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Entwurf:Magie

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Magie (arabisch: سِحر / Sihr) ist eine außergewöhnliche Handlung um Menschen, Gegenstände oder Angelegenheiten zu kontrollieren. Schiitische Rechtsgelehrte sind sich einig, dass Anwendung, Erlernen, Lehren und Annahme von Vergütung für Magie verboten (Haram) sind. Moralphilosophen betrachten sie zudem als große Sünde. In Überlieferungen der Imame (a.) wird Magie mit Unglauben gleichgesetzt und ihre Ausübung verboten. Einigen Koran-Exegeten zufolge gibt es laut dem Koran zwei Arten von Magie: Manche Magie ist eingebildet und ohne Realität; aber es gibt auch Magie mit reale Auswirkungen wie zum Beispiel Trennung von Männern von ihren Ehefrauen.

Muslimische Gelehrte unterscheiden zwischen Magie und Wunder: Ein Wunder geht mit dem Anspruch auf Prophetentum einher und erfordert, da durch Macht und Willen Gottes vollbracht, keine vorherige Übung. Im Gegensatz zur Magie die nicht mit dem Anspruch auf Prophetentum einhergehen kann und zudem Übung und Wissen erfordert. Einige Rechtsgelehrte halten das Erlernen von Magie zur Abwehr dessen schädlicher Wirkungen oder zur Diskreditierung falscher Propheten für zulässig (Mubah) oder gar für gesellschaftliche Pflicht. Uneinigkeit herrscht außerdem darüber ob Magie nur durch Gebet und Koran neutralisiert werden kann oder ob Magie auch durch Magie selbst neutralisiert werden darf. Das Strafmaß für Magie ist laut Fatwa der Rechtsgelehrten durch den Richter festgelegt Tazir. Ist er jedoch Muslim und hält Magie gar für erlaubt (halal), gelten für ihn die Regeln und Gesetze der Apostasie. Wird jemand durch Magie getötet sehen einige Rechtsgelehrte Vergeltung und Blutgeld als Strafmaß für den Mörder an, während andere diese Regel ablehnen.

Position der Zauberrei/Magie

In Sprach-Wörterbüchern der Sprache wird Magie wie folgt definiert: „Besitz natürlicher und übernatürlicher Kräfte durch Rezitieren von Zaubersprüchen und geheimnisvollen Ritualen sowie Übernahme der Kontrolle von Personen, Gegenständen und Angelegenheiten.“[1]

Im Koran[2] und Überlieferungen [3] wird Magie erwähnt. Exegeten[4] und Überlieferung-Spezialisten (Muhaddith) [5] behandelten sie ebenfalls im Zusammenhang mit Versen und Überlieferungen zur Zauberei behandelt. Die Zauberei ist auch Gegenstand der Rechtswissenschaft und Juristen diskutierten über ihre Zulässigkeit oder Unzulässigkeit[6], Bestrafung des Zauberers[7] und andere damit zusammenhängende Themen[8].

Vorläufer

Laut Tafsir Nemune lässt sich nicht mit Sicherheit sagen wann die Magie ihren Anfang nahm und sich verbreitete. Man kann lediglich feststellen, dass sie seit uralten Zeiten verbreitet war.[9] In einer Überlieferung von Imam Hasan al-Askari (a.) heißt es, dass Magie und Zauberei seit der Zeit des Propheten Noah (a.) weit verbreitet war.[10]

Unterschied zwischen Wunder und Magie

Hauptartikel: Wunder (persisch: معجزه)

Eine der Eigenschaften, die Propheten im Laufe der Geschichte und insbesondere Prophet Muhammad (s.) zugeschrieben wurden, ist Magie.[11] Aber muslimische Gelehrte akzeptieren dies nicht und weisen auf einige Unterschiede zwischen Magie und Wundern hin:
  • Magie und Wunder zeigen beide Wirkungen. Wunder sind jedoch wahr, Magie hingegen falsch. Wunder dienen der Besserung und Erziehung. Magie hingegen ist ziellos oder verfolgt oberflächliche und wertlose Ziele.[12]
  • Magie beruht auf menschlichen Fähigkeiten. Aus diesem Grund vollbringen Magier außergewöhnliche Taten, die üben mussten. Wunder hingegen sind Angelegenheit Gottes und Propheten vollbrachten die Taten in dem Moment als die Menschen dies von ihnen verlangten.[13]
  • Ein Wunder geht mit dem Anspruch auf Prophezeiung einher! Ein Magier kann jedoch nicht behaupten ein Prophet zu sein, denn die Weisheit Gottes verbietet es jedem fälschlicherweise zu behaupten ein Prophet zu sein und wenn er es doch tut wird er in Ungnade fallen.[14]

Bestätigung der Existenz von Magie im Koran

Die Autoren von Tafsir Nemune unterteilten nach der Untersuchung von etwa 51 Verwendungen der Vokabel „Sihr“ (Deutsch: Magie bzw. Zauberei) im Koran diesen aus der Perspektive des Korans in zwei allgemeine Abschnitte unterteilt:

  1. Zauberei ist Täuschung, Betrug und Verführung und hat keine Wahrheit wie in Vers 66 der Sure Taha heißt. [Anmerkung 1] und Vers 116 der Sure Araf [Anmerkung 2]
  2. Zauberei, die wahr ist und tatsächlich funktioniert; wie zum Beispiel im Vers 102 der Sure Al-Baqara, der sich auf die Wirkung der Magie bei Trennung eines Mannes und seiner Ehefrau bezieht.[15]

Hauptartikel: Zaubervers

In der Koran-Exegese (Tafsir Quran) wird der Vers 102 der Sure Al-Baqara die Geschichte zweier Engel namens Harut und Marut erzählt, die zur Zeit von Prophet Salomon in Menschengestalt unter das Volk der Israeliten kamen. Aufgrund der weit verbreiteten Magie und damit einhergehenden Spaltungen lehrten sie die Menschen sich vor Magie zu schützen. Laut diesem Vers wiesen sie die Angesprochenen an diese Methoden ausschließlich für den rechten Weg und Verteidigung gegen Magie anzuwenden. Dies war eine Prüfung für sie, jedoch begingen sie Unrecht indem sie die Magie anwendeten.[16]

Sakuni überlieferte von Imam Sadiq (a.s.) und er überlieferte von Imam Muhammad Baqir (a.), dass Prophet Muhammad (s.) zu einer Frau sagte, die ihn fragte: "Mein Mann ist jähzornig und ich verzauberte ihn, um ihn zu mir zu ziehen." "Wehe dir! Du verfinsterste das Wasser der Meere und schwärzest den Schlamm und die Engel des Himmels und der Erde verfluchten dich."

Scheich as-Saduq, Man la yahduruh al-faqih (Buch), 1367 AH, vol. 5, p. 95.

Muhammad ibn Ya'qub al-Kulaini überlieferte eine Überlieferung von Imam Sadiq (a.) in der dieser jemandem der sein Leben lang Magie praktizierte und dies nun bereut und um Wiedergutmachung bittet rät dieses Wissen zu nutzen, um vor Magie zu schützen.[17] Allama al-Majlisi schloss aus dieser Überlieferung, dass es erlaubt ist Magie zu erlernen um sich davor zu schützen.[18] Eine weitere Überlieferung wird von Imam Ali (a.) überliefert in der er das Erlernen von Magie als Unglauben beschreibt und sagt, dass die rechtmäßige Strafe für denjenigen, der Magie praktiziert und nicht bereut die Todesstrafe ist.[19] Ibn Idris Hilli überliefert ebenfalls eine Überlieferung von Imam Sadiq (a.), derzufolge jemand zu ihm ging und ihn nach dem islamischen Gesetz fragte, wenn er jemanden aufsucht der ihm den Ort gestohlener Gegenstände mitteilte. Imam Sadiq antwortete darauf mit einer Überlieferung von Prophet Muhammad (s.), die besagt, dass jeder der einen Wahrsager oder Magier aufsucht und dessen Worten glaubt an das von Gott offenbarte nicht glaubt.[20]

Wege des Schutzes vor Magie

Allama al-Majlisi sammelte in seinem Werk Bihar al-Anwar Überlieferungen unter dem Titel „Bittgebete gegen Magie und bösen Blick“.[21] Auch in „Tab al-A'immah“ finden sich Überlieferungen unter dem Titel „Amulette zur Abwehr von Magie“.[22] So lehrte beispielsweise Imam Ali (a.) auf Bitten einiger Gefährten ein Bittgebet und riet ihnen es auf ein Hirschfell zu schreiben und bei sich zu tragen.[23] Es wird außerdem vom Propheten (Friede sei mit ihm) überliefert, dass jeder der Magie oder Satan fürchtet den Vers 54 der Sure al-A'raf rezitieren soll.[24]

Eigenschaften der Magie, islamisch-juristische Definition und Beispiele

Beispiel einer Schrift über Zauber und Magie

Die Ansichten von Juristen hinsichtlich der Definition und des Wesens der Magie gehen auseinander. Einige gehen davon aus, dass sie eine äußere Realität besitzt, andere glauben, dass Magie keine äußere Realität hat und wieder andere sagen es ist unmöglich eine definitive Aussage darüber zu treffen, ob sie real oder imaginär ist:

Eigenschaften der Magie

Scheich at-Tusi und Shahid Thani gehen davon aus, dass Magie eine externe Realität besitzt.[25] Sayyid Abu al-Qasim Khoei hingegen erklärt Magie ist die Besessenheit der Sinne und Vorstellungskraft des Verzauberten und hat keine externe Realität.[26] Laut Shahid Awwal teilen die meisten Gelehrten diese Ansicht.[27] Muhaqqaq al-Karaki ist der Ansicht, dass es nicht möglich ist eine definitive Aussage darüber zu treffen, ob Magie imaginär oder real ist.[28]

Definition von Magie und Beispiele

Laut Mullah Ahmad Naraqi ist es nicht möglich in den Aussagen von Rechtsgelehrten eine Definition von Magie zu finden, die alle ihre Dimensionen umfasst.[29] Er betrachtet den Brauch als Bezugspunkt für das Verständnis des Begriffs Magie und sagt, dass Magie im Sinne des Brauchs etwas Verborgenes ist und nicht auf gewöhnliche Weise auftritt.[30] Allama Hilli definierte Magie als Schreiben, Sprechen oder Handeln, das indirekt auf Körper, Herz oder Geist des Verzauberten einwirkt.[31] Diese Magie kann zu Mord, Krankheit, Trennung von Ehemann und Ehefrau sowie zur Entstehung von Liebe oder Hass in einem Menschen führen.[32] Auch Sayyid Ruhollah Khomeini vertritt dieselbe Definition von Magie.[33] Shahid awwal fügte zu den magischen Gegenständen auch die Verwendung von Dschinn, Satan und Engel für etwas nicht sichtbares hinzu oder Heilung von Krankheiten mittels Geisterbeschwörung und Sprechen mit ihnen, Enthüllen der unbekannten Eigenschaften verschiedener Substanzen und Talismane.[34]

Muhammad ibn Hassan Hilli versteht unter Magie die Ausführung außergewöhnlicher Handlungen mit innerer und physischer Kraft, mithilfe von Himmelskörpern, durch Verbindung himmlischer und irdischer Kräfte oder durch Anrufung einfacher Geister.[35] Seyyid Mohammad Reza Golpayegani hingegen definiert Magie als jede Handlung mit ungewöhnlichen und wundersamen Wirkungen, unabhängig davon ob sie Auswirkungen auf den Körper des Betroffenen hat oder nicht, ob es sich bei dem Betroffenen um ein Tier, Mensch oder Gegenstand handelt. Beispiele hierfür sind Schütteln eines Baumes, Verursachen von Erschütterungen an Decke und Wänden oder Anhalten von Wasser ohne sich auf greifbare Faktoren oder religiöse Überlieferungen wie Verse und Gebete zu stützen, wie sie von den Unfehlbaren überliefert wurden.[36] Aus moralischer Sicht werden außergewöhnliche Taten die als Folge der Reinigung der Seele oder Askese vollbracht werden nicht als Magie betrachtet.[37]

Nutzen der Magie erlaubt oder verboten?

Unter Mujtahids ist es verboten (Haram) Magie auf andere auszuüben, Magie zu erlernen und zu lehren sowie dafür Lohn anzunehmen.[38] In ethischen Schriften wird Magie auch als große Sünde betrachtet.[39] Laut Sayyid Abdul Hossein Dastghayb liegt der Grund dafür, dass diese Sünde als große in Überlieferungen beschrieben wird. In diesem Zusammenhang zitiert er eine Überlieferung von Imam Sadiq (a.), der Magie als eine der großen Sünden beschreibt.[40]

Unter bestimmten Umständen vertreten einige Rechtsgelehrte jedoch eine andere Auffassung. So hält beispielsweise eine Gruppe von Rechtsgelehrten den Einsatz von Magie zum Schutz vor Magie für zulässig.[41] Muhammad Hasan Najafi erklärte, dass das Erlernen von Magie an sich unproblematisch ist, da es in Notfällen notwendig sein kann.[42] Schahid Awwal und Schahid Thani hingegen vertraten die Ansicht, dass Erlernen von Magie eine kollektive Pflicht ist wenn es dazu dient einen Lügner oder falschen Propheten zu entlarven.[43] Autor von Jawaher führte aus, dass Magie durch den Koran, Bittegebete und Gedenken (Dhikr) neutralisiert werden kann.[44]

Strafmaß für Magie

Nach Fatwa schiitischer Rechtsgelehrter gilt ein Magier, der ein Ungläubiger ist, ein Strafmaß vom Richter bemessen (Tazir)[45] ist er jedoch Muslim und hält Magie für zulässig, wird er als Apostat gewertet und entsprechend den Gesetzen der Apostasie gerichtet.[46] Hält er Magie nicht für zulässig, so sind einige der Ansicht, dass er gemäß der festgelegte Strafe für Magie (Hadd Sihr) verurteilt wird, also Todesstrafe[47]. Einige andere Rechtsgelehrten lehnen diese Todesstrafe jedoch ab.[48]

Töten durch Magie

Fatwas der Rechtsgelehrten bezüglich Töten durch Magie gehen auseinander: Laut Fatwa von Scheich at-Tusi gibt es bei Töten durch Magie weder Vergeltung noch Blutgeld (Diya insan).[49] Muhaqq Hilli hingegen bekräftigt die Möglichkeit, dass Magie real ist und somit Blutgeld und Vergeltung gerechtfertigt sind.[50] Allama Hilli[51] und Schahid Thani[52] sehen Blutgeld als abhängig vom Geständnis des Magiers: Gesteht dieser Magie in Absicht des Tötens angewendet zu haben ist Vergeltung anwendbar.[53] Imam Khomeini zufolge liegt Mord vor wenn die tödliche Wirkung der Magie nachgewiesen ist und der Magier die Absicht zu töten hatte. Andernfalls handelt es sich um vorsätzlichen Todschlag (persisch: قتل شبه عمد). Wenn es sich bei der Magie um eine Art mit typischerweise tödlicher Wirkung handelt, wird es ebenfalls als vorsätzlichen Mord gewertet.[54]

Fußnoten

Anmerkungen

  1. فَإِذا حِبالُهُمْ وَ عِصِيُّهُمْ يُخَيَّلُ إِلَيْهِ مِنْ سِحْرِهِمْ أَنَّها تَسْعى‏
    Und sogleich kamen ihm ihre Stricke und Stöcke durch ihre Zauberei so vor, als ob sie sich rasch bewegten.
  2. فَلَمَّا أَلْقَوْا سَحَرُوا أَعْيُنَ النَّاسِ وَ اسْتَرْهَبُوهُمْ
    Und als sie warfen, bezauberten sie die Augen der Leute und versetzten sie in Furcht und brachten einen gewaltigen Zauber hervor.