Entwurf:Ibn Taymiyya
Ahmad b. Abd al-Halim, bekannt als Ibn Taymiyya al-Harrani (661–728 n.H./1263–1328 n. Chr.), war ein hanbalitischer Gelehrter und ein salafitischer Theoretiker, der oft kontroverse und konsenswidrige Ansichten vertrat und aufgrunddessen öfters inhaftiert wurde. Einiger seiner Überzeugungen und Rechtssprüche, die sowohl bei schiitischen als auch sunnitischen Gelehrten auf Widerstand stießen sind, unter anderem, die Einstufung des Grabbesuches als religiöse Neuerung (Bid'a), eine wörtliche Auslegung der göttlichen Attribute und die Verurteilung bestimmter muslimischer Gruppen wie der Schiiten, Sufis und Philosophen als Ungläubige.
Ibn Taymiyya verfasste zahlreiche Werke zu Themen wie Koranexegese, Glaubenslehre und islamisches Recht. Wichtige Schriften, darunter „Minhaj as-Sunnah an-Nabawiyya“, eine Widerlegung von Alamah al-Hillis Werk „Minhaj al-Karama“, „al-Aqidat al-Hamawiyyat al-Kubra“, eine Antwort auf theologische Fragen bezüglich Gott und seine Attribute, sowie „an-Nusus ala al-Fusus“, eine Kritik an den Ideen von Ibn al-Arabi. Er lehnte jegliche Auslegung (Ta'wil) oder Gleichsetzung (Tashbih) der Koranverse ab und erklärte das Mittlungsstreben (um Fürbitte zu bitten), indem man Gott beschwört oder Ihn durch Vermittlung des Propheten bittet, als unzulässig. Zudem definierte er Unglauben (Kufr) als Leugnung fundamentaler Glaubensgrundsätze, notwendiger durch tawatur, also durch häufig überlieferte religiöse Urteile (bzw. Regeln) oder bei Leugnung der durch Konsens festgelegten Gesetze. Auf dieser Grundlage erklärte er philosophische Schulen wie die Jahamiya, Batiniyya, die Ismailiten sowie die Zwölferschiiten und Qadariten zu Ungläubigen. Auch hielt er den Besuch von Gräbern für eine Neuerung, dazu lehnte er die Verfluchung von Yazid ibn Muawiyya ab.
Während Ibn Taymiyya die Liebe zu den Mitgliedern der Prophetenfamilie (Ahl al-Bait) als Pflicht ansah und deren Beschimpfung oder Verfluchung als ungerecht bezeichnete, machte er Zugeständnisse hinsichtlich der Kritik an manchen Prophetengefährten (Sahaba). Dennoch betrachtete er deren Gerechtigkeit als grundlegende Glaubenswahrheit und definierte die Leugnung dieser Gerechtigkeit als Unglaube. Auffällig war jedoch seine scharfe Kritik an schiitischen Gemeinschaften, die er als Ursprung vieler Unruhen in der islamischen Welt ansah. Er hielt den Kampf gegen Gruppierungen wie dieNusairier, Ismailiten, Qarmaten und Drusen für verpflichtend.
Ibn Tayymiya wird von vielen als ideologischer Wegbereiter des Wahhabismus angesehen, dessen Gedanken großen Einfluss bei der Entstehung extremistischer Gruppierungen wie der ISIS oder den Taliban hatten. Die Meinungen über seine Person sind stark gespalten: Während einige sunnitische Gelehrte ihn als "Scheich al-Islam" rühmen, werfen ihm andere muslimische Gelehrte Extremismus und Abweichung vom Konsens (Ijma) der islamischen Gemeinschaft vor. Zahlreiche Schriften wurden zur Widerlegung Ibn Taymiyyas Ansichten verfasst.
Biografie
Ahmad ibn Abd al-Halim, bekannt als Ibn Taymiyya, ein Gelehrter der hanbalitischen Rechtsschule, wurde im Jahr 661 n.H. in Harran (einer Region zwischen Mossul und Scham) geboren.[1] Aufgrund der Angriffe der Mongolen wanderte seine Familie, als er sechs Jahre alt war, nach Damaskus aus. Bereits mit 17 Jahren erhielt er dort seine Qualifikation als Mudjtahid.[2] Ibn Taymiyya studierte die damals üblichen Wissenschaften wie Fiqh (islamische Rechtslehre), Usul (Methodenlehre), Hadith, Theologie, Koranexegese, Philosophie und Mathematik, dazu hatte er Kenntnisse über andere Religionen, insbesondere über das Judentum.[3]
Ibn Taymiyas Ruhm gründet sich auf seine Ausdruckskraft, seine Härte in Diskussionen mit den Widersachern ,[4] seine Ablehnung gegenüber den Gelehrten seiner Zeit, seinen furchtlosen Umgang mit Herrschern sowie auf seiner Teilnahme an politischen, gesellschaftlichen und militärischen Aktivitäten. Zudem war er für seine Strenge bei der Durchsetzung des Prinzips das Gute gebieten und das Verwerfliche verwehren bekannt.[5]
Nachdem Ibn Taymiyya das Amt des Scheich al Hanabila in Damaskus übernommen hatte, verfasste er Werke wie das Kitab al-Aqidah al-Hamawiyyah al-Kubra, was zu Kritik unter Gelehrten und in der Bevölkerung führte.[6] Seine Auseinandersetzungen und Debatten mit verschiedenen religiösen Gruppierungen hielten an, bis er im Jahr 705 n.H. nach Ägypten gerufen wurde. Dort kam er aufgrund angeblicher ideologischer Abweichungen ins Gefängnis. Nach seiner Freilassung blieb er in Ägypten und verbreitete weiterhin seine Ansichten, was dazu führte, dass er mehrmals inhaftiert wurde.[7]
Im Jahr 713 n.H. kehrte Ibn Taymiyya zusammen mit Sultan al-Malik al-Nasir, der gegen den mongolischen Angriff zog, nach Damaskus zurück. Dort widmete er sich erneut der Missionierung und des Unterrichts. Während seiner Jahre in Damaskus führte die Auseinandersetzung mit den Gelehrten anderer Rechtsschulen auch hier dazu, dass er mehrfach festgenommen wurde, bevor er im Jahr 728 n.H. im Gefängnis der Burg von Damaskus verstarb.[8]
Lehrer, Schüler und Hintergründe
Während seines Aufenthalts in Damaskus studierte Ibn Taymiyya bei Gelehrten wie Madschd b. Asakir, Ibn Abd ad-Da'im, Qasim al-Arbili, Scharaf ad-Din Ahmad b. Ni'ma Maqdisi und andere.[9] Seine Qualifikation als Mudjtahid erhielt er von seinem Lehrer Scharaf ad-Din Ahmad ibn Na’ma al-Maqdisi.[10]
Zu seinen Schülern gehören bekannte Persönlichkeiten wie Ibn Kathir, der Autor von al-Bidaya wa an-Nihaya,[11] Abu-l-Hajaj al-Mizzi, der Verfasser von Tahdhib al-Kamal,[12] sowie Ibn Qayyim al-Jawziya.[13]
Schriften
Ibn Taymiyya verfasste zahlreiche Werke in verschiedenen Bereichen der islamischen Wissenschaften. In dem Buch Fawat al-Wafayat listet Ibn Schakir seine Bücher und Abhandlungen thematisch in Kategorien wie Exegese, Theologie, Fiqh, Usul und Fatwas auf.[14] Ebenso wurden seine Werke im Buch „Asma' Mu'allafat Scheich al-Islam Ibn Taymiyya“ von Ibn Qayyim al-Jawziya gesammelt und thematisch geordnet.[15] Einige seiner bedeutendsten Werke sind:
- Das Buch „Minhaj as-Sunna an-Nabawiyya“ wurde im Jahr 705 n.H. verfasst, als Kritik an das Werk „Minhaj al-Karama“ von al-Hilli.[16] Zahlreiche Schriften wurden entweder zu seiner Unterstützung oder zur Widerlegung dessen veröffentlicht.[17] Gelehrte aus den Reihen der Ahl as-Sunna, auch Salafisten, sowie Imamitische und Zaiditische Schiiten schrieben Werke gegen „Minhāj as-Sunna“.[18] Aufgrund der Aussagen in diesem Buch wurde Ibn Taimiyya vorgeworfen ein Nassibi (Gegner der Schiiten) zu sein.[19]
- Das Werk „al-ʿAqīda al-Hamawiyya al-Kubrā“ wurde als Antwort auf theologische Fragen über Gott und seine Attribute geschrieben und rief zahlreiche Kontroversen unter den Gelehrten der islamischen Rechtsschulen hervor.[20] Ibn Taymiyya lehnte die kalām-Wissenschaft ab, da er der Ansicht war, dass diese wie die aristotelische Philosophie zur Irrlehre und Apostasie führe.[21] In diesem Buch kritisiert er auch viele Ansichten der Aschariten und bezeichnet sie als schwach und unbegründet.[22]
- Al-Hisba fi-l-Islām: enthält einige von Ibn Taimiyyas wirtschaftlichen Ansichten.
- As-Siyasa asch-Scharʿiyya li-islāh ar-Rāʿi wa-r-Raʿiyya: wurde in Ägypten verfasst und behandelt Themen wie Herrschaft, Imamat und Regierung.
- Al-ʿAqīda al-Wāsitiyya: handelt von grundlegenden Glaubensfragen. Dieses Werk löste viele theologische Debatten aus und führte letztlich zur Gefangennahme Ibn Taimiyyas.
- An-Nusūs ʿala-l-Fusūs: richtet sich gegen die Ideen von Ibn Arabi im Buch „Fusūs al-Hikam“.[23]
Eine 37-bändige Sammlung unter dem Titel „Mağmūʿat al-Fatāwā“ stellt ein bedeutendes Werk dar, das viele von Ibn Taimiyyas Schriften umfasst. Es wird jedoch berichtet, dass diese Sammlung nicht alle seiner Werke enthält, da eine vollständige Liste seiner Schriften nie systematisch zusammengestellt wurde.[24]
Gedanken und Ansichten
Die Gedankengänge und Ansichten Ibn Taymiyyas weichen in vielen Aspekten von den Meinungen und Rechtsgutachten der sunnitischen Gelehrten ab. Einige dieser divergierenden Ansichten umfassen:
Theologische und dogmatische Standpunkte
Ibn Taymiyya vertrat die Auffassung, dass der Prophet Muhammad (s.) alle Grundlagen der Religion klar definiert habe, jedoch die Theologen mit ihren rationalen Argumenten die Menschen von den prophetischen Lehren entfernen würden.[25] Obwohl er die Kalam-Wissenschaft (islamische Theologie) ablehnte, äußerte er selbst einige theologische Ansichten, die von vielen islamischen Gelehrten kritisiert wurden. Dazu gehören folgende Positionen:
- Wortwörtliche Deutung der Attribute Gottes: In seiner Abhandlung "al-ʿAqīda al-Ḥamawiyya" lehnte Ibn Taymiyya jegliche metaphorische Auslegung (Taʾwīl) göttlicher Attribute ab, wie beispielsweise Gottes Sitz auf dem Thron oder seine Hände und sein Gesicht, und bestand darauf diese Attribute wörtlich zu verstehen. Er stellte sich gegen Interpretationen, Verneinungen, Vergleiche oder Ersetzungen und griff diejenigen an, die sich für metaphorische Deutungen einsetzten.[26] Trotz alledem erklärte Ibn Taymiyya, dass die genaue Natur dieser Attribute unbekannt sei. Einige Forscher meinen, dass dies ein Versuch war den Anschuldigungen bezüglich Anthropomorphismus (Gott in menschlicher Gestalt darzustellen) zu entgehen.[27] Im Gegensatz dazu legen viele islamische Gelehrte diese göttlichen Attribute aus.[28]
- Tawassul (Fürbitte): Ibn Taymiyya unterschied drei Formen von Tawassul: 1. Tawassul durch Gehorsam gegenüber dem Propheten (s.), den er als Vervollkommnung des Glaubens betrachtete; 2. Tawassul durch das Bittgebet oder die Fürsprache des Propheten während seines Lebens und am Tag des Jüngsten Gerichts; und 3. Tawassul durch die Beschwörung Gottes und seine Anrufung durch die Person des Propheten (s.). Während er die ersten beiden Formen akzeptierte, lehnte er die dritte Form ab und argumentierte, dass diese Methode nicht in den Praktiken der Prophetengefährten zu finden sei.[29]
- Takfir (Exkommunikation): Ibn Taymiyya vertrat die Ansicht, dass der Unglaube durch die Ablehnung grundlegender religiöser Prinzipen oder allgemein anerkannter religiöser Wahrheiten entstehen könne.[30] Er sprach vielen Einzelpersonen, Gruppen und Rechtsschulen den Glauben ab und hielt sie für außerhalb des Islams stehend. Dazu zählten Philosophen, die Jahmiyya, die Batiniyya, die Ismailiten, die Zwölfer-Schiiten und die Qadariyya.[31] Ebenso erklärte er diejenigen zu Ungläubigen, die Mittler zwischen sich und Gott setzen, diejenigen, die eine der Säulen des Islams wie das Gebet vernachlässigen, sowie jene, die den Konsens unter den Gelehrten (Ijma‘) oder eindeutige Überlieferungen ablehnen, sich den Ungläubigen ähnlich machen oder den Juden oder Christen. Auch das Anrufen von Heiligen wurde von ihm als Kufr betrachtet.[32]
- Grab- und Heiligtumsbesuche: Ibn Taymiyya lehnte den Besuch von Gräbern und heiligen Stätten sowie den Bau von Bauwerken an solchen Orten ab und bezeichnete diese Praktiken unter Berufung auf bestimmte Hadithe als Bidʿa (häretische Neuerung).[33] In seinem Werk "Minhaj as-Sunna" kritisierte er besonders schiitische Traditionen im Zusammenhang mit den Schreinen ihrer Imame.[34]
- Fluch gegen Yazid: Obwohl Ibn Taymiyya das Verfluchen der Mörder von Imam Husain (a.) für erlaubt hielt,[35] behauptete er, dass Yazids direkte Schuld am Tod Imam Husains (a.) nicht bewiesen sei.[36] Er könne lediglich einen tyrannischen Fasiq verfluchen,[37] doch Yazid sah er weder als klaren Tyrannen noch als Fasiq an;[38] daher betrachtete er dessen Verfluchung als unzulässig.[39]
Rechtliche Ansichten
Ibn Taymiyya folgte in der Rechtswissenschaft der hanbalitischen Schule, jedoch nahm er unabhängige Positionen ein, die teilweise von allen islamischen Rechtsschulen abwichen.[40] Er war bekannt für seine seltenen und ungewöhnlichen Fatwas, die häufig zu massiven Einwänden unter den Gelehrten und Rechtswissenschaftlern seiner Zeit führten und ihn wiederholt ins Gefängnis brachten.[41] Einige seiner außergewöhnlichen Fatwas umfassen folgende:
- Er zog keinen Unterschied zwischen kurzen und langen Reisen im Hinblick auf das Verkürzen des Gebets und stützte sich dabei auf die allgemeine Aussage des Verses 43 der Sure an-Nisaʾ sowie auf die Tradition des Propheten Muhammad (s).[42]
- Beim Scheidungsrecht vertrat er entgegen der Meinung anderer sunnitischer Gelehrter die Ansicht, dass die Scheidung mit der dreifachen Ausdrucksform (Talāq) nur als eine Scheidung angesehen wird und ein Schwur auf Scheidung nicht als vollzogene Scheidung gilt. Zudem lehnte er die Tahlil ab, bei der eine Frau absichtlich erneut heiratet, um anschließend ihrem ersten Ehemann rechtmäßig wieder gestattet zu werden, und bezeichnete dies als religiösen Trick.[43]
Herangehensweise bezüglich der Hadithe
Ibn Taymiyyas Herangehensweise bezüglich der Hadithe entsprach seiner allgemeinen Methode, dass Überliefertes (Naql) dem rationalen Denken (ʿAql) vorzuziehen ist. Er maß den Hadithen große Bedeutung bei und betrachtete ausschließlich Hadith-Gelehrte als fähig zur Bewertung religiöser Angelegenheiten, während er kritische Rationalisten scharf kritisierte.[44] Für ihn war die Vernunft nur dann gültig, wenn sie im Einklang mit den offenbarten Texten stand; daher wies er die Meinungen von Philosophen und Theologen zurück, die mit den religiösen Quellen in Konflikt gerieten. Ohne Bezug auf das Überlieferte hatte der Verstand für ihn keinerlei Wert oder Autorität.[45]
Obwohl Ibn Taymiyya großen Wert auf die Authentizität von Hadithen legte, soll er Berichten zufolge gelegentlich Überlieferungen verkürzt oder angepasst haben, wenn diese nicht seiner Sichtweise entsprachen.[46]
Interpretationsansatz
Sein Ansatz zur Koranexegese beruhte auf der wörtlichen Bedeutung des Korans und dazu der Rückgriff auf Überlieferungen. Ibn Taymiyya betrachtete es als unzulässig den Koran ohne Berücksichtigung der Hadithe zu interpretieren. Seine Methodik zur Exegese beschrieb er in seinem Werk "Muqaddima fī Uṣūl at-Tafsīr". Laut seiner Auffassung habe Prophet Muhammad (s) den gesamten Koran für seine Gefährten interpretiert, und diese Deutungen seien durch die nachfolgenden Generationen seiner Anhänger gesammelt worden. Bei Ibn Taymiyyas Methode wird der Koran zunächst durch den Koran selbst erklärt, anschließend durch die prophetische Tradition (Sunna); in deren Abwesenheit wird auf die Aussagen der Prophetengefährten und schließlich auf die Interpretationen der Nachkommen zurückgegriffen.[47]
Kritik an Philosophen
Ibn Taymiyya unterteilt die Philosophen in drei Gruppen:
- Die Dahriyya: Jene, die glauben, das Universum sei ewig und es gebe keinen Schöpfer oder Lenker dafür.
- Die Naturphilosophen: Personen, die ihren Fokus hauptsächlich auf die Naturwelt richten und die Wiederauferstehung leugnen.
- Die Theisten: Frühere Philosophen wie Platon, Aristoteles, al-Farabi und Avicenna, die an die Ewigkeit des Universums glauben.[48]
Darüber hinaus erklärt Ibn Taymiyya die Exkommunikation der Philosophen aus mehreren Gründen:
- Sie behaupten, dass Gott nicht erkannt werden kann, weil sie Gottes Attribute und Namen leugnen oder diese außer Acht lassen.
- Durch die Annahme der Ewigkeit der zehn Intellekte begehen sie Polytheismus im Sinne der Herrschaft Gottes.
- Sie vertreten die Ansicht, dass göttliche Verpflichtungen nicht bindend seien.
- Sie lehnen das Prophetentum ab.
- Sie leugnen die körperliche Wiederauferstehung.[49]
Politischer Ansatz
Der politische Ansatz Ibn Taymiyyas ist untrennbar mit seinen Überlegungen bezüglich der Rückständigkeit und Schwäche der islamischen Welt verbunden. Diese Probleme führt er zudem auf die Auflösung des Abbasiden-Kalifats zurück, die durch die Angriffe der Mongolen und Kreuzfahrer eingeleitet wurde. Beide Mächte hatten Teile der islamischen Gebiete besetzt. Ibn Taymiyya befand die Hauptursache für die Schwierigkeiten in der islamischen Gemeinschaft im Sektierertum und betrachtete den Verzicht darauf sowie den Dschihad als Ausweg aus der Stagnation der Muslime. Er war der Ansicht, dass der Dschihad über allen anderen islamischen Geboten und Praktiken, wie dem Gebet, Fasten und der Haddsch, stehe. Die wahre Tugend eines Muslims werde nicht im individuellen Askese- oder Frömmigkeitsstreben sichtbar, sondern im Dschihad. Nach seiner Auffassung sind jene, die am Dschihad teilnehmen, Sieger, selbst wenn sie als Märtyrer fallen. Wer sich jedoch nicht am Dschihad beteilige, werde aus seiner Sicht als Ungläubiger angesehen.[50]
Weitere Ansichten
Einige der bemerkenswerten Standpunkte Ibn Taymiyyas sind folgende:
Zur Ahl al-Bait (a. )
Ibn Taymiyya hält die Liebe zur Ahl al-Bait (a.) für eine Pflicht und erkannte ihre Führungsrolle an. Jede Form von Schmähung oder Verleumdung gegen sie betrachtete er als Unrecht.[51] Imam Ali (a.) hielt er nach den ersten drei Kalifen für den besten Muslim und beschrieb ihn als den gelehrtesten und ehrenwertesten unter den Ahl al-Bait (a.) nach dem Propheten Muhammad (s). Er schrieb Ali (a.) zahlreiche Tugenden wie Gerechtigkeitssinn, Askese und Aufrichtigkeit zu.[52] Zudem vertrat er die Meinung, dass Ali (a.) als Märtyrer starb und ins Paradies eintreten werde.[53] Allerdings betrachtete Ibn Taymiyya bestimmte Überlieferungen über die Vorzüge der Ahl al-Bait (a.) als zweifelhaft oder erfunden. Er war überzeugt, dass Imam Ali (a.) in 17 Fällen gegen den Wortlaut des Korans verstoßen habe und seine Kriege eher durch weltliche Macht- oder Führungsansprüche motiviert waren als durch religiöse Beweggründe.[54]
Hinsichtlich Imam Husains (a.) Märtyrertod vertrat Ibn Taymiyya die Ansicht, dass sein Aufstand weder weltliche noch spirituelle Vorteile gebracht habe. Er sah das Ereignis von Aschura als Ursache zahlreicher Konflikte innerhalb der islamischen Gemeinschaft und betrachtete es als einen Verstoß gegen die Vorgehensweise des Propheten Muhammads (s). Zudem sprach er Yazid von der Verantwortung für die Ermordung Imam Husains (a.) frei und behauptete, Husains Kopf sei nicht zu Yazid, sondern zu Ibn Ziyad gebracht worden.[55]
Gerechtigkeit der Sahaba
Ibn Taymiyya betrachtete sich selbst als Anhänger der frühen Gefährten des Propheten (s.) (salaf), ihrer Nachfolger (tabi’in) und der großen Hadith-Gelehrten. Für ihn verstand diese Generation aufgrund ihrer Nähe zum Propheten (s.) und ihrer Kenntnis vom Koran und von der Sunna die religiösen Texte besser als spätere Gelehrte oder Theologen.[56] Die Gerechtigkeit der Prophetengefährten betrachtete er als unumstößlich, und jeden, der dies leugne erklärte er zum Ungläubigen. Seinem Verständnis zufolge besteht die Eigenschaft ein Gefährte zu sein allein in der Begleitung des Propheten (s), wobei die Dauer dieser Begleitung keine Rolle spiele.[57]
Trotz seiner Überzeugung von der Gerechtigkeit der Prophetengefährten übte Ibn Taymiyya in bestimmten Fällen Kritik, selbst an den rechtgeleiteten Kalifen. Dennoch äußerte er in seinem Werk Al-Aqida al-Wasitiya die Opposition von Talhah und Zubair gegen Imam Ali (a.) und sagte, dass diejenigen, die die Rechtmäßigkeit der Kalifen anzweifeln schlimmer seien als Esel.[58] Ibn Taymiyya war auch der Meinung, dass die ersten beiden Kalifen in einigen Fällen gegen die Worte des Propheten (a.) handelten und eigenständig im Hinblick auf den Koran Urteile fällten. Er kritisierte den dritten Kalifen für dessen angebliche Neigung zu Reichtum und Besitzstreben.[59]
Über die Schiiten
Ibn Taymiyya betrachtete die Schiiten als Ursprung aller Unruhen in der islamischen Welt und hielt den Kampf gegen sie für wichtiger als gegen die Charidschiten oder Mongolen. Aufgrund dieser Überzeugung schloss er sich sogar freiwillig den Mongolen an, um gegen drusische Schiiten im Gebiet Kesrawan zu kämpfen.[60] Er unterteilte die Schiiten in drei Kategorien:
- Ghulat (Extremisten): Laut Ibn Taymiyya sind Gruppen wie die Nusayrier, Ismailiten, Qarmaten und Drusen ungläubig, und der Kampf gegen sie sei verpflichtend.[61]
- Zwölferschiiten: Er erklärte die Zwölferschiiten aufgrund bestimmter Überzeugungen, wie etwa der angeblichen Unvollständigkeit des Korans und des Abfalls der Gefährten des Propheten nach seinem Tod, als Ungläubige.[62]
- Zaiditen: Ibn Taymiyya betrachtete die Zaiditen als der sunnitischen Glaubensgemeinschaft am nächsten stehend.[63]
Er zog außerdem einen Vergleich zwischen Schiiten und Juden und führte dabei einige Ähnlichkeiten an, wie Abweichungen von der Qibla, das Nichtachten einer Wartezeit für Frauen nach der Scheidung oder dem Tod des Ehemannes, den Glauben an eine Pflicht von fünfzig Gebeten, das Verwenden des Grußes "as-sam alaykum" (Nieder mit euch) und Feindseligkeit gegenüber Gabriel.[64]
Einfluss auf salafistische Gruppen
Ibn Taymiyya gilt als führende Figur[65] und als Begründer des Salafismus[66] und wird als ideologische Grundlage für fundamentalistische Bewegungen sowie neu entstandene salafistische Dschihadgruppen[67] in der islamischen Gesellschaft angesehen [69]. Er wird oft auch als geistiger Vater des sunnitischen Extremismus betrachtet.[68] Er ist bekannt dafür, dass er der spritualle Vater des sunnitischen islamischen Extremismus ist.[69]
Gruppen wie der Wahhabismus, die Muslimbrüderschaft sowie der dschihadistische Salafismus beziehen sich auf diese salafistische Rechtsschule, die ihnen als Alternative zu den vier etablierten sunnitischen Rechtsschulen dient.[70] Die Gedankenwelt Ibn Taymiyyas fand in Organisationen wie den Taliban, Al-Qaida und ISIS eine Wiederbelebung.[71] Diese Gruppen sind durch die Breite ihrer Takfiri-Deklarationen unter den Muslimen als salafistische Takfiris bekannt geworden.[72]
Extremismus und Salafismus stützen sich ideologisch auf die Lehren Ibn Taymiyyas sowie seiner Nachfolger Muhammad b. Abd al-Wahhab, Abul-A'la Maududi und Sayyid Qutb[73] und führten bei ihrer Machtergreifung zur Tötung anderer Muslime[74] und zur Zerstörung von Heiligtümern der Ahl al-Bait (a.) und der Gefährten des Propheten (s.).[75]
Es wird angenommen, dass dieser religiöse Fundamentalismus gerade in Zeiten moderner Krisen mit Bezug auf Ibn Taymiyyas Fatwas und seinen besonderen Auslegungen religiöser Texte, die Muslime zum Extremismus treibt.[76]
Die Sicht anderer
Viele Gelehrte und Autoren innerhalb der sunnitischen Gemeinschaft äußerten sich zu Ibn Taymiyya unterschiedlich. Einige setzten ihn über die Imame der vier sunnitischen Rechtsschulen und verliehen ihm Ehrentitel wie Scheich al-Islam, Einziger seiner Zeit, Allamah, Gelehrter und Koranausleger.[77] Er wurde als der gelehrteste seiner Zeit in religiösen Wissenschaften[78] und als einer der größten Gelehrten[79] beschrieben. [Anmerkung 1] Jalal ad-Din as-Suyuti beschrieb ihn als Scheich al-Islam, als einen herausragenden Gelehrten und frommen Denker seiner Epoche.[80]
Andererseits warfen ihm viele sunnitische Gelehrte aufgrund seiner Ansichten und seltenen Fatwas offenkundig Ketzerei, Irreführung und Neuerung vor. 18 sunnitische Richter urteilten, dass Ibn Taymiyya wegen angeblicher Herabsetzung von Propheten als Ungläubiger zu betrachten sei.[81] al-Schokani berichtete, dass Muhammad al-Bukhari, ein hanafitischer Gelehrter, nicht nur Ibn Taymiyya des Unglaubens bezichtigte, sondern auch diejenigen für ungläubig erklärte, die Ibn Taymiyya als Scheich al-Islam ansahen.[82]
Es wurde berichtet, dass bestimmte Eigenschaften Ibn Taymiyyas zur negativen Bewertung seiner Persönlichkeit durch sunnitische Gelehrte beigetragen haben – darunter sein hitziges Auftreten, seine harsche Ausdrucksweise, seine Unhöflichkeit im Disput sowie seine Kritik an den früheren Generationen von Gelehrten.[83] Diese Haltung führte auch zu seiner Verhaftung durch Richter der vier sunnitischen Rechtsschulen sowie zu einem Verbot seiner Fatwa-Äußerungen.[84]
Bücher in Kritik an Ibn Taimiyya
Ibn Taimiyya geriet aufgrund seiner Fatwas und außergewöhnlichen Ansichten ins Zentrum der Kritik vieler Gelehrter der vier sunnitischen Rechtsschulen sowie schiitischer Gelehrter. Infolgedessen wurden zahlreiche Werke verfasst, die sich kritisch mit seinen Überzeugungen auseinandersetzen. Zu den wichtigsten Schriften, die seine Gedanken analysieren und widerlegen, gehören:
- Al-Durra al-Mudiyya fi al-Radd 'ala Ibn Taimiyya, geschrieben von Taqi ad-Din Ali ibn Abd al-Kafi as-Subki (gest. 756 H).
- Shifa’ al-Saqam fi Ziyarat Khair al-Anam, ebenfalls von Taqi ad-Din al-Subki, gestorben im Jahr 756 H.
- Naqd al-Ijtima wa-l-Iftiraq fi Masail al-Iman wa-l-Talaq, ein weiteres Werk von Subki.
- An-Nazar al-Muhaqqaq fi al-Hilf bi-Talaq al-Muʿallaq, ebenso verfasst von Subki, der 756 H verstarb.
- Al-Iʿtibar bi-Baqaʾ al-Jannah wa-l-Nar, erneut von Subki.
- Minhaj ash-Shariʿa fi al-Radd ʿala Ibn Taimiyya von Muhammad Mahdi Qazwini.
- Risala fi-al-Radd ʿala Ibn Taimiyya fi Masʾalat at-Talaq von Muhammad ibn Ali Mazni ad-Dimashqi (gest. 721 H).
- Risala fi-al-Radd ʿala Ibn Taimiyya fi Masʾalat az-Ziyara, ebenfalls von Mazni.
- At-Tuhfa al-Mukhtara fi-al-Radd ʿala Munkir az-Ziyara* von Umar ibn al-Yaman al-Maliki (gest. 734 H).
- Al-Abhath al-Jaliyya fi-al-Radd ʿala Ibn Taimiyya von Ahmad ibn Uthman at-Turkumani al-Hanafi (gest. 744 H).
- Al-Radd ʿala Ibn Taimiyya fi al-Iʿtiqadat von Muhammad ibn Ahmad Farghani ad-Dimashqi al-Hanafi (gest. 867 H).
- Al-Jawhar al-Munzam fi Ziyarat al-Qabr ash-Sharif an-Nabawi al-Mukarram von Ibn Hajar Haythami (gest. 974 H).
- Nazra fi Kitab Minhaj as-Sunna an-Nabawiyya von Allama Amini, ein Auszug aus seinem berühmten Werk «Al-Ghadir»; dieses Buch wurde separat veröffentlicht und widmet sich der Kritik an Ibn Taimiyyas Ansichten in dessen Minhaj as-Sunna.[85]
Kongresse und wissenschaftliche Veranstaltungen
Im Jahr 1408 n.H. wurde an der salafistischen Universität in Benares, Indien, ein Kongress zu Ehren von Ibn Taimiyya veranstaltet. Im Rahmen der Veranstaltung wurden etwa fünfzig Aufsätze präsentiert, die ihn vorstellten und lobten, welche später unter dem Titel «Buhuth an-Nadwa al-Alamiyya ʿan Schaikh al-Islam Ibn Taimiyya wa-Aʿmaluhu al-Khalida» veröffentlicht wurden. Darüber hinaus gab es auch verschiedene Symposien[86] und wissenschaftliche Diskussionen,[87] die sich kritisch mit Ibn Taimiyyas unterschiedlichen Ansichten auseinandersetzten.
Fußnoten
- ↑ Ibn Kathir, Al-Bidaya wa an-Nihaya, B.13, S.241
- ↑ Abdulhamid, Ibn Taymiyya Hayatuh wa Aqaiduh, S.56
- ↑ Zaryab, «Ibn Taymiyya», B.3, S.172
- ↑ Duchi, Manhaj Ibn Taymiyya fi at-Tauhid, S.29
- ↑ Zaryab, «Ibn Taymiyya», B.3, S.173, 177
- ↑ Ibn Kathir, Al-Bidaya wa an-Nihaya, B.13, S.343 & B.14, S.4
- ↑ Ibn Kathir, Al-Bidaya wa an-Nihaya, B.13, S.343 & B.14, S.38
- ↑ Ibn Kathir, Al-Bidaya wa an-Nihaya, B.13, S.343 & B.14, S.135
- ↑ Ibn Kathir, Al-Bidaya wa an-Nihaya, B.14, S.137-138; Ibn Schakir, Fawat al-Wafayat, B.1, S.74
- ↑ Badr ad-Din al-Aini, Aqd al-Juman, B.1, S.288
- ↑ Ibn Kathir, Al-Bidaya wa an-Nihaya, B.1, S.2
- ↑ Mazzi, Tahdhib al-Kamal, B.1, S.18
- ↑ Abu Zaid, Ibn Qayyim al-Jawziya: Hayatuh wa Atharuh, S.178
- ↑ Ibn Schakir, Fawat al-Wafayat, B.1, S.75-80
- ↑ Ibn Qayyim al-Jawziya, Asma' Mu'allafat Scheich al-Islam Ibn Taymiyya, 1403 n.H
- ↑ Bahrami, Bonyan Takfir, S.41
- ↑ Tabassi und Morawiji, «Guneschenassi Mawazi Athar MAktub Islami Raji' be Mawazi Ibn Taymiyya ...»
- ↑ Tabassi und Morawiji, «Guneschenassi Mawazi Athar MAktub Islami Raji' be Mawazi Ibn Taymiyya ...», S.9
- ↑ Tabassi und Morawiji, «Guneschenassi Mawazi Athar MAktub Islami Raji' be Mawazi Ibn Taymiyya ...», S.7-8
- ↑ Ibn Schakir, Fawat al-Wafayat, B.1, S.76
- ↑ Rawandi, Tarikh Ijtimaie Iran, B.10, S.202
- ↑ Majmue Maqalat Hamandischi Ziyarat, S.342
- ↑ Ibn Kathir, Al-Bidaya wa an-Nihaya, B.14, S.37
- ↑ Bori, “The Collection and Edition of Ibn Taymiyyah’s Works...” S. 52–54
- ↑ Ibn Taymiyya, Majmua al-Fatawa, B.1, S.160
- ↑ Ibn Taymiyya, Majmua al-Fatawa, B.1, S.45; Sobhani, Farhang Aqaid wa Mazahib Islami, B.1, S.21-22
- ↑ Zaryab, «Ibn Taymiyya», B.3, S.179
- ↑ Hilli, Kaschf al-Murad, S.296-297; Rizwani, Schia-Schinassi wa Pasokh be Schobahat, B.1, S.217
- ↑ Ibn Taymiyya, Majmua al-Fatawa, B.1, S.148-149
- ↑ Ibn Taymiyya, Majmua al-Fatawa, B.1, S.106
- ↑ Al-Masch'abi, Manhaj Ibn Taymiyya fi Mas'ala at-Takfir, S.351-463
- ↑ Rizwani, Wahhabian Takfiri, S.114-122
- ↑ Bukhari, Sahih al-Bukhari, B.2, S.88, Hadith.1330
- ↑ Ibn Taymiyya, Minhaj as-Sunna, B.1, S.131
- ↑ Ibn Taymiyya, Majmua al-Fatawa, B.4, S.478
- ↑ Ibn Taymiyya, Ra's al-Hussain, S.207
- ↑ Ibn Taymiyya, Minhaj as-Sunna, B.4, S.571
- ↑ Ibn Taymiyya, Minhaj as-Sunna, B.4, S.572
- ↑ Ibn Jozi, Ar-Radd ala al-Mut'assib al-Anid al-Mani' min Zamm Yazid, Anleitung, S.17
- ↑ Zaryab, «Ibn Taymiyya», B.3, S.172
- ↑ Zaryab, «Ibn Taymiyya», B.3, S.192
- ↑ Ibn Taymiyya, Majmua ar-Rassail wa al-Massail, B.1, S.243
- ↑ Ibn Taymiyya, Majmua al-Fatawa, B.3, S.79-80
- ↑ Zaryab, «Ibn Taymiyya», B.3, S.178
- ↑ Abu Zohra, Ibn Taymiyya Hayatuh wa Asruh, S.183-185
- ↑ Abdulhamid, Ibn Taymiyya fi Suratih al-haqiqiyya, S.13,67-72
- ↑ Khalil Barka, Ibn Taymiyya wa Jahudah fi at-Tafsir, S.127-140
- ↑ Al-Masch'abi, Manhaj Ibn Taymiyya fi Mas'ala at-Takfir, S.351-352
- ↑ Al-Masch'abi, Manhaj Ibn Taymiyya fi Mas'ala at-Takfir, S.353-363
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- ↑ Ibn Taymiyya, Minhaj as-Sunna, B.4, S.56
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- ↑ Mohiti und Farmanian, «Fiqh Salfiyay (Fiqh Ibn Taymiyya) Mazhabi Jadid dar Fiqh Ahl Sunnat», S.121
- ↑ Alipur und andere, «Ta'thir Andischehaye Ibn Taymiyya bar Khutu Fikri wa Khat Maschye Gruhaye Salafi-Takfiri», S.43
- ↑ Lotfi, «Barresi Ta'thirat Andische Ibn Taymiyaa bar Amalkard Salfiyya Jihadi», S.59
- ↑ Alipur und andere, «Ta'thir Andischehaye Ibn Taymiyya bar Khutu Fikri wa Khat Maschye Gruhaye Salafi-Takfiri», S.43
- ↑ Mohiti und Farmanian, «Fiqh Salfiyay (Fiqh Ibn Taymiyya) Mazhabi Jadid dar Fiqh Ahl Sunnat», S.125-126
- ↑ Alipur und andere, «Ta'thir Andischehaye Ibn Taymiyya bar Khutu Fikri wa Khat Maschye Gruhaye Salafi-Takfiri», S.43
- ↑ Purhassan und Saifi, «Taqabol Neo-Salaiha ba Schi'ayan wa Payamadhaye An bar Itihad Jahan Islam», S.17-18
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- ↑ Amin, Kaschf al-Irtiyab, S.52
- ↑ Alipur und andere, «Ta'thir Andischehaye Ibn Taymiyya bar Khutu Fikri wa Khat Maschye Gruhaye Salafi-Takfiri», S.43
- ↑ Ibn Schakir, Fawat al-Wafayat, B.1, S.74
- ↑ Hajwi, Al-Fikr as-Sami fi Tarikh al-Fiqh al-Islami, B.2, S.362
- ↑ Ibn Kathir, Al-Bidaya wa an-Nihaya, B.14, S.156
- ↑ Suyuti, Tabaqat al-Huffaz, S.520
- ↑ Baghdadi, Az-Zeyl ala Tabaqat al-Hanabala, B.4, S.401
- ↑ Schokani, Al-Badr at-Tali', B.2, S.363-364
- ↑ Hajwi, Al-Fikr as-Sami fi Tarikh al-Fiqh al-Islami, B.2, S.362
- ↑ ّIbn Abi Ya'la, Tabaqat al-Hanabala, B.4, S.394-401
- ↑ نگاهی گذرا به زندگی ابن تیمیه
- ↑ نشست نقد و بررسی «نظریه خلافت در آثار ابن تیمیه» برگزار شد; ابن تیمیه هیچ آوردهای برای اندیشه خلافت ندارد
- ↑ کرسی علمی ترویجی «بازخوانی انتقادی دلایل سلفیه در نکوهش علم کلام با تمرکز بر دیدگاه ابن تیمیه»
Quellenverzeichnis
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- نگاهی گذرا به زندگی ابن تیمیه, Datum des Eingangs: 6. Mihr 1392, Datum des Besuchs: 5. Aban 1404.
- نشست نقد و بررسی «نظریه خلافت در آثار ابن تیمیه» برگزار شد, Hawza News Agency, Datum des Eingangs: 10. Esfand 1395, Datum des Besuchs: 5. Aban 1404.
- ابن تیمیه هیچ آوردهای برای اندیشه خلافت ندارد, Ijtihad Network, Datum des Besuchs: 5 Aban 1404 n.i.S.
- کرسی علمی ترویجی «بازخوانی انتقادی دلایل سلفیه در نکوهش علم کلام با تمرکز بر دیدگاه ابن تیمیه», Nawab High Seminary, Veröffentlichungsdatum: 16. Januar 2023, Besuchsdatum: 5. November 2025.
- کرسی علمی ترویجی با عنوان " نقد و بررسی دیدگاه ابن تیمیه پیرامون شفاعت" , Shahid-Bahonar-Universität Kerman, Veröffentlichungsdatum: 17. November 2020, Besuchsdatum: 5. November 2025.
