auf seine letzte Pilgerfahrt in Ḏu al-Qa'da, (10/Februar 632). Auf dieser Reise lehrte er den Menschen die Regelungen und Bestimmungen der Pilgerfahrt (Hadsch). Die Quraisch hatten sich bereits in der Zeit der Unwissenheit mit besonderen Privilegien ausgestattet. Darunter ist zu erwähnen, dass sie es als ihre Privilegien betrachteten, den Schlüssel zur Kaʿba zu verwalten, die Pilger zu bewirten und ihnen Wasser zu trinken zu geben. Außerdem genossen sie das Vorrecht die Rituale der Pilgerfahrt anders als andere durchzuführen. Auf dieser Abschiedspilgerfahrt schaffte der Prophet (s.) die Dinge ab, die die Quraisch als ihr Privileg betrachtet und es den anderen vorenthalten hatten. Zu diesen Sonderrechten gehörte auch, dass die für die Pilgerfahrt benötigte saubere Kleidung nur bei den Quraisch gekauft werden sollte. Wenn sie einer Person diese Kleidung nicht verkaufen, müsste sie die Kaʿba nackt umrunden. Ein weiteres abgeschafftes Privileg war, dass die Quraisch den Lauf von Muzdalifa verrichteten und nicht von ʿArafāt, wie es alle anderen Pilger taten. Sie erachteten das als ihre Ehre. Der Koran schaffte aber dieses Privileg durch die Offenbarung des folgenden Verses ab:

"Verrichtet dann von dort den Lauf, wo ihn die anderen verrichten, ..." (Koran, 2:199)

Die Muslime sahen, dass Muḥammad (s.), der selbst von den Quraisch stammte, den Lauf von ʿArafāt verrichtete. Auf dieser Reise kündigte der Prophet (s.) den Menschen an: "Oh Leute! Ich weiß nicht, ob ich im nächsten Jahr noch am Leben bin. Ich vergesse all das Blut, das in der Zeit der Unwissenheit vergossen wurde (Ich bin nicht rachsüchtig). Es ist euch verboten, euer Blut gegenseitig zu vergießen und euren Besitz gegenseitig zu plündern, bis ihr Gott begegnet."

Ereignis von Ġadīr

Hauptartikel: Ereignis von Ġadīr

In der Region Ğuḥfa, in der sich die Völker Ägyptens, Hidschaz und des Irak aufteilten, befand sich der Ort "Ġadīr Ḫum" (Ghadir Chum). Auf der Rückkehr von der Abschiedspilgerfahrt erhielt der Prophet (s.) an diesem Ort den Befehl, ʿAlī (a.) als seinen Nachfolger einzusetzen, damit die muslimische Gemeinschaft auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet wird, bevor sie sich in verschiedene Richtungen aufteilte. In der riesigen Menge der Muslime, die sich auf 90.000-100.000 belief, sagte der Prophet (s.):

“Jedermann, dessen Vormund ich bin, dessen Vormund ist ʿAlī (a.). O Gott! Sei der Freund und der Beschützer derjenigen, die sich mit ʿAlī (a.) anfreunden und mich als seinen Beschützer betrachten und sei der Freund jener, die ʿAlīs Freunde sind und der Feind derjenigen, die ihm feindlich gesonnen sind. Und hilf einem jeden, der ʿAlī unterstützt und erniedrige den, der ʿAlī (a.) schmäht. Diejenigen, die hier zugegen sind, sollen diese Botschaft an diejenigen weiterleiten, die nicht zugegen sind.“

Nach der Rückkehr von der Abschiedspilgerfahrt, als die Herrlichkeit des Islam ihren Höhepunkt erreichte, wurde der Prophet (s.) krank. Trotz seiner Krankheit bereitete er eine Armee angeführt von Usāma ibn Zaid vor, um die Niederlage der Muslime in der Schlacht von Muta zu vergelten. Doch bevor diese Armee in den Kampf zog verstarb der Prophet (s.) und verließ diese Welt, um seinem Herrn zu begegnen. Er starb zu einer Zeit, als er die Einheit auf der gesamten arabischen Halbinsel hergestellt und den Islam vor die Tore der beiden großen Reiche Byzantinien und Iran gebracht hatte.

Ableben

Hauptartikel: Ableben des Propheten (s.)

Anfang des Jahres 11/632 wurde der Prophet (s.) krank und starb. Vor seinem Ableben hielt er eine Abschiedsrede und riet den Muslimen freundlich miteinander umzugehen. Er sagte: "Falls ich in jemandes Schuld stehe, soll er zu mir kommen oder er soll mir vergeben. Falls ich jemanden verärgert habe, bin ich bereit als Vergeltung bestraft zu werden."[70]

Der Prophet (s.) starb am 28. Ṣafar 11 nach der Hidschra (632 n. Chr.) im Alter von 63 Jahren. Es wird in der Nahğ al-Balāġa (Buch) erwähnt, dass im Augenblick des Todes das Haupt des Propheten (s.) auf ʿAlīs (a.) Brust lag.[71]

Zum Zeitpunkt seines Todes lebte keines seiner Kinder mehr außer Fatima (a.). Die anderen Kinder waren schon gestorben darunter Ibrāhīm, der ein oder zwei Jahre vor dem Ableben des Propheten (s.) geboren war. ʿAlī (a.) führte die rituelle Vollkörperreinigung des Verstorbenen mit Hilfe einiger Personen aus seiner Familie durch, umhüllte seinen Körper mit einem Leichentuch und setzte ihn in seinem Haus bei. Das Haus des Propheten (s.) befindet sich heute in der Prophetenmoschee.

Nachfolgeschaft

Hauptartikel: Ereignis von Saqīfa Banī Sāʿida und Ereignis von Ġadīr

Während ʿAlī (a.) und die Banu Haschim die rituelle Vollkörperreinigung des Propheten (s.) gemäß der islamischen Tradition durchführten, stritten einige einflussreiche Muslime von den Helfern (Ansar) und drei Personen von den Auswanderern (Muhadschirin) an dem Ort Saqīfa Banī Sāʿida um seine Nachfolge, unabhängig davon, was der Prophet (s.) nur zwei Monate vor seinem Tod gesagt hatte. (Sehen Sie: Ereignis von Ġadīr). Sie wollten so schnell wie möglich einen Führer für die muslimische Gemeinde bestimmen. Ein Streit brach darüber aus. Am Ende leisteten sie Abū Bakr die Treue.[72]

Persönlichkeit und Tugenden des Propheten (s.)

Guter Ruf

Der Prophet (s.) lebte vierzig Jahre lang unter den Leuten, bevor er zum Prophetentum berufen wurde. Während dieser Zeit zeigte sein Charakter keine Anzeichen von schlechten Eigenschaften. Er war bekannt für Ehrlichkeit und Vertrauenswürdigkeit. Danach, als er die Botschaft Gottes überbrachte, bezichtigten ihn die Leugner nicht der Lüge, sondern sie verwarfen die Koranverse . Darauf wurde auch im Koran hingewiesen: "... Doch nicht dich erklären sie zum Lügner, sondern die Frevler bestreiten die Zeichen Gottes." (Koran, 6:33). Weiterhin wurde von Abu Dschahl zitiert: "Wir verleugnen dich nicht, sondern wir streiten diese Verse ab".[73] Als der Prophet (s.) den Quraisch die Botschaft Gottes übermitteln wollte, fragte er sie zuerst: "Würdet ihr mir glauben, wenn ich euch mitteilen würde, dass sich feindliche Truppen hinter diesem Berg befinden?" Das Publikum sagte: "Ja, du hast uns noch nie angelogen". Der Prophet (s.) sagte dann weiter, dass er von Gott gesandt wurde, um sie zu warnen.[74]

Zusätzlich zu seiner ehrenhaften Vergangenheit spielten auch sein angesehener Stamm und seine gute Familie eine entscheidende Rolle für den Status und den Erfolg des Propheten (s.). Die Quraisch wurden immer als ein würdevoller und bedeutender Stamm unter den Arabern angesehen. Dieses veranlasste andere Stämme, die Überlegenheit der Quraisch anzuerkennen und ihnen zum größten Teil zu gehorchen. Weiterhin waren die Vorfahren des Propheten (s.) wie (Quṣayy ibn Kilāb, Haschim und ʿAbd al-Muṭṭalib) ehrbare und angesehene Persönlichkeiten unter den Arabern.

Damals hatte die arabische Gemeinschaft nur begrenzte kulturelle Beziehungen zu anderen Regionen. Dies veranlasste sie stolz auf ihre Abstammung zu sein. Sie waren voreingenommen gegenüber anderen Völkern und verleugneten alles, was die anderen sagten, mit der Begründung, dass sie nicht arabischer Abstammung wären. Folgender koranische Vers deutet wahrscheinlich auf diese Tatsache hin: "Hätten wir ihn auf einen Nichtaraber herabgesandt, und hätte er ihn dann vorgetragen, dann hätten sie nicht an ihn geglaubt." (Koran, 26:198-199)[75]

Da der Islam zuerst den Arabern vorgestellt wurde, war es ein Vorteil für den Propheten (s.), ein Gesandter aus ihrer Mitte zu sein. Dieses Thema wurde auch im Koran erwähnt.[76]

Verhalten

Der makellose Charakter bzw. das Verhalten (Aḫlāq) des Propheten (s.) wird als seine hervorragendste Eigenschaft bezeichnet. Der Koran spricht diesbezüglich: "Und du verfügst wahrlich über großartige Tugenden." (Koran, 68:4)

Es wird über ihn gesagt, dass er sehr ruhig war und nur sprach, wenn es unbedingt notwendig war. Er öffnete dabei den Mund nur wenig. Ein Lächeln zeigte sich ständig auf seinem Gesicht, aber er lachte nie laut. Er liebte die Sauberkeit und den Duft von Parfüm. Wenn er irgendwo vorbeiging, erkannten die Menschen ihn an seinem Wohlgeruch, ohne ihn gesehen zu haben. Er war nie arrogant und lebte ein einfaches Leben. Er saß immer auf dem Boden, wenn er sein Essen zu sich nahm. Er aß nie übermäßig viel und blieb bei vielen Gelegenheiten hungrig, besonders bei seiner Ankunft in Medina. Allerdings führte er nie ein völlig asketisches Leben, wie es Mönche taten. Er selbst sagte, dass er vom Wohl dieser Welt profitiere. Sein Verhalten gegenüber den Muslimen und denen eines anderen Glaubens war anmutig und ritterlich. Sein Verhalten bewunderten die Muslime, so dass sie über Generationen hinweg über jede Einzelheit von ihm sprachen. Auch heute nehmen sie sich ihn zum vollkommenen Vorbild für ihr Leben.[77]

Imam ʿAlī (a.) sagte Folgendes zu dem Verhalten des Propheten (s.): "Jeder, der ihn zum ersten Mal traf, hatte Respekt vor ihm. Jeder, der ihn näher kennenlernte, empfand sehr viel für ihn".[78] "Der Prophet (s.) sah seine Gefährten als gleichberechtigt an".[79] "Wenn er jemandem die Hand schüttelte, zog er nie zuerst seine Hand zurück".[80]

Der Prophet(s.)sprach mit jeder Person entsprechend ihrem Intellekt und Verständnis.[81] Er war bekannt für die Vergebung derer, die ihm Unrecht getan hatten,[82] sogar so weit, dass er Wahschi, dem Mörder seines Onkels und Abu Sufyan, dem Erzfeind des Islam, verzieh.

Frömmigkeit

Der Prophet (s.) hatte eine starke Selbstdisziplin und war sehr fromm. Die einfachen kleinen Lehmräume, die sich neben der Moschee befanden, gehörten seinen Frauen. Ihre Dächer waren aus Palmenholz und ihre Vorhänge aus Ziegen- und Kamelhaar gewebt. Er benutzte ein Kissen und eine Ledermatratze, die mit Palmblättern gefüllt war. Sein Unterhemd bestand aus einem groben kratzigen Stoff und sein Gewand aus Kamelhaar, wohingegen er nach der Schlacht von Ḥunain 4000 Kamele, mehr als 40.000 Schafe und eine große Menge Gold und Silber an die verschiedensten Menschen verschenkte.

Sein Essen war noch einfacher als sein Haus und seine Kleidung. Es vergingen manchmal Monate, in denen für die Zubereitung der Speisen kein Feuer in seinem Haus angezündet wurde. Seine Grundnahrung bestand aus Datteln und Gerstenbrot. Er aß sich nie an zwei aufeinander folgenden Tagen satt, noch aß er zweimal am Tag bis zur Sättigung. Es gab viele Nächte, in denen er und seine Familie hungrig schliefen gingen. Einmal brachte ihm seine Tochter, Fatima (a.), Gerstenbrot und sagte: "Ich habe Brot gebacken und dachte, ich müsste dir welches bringen." Er aß es und sagte zu ihr: "Das ist das Einzige, das dein Vater in den letzten drei Tagen gegessen hat." Einmal aß er Datteln im Garten eines Ansar und sagte: "Das ist der vierte Tag, an dem ich nichts gegessen habe." Manchmal band er sich wegen seines großen Hungers einen Stein vor den Bauch, um den Hunger und die dadurch entstehenden Geräusche zu mildern.[83]

Organisation und Ordnung

Der Prophet (s.) war sehr organisiert in seinem Leben. Nach dem Bau der Moschee beschriftete er jede Säule in der Moschee und wies jeder dieser Säulen eine Aufgabe zu; z.B. die Säule für Wufūd, an der Delegationen und Versammlungen stattfanden, die Säule für Tahağğud, der Platz für das Nachtgebet etc.[84] Er richtete die Linien für das Gemeinschaftsgebet so gerade an, dass es so aussah, als würde er Holzstäbe anordnen. Einmal sagte er: "O Diener Gottes! Richtet eure Linien gerade ein, sonst wird Uneinigkeit zwischen euch eintreten."[85] Er war auch sehr organisiert hinsichtlich der Zeitplanung. Seine Zeit war in drei Abschnitte unterteilt: Einen für die Anbetung Gottes, einen für persönliche Aktivitäten und einen für Aktivitäten mit den Menschen.[86]

Er schaute immer in den Spiegel, um sein Haar zu ordnen und zu kämmen. Er war in der Tat nicht nur gut gepflegt vor seiner Familie, sondern auch vor seinen Gefährten.[87] Er achtete auf sein Aussehen sogar während der Reise und trug immer fünf Dinge bei sich: Einen Spiegel, Kajal, einen Kamm, eine Bürste und eine Schere.[88]

Das Schriftunkundigsein

Im Koran wird der Prophet (s.) als "Ummi" bezeichnet. Jemand, der des Lesens und Schreibens unkundig war. "Und nie zuvor hast du in einem Buch gelesen, noch konntest du eines mit deiner Rechten schreiben; sonst hätten die Verleugner daran gezweifelt." (Koran, 29:48).

Das bedeutet, dass der Prophet (s.) vor der Offenbarung weder lesen noch schreiben konnte.[89]

Einige Überlieferungen des Propheten (s.)

  • Ein Gläubiger sollte nicht satt am Essen sein, während sein Nachbar hungrig ist.[90]
  • Die Gläubigen sollen niemanden überfallen, um ihn zu töten.[91]
  • Der Glaube wird nicht ohne Taten akzeptiert, und auch nicht das Handeln ohne Glauben.[92]
  • Ohne drei Dinge wird es einem in seiner Arbeit an nichts gelingen: Gottesfürchtigkeit, um ihn davon abzuhalten Sünden zu begehen, Menschen nachsichtig und mit Geduld behandeln, ungezogene Menschen meiden.[93]
  • Sei geduldig mit den Menschen, damit auch du mit Nachsicht behandelt wirst.[94]
  • Es gibt drei Arten von Menschen, die der Religion schaden: sündige Weise, tyrannische Führer und ignorante Rechtsgelehrte.[95]
  • Die am meisten gehasste, aber zulässige Handlung bei Gott ist die Scheidung.[96]
  • Seid mit den Armen befreundet, denn sie haben am Tag des Gerichts die Oberhand.[97]
  • Die Besten in den Augen Gottes sind diejenigen, die bessere Manieren haben.[98]
  • Die beliebtesten Diener vor Gott sind diejenigen, die den Dienern Gottes am meisten nützen.[99]
  • Das Beste von euch ist das Beste für eure Frauen.[100]

Position des Propheten (s.) in den schiitischen Überzeugungen

In der schiitischen Gedankenwelt ist Muḥammad (s.) ein Prophet und Gesandter und das Siegel der Propheten (Ḫātim al-Nabīyyīn (der letzte Prophet)). Er ist einer der fünf großen Propheten, welcher der Menschheit von Gott eine edle Religion brachte. Er ist der erste von 14 Unfehlbaren (a.) und war nicht nur unfehlbar beim Empfangen und der Verkündigung der Offenbarung, sondern in allen Aspekten seines Lebens. Von ihm wurden viele Wunder berichtet, das größte davon ist der Qurʾān (Koran).

Überlieferungssammlungen des Propheten (s.)

Nach Ansicht der schiitischen Denkschule werden die Überlieferungen der Zwölf Imame der Schiiten (a.) genauso angesehen wie die Überlieferungen des Propheten (s.) . In dieser Hinsicht gibt es keinen Unterschied, ob die Überlieferungen vom Propheten (s.) oder von den unfehlbaren Imamen stammen, da sich die Zwölf Imame der Schiiten den Propheten (s.) als Vorbild genommen haben und es diesbezüglich keinen Konflikt gibt. Kutub al-Arbaʿa, das aus vier Büchern al-Kāfī, al-Tahḏīb, Man lā yaḥḍuruh al-faqīh und al-Istibṣār besteht und als Hauptquellen der schiitischen Gelehrten bezeichnet werden, trennen die Überlieferungen des Propheten (s.) und der unfehlbaren Imame (a.) voneinander nicht.

Allerdings gibt es bestimmte Quellen, wo nur die Überlieferungen des Propheten (s.) gesammelt oder spezielle Kapitel seinen Überlieferungen gewidmet sind. Darunter sind zu nennen:

Fußnoten

  1. Āyatī, Tārīḫ payāmbar Islam, S. 42.
  2. Mağlisī, Biḥār al-anwār, B. 15, S. 117.
  3. Ṭabarsī, Aʿlām al-warā b aʿlām al-hudā, B. 1, S. 43.
  4. Muqaddasī, Bāz pažūhī tārīḫ wilādat wa šahādat maʿṣūmān, S. 91.
  5. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 37.
  6. Āyatī, Tārīḫ payāmbar Islam, S. 43.
  7. Muḥammad ibn Yaʿqūb al-Kulainī, al-Kāfī, B. 1, S. 439; Ibn Šahr Āšūb, Manāqib, B. 1, S. 172; ʿĀmilī, al-Ṣaḥīḥ min al-sīra al-nabī al-aʿẓam, B. 2, S. 68.
  8. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 37.
  9. Āyatī, Tārīḫ payāmbar Islam, S. 42.
  10. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 37-38.
  11. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 38.
  12. Ibn Hišām, B. 1, S. 141-142.
  13. Sīra ibn Isḥāq, Muḥammad Ḥamīdallāh, S. 59; Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 39.
  14. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 39-40.
  15. Āyatī, Tārīḫ payāmbar Islam, S. 56-60.
  16. Āyatī, Tārīḫ payāmbar Islam, S. 60-61.
  17. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 40.
  18. Āyatī, Tārīḫ payāmbar Islam, S. 67.
  19. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 41.
  20. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 41.
  21. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 41.
  22. Ibn Hišām, B. 1, S. 262.
  23. Ibn Hišām, B. 1, S. 264-266.
  24. Ibn Hišām, B. 1, S. 281-282.
  25. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 41-44.
  26. Sīra ibn Isḥāq S. 127; Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 44.
  27. Tārīḫ al-rusul wa al-mulūk, B. 3, S. 1172; Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 44.
  28. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 44.
  29. Sīra ibn Hišām, B. 1, S. 279; Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 45.
  30. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 49.
  31. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 51-52.
  32. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 53.
  33. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 53.
  34. Ibn Hišām, B. 2, ab Seite 60; Ṭabarī, B. 2, S. 344-346.
  35. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 56.
  36. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 56-59.
  37. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 59.
  38. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 59-60.
  39. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 60.
  40. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 60-63.
  41. Ibn Hišām, B. 2, S. 150-153.
  42. Ibn Hišām, B. 2, ab Seite 147.
  43. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 67-68.
  44. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 68.
  45. Sehen Sie auch die Sure 22, Vers 78; Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 68-69.
  46. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 69-71.
  47. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 72.
  48. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 73.
  49. Wāqidī, B. 1, ab Seite 19.
  50. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 75.
  51. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 79-80.
  52. Ṭabarī, B. 2, S. 538-555
  53. Wāqidī, B. 1, ab Seite 363.
  54. Wāqidī, B. 1, S. 402-404; Ibn Hišām, B. 3, S. 224.
  55. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 86-87.
  56. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 87-88.
  57. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 90.
  58. Ibn Hišām, B. 3, ab Seite 302.
  59. Wāqidī, B. 2, ab Seite 633; Ṭabarī, B. 3, ab Seite 9.
  60. Āyatī, Tārīḫ payāmbar Islam, S. 410-411.
  61. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 90.
  62. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 90-91.
  63. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 91.
  64. Ṭabarī, B. 2, ab Seite 644.
  65. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 92.
  66. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 94-95.
  67. Wāqidī, B. 2, ab Seite 885.
  68. Wāqidī, B. 2, S. 996; Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 97.
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  72. Šahīdī, Tārīḫ taḥlīlī Islam, S. 106-107.
  73. Mağmaʿ al-bayān, B. 3, S. 294.
  74. Ibn Hišām, Sīra, B. 1.
  75. Sehen Sie dazu auch die Sure 41 Vers 44.
  76. Sure 9, Vers 128; Sure 3, Vers 164.
  77. Die große islamische Enzyklopädie, der Artikel "Islam"
  78. Qadi Ayyad, Al-Šifāʾ bi taʿrīf-i ḥuqūq al-Muṣṭafā, B. 1, S. 150; Yaʿqūb ibn sifyan, al-Maʿrifa wa al-tārīḫ, B. 3, S. 283.
  79. Mağlisī, Muḥammad Bāqir, Biḥār al-anwār, B. 16, S. 260; al-Mīzān fī tafsīr al-Qurʾān, B. 6, S. 332.
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  81. Mağlisī, Muḥammad Bāqir, Biḥār al-anwār, B. 16, S. 287.
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  91. Pāyandeh, Nahğ al-faṣāḥa, S. 683, Nr. 2550.
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Quellen

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